• Von der Folterkammer bis zum Aquarium

    May 19 in Poland ⋅ ☁️ 18 °C

    Gleich nach dem Frühstück machte sich Peter zielstrebig auf den Weg zum Campingwart - und kam mit einer klaren Botschaft zurück:
    Wir bleiben noch eine Nacht.
    Kein Wunder.
    Diese Lage direkt an der ruhig dahinfliessenden Weichsel hat etwas. Man kommt runter, ohne etwas dafür tun zu müssen.
    Natürlich gibt es noch mehr zu entdecken.
    Peter zog es am Morgen nach oben - hoch über Kazimierz Dolny, zum Basta ( Burgturm) und zur Burgruine.
    Der markante, runde Steinturm stammt aus dem 13./14. Jahrhundert und diente einst als Wachturm und Verteidigungsanlage.
    Und dann diese Geschichte, die sich hartnäckig hält:
    Angeblich wurde der Turm auch als eine Art "Signalisation" genutzt. Wenn frisches Bier im Ort war - und angeblich auch besonders hübsche Damen - wurde oben ein Feuer entzündet.
    Ob da wohl nicht ab und zu der Haussegen schief hing...?
    Gleich daneben die Reste des Schlosses, das auf König Kasimir III. (Kazimierz der Grosse) zurückgeht.
    Er war es, der dem Ort im 14. Jahrhundert Bedeutung verlieh und ihn strategisch sichern liess.
    Doch wo Macht ist, ist auch oft eine dunklere Seite nicht weit.
    Im Schloss befindet sich eine Ausstellung zur mittelalterlichen Rechtsprechung - inklusive:
    Schandmasken, Folterstühlen, (glühenden) Zangen und weiteren eher ... abschreckenden "Werkzeugen".
    Peter kam jedenfalls mit der klaren Erkenntnis zurück:
    Der Mensch ist vermutlich doch das kreativste - und gleichzeitig bestialischste Wesen auf diesem Planeten.
    Am späteren Nachmittag zog es dann auch mich noch einmal ins Städtchen.
    Ein Punkt stand noch offen:
    Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer und St. Bartholomäus.
    Von aussen schon eindrücklich - und innen nicht weniger.
    Besonders auffällig: Die grosse Orgel, momentan leider eingerüstet. Ihre Blasbälge lagen im hinteren Teil des Kirchenschiffs, fein säuberlich bereit für den Wiederaufbau.
    Ein Blick hinter die Kulissen, sozusagen.
    Unterhalb der Kirche, mit Blick auf den Marktplatz, entdeckten wir eine stattliche sympathische Statue: Ein stolzer Hund.
    Kein heldenhafter Begleiter, keine dramatische Geschichte - sondern ein ehemaliger Streuner, der gemäss lokalen Erzählungen jeden Winter wieder ins Städtchen zurückkehrte.
    Heute gilt er als kleiner Glücksbringer:
    Wer ihm über die Schnauze streicht, soll Glück haben.
    Was soll ich sagen... Habe ich natürlich gemacht. Man weiss ja nie.
    Weiter zog es uns an hübschen Galerien mit interessanten Gemälden und Skulpturen mit Charakter vorbei.
    Ein kleines Paradies für alle, die gerne stöbern.
    Allerdings: Nach 17.00 Uhr werden hier die Läden ziemlich konsequent geschlossen.
    Ruhig wird's. Fast schon verschlafen.
    Bei einem dramatischen Abendrot standen wir später noch mit dem Campingwart zusammen und hielten einen kleinen Schwatz.
    Mit relativ gutem Deutsch, sonst halt mit Händen und Füssen und ein paar polnischen Brocken ging es um:
    Biber (polnisch: Bóbr), Fischotter, grosse, alte und kleine Fische .
    Alle leben sie in seinem kleinen "Aquarium", wie er den Hafen liebevoll nennt.
    Dazu die Frösche, die scheinbar pünktlich zum Sonnenuntergang ihr Konzert beginnen.
    Einfach, echt, ungeplant.
    Wieder so ein Moment, der sich nicht planen lässt.
    Keine Sehenswürdigkeit. Kein Programmpunkt. Sondern eine Begegnung.
    Und genau solche nehmen wir mit - leise, aber nachhaltig.
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