• Ignoranz hinter Glas und Blech

    16. Januar 2024 in Senegal ⋅ ☀️ 28 °C

    Das Bier der Zebrabar hat den sandigen Geschmack in meinem Mund weggespült. Es ist landschaftlich schön und es tummeln sich viele deutsche Touristen hier, mit ihren riesigen Motorrädern oder Campern. Teils fahren die mit umgebauten Lastwagen umher, wenn man nicht permanent darin wohnt in meinen Augen unglaublich dekadent. Nun verstehe ich, warum 250 EUR für Autos an der Grenze verlangt werden.
    Im Gespräch mit einigen Leuten merke ich, dass die teils keinen Plan haben und ihre Aussagen gespickt mit Vorurteilen sind. Die schwingen sich mit ihren dicken Bäuchen auf ihre Motorräder oder hinters Steuer von ihren Lastwagen und fahren von Campingplatz zu Campingplatz, und bleiben dort. Dabei haben die null Kontakt mit der Bevölkerung (wie auch, niemand von denen spricht französisch) und (ver-)urteilen von ihrem gefederten Sitz aus, hinter der Glasscheibe. Nicht alle sind so- eine Schweizer Familie, die ich hier getroffen habe, ist toll- wir haben eine gute Zeit.

    Versteht mich nicht falsch- ich liebe diese halben Panzer und würde darin aufblühen, z.b einen Land Rover Defender für die Apokalypse vorzubereiten und vielleicht mache ich das auch mal.
    Aber man muss sich einfach bewusst sein, man ist und bleibt hinter einer Glasscheibe, in einem Käfig, abgesondert und fährt steril wie in einer Seifenblase durch andere Welten.

    Das Fahrrad hingegen bietet keinen Schutz. Die ganze Wucht der fremden Welten prasselt ungebremst auf einen ein. Das muss man wollen.
    Es gibt Tage, da liebe ich es. Und da sind Tage, da wird es zuviel.
    Aber ich erkenne, dass das Fahrrad der ursprünglichen und nackten Form des Reisens sehr Nahe kommt.
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