Auf nach Warschau
Yesterday in Poland ⋅ ☀️ 22 °C
Endlich scheint der Frühling auch hier angekommen zu sein.
Warme Temperaturen, viel Sonne - genau so, wie man sich das wünscht.
Mit einem kleinen, leicht wehmütigen Blick zurück verliessen wir unseren idyllischen Stellplatz in Kazimierz Dolny und machten uns - ganz in unserem Stil - über die Landstrasse auf den Weg Richtung Warschau.
Ein kurzer Boxenhalt für frische Lebensmittel - und dann direkt weiter.
Peter zog es klar in die Stadt.
Ich bin ja eher Team Natur und kleine Dörfer.
Aber ich gebe zu:
Die bewegte Geschichte von Warschau hat auch meine Neugier geweckt.
Landschaftlich bot die Strecke diesmal wenig Spektakuläres. Viel Weite, viel Alltag.
Und dann - plötzlich - ein Moment, der uns innehalten liess:
Ein älterer Mann lag am Strassenrand.
Wir wendeten sofort.
Glücklicherweise hielt auch ein nachfolgendes Fahrzeug an. Eine junge Polin stieg aus - sie kannte den Mann und kümmerte sich direkt um ihn.
Wir waren ehrlich gesagt erleichtert. Die Sprachbarriere hätte uns sonst ziemlich hilflos gemacht.
Vermutlich organisierte sie weitere Hilfe.
Mit etwas nachdenklicher Stimmung setzten wir unsere Fahrt fort.
Solche Begegnungen holen einen kurz aus dem Reisemodus raus. Und erinnern daran, dass nicht überall Ferien sind.
Gegen 13.30 Uhr erreichten wir den Camping WOK.
Ein kleiner, feiner Platz etwas ausserhalb von Warschau, aber bestens mit öffentlichen Verkehrsmitteln angebunden.
Genau unser Ding.
Kurze Stärkung - und dann zog es uns direkt los.
Rein ins Grossstadtleben. Neue Stadt, neue Linien, neue Haltestellen.
Aber langsam werden wir tatsächlich zu kleinen Profis.
Busse und Trams in Polen sind gut gefüllt.
Sitzplätze? Heiss begehrt.
Da braucht es fast schon ein bisschen Ellbogentechnik.
Und ja - auch das lernen wir langsam.
Denn: 20 Minuten Fahrt und ruckartiger Fahrstil = sitzen ist Gold wert.
Ob jung oder alt - alle wollen einen Platz.
Kaum in der Altstadt angekommen, fiel uns sofort das grosse Polizeiaufgebot auf.
Der Grund: Eine Grossdemonstration gegen ein neues EU-Agrarabkommen.
Tausende Menschen waren auf den Strassen und machten ihrem Unmut lautstark Luft.
Eine Stadt im Ausnahmezustand - zumindest teilweise.
Warschau - eine Stadt, die neu entstand: Während des Warschauer Aufstands 1944 erhob sich die polnische Widerstandsbewegung gegen die deutsche Besatzung.
Die Folgen waren verheerend:
Nach der Niederschlagung wurde Warschau systematisch zerstört: Rund 80-90 % der Altstadt lagen in Trümmern.
Was danach geschah, ist fast unglaublich:
Die Stadt wurde originalgetreu wieder aufgebaut.
Anhand von: Alten Gemälden, Plänen und Fotografien.
Auch das Königsschloss wurde Stein für Stein rekonstruiert.
Heute gehört die Altstadt von Warschau zum UNESCO-Weltkulturerbe - nicht wegen ihres Alters, sondern wegen dieser aussergewöhnlichen Wiederaufbauleistung.
Wir streiften durch die Gassen, zwischen farbigen Häuserfassaden, historischen Plätzen und einer lebendigen Atmosphäre.
Trotz der Menschenmengen und der Demonstration spürt man:
Diese Stadt hat Charakter.
Diese Stadt hat Geschichte.
Und sie hat etwas zu erzählen.
Über die vielen Plätze, Gebäude und Geschichten werde ich in den beiden kommenden Tagen noch mehr berichten.
Eines ist jetzt schon klar: Warschau wird uns noch Einiges zu bieten haben.Read more
Von der Folterkammer bis zum Aquarium
May 19 in Poland ⋅ ☁️ 18 °C
Gleich nach dem Frühstück machte sich Peter zielstrebig auf den Weg zum Campingwart - und kam mit einer klaren Botschaft zurück:
Wir bleiben noch eine Nacht.
Kein Wunder.
Diese Lage direkt an der ruhig dahinfliessenden Weichsel hat etwas. Man kommt runter, ohne etwas dafür tun zu müssen.
Natürlich gibt es noch mehr zu entdecken.
Peter zog es am Morgen nach oben - hoch über Kazimierz Dolny, zum Basta ( Burgturm) und zur Burgruine.
Der markante, runde Steinturm stammt aus dem 13./14. Jahrhundert und diente einst als Wachturm und Verteidigungsanlage.
Und dann diese Geschichte, die sich hartnäckig hält:
Angeblich wurde der Turm auch als eine Art "Signalisation" genutzt. Wenn frisches Bier im Ort war - und angeblich auch besonders hübsche Damen - wurde oben ein Feuer entzündet.
Ob da wohl nicht ab und zu der Haussegen schief hing...?
Gleich daneben die Reste des Schlosses, das auf König Kasimir III. (Kazimierz der Grosse) zurückgeht.
Er war es, der dem Ort im 14. Jahrhundert Bedeutung verlieh und ihn strategisch sichern liess.
Doch wo Macht ist, ist auch oft eine dunklere Seite nicht weit.
Im Schloss befindet sich eine Ausstellung zur mittelalterlichen Rechtsprechung - inklusive:
Schandmasken, Folterstühlen, (glühenden) Zangen und weiteren eher ... abschreckenden "Werkzeugen".
Peter kam jedenfalls mit der klaren Erkenntnis zurück:
Der Mensch ist vermutlich doch das kreativste - und gleichzeitig bestialischste Wesen auf diesem Planeten.
Am späteren Nachmittag zog es dann auch mich noch einmal ins Städtchen.
Ein Punkt stand noch offen:
Die Pfarrkirche St. Johannes der Täufer und St. Bartholomäus.
Von aussen schon eindrücklich - und innen nicht weniger.
Besonders auffällig: Die grosse Orgel, momentan leider eingerüstet. Ihre Blasbälge lagen im hinteren Teil des Kirchenschiffs, fein säuberlich bereit für den Wiederaufbau.
Ein Blick hinter die Kulissen, sozusagen.
Unterhalb der Kirche, mit Blick auf den Marktplatz, entdeckten wir eine stattliche sympathische Statue: Ein stolzer Hund.
Kein heldenhafter Begleiter, keine dramatische Geschichte - sondern ein ehemaliger Streuner, der gemäss lokalen Erzählungen jeden Winter wieder ins Städtchen zurückkehrte.
Heute gilt er als kleiner Glücksbringer:
Wer ihm über die Schnauze streicht, soll Glück haben.
Was soll ich sagen... Habe ich natürlich gemacht. Man weiss ja nie.
Weiter zog es uns an hübschen Galerien mit interessanten Gemälden und Skulpturen mit Charakter vorbei.
Ein kleines Paradies für alle, die gerne stöbern.
Allerdings: Nach 17.00 Uhr werden hier die Läden ziemlich konsequent geschlossen.
Ruhig wird's. Fast schon verschlafen.
Bei einem dramatischen Abendrot standen wir später noch mit dem Campingwart zusammen und hielten einen kleinen Schwatz.
Mit relativ gutem Deutsch, sonst halt mit Händen und Füssen und ein paar polnischen Brocken ging es um:
Biber (polnisch: Bóbr), Fischotter, grosse, alte und kleine Fische .
Alle leben sie in seinem kleinen "Aquarium", wie er den Hafen liebevoll nennt.
Dazu die Frösche, die scheinbar pünktlich zum Sonnenuntergang ihr Konzert beginnen.
Einfach, echt, ungeplant.
Wieder so ein Moment, der sich nicht planen lässt.
Keine Sehenswürdigkeit. Kein Programmpunkt. Sondern eine Begegnung.
Und genau solche nehmen wir mit - leise, aber nachhaltig.Read more
Zwischen Wurzeln und Weichsel
May 18 in Poland ⋅ ☁️ 19 °C
Das Wetter präsentierte sich zum Frühstück relativ freundlich, was Peter dazu bewog, sein Fahrrad aus der Garage zu hieven und eine gut zweistündige Tour der Weichsel entlang zu machen.
Ich hingegen zog die ruhigere Variante vor:
Eine kleine Auszeit beim Wohnmobil. Den vorbeiziehenden Ausflugsschiffen zuschauen. Und wieder einmal selbst den Kochlöffel schwingen.
Pünktlich auf Peters Rückkehr wurde die Gemüsefrittata fertig.
Sein Fazit zur Umgebung?
Eher verhalten. Keine grossen Wow-Momente. Manchmal ist eben genau das auch Teil der Reise.
Leider hielt sich das Wetter nicht ganz an unsere Handyprognosen.
Kleine Gewitterzellen entluden sich punktgenau über uns.
Aber: schlechtes Wetter gibt es bekanntlich nicht - nur schlechte Kleidung.
Also: Regenjacke an, Schirm auf und los.
Mit viel Gestik, ein paar englischen Worten und einem guten Schuss Humor kamen wir schliesslich zu unserer 70-minütigen Rundtour.
Am Ende hatten wir Glück: eine private Tour mit Jakob, einem jungen, gut englisch sprechenden Guide.
Er chauffierte uns im kleinen "Golfwägeli" . Und tatsächlich - so erschliesst sich Kazimierz Dolny noch einmal ganz anders.
Bereits im Mittelalter entwickelte sich der Ort zu einem wichtigen Handelszentrum an der Weichsel. Vor allem Getreide wurde hier gesammelt und weiter Richtung Danzig verschifft.
Der Wohlstand von damals zeigt sich bis heute:
Reich verzierte Renaissance Händlerhäuser.
Kunstvolle Fassaden.
Ein Marktplatz wie aus dem Bilderbuch.
Besonders prägend: Die Häuser der Brüder Przybylo mit ihren detailreichen Reliefs.
Über dem Ort thront die Burgruine mit ihrem markanten Rundturm.
Von hier oben hat man einen weiten Blick über die Weichsel, die umliegenden Hügel und das kleine, fast schon märchenhafte Städtchen.
Man versteht sofort, warum dieser Ort strategisch und wirtschaftlich so wichtig war.
Mit den Jahrhunderten verlor die Weichsel an Bedeutung als Handelsroute.
Der Ort fiel in eine Art Dornröschenschlaf.
Und genau das wurde später zum Glücksfall.
Denn so blieb die historische Bausubstanz erhalten und der Charakter unangetastet.
Heute ist Kazimierz Dolny ein beliebter Ort für Künstler, Rückzugsort für Städter aus Warschau und ein kleines touristisches Schmuckstück.
Galerien, kleine Cafés, Ateliers - und überall dieser entspannte Rhythmus.
Ja, es ist touristisch. Aber auf eine angenehm entschleunigte Art.
Nun aber zurück zu Jakob und unserer Sightseeingtour: Er chauffierte uns im kleinen "Golfwägelchen" durch Kazimierz Dolny - vorbei an all den bereits bestaunten Schönheiten, diesmal mit Geschichten und Hintergründen.
Ein besonderer Moment war der Halt beim jüdischen Friedhof von Kazimierz Dolny.
Schon beim Betreten spürt man: Hier ist es anders. Ruhiger. Schwerer.
Der Friedhof stammt aus dem 19. Jahrhundert und zeugt von einer einst lebendigen jüdischen Gemeinde im Ort. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg wurde dieser Ort jedoch stark zerstört.
Grabsteine wurden umgestürzt, zerschlagen und zweckentfremdet.
Heute erinnert eine eindrückliche Mauer aus zerbrochenen Grabsteinen an diese Zeit - ein Mahnmal, das mehr sagt als viele Worte.
Ein Ort, der nachhallt.
Danach ging's weiter - raus aus dem Ort, hinein in die Natur.
Ziel: Die berühmte Wurzelschlucht Korzeniowy Dól.
Und plötzlich steht man in einer anderen Welt.
Ein tiefer, eingeschnittener Weg, dessen Wand aus einem ganz besonderen Boden besteht:
Löss - extrem feinkörnig, fruchtbar und gleichzeitig weich genug, um über Jahrhunderte ausgewaschen zu werden.
Diese Landschaftsform findet man so nur in wenigen Regionen Europas: Polen, Teile der Ukraine und Russland.
Das Besondere:
Die freigelegten Baumwurzeln ziehen sich wie Adern durch die steilen Wände - verdreht, verschlungen, fast schon skulptural.
Fast ein bisschen märchenhaft.
Mitten in dieser stillen Szenerie dann ein ganz leiser, fast intimer Moment:
Eine Amsel verliess gerade ihr Nest - und liess ihre Eier für einen kurzen Augenblick unbeaufsichtigt zurück.
Offensichtlich hatte sie nicht mit Besuch gerechnet.
Wir hielten instinktiv inne. Beobachteten und gingen dann leise weiter.
Mit der Zeit taute Jakob immer mehr auf.
Als er hörte, dass wir aus der Schweiz kommen, leuchteten seine Augen. Und dann erzählte er uns - fast ein bisschen schüchtern - von seinem Plan:
Er möchte seiner Freundin in den Schweizer Bergen einen Heiratsantrag machen.
Mit einem Ring.
Mit einem besonderen Stein.
Ein hellblauer Diamant, wie er uns sagte und auf dem Handy zeigte.
Dafür müsse er noch lange sparen. Aber dann kam dieser Satz:
"She is so beautiful... it's worth everything."
Da war plötzlich mehr als nur eine Führung.
Am Abend zurück bei Giotti - direkt an der Weichsel.
Das Wasser zieht ruhig vorbei, ein Biber futtert genüsslich im Rasen, als wäre nichts gewesen.
Und wir?
Ein bisschen nachdenklich. Ein bisschen berührt. Und einmal mehr dankbar für diese kleinen, echten Begegnungen unterwegs.Read more
Der Weichsel entlang
May 17 in Poland ⋅ ☁️ 15 °C
Heute ging's wieder einmal ganz bewusst ruhiger weiter.
Beim Frühstückskaffee haben wir spontan die Karte gezückt und die Mitte zwischen Krakau und Warschau ins Visier genommen. Die Reise soll ja schliesslich entspannt bleiben.
Und ganz ehrlich:
Mein Immunsystem liefert sich gerade einen kleinen Kampf mit einem ziemlich hartnäckigen "Mitfahrer" , der nachts für wenig Schlaf sorgt.
Also war schnell klar:
Keine Hektik, keine langen Strecken - dafür Natur.
Unsere Wahl fiel auf eine Fahrt entlang der Weichsel in Richtung Kazimierz Dolny.
Die Strecke führte uns durch überraschend fruchtbares Land.
Weite Felder, gut gepflegte Bauernhöfe und kleine, aufgeräumte Dörfer.
Die Region entlang der Weichsel gehört seit Jahrhunderten zu den wichtigen landwirtschaftlichen Gebieten Polens. Getreide, Obst und Gemüse prägen das Bild - und früher wurde genau das auf dem Fluss transportiert.
Die Weichsel war lange Zeit eine der wichtigsten Handelsrouten des Landes.
Man spürt unterwegs:
Hier wird gearbeitet. Hier wird gepflegt. Hier lebt man bodenständig.
Unterwegs griff ich zum Telefon und rief beim Campingplatz an.
Der "Hafenmeister" (zum Campingplatz gehört auch ein kleiner Bootshafen) und gleichzeitig Campingwart meldete sich.
Und siehe da: in erstaunlich gutem Deutsch erklärte er uns freundlich, dass noch genügend Plätze frei seien.
"Einfach nach mir kommen - ich warte." :)
Das lassen wir uns nicht zweimal sagen.
Gegen 16.00 Uhr rollten wir über Kopfsteinpflaster in Kazimierz Dolny.
Ein Dorf, das im Internet gerne als eines der schönsten in Polen bezeichnet wird.
Und der erste Eindruck bestätigte uns das.
Der Campingwart erwartete uns bereits, winkte uns freundlich ein und zeigte alles in Ruhe: Stellplatz, Infrastruktur, Lage.
Bezahlt, eingeparkt - fertig.
Jetzt stehen wir hier, mit gerade mal zwei weiteren Wohnmobilen, direkt an der Weichsel.
Damit wir doch noch ein paar Schritte sammeln, ging's zu Fuss ins Dorfzentrum - gerade mal 300 Meter entfernt.
Erster Eindruck von Kazimierz Dolny: Sehr charmant, gepflegt aber auch gut touristisch erschlossen.
Die Lage und Schönheit dieses Ortes bleiben natürlich nicht unentdeckt.
Nicht umsonst wird Kazimierz Dolny auch gerne als "Klein-Danzig" bezeichnet - wegen seiner historischen Händlerhäuser und der reichen Vergangenheit als Handelsplatz.
Für heute reicht es. Wir sitzen in unserem Giotti, schauen auf die ruhig vorbeifliessende Weichsel und lassen den Tag ausklingen.
Kein Trubel. Kein Programm. Nur Wasser, ein bisschen Wind - und Ruhe.
Morgen nehmen wir uns Zeit, das Dorf genauer zu erkunden.
Ich habe das Gefühl: Hier gibt es mehr zu entdecken, als man auf den ersten Blick sieht.Read more
Zwischen Konsumtempel und Geschichte
May 16 in Poland ⋅ ☁️ 12 °C
Heute haben wir uns einmal mehr unter die Einheimischen gemischt - und zwar dort, wo man sie garantiert trifft: im Einkaufszentrum.
Shopping gehört nicht unbedingt zu unseren Lieblingsdisziplinen. Zu laut, zu viele Angebote, zu viele Verlockungen und Entscheidungen. :) Aber heute war es nötig: Unsere spanischen Prepaid-Karten laufen ab.
Natürlich hatte Peter - wie immer - seine Hausaufgaben gemacht . Anbieter verglichen, Optionen geprüft... und ziemlich schnell wurden wir bei Orange fündig.
800 GB für 5 Zloty.
Also rund 1.10 Franken.
Da fragt man sich schon kurz, ob irgendwo ein Haken versteckt ist. Aber: Handys funktionieren. Bis jetzt. Und falls nicht - der finanzielle Schaden hält sich in sehr überschaubaren Grenzen....
Nach diesem kurzen Ausflug in den Konsumtempel war es fast schon eine Wohltat, wieder draussen zu stehen.
Krakau ist weitläufig - und genau das macht den Reiz aus.
Abseits der ganz grossen Plätze entdeckt man reich verzierte Herrenhäuser, versteckte Innenhöfe und plötzlich steht man vor dem imposanten Julius-Slowacki-Theater. Ein echtes Schmuckstück aus dem 19. Jahrhundert.
Langsam, aber sicher fühlten wir uns schon wie halbe Krakauer und stiegen ganz selbstverständlich wieder ins Tram. Das Ziel, ein sehr schweres Thema Geschichte: das jüdische Viertel Kazimierz. Ein kurzer Blick zurück: Während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurde die jüdische Bevölkerung aus Kazimierz in das nahegelegene Ghetto Podgórze zwangsumgesiedelt. Dort herrschten Enge, Hunger und Angst. Viele Menschen wurden später in Konzentrationslager deportiert.
Heute erinnern noch Plätze, Gedenkorte und die Atmosphäre an dieses dunkle Kapitel.
Und heute? Kazimierz hat sich komplett gewandelt. Es ist ein kreatives Szenenviertel, Treffpunkt für Kunstschaffende, voller kleiner Boutiquen, Bars und Restaurants.
Ein starker Kontrast zur Geschichte - und genau das macht diesen Ort so besonders.
Auf unserem Streifzug durch das jüdische Viertel hielten wir kurz inne und warfen auch einen Blick in die Basilika Corpus Christi (Fronleichnamskirche). Eine beeindruckende gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert, später barock umgestaltet. Ruhig, würdevoll - ein Ort zum Durchatmen mitten im lebendigen Viertel.
Zum Schluss kehrten wir in ein uriges kleines Bistro ein. Ich genoss weissen Borschtsch (Zurek) - eine herzhafte, leicht säuerliche Suppe auf Basis von fermentiertem Roggenmehl, mit Wurst, Ei und Kartoffeln. Deftig, wärmend und ein echter Klassiker der polnischen Küche. Für Peter gab's eine Zwiebelsuppe mit einer Blätterteighaube. Einfach, ehrlich, gut.
Und genau richtig, um den Tag langsam ausklingen zu lassen.
Fazit: Krakau überrascht mit seiner Vielfalt, seinen Kontrasten und seiner Geschichte. In drei Tagen haben wir nur an der Oberfläche gekratzt - aber was wir gesehen haben, bleibt.Read more
Wenn's oben giesst - einfach nach unten
May 15 in Poland ⋅ ☀️ 17 °C
Wohin geht man in Krakau, wenn die Wetterprognose auf "Katzen hagelt" steht?
Ganz einfach: 130 Meter unter die Erde.
Genau das haben wir gemacht - ab ins Salzbergwerk Wieliczka.
Ganz so schlimm kam das Wetter zwar nicht daher, aber die Prognosen waren durchzogen genug, um unseren Plan umzusetzen. Tickets hatten wir vorsorglich bereits online gebucht - ein kluger Entscheid, wie sich schnell zeigte.
Das Salzbergwerk Wieliczka gehört zu den ältesten der Welt und wurde bereits im 13. Jahrhundert in Betrieb genommen. Über Jahrhunderte war es eine der wichtigsten Einnahmequellen Polens.
Heute ist es UNESCO-Welterbe - und ehrlich gesagt: völlig zu Recht.
Was einen dort erwartet, ist kaum vorstellbar:
Ein Labyrinth aus über 300 Kilometern Gängen.
Mehrere unterirdische Ebenen.
Beeindruckende Säle, komplett aus Salz geschaffen.
Das Highlight: die Kapelle der Heiligen Kinga. Eine riesige Kathedrale - tief unter der Erde, aus Salz gemeisselt. Wände, Kronleuchter, Figuren... alles aus Salz.
Fast surreal.
Dazu kommen unterirdische Seen, Skulpturen und Geschichten aus Jahrhunderten Bergbau.
Bei aller Faszination darf man eines nicht vergessen:
Die Arbeit im Bergwerk war extrem gefährlich.
Teilweise verunglückten bis zu 10% der Arbeiter pro Jahr tödlich - durch Einstürze, schlechte Luft oder Unfälle. Ein harter Preis für den damaligen Reichtum.
Und genau hier liegt ein fast schon unglaublicher Kontrast:
Heute wird ein Teil der Mine als Sanatorium genutzt.
Die salzhaltige, saubere Luft gilt als besonders gesund - vor allem für Atemwegserkrankungen.
Wo früher Menschen unter härtesten Bedingungen arbeiteten und starben, suchen heute andere Heilung.
Ein Gedanke, der einen kurz innehalten lässt.
Nach rund drei Stunden unter Tage und unzähligen Eindrücken zog es uns dann doch wieder ans Tageslicht.
Mit Bus und Tram ging's zurück Richtung Krakauer Zentrum - und siehe da: Sonne statt Regen.
Kaum angekommen, wurden wir wieder vom gewohnten Trubel empfangen:
gut gelaunte Menschen, volle Plätze und dieses lebendige Krakau-Gefühl.
Nach so viel Untergrund genau der richtige Kontrast.
Bei einer wohlverdienten Stärkung liessen wir den Tag ausklingen - begleitet von einem dramatischen Abendrot, das die Stadt in warmes Licht tauchte.
Fazit: Schlechtes Wetter? Gibt's nicht. Nur andere Programme.
Und dieses hier war definitiv eines der besseren.Read more
Vom Stillstand ins pralle Leben - Krakau
May 14 in Poland ⋅ ☁️ 17 °C
Nach zwei wunderbar ruhigen Tagen irgendwo in der polnischen " Pampas " ging es heute zurück ins Leben - und wie.
Ziel: Krakau.
Ein ziemlicher Kontrast. Eben noch Natur, Stille und Vogelgezwitscher - jetzt pulsierende Stadt, Menschen aus aller Welt und dieses ganz besondere Grossstadtflair.
Unser fahrbares Schneckenhaus haben wir auf dem stadtnahen Camping Clepardia abgestellt. Kaum angekommen, wurden wir von einem topmotivierten Mitarbeiter empfangen - freundlich, hilfsbereit, bestens organisiert. Stellplatz erklärt, ÖV-Verbindungen aufgezeigt... genau so wünscht man sich das.
Kurze Verschnaufpause - und dann ging's auch schon los. Rein ins Herz der Stadt. Mit dem Tram Nr 18, neun Haltestellen - und zack: mitten im Geschehen. Und Krakau liefert sofort..Prachtvolle Plätze, beeindruckende Kirchen, historische Markthallen und ein Gemisch aus Menschen aus aller Welt.
Alle unterwegs mit dem gleichen Ziel: entdecken, staunen, erleben.
Krakau gehört zu den ältesten und wichtigsten Städten Polens. Rund 800'000 Einwohner, ehemalige Königsstadt, blieb im zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört. Deshalb wirkt die Altstadt heute noch so geschlossen und authentisch.
Das Herzstück: der riesige Hauptmarkt Rynek Glówny. Einer der grössten mittelalterlichen Marktplätze Europas.
Mittendrin die berühmten Tuchhallen Sukiennice - früher Handelszentrum, heute Souvenir- und Flaniermeile.
Krakau ist tief geprägt von Religion und Geschichte. Besonders spürbar durch Papst Johannes Paul II. - mit bürgerlichem Namen Karol Józef Wojtyla. Er lebte und wirkte hier als junger Mann, bevor er Papst wurde. Für viele Polen bis heute eine zentrale Figur - geistlich wie gesellschaftlich. Seine Spuren führen hoch hinauf zum Wawel-Hügel, zur Wawel Kathedrale St. Stanislaus und Wenzel. Direkt beim Schloss gelegen - mit einer Gedenkstatue für den am 2. April 2005 verstorbenen Papst. Ein Ort mit viel Symbolkraft und Geschichte.
Krakau ist eine lebendige, junge und internationale Stadt, mit vielen Studenten, Reisenden und viel Energie. Die Stadt ist voll touristisch. Aber sie hat Stil, Geschichte und Atmosphäre.
Nach der Ruhe der letzten Tage wirkt Krakau auf uns fast wie ein Sprung in eine andere Welt. Lauter. Bunter. Schneller. Und trotzdem faszinierend.Read more

Krakau ist wirklich eine Reise wert. Uns hat es da sehr gut gefallen. Das jüdische Quartier ist ebenfalls sehenswert. [Clivia]

TravelerDanke für den Tipp. Wir werden eventuell am Samstag noch Schindler's Fabrik besuchen, wo das Thema 2. Weltkrieg stark fühlbar wird. Heute geht's in das Salzbergwerk. Krakau hat wirklich viel Geschichte.
Heute Ruhetag in Olza
May 13 in Poland ⋅ ⛅ 14 °C
Dieser Ort ist prädestiniert dazu, einmal einfach alle Viere hochzulegen und sich der Lektüre und dem "Dolce far niente" zu widmen.
Von Olmütz ins polnische Grün
May 12 in Poland ⋅ ☁️ 11 °C
Bevor wir endgültig Kurs auf Polen nahmen, stand noch eine wichtige Mission an:
Gemüse- und Früchtebunkern.
Also kurzer Halt bei Lidl in Olmütz. Nicht gerade ein Einkaufserlebnis - aber praktisch. Und vor allem: vertraut. Egal ob Schweiz, Deutschland oder Tschechien... Lidl ist Lidl. Man findet sich blind zurecht.
Die Strecke bis zur polnischen Grenze? Gerade mal knapp 100 Kilometer. Fast schon ein "Katzensprung" im Roadtrip-Modus.
Nach den letzten intensiven Tagen war klar:
Jetzt brauchen wir Ruhe. Natur. Durchatmen.
Also haben wir uns bewusst etwas zwischen Olmütz und Krakau gesucht - fernab der grossen Städte.
Und so landeten wir in Olza, auf einem weitläufigen Freizeit- und Campinggelände.
Viel Platz. Viel Grün. Kaum Menschen. Die Saison hat hier gerade erst begonnen.
Wir teilen uns das Gelände mit ein paar wenigen Gästen, rund um einen kleinen Stausee im Einzugsgebiet der Olza (Olsa), einem Nebenfluss der Oder.
Dazu: überraschend viele Spielautomaten und kleine Vergnügungsecken. Ein etwas eigenwilliger Mix aus Naturidylle und Freizeitpark-Charme.
Am Nachmittag dann ein kleines Highlight:
Einheimische, die an Bäumen Pilze abschnitten.
Schwefelporling - "Chicken of the Woods"
Ein Mann erklärte uns in gebrochenem Englisch:
"Tastes like chicken."
Wir haben es ihm einfach mal geglaubt. Sie scheinen genau zu wissen, was sie tun!
Das ganze Gebiet hier ist von Wasser durchzogen.
Kanäle, kleine Seen, verzweigte Ufer - fast wie ein Mini-Masuren.
Überall stehen einfache Ferienhäuser direkt am Wasser.
Momentan: erstaunlich ruhig. Fast verlassen.
Und dann noch das:
Extra für uns wurde im kleinen Strandbistro beim Campingplatz der Herd angeworfen.
Frisch zubereitet gab es Pierogi - polnische "Maultaschen" gefüllt mit Kartoffel und Ricotta (klassisch: "ruskie"). Warm, weich, sättigend - genau das Richtige an so einem eher kühlen und regnerischen Tag. Die Eisheiligen lassen grüssen...
Manchmal sind es genau diese kleinen, unerwarteten Momente, die hängen bleiben.
Die Region rund um Olza liegt im Grenzgebiet zu Tschechien und gehört zu Schlesien.
Früher Industrie geprägt
Heute zunehmend Erholungsgebiet
Viele Polen kommen hierher für:
Wochenendhäuser
Angeln
einfach raus aus der Stadt
Kein Hochglanz-Tourismus - eher bodenständig und ursprünglich.
Unser Eindruck: Nicht spektakulär, nicht geschniegelt. Aber genau das macht es aus.
Ein Ort zum: runterfahren, durchatmen und einfach sein.
Wir stehen hier zwischen Wasser, Bäumen und ein paar verstreuten Campern.
Kein Trubel. Kein Programm. Genau das war der Plan.
Und weil' s so gut tut....bleiben wir morgen noch für einen Tag.Read more
Olmütz bei Regen und Sonnenschein
May 11 in Czech Republic ⋅ 🌧 20 °C
Petrus meinte es heute.... sagen wir mal: durchmischt gut.
Auf dem Programm stand die Stadtbesichtigung von Olmütz -
bewaffnet mit Regenschirm und guter Laune zogen wir zu Fuss vom Camping los. Uns waren "gemütliche 25 Minuten" bis ins Zentrum versprochen worden. Stimmte auch. Zumindest bis zur Altstadt.
Kaum auf dem Hauptplatz, dem Horní námëstí (oberer Marktplatz) angekommen, öffnete Petrus die Schleusen. Und zwar richtig.
So standen wir also - leicht durchnässt, aber trotzdem staunend - vor der mächtigen, leider eingerüsteten Dreifaltigkeitssäule (Sloup Nejsvëtëjší Trojice) Unesco-Welterbe und stolze barocke Antwort auf überstandene Pestzeiten. Aktuell etwas "verpackt", aber man spürt trotzdem ihre Wucht.
Peter hatte schnell ein Infozentrum entdeckt (immer gut, wenn einer den Überblick behält). Eine hilfsbereite junge Dame zeichnete uns auf meinen Wunsch hin ein hübsches Bistro auf einem Stadtplan ein, das sich im Nachhinein als guten Tipp erwies. Dazu gab's noch einen deutschsprachigen Prospekt mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten.
Also: rein ins Trockene, Kaffee vor uns, Éclair dazu - und Karte studieren. Für Peter ein kleines Paradies. Alte Steine sind genau sein Ding.
Hier kurz Olmütz eingeordnet:
- rund 100'000 Einwohner
- historische Hauptstadt Mährens
- früher eine der bedeutendsten Städte des Habsburgerreichs
- Hier wurde Kaiser Franz Joseph I. 1848 zum Kaiser ausgerufen
- Geschichte zum Anfassen
Heute:
- lebendige Studentenstadt
- entspannter als Prag
- kulturell überraschend reich
Kaum liess der Regen nach, starteten wir unsere "30-Sehenswürdigkeiten-Tour" - ganz brav dem Plan folgend.
Und ja:
viele Kirchen
viele Brunnen
viele beeindruckende Fassaden
Aber genau das macht Olmütz aus.
Die wichtigsten Highlights:
Rathaus Olmütz (Radnice Olomouc) mit der Astronomischen Uhr - ungewöhnlich, da im sozialistischen Stil umgestaltet (Arbeiter statt Apostel)
Wenzelsdom (Katedrála svatého Václava) - riesig, gotisch, eindrücklich - eines der wichtigsten Kirchengebäude des Landes
St.-Moritz-Kirche (Kostel svatého Morice) mit Turm und schöner Aussicht
die barocken Brunnen Herkules-, Cäsarbrunnen etc. verteilt über die Stadt - fast wie eine kleine Schatzsuche
Unterer Markt (Dolní námëstí) etwas ruhiger, aber genauso charmant
Olmütz ist wie ein Outdoor-Museum ohne Gedränge. Geschichte an jeder Ecke - aber ohne das Gefühl, durchgeschoben zu werden. Es wird oft als Alternative zu Prag empfohlen. Ist weniger überlaufen. Wir können das absolut bestätigen.
Vielleicht lag es am Wetter. Vielleicht daran, dass Olmütz noch ein Geheimtipp ist. Aber genau diese Mischung aus Regen, Ruhe und Geschichte hat den Tag besonders gemacht.Read more
Landpartie mit Wow-Momenten
May 10 in Czech Republic ⋅ ☀️ 20 °C
Heute ging es bewusst anders weiter: raus aus dem Camping Sokol Praha und über Land statt Autobahn. Und was sollen wir sagen - genau die richtige Entscheidung. Maienluft, kaum Verkehr, kleine Dörfer ohne Hektik. Das Navi auf "like a local" gestellt und einfach treiben lassen.
Nach rund 70 Kilometern tauchte Kutná Hora auf. Und gleich die erste Überraschung: diese Stadt hat Charakter. Früh am Morgen waren die Gassen noch ruhig, nur ein paar Blumenläden hatten schon geöffnet - Muttertag lag in der Luft. Wir sind einfach losgelaufen, ohne Plan, und standen plötzlich mitten in Geschichte.
Kutná Hora war im Mittelalter eine der reichsten Städte Europas - dank ihrer Silberminen. Und genau das spürt man heute noch. Prächtige Gebäude, Kirchen, die eher Statements sind als nur Gotteshäuser.
Besonders eindrücklich muss Sedlec-Ossarium sein - eine Kapelle, die mit Tausenden (40'000) menschlichen Knochen geschmückt ist. Ungewöhnlich, leicht schaurig... aber wahrscheinlich auch faszinierend. Für uns, auf beinahe nüchternen Magen, doch etwas zu makaber...:)) .
Besonders die St.-Barbara-Kathedrale, ein imposantes Bauwerk, das den Reichtum der Bergleute widerspiegelt hat uns stark imponiert. Sicher einen Besuch wert, aber wir hatten ja noch einen weiten Weg vor uns.
Nach diesem Morgenspaziergang mit Gänsehaut ging es weiter. Noch einmal 108 Kilometer durch Mähren - vorbei an leuchtend gelben Rapsfeldern, durch Wälder, über Hügel, immer wieder dieses sanfte Auf und Ab.
Gegen Mittag erreichten wir Telč. Giotti brav so abgestellt, dass sicher niemand etwas zu meckern hat - man lernt ja dazu. Zu Fuss ging' s in Richtung Zentrum.
Und dann dieser Moment:
Der erste Blick auf den Zacharias-von-Neuhaus-Platz.
Uns blieb kurz die Luft weg.
Ein riesiger, langgezogener Platz - einer der schönsten und grössten Renaissance-Marktplätze des Landes. Gesäumt von pastellfarbenen Häusern, jedes ein bisschen anders, aber zusammen wie ein perfekt komponiertes Bild. Der italienische Einfluss ist unverkennbar. Kein Zufall: Damals wurden tatsächlich italienische Baumeister engagiert - und so kam ein Stück Süden nach Böhmen.
Wir sind einmal gemütlich rund um den Platz geschlendert, haben Details entdeckt, Fassaden bestaunt - und uns dann in ein kleines Café in die Sonne gesetzt. Cola, ein kleiner Happen, und einfach nur schauen. Mehr Programm braucht es manchmal nicht.
Lange geblieben sind wir trotzdem nicht. Unser Tagesziel wartete noch: Olmütz, etwa 140 Kilometer entfernt.
Die letzte Etappe teilten wir uns dann mit einigen Sonntagsausflüglern auf der Autobahn. Nach all der Ruhe fast schon wieder ungewohnt - aber gut machbar.
Am Stadtrand von Olmütz, schön im Grünen, haben wir uns auf dem Camping Olomouc für zwei Nächte eingerichtet.
Jetzt stehen wir hier, lassen den Tag langsam ausklingen und sortieren die Eindrücke.
Morgen gehört die Bühne Olmütz - wir sind gespannt.Read more
Prag im Menschenmeer
May 9 in Czech Republic ⋅ ☀️ 15 °C
Für heute hiess es: zügig raus aus den Federn. Schliesslich stand eine Stadtbesichtigung auf dem Programm - und zwar nicht irgendeine... sondern Prag.
Tja. Die Idee hatten wir leider nicht exklusiv.
Gefühlt waren ein paar Millionen andere ebenfalls unterwegs. Zwischendurch hatte ich kurz das Gefühl, ich sei wieder irgendwo in China gelandet -
Menschentrauben wohin man schaut. Nun aber schön der Reihe nach:
Ganz entspannt haben wir den Gratis Camping-Shuttle bis zur Bahnstation genommen und sind von dort direkt ins Herz der Stadt gefahren. Und ja - kleiner Luxus am Rande: Ü65 reist sich's in Prag ziemlich komfortabel, kein einziges Kronenstück für den ÖV nötig. Das gefällt.
Erster Eindruck: Wow... und gleichzeitig "wo sind all die Leute hergekommen?!"
Vom Bahnhof aus ging es Richtung Altstadt, vorbei an der Jüdischen Synagoge im Josefov (Jüdisches Viertel) - ein stiller, eindrücklicher Ort mit viel Geschichte.
Weiter zur prachtvollen Prager Staatsoper. Gleich daneben haben wir uns in der dazugehörigen "Kavárina Obecní dúm" bei Cappuccino und Croissant gestärkt - gute Entscheidung, denn hungrig durch Prag zu laufen ist keine Option.
Dann aber ging's richtig los: durch eines der grossen Stadttore - den Pulverturm (Prašná brána) - hinein in die Altstadt. Und plötzlich öffnete sich alles:
der Altstädter Ring (Staromêstské námêstí): Ein riesiger Platz, umgeben von prachtvollen Gebäuden, Kirchen und Geschichte an jeder Ecke.
Hier spürt man auch ein Stück Zeitgeschichte. Der Begriff "Prager Frühling" steht für die Reformbewegung von 1968 - der Versuch, mehr Freiheit in der damaligen Tschechoslowakei zu schaffen. Kurz darauf wurde sie niedergeschlagen. Heute wirkt die Stadt frei, lebendig und offen - ein spannender Kontrast.
Weiter ging's zur berühmten Karlsbrücke (Karlūv Most) über die Moldau. Ja, sie war voll. Sehr voll. Aber eben auch beeindruckend - mit ihren Figuren, Musikern und dieser besonderen Atmosphäre.
Auf der anderen Seite machten wir einen kurzen Abstecher in die St.-Nikolaus-Kirche (Malá Strana) - barock, prachtvoll und wohltuend ruhig im Vergleich zum Trubel draussen.
Für die Mittagspause entschieden wir uns zu Gulaschsuppe im Brot - deftig, heiss und genau das Richtige. Direkt danach wurden wir bei unserem "Verdauungsspaziergang" weiter durch die Menschenmengen geschoben.
Später teilten wir uns als süsses Highlight "Trdelnik" (von uns "Kamincornet" genannt), das mit Apfel und Rahm gefüllt war - eine typische Prager Streetfood-Leckerei. Kalorien? Zählten wir heute nicht...
Irgendwann waren wir dann doch ziemlich platt. Also zurück mit der Metro und dem Bus in Richtung Camping. Natürlich sind wir mehrere Stationen zu früh ausgestiegen - warum einfach, wenn's auch sportlich geht.
Bonusprogramm: 3,5 km Fussmarsch als Cooldown.
Jetzt sitzen wir hier, hundemüde, leicht erschlagen von Eindrücken - aber auch ziemlich begeistert.
Prag ist intensiv.
Laut.
Voll.
Aber auch unglaublich schön.
Und definitiv ein Erlebnis.Read more
Zwischen Bier, Blaulicht und Busslogik - Pilsen
May 8 in Czech Republic ⋅ ☁️ 14 °C
Die erste Nacht von unserem neuen Roadtrip haben wir ruhig in Nürnberg bei den Wildgänsen verbracht. Schön eingemummelt zwischen ungefähr zwanzig anderen Wohnmobilen und PW's - fast ein kleines Dorf auf Zeit. Leises Schnattern, ein bisschen Rascheln, ansonsten erstaunlich friedlich... Genau so stellt man sich einen gelungenen Start vor.
Heute Morgen ging es weiter Richtung Tschechien. Gleich nach der Grenze an der ersten Raststätte haben wir die Autobahnvignette für zehn Tage gelöst - erstaunlich unkompliziert. Und dann begann das kleine Kopftraining:
Tschechische Kronen. Mal vier, dann ein- zwei Kommastellen verschieben... irgendwann kommt man rein. Oder man glaubt es zumindest.
Während der Fahrt noch schnell online zwei Eintritte inklusive deutscher Führung für die Pilsner Urquell Brauerei gebucht - hat reibungslos funktioniert.
Vor Ort war die Brauerei dann auch problemlos zu finden. Parken hingegen... sagen wir mal: sportlich.
Grund war ein Laufanlass - vermutlich ein Stadtlauf oder Halbmarathon, überall Absperrungen, Läufer und Zuschauer.
Direkt bei der Brauerei keine Chance unser 7,4m langes Gefährt hinzustellen. Also ein Stück weiter einen öffentlichen Parkplatz entdeckt, eigentlich für PW's und Busse. Zwei andere Wohnmobile standen schon da. Perfekt. Wir also daneben gestellt - der Platz war zwar mit "Bus" markiert... aber wir haben ja quasi einen halben Bus. Meine Logik zumindest.
Peter war etwas skeptischer, aber ich konnte ihn überzeugen.
Also los - zügigen Schrittes durch die Läuferströme Richtung Brauerei. Noch kurz das sportliche Treiben beobachtet, dann ging's zur Führung.
Gemeinsam mit etwa 30 anderen Teilnehmern wurden wir rund 100 Minuten lang von einer jungen, sehr engagierten Guide durch das Gelände geführt. Die Pilsner Urquell Brauerei gilt als Geburtsort des weltweit ersten goldenen Pilsbiers (seit 1842) und ist heute eine der bekanntesten Braustätten überhaupt.
Die Anlage ist beeindruckend gross - sowohl oberirdisch mit modernen Abfüllanlagen als auch unterirdisch mit kilometerlangen Kellern. Wir bekamen Einblicke in den gesamten Brauprozess: von der Gerstenmaische über die Zugabe von Hopfen bis hin zu den riesigen Sudkesseln. Besonders spannend war die Kombination aus moderner Technik und traditioneller Herstellung.
Ein echtes Highlight waren die historischen Kelleranlagen - fast katakombenartig, kühl, feucht und voller Geschichte. Dort lagert das Bier noch teilweise in Holzfässern zur Reifung.
Und dann natürlich die Verkostung: naturtrübes, unfiltriertes Pilsner direkt aus dem Fass, mit etwa 4,4% Alkohol. Frisch, mild, ganz anders als aus der Flasche - definitiv ein Erlebnis.
Im Souvenirshop durften dann noch zwei doppelwandige Stahlbierbecher mit - für Giotti. Robust, männlicher Abwasch tauglich und garantiert bruchsicher.
Zurück ging's wieder durch die Läufermenge - leicht beschwingt mit guter Laune. Doch die war schlagartig weg, als wir bei Giotti ankamen: eine hübsche "Fessel" am Rad und auf beiden Seiten ein netter Aufkleber mit Grüssen der tschechischen Verkehrspolizei.
Ich bekenne mich hiermit schuldig.
Also Polizei angerufen. Sehr freundlich übrigens - aber auch sehr konsequent. Nach etwa zehn Minuten kam die "Rettung" mit Blaulicht. Gegen 1500 CZK (ca. CHf 56.60) wurde Giotti wieder befreit. Lehrgeld bezahlt. Und ja - scheint ein funktionierendes Geschäftsmodell zu sein. Im Kofferraum des Polizeiwagens lagen Dutzende von Krallen, die noch ihren Zweck erfüllen wollen...
Nebenbei erwähnt: In Tschechien gelten 0,0 Promille... wenn man sich hinters Steuer setzt...
Eigentlich wollten wir nach der Führung Pilsen anschauen, aber die Lust war etwas verflogen. Also weiter Richtung Prag, wo wir bereits im Vorfeld für zwei Nächte auf einem kleinen Campingplatz einen Platz gebucht haben. Der Platz liegt etwas ausserhalb in der Nähe eines kleinen Sees mit schönem Park. Genau das Richtige nach so einem Tag.
Zum Abschluss gabs dann ein wunderbares Nachtessen in einem typischen kleinen Restaurant mit lokaler Küche. Die Portionen - eher ziemlich üppig. Mein Fleischrest wanderte in einen Doggybag mit zurück zu Giotti.
Wenn wir morgen nach der Stadtbesichtigung von Prag zurückkehren, werden wir sicher noch gerne dieses Häppchen vertilgen.Read more
Pilsen
May 8 in Czech Republic ⋅ ☁️ 15 °C
Nürnberg
May 7 in Germany ⋅ ☁️ 11 °C
Zwischen Regenwolken und Rostbratwürsten
May 7 in Germany ⋅ 🌧 10 °C
Start heute Morgen im beschaulichen Weisslingen - der Kaffee noch warm, die Vorfreude schon gross. Die Fahrt in Richtung Nordosten lief grundsätzlich gut, auch wenn sich gefühlt halb Europa mit uns die Strasse teilte: viele Lastwagen, dichter Verkehr, dazu ein grauer Himmel und regnerische 9 Grad. Kein klassischer Postkartenstart, aber genau das gehört ja auch dazu.
Angekommen in Nürnberg wurden wir direkt belohnt.: Am Dutzendteich fanden wir einen richtig guten Stellplatz - und das Beste: gratis! Nur ein paar Gehminuten zur U-Bahn, besser geht's kaum.
Mit der Bahn ging's zügig in die Altstadt zur beeindruckenden Lorenzkirche. Die gotische Kirche ist ein echtes Highlight: hohe, lichtdurchflutete Hallen, filigrane Masswerkfenster und mittendrin der berühmte "Engelsgruss" von Veit Stoss - ein schwebendes Kunstwerk, das einen fast innehalten lässt. Wir haben kurz verweilt, zwei Kerzlein angezündet und die besondere Atmosphäre aufgesogen.
Danach ging's auf eine eher ungewöhnliche Mission: Ube-Pulver (pink powder...sehr hype momentan, aber auch sehr gesund mit vielen Nährstoffen...Yamswurzel...) auftreiben. Gar nicht so einfach - selbst im "good old Germany" fast ein Novum. Erfolglos, aber immerhin mit einem Schmunzeln weiter Richtung Weisser Turm. Der ehemalige Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert ist heute ein markanter Punkt mitten in der Fussgängerzone - ein schönes Stück Stadtgeschichte, das sich ganz selbstverständlich ins moderne Treiben einfügt.
Direkt daneben das berühmte Ehekarussell - oder besser gesagt: ein Brunnen, der es in sich hat. Die Darstellung des "Ehelebens" nach einem Gedicht von Hans Sache ist... sagen wir mal: sehr ehrlich. Von romantisch bis ziemlich drastisch ist alles dabei. Für Flitterwochenpaare eher abschreckend als inspirierend- aber definitiv sehenswert.
Danach wurde es Zeit für das, was man in Nürnberg einfach tun muss: Einkehren im Bratwurst Röslein. Nürnberger Rostbratwürste mit Sauerkraut - klassisch, deftig, genau richtig. Danach fühlten wir uns so leicht wie ein Bleigewicht... oder sagen wir: wie ein Helliumballon in Göreme - nur ohne Abheben.
Frisch gestärkt machten wir uns auf den Weg zur Kaiserburg Nürnberg. Die Burg thront hoch über der Stadt und ist eines der bedeutendsten mittelalterlichen Bauwerke Europas. Die Anlage ist riesig - mit dicken Mauern, Innenhöfen und Türmen, die Geschichte atmen. Besonders beeindruckend ist der Blick über die Altstadt - selbst bei grauem Himmel ein echtes Erlebnis. Punkt 18.00 Uhr hiess es dann allerdings: raus hier, wenn man nicht unfreiwillig zum Burggespenst werden möchte.
Mit der U-Bahn ging's zurück zum Stellplatz am Dutzendteich. Inzwischen ziemlich gut gefüllt - wir sind also nicht die Einzigen mit dieser guten Idee. Und als kleines Natur-Highlight: Die Wildgänse vom nahegelegenen Silbersee haben offenbar die Nachtschicht übernommen. Unsere persönlichen Wachgänse - wer braucht da noch Alarmanlagen?
Ein Tag, der wettertechnisch grau begann und atmosphärisch golden endete. Genau so darf ein Wohnmobil-Abenteuer sein.Read more






















































































































































































































































































































