Des Campers Glück, des Campers Leid
July 5, 2025 in Albania ⋅ ☀️ 36 °C
Nach einer schrecklichen Nacht im Brutofen versuchen wir am Morgen so schnell wie möglich ohne Frühstück loszufahren. Gelingt nicht ganz, weil wir erstmal bei der Besitzerin zu Kaffee und Gebäck antanzen müssen.
Wir sitzen an der langen Tafel und unterhalten uns eine Zeitlang.
Um 9:30 kommen wir dann los und planen ca. 350 km in den Norden nahe der Grenze zu Montenegro zu fahren.
Hier gibt es einen langen breiten Strand mit Dünen. Angeblich kann man hier über Nacht im angrenzenden Pinienwald übernachten.
Des Campers Glück
Wir fahren ca. 200 km über gut ausgebaute Landstraßen und kommen gut, bequem und schnell vorwärts.
Die Strecke führt über einen Gebirgspass in ein Tal im Binnenland, das sich in den Norden nach Tirana erstreckt.
Die Landschaft ist grandios. Gewaltige Gebirgslandschaften, Schluchten und Berggipfel verkürzen gefühlt die Reisezeit.
Im Cockpit bleibt es angenehm kühl, während die Temperatur draußen auf bis zu 38° ansteigt. Im Tal fahren wir an einem breiten Flußlauf entlang und durch endlose Orangen und Olivenplantagen.
Des Campers Leid:
Als wir uns Tirana nähern, wird die Fahrt zu einem Abenteuer.
Die Erlebnisse fangen damit an, dass Google versucht, uns auf eine Autobahn zu führen. Wir müssen auf eine Art Feldweg rechtwinklig abbiegen, der mit Schlaglöchern nur so übersät ist. Es gibt auch keine Ausschilderung. Wenn Fahrzeuge entgegen kommen, können wir den Schlaglöchern nicht ausweichen und müssen anhalten.
Als wir zur Autobahn kommen, stehen wir vor einem verschlossenen Gatter.
Das war wohl mal eine illegale Autobahnauffahrt. Das glänzende verzinkte Gatter wirkt neu und wurde wohl auch erst vor kurzem angebracht. Wenn hunderte von Fahrzeugen die illegale Auffahrt nutzen, denkt Google, dass das eine normale Auffahrt ist und baut es entsprechend ins System ein.
Wir müssen umdrehen und dürfen den 'Zubringer' mit der Mondoberfläche noch mal benutzen.
Dann im Raum Tirana nimmt das Übel seinen Lauf.
Keine Verkehrsregeln, keine weißen Markierungen. Eigentlich befinden wir uns auf einer vierspurigen Schnellstraße. Tankstellen, die über ein provisorisches Asphaltband mit der Schnellstraße verbunden sind. Zapfsäulen 3 m neben der Straße. Von der Zapfsäule wird ohne Vorwarnung direkt auf die rechte Spur gewechselt. Ist die Tankstelle voll und jemand möchte was kaufen, parkt man halb auf dem Asphaltstreifen und halb auf der rechten Spur. Illegale senkrecht angebrachte Auf- und Abfahrten. Die Entscheidung so eine zu nutzen, wird sehr spontan entschieden.
Uralte völlig überladene Lastwagen, die mit 30 bis 40 unterwegs sind. Trotzdem, wenn möglich, versuchen Autos 100 zu fahren.
Die Schlaglöcher sind brutal. Man kann ihnen nicht immer ausweichen, der Verkehr erfordert ja die komplette Aufmerksamkeit. Dazwischen historische Maiskolbengrillstationen und Lotterielosverkäufer, die halb auf der Straße stehen.
Wir werden von Google von der 'Schnellstraße' über eine provisorischen Abfahrt heruntergeführt und kommen auf einen Platz, der als Kreisverkehr ausgeschildert ist. Es befindet sich auch eine hässliche Plastiksäule in der Mitte. Als ich zur Umrundung dieser ansetze, schießt ein schnelles, verbeueltes Auto von vorne zwischen unserem Camper und der Kunststoffsäule durch.
Der Hammer ist dann ein sehr großer asphaltierter Platz, an dem viele kleine Straßen und eine Schnellstraße enden.
Man kann nicht erkennen, ob es eine normale Kreuzung oder ein Kreisverkehr ist. Weder Markierungen, Ampeln noch Verkehrszeichen sind vorhanden. Und wieder über Asphaltbänder angeschlossene Tankstellen, kleine Einkaufsläden und der Knaller ist ein Mann der sich seinen Platz abgezweigt hat und Maiskolben auf seinem alten Holzkarten grillt.
Wir kämpfen uns langsam und ohne Blechschaden über die Kreuzung.
Wie in Neu Delhi oder Bangladesch.
Und so geht es fast 100 km lang von Tirana über Durres in den Norden.Read more








