• Thomas Schenk
  • Thomas Schenk

Planlos mit Tom

Mit dem Reisefahrrad ohne Plan und ohne Ziel- nur eine Richtung: Ab in die Wärme.
Mit im Gepäck: Neugierde, Abenteuerlust, Optimismus und sicherlich auch eine gewisse Portion Naivität.
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  • Trip start
    December 8, 2023

    Einleitung & Erstes Ziel definiert

    November 25, 2023 in Switzerland ⋅ ❄️ 1 °C

    Willkommen 😊

    Es hat sich mir nie ganz erschlossen, warum man einen Reiseblog schreibt- das hat für mich immer nach Selbstinszenierung gestunken. Aber da einige Personen aus meinem Umfeld danach gefragt haben, gebe ich mir einen Ruck und bemühe mich, ab und zu einige Sätze und Fotos zu posten. Zudem gelingt es mir vielleicht, den einen oder anderen Leser zu inspirieren und Fernweh zu wecken- dies soll das Ziel dieses Blogs sein.

    Ich hoffe sehr, dass ich mit meinem unkonventionellen Reisestil keine abschreckende Wirkung erziele.

    Zur Reise, diese ist seit Beginn unter keinem guten Stern gestanden. Noch nie musste ich eine Reise so oft umplanen, neu überdenken, ganze Routen und Länder streichen. Ursprünglich geplant war der Nahost: Libanon – Jordanien – Israel – Ägypten. 4 Tage nach Kauf des Flugtickets ist der Konflikt neu entflammt und meine Flüge wurden annulliert. Als Reaktion darauf habe ich mich in einer Trotzreaktion dafür entschieden, überhaupt nicht zu planen. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich meine Pläne sowieso zu einem Zeitpunkt X über den Haufen geworfen.

    Lange war ich unschlüssig, wo ich mit meinem Fahrrad starten soll- es gibt schlicht zu viele interessante Länder, die noch bereist werden wollen. Der einfallende Winter limitiert jedoch die Auswahl. Ich werde bei meiner nächsten beruflichen Anstellung Kälte zur Genüge erfahren, daher darfs ruhig noch ein bisschen Sonnenschein sein.

    Da es mir zuwider war, das Reisefahrrad in einer Kartonschachtel in einen Flieger zu packen, habe ich nun spontan eine Fähre gebucht:

    Am 9.Dezember geht’s ab Marseille nach Tangier, in den Norden Marokkos. Nach Marseille reise ich mit dem Zug. Keine Lust auf kalte Finger.

    Die Fahrt mit der Fähre dauert 44 Stunden, ich habe keinen Stress. Welche Route ich in Marokko nehme, ist noch nicht definiert. Auch das Land nach Marokko ist noch nicht klar- hier gibt es nur suboptimale Möglichkeiten: Algerien ist von den Visumsbestimmungen schwierig und südlich von Marokko liegen für 1500 km Sand mit der angeblich höchsten Minendichte der Welt.

    Ich werde mich um die Weiterreise bemühen, wenns dann soweit ist. Momentan fokussiere ich mich auf die Ausrüstungsliste (die ich zu einem gegebenen Zeitpunkt hier veröffentlichen werde) und darauf, eine ungefähre Route in Marokko festzulegen.

    Wie lange ich unterwegs sein werde, weiss ich nicht. Ich plane mit etwa 3 Monaten (anstelle ursprünglich angedacht 6+), da ich gerne noch etwas zu Hause bin, bevor ich für längere Zeit beruflich im Ausland bin.
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  • Ausrüstungsliste

    December 2, 2023 in Switzerland ⋅ ❄️ 0 °C

    Das Fahrrad nimmt langsam seine endgültige Form an. Die letzten Halterungen sind montiert, die Ausrüstungsliste ist erstellt und beinahe komplett.
    Platz habe ich genug- einige Taschen sind halb leer. Tendenziell ist mir das Ganze noch viel zu schwer, ich werde sicherlich einiges zurückschicken oder vor Ort verschenken. Dafür muss ich jedoch erst herausfinden, was ich effektiv benötige und was nicht.
    Die kleine Drohne in der Ausrüstungsliste habe ich Occasion erstanden- die Versuchung Bilder aus der Luft zu erstellen war einfach zu gross. Da die Drohne jedoch in vielen Ländern verboten ist, gehe ich davon aus, dass mir diese früher oder später an einer Grenze konfisziert wird.
    Ein Risiko, das ich bereit bin, einzugehen.
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  • Marseille

    December 8, 2023 in France ⋅ ☁️ 11 °C

    Nachdem sich bestimmt 1000 Franzosen lautstark über mein sperriges und schlecht verpacktes Fahrrad im TGV beschwert haben (und ich natürlich auch, sonst hätte plötzlich jemand bemerkt, dass es ja meins ist), bin ich um etwa 16 Uhr in Marseille angekommen.
    Marseille, was soll ich sagen… mit ein paar Bier intus und mit zusammengekniffenen Augen könnte es auch die Innenstadt von Zürich sein. Die sind zivilisiert- also nichts für mich.
    Nach einem spontanen Training in der Crossfit-box „Epsilon“ und 2-3 Bier (lieber eins zu viel als zu wenig, ich reise ja in muslimische Länder) in der Hostelbar mit einigen anderen Reisenden (deren Namen ich nach 0.0012 Sekunden vergessen habe) ist für mich heute Feierabend. Morgen auf die Fähre & 44 Stunden lang aufs Wasser starren. Adieu!
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  • Fähre

    December 10, 2023, Balearic Sea ⋅ ⛅ 17 °C

    Die Fähre tuckert mit 30 km/h übers Meer, die meisten Kabinen sind leer. Die Fähre ist alt und rostet, hat aber 70er Jahre Charme. Es sind nur wenige Passagiere an Bord, die es sich auf den alten abgewetzten Sesseln bequem machen, fast alles Männer, barfuss, lange Gewänder, bärtig.
    Man hat Zeit, kommt ins Gespräch, entschleunigt. Ich teile meinen Tisch mit einem weiteren Schweizer und einer Französin, die ich hier getroffen habe.
    Wifi gibts nur ab und zu, wenn wir nahe des Festlands kreuzen, und das ist gut so.
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  • Aller Anfang ist steil

    December 13, 2023 in Morocco ⋅ ⛅ 14 °C

    Komoot, meine Navigationsapp, meinte es gut mit mir und hat mich nach dem Anlegen der Fähre um 1500 Uhr in Tanger Med direkt über den ersten Pass geschickt-nach 20 Minuten Fahrt musste ich den vollbepackten Drahtesel das erste Mal schieben.
    1000 Höhenmeter und rund 50 km später bin ich in Tétouan angekommen, selbstverständlich war es bereits stockdunkel und ich mehrmalig durchgeschwitzt.
    Übernachtet habe ich in einem Riad Gästehaus bei einer Familie, die ausschliesslich Arabisch spricht, aber sehr freundlich und interessiert war (Ich bezweifle jedoch, dass sie viel meiner Zeichensprache verstanden haben).
    Am nächsten Tag weiter nach Chefchaouen, rund 70 km und 1200 Höhenmeter- den heutigen Tag verbringen ich in dieser farbigen Stadt in den Bergen.
    Meine Vorstellung, 100 km am Tag zu schaffen, kann ich bei diesen Steigungen vorerst knicken, wenn ich nicht ausbrennen will.
    Mein Fahrrad und ich sind noch keine Freunde. Die Bergstrassen zehren an meinen Kräften, bereits bei kleinen Steigungen reduziert sich meine Geschwindigkeit durch das grosse Gesamtgewicht auf ein Schneckentempo.
    Ich nutze den heutigen Tag um bei gutem marokkanischen Tee die weitere Route zu planen. Das Land ist riesig gross und vor mir liegen tausende kumulierte Höhenmeter- grob über den Daumen gepeilt reicht die Zeit niemals, um in vernünftiger Zeit in den Süden zu gelangen.
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  • Nicht allein

    December 14, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 13 °C

    Ich bin unterwegs nach Fès, eine Gesamtstrecke von 187 km und 3400 Höhenmeter quer durchs Gebirge. Eigentlich wollte ich die Etappe in 2 Tagestouren durchziehen, daraus wird aber nichts, denn gestern Nachmittag nach gut 50 km durch malerische Landschaften lautes Rufen und Winken: 2 weitere Radreisende aus Frankreich, völlig aus dem Häuschen, endlich einen anderen Verrückten zu treffen. Ich bleibe über Nacht, wir sind die einzigen Gäste im einzigen Gästehaus weit und breit.
    Wir kochen gemeinsam mit dem Gastgeber und essen alle direkt aus dem grossen Teller, nichts bleibt übrig.

    P.S: Ich habe einen Waffenstillstand mit meinem Fahrrad (mit Namen übrigens Daisy Fettquark) vereinbart. Ich trete nicht wie ein Gestörter in die Pedale, dafür springt die Kette nicht mehr raus. Wir freunden uns gerade an, Beziehungsstatus: kompliziert. Aber ich bin zuversichtlich.
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  • Schwere Beine & Föhnfrisur

    December 16, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 16 °C

    Am frühen Nachmittag bin ich in Fès angekommen.
    Gestern 90 km gestrampelt, heute die restlichen 45 km- uuuuuund neu im Angebot: *Trommelwirbel*: Eine super tolle tolle tolle tolle Kombo: Höhenmeter und Starkwind; manchmal seitlich, meist jedoch frontal. So stark, dass es mich einmal einfach von der Strasse geblasen hat, ab in den Strassengraben mit Sack und Pack. Da ich eh nur im Schritttempo unterwegs war, halb so wild.

    Was für eine Schinderei.

    Gestern Abend wollte ich neben einem kleinen Dorf in der Pampa zelten- was nicht möglich war. Mit viel Effort und Gefuchtel wurde mir ein Zimmer organisiert- das ein anderer zuerst räumen musste. Selbstverständlich musste ich für das Zimmer bezahlen. Nicht viel, trotzdem. Das regt mich auf- lasst mich doch einfach in Ruhe zelten und meinen Haferbrei anrühren. Sonst hätte ich mein Zelt auch daheim lassen können.

    In Fès bleibe ich mindestens 2 Nächte. Wie immer versuche ich so viel ungesundes Zeugs in mich reinzudrücken wie möglich und trinke brav meinen Minzentee & tausche mich mit anderen Reisenden aus. In Kürze werden auch die Franzosen vom Gästehaus 140 km entfernt hier eintreffen.

    Mein mittelfristiges Ziel ist das 700 km entfernte Essaouira, via Marrakesch. Ich will surfen & habe momentan genug von Bergstrassen. Die 700 km bis nach Essaouira haben 1000 Höhenmeter weniger als die 300 km bisher, das ist doch ein gutes Zeichen.
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  • Aufbruchstimmung in den Sand

    December 18, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 17 °C

    Die nächste Etappe ist grob geplant: Anstatt auf direktem Weg durch relativ uninteressantes Gelände nach Marrakesch zu fahren, steige ich heute Abend in den Nachtbus nach Merzouga, ins Grenzgebiet der Sahara.
    Im Anschluss gehts durchs Ödland dem Atlasgebirge entlang etwa 350 km nach Quarzazate.
    Die Schnee- und Temperaturverhältnisse werden entscheiden, ob ich den Tizi n'Test Pass nach Marrakesch mit einem Bus oder dem Fahrrad bestreite.

    Nach Marrakesch solls dann endlich Richtung Küste gehen, siehe Plan bei den Bildern. Blau ist via Bus, rot mit dem Fahrrad.

    Für meine nächste Anstellung im Süden unseres Planeten muss ich mich einer mehrtätigen medizinischen Untersuchung in Norddeutschland unterziehen. Gerade vorhin habe ich die Daten erhalten, die sich nicht verschieben lassen: 31.01. bis 02.02.2024 in Bremerhaven. Das ist früher als erwartet.

    Wo ich Mitte / Ende Januar bin, weiss ich nicht. Ob ich die medizinischen Untersuchungen bestreite und mich wieder in den Sattel schwinge oder diese Termine das Ende meiner Reise einläuten, weiss ich auch noch nicht.
    Je nach spontaner Gefühlslage :-)
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  • Sand & Katzenpisse

    December 19, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 16 °C

    Ich bin noch in Merzouga, bin aber froh, mich morgen früh in den Sattel schwingen zu können: der Ort ist mir viel zu touristisch.

    Die riesigen Sanddünen werden geradezu missbraucht, mit Jeeps oder Buggys darüber zu preschen und am Abend werden die Touristen auf Kamelen in Wüstencamps verfrachtet.

    Da Zelten immer noch nicht möglich ist bin ich in einem Hostel untergekommen. Lasst euch von den schönen (kitschigen) Wandbildern nicht täuschen; der ganze Ort riecht nach Katzenpisse.

    Andere Reisende sind eher selten anzutreffen.
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  • Endlich Strecke

    December 21, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 14 °C

    Heute war ein richtig guter Tag- das Fahrradfahren war sogar angenehm (relativ flach, wenig Wind).
    Die Nacht verbringe ich endlich mal im Zelt- hinter dem Wohnhaus einer netten Berber-Familie.

    Die Nächte sind hier kalt- heute morgen wars -1 grad C. Aber bei meiner Beinbehaarung (die übrigens junge Frauen in etwas abgelegenen Dörfern zum Kichern bringt- vielleicht sinds jedoch auch meine sexy engen Radlerhosen) sollte die Kälte keine Probleme darstellen :-)

    Noch 600 km bis zur Küste.
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  • Tinghir und heissi Bäckli

    December 22, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 15 °C

    Mit Mohammed vom Schlafplatz gestern (gefühlt alle heissen hier Mohammed oder Karim) hatte ich bis am späteren Abend Gespräche über Allah und die Welt. Er war sehr gastfreundlich und interessiert, wir haben uns die Mahlzeiten geteilt.
    Es ist spannend, Einblicke in diese gefühlt andere Welt zu erhalten. Der Tee, die bärtigen Männer, die schallend lachend beieinandersitzen, Witze machen, sich auf die Schultern klopfen, die schiefen Zähne zeigen. Ich muss lächeln, auch wenn ich die Sprache nicht verstehe. Männerfreundschaften sind überall gleich. Beim Klang der Moschee (5 mal am Tag) teilen sie sich einen Gebetsteppich. Stehen in Schlange, bis jeder dran war. Und kümmern sich dann wieder um ihren Tee.
    Gestern 100 km, heute 100 km geradelt. Heute wars bereits etwas harziger. Nach 3 Tagen und 2 Nächten draussen gönne ich mir heute ein Hostel. Eine Dusche und ein Bett für 8 EUR ist kein schlechter Deal. Aber wie gewohnt bin ich der einzige Gast- dieses Fahrradreisen abseits der Saison kann ziemlich einsam sein. Ich bin müde, mein Kopf glüht von der Sonne, obwohl es bis 11 Uhr jeweils bitter kalt ist. Mein nächstes Ziel ist Ouarzazate, wo ich einen Tag Pause einlegen will. Dies ist jedoch 167 km weit entfernt- das schaffe ich nicht in einem Tag. Vielleicht frage ich auch einfach einen Lastwagen oder Kleintransporter, ob er mich für einen Teil der Strecke mitnimmt.
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  • Abu sei Dank

    December 23, 2023 in Morocco ⋅ 🌙 11 °C

    Am Anfang waren meine Gedanken während dem Radeln chaotisch, jetzt schlägt das Pendel in die andere Richtung. Es dauert nun immer weniger lange, bis sich mein Verstand abkapselt. Meine Beine arbeiten wie eine Maschine mit konstantem Aufwand, passen sich Steigung und Wind automatisch an. Äussere Reize erreichen mich wie durch einen Filter, alles ist gedämpft. Die Wahrnehmung vermindert sich auf einen Punkt zwei Meter vor meinem Fahrrad, mein Blick erspäht Abfall, Glas, mit Pisse gefüllte Petflaschen, Steine und Sand. Musik trägt mich durch die Monotonie und lullt mich ein- ich bin da, und bin es nicht. Im Ausdauertraining ein gewollter Zustand, da auch innere (Schmerz-)reize gedämpft werden, hier eher unerwünscht. Die Landschaft zieht an mir vorbei und verschwimmt in einem Wasserfall aus Brauntönen, nur wenig durchdringt diese Barriere. Das ist schade- schliesslich bin ich für alles andere hier, und nicht fürs radeln.

    Heute Nachmittag habe ich versucht, auf einen Laster aufzuspringen. Aber alle Transporter und Lastwagen sind an mir vorbeigezogen. Ich hatte mich bereits darauf eingestellt, 170 km zu fahren und erst Nachts anzukommen. Der Gedanke, noch heute anzukommen, sass zu fest in meinem Kopf für ein Biwak.
    Nach 120 km hatte ich jedoch Glück- Abu nahm mich in seiner Klapperkiste mit.
    Erst in der warmen Kabine und beim Versuch nicht einzuschlafen, merkte ich, wie müde ich bin.

    Danke Abu!
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  • Rastlos nach Marrakesch

    December 24, 2023 in Morocco ⋅ ☁️ 16 °C

    Mohammed Nr.3 vom Hostel in Ouarzazate ist ein guter Gastgeber, kann aber auch nichts daran ändern, dass ich erneut den gesamten Schlafsaal für mich habe.

    Ich habe realisiert- Heute ist Heiligabend. Es macht mir nichts aus, irgendwo im nirgendwo Weihnachten zu feiern- aber ganz alleine finde ich dann doch nicht so toll.
    Eigentlich wollte ich den Tizi n tichka pass nach Marrakesch mit Daisy bestreiten, aber ich nehme den Bus. In Marrakesch bin ich wenigstens unter Leuten, auch wenn mir die Hälfte von denen einen Teppich für 7000 EUR andrehen will.

    Und beweisen muss ich auch niemandem mehr was (am wenigsten mir selber)- ich bin schon fast 31i Tammisiech.

    Irgendwie krass: Für den Pass hätte ich mit dem Fahrrad 2-3 Tage gebraucht, mit dem Bus sinds 4 h.

    In diesem Sinne: Frohe Weihnachten :-)
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  • Marrakesch

    December 24, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 20 °C

    Von der Stille der Wüste gings erstaunlich schnell zurück ins Chaos der Souks- Marrakesch ist moderner als bisherige Städte und Ausgangspunkt für Reisende aus aller Welt. Entsprechend ist der Tourismus: Alle verkaufen denselben Ramsch, auf einem grossen Platz feilschen Feuerspucker, Schlangenbeschwörer oder Tierquäler mit kleinen eingesperrten Äffchen um die Aufmerksamkeit der Touris.
    Das Hostel ist gut gefüllt mit lauter schaurigen Gestalten, die in den bunten Räumen aufeinandertreffen.

    Eine kleine Auswahl:

    Albert- der Pole: Geht nach Marokko und importiert 2 Flaschen Vodka (man weiss nie);
    Manu- der Deutsche: stellt gerne alles in Frage, trägt bunte Hüte und rasselt den ganzen Tag mit einer kleinen Rassel;
    Abdul- der Engländer mit Wurzeln aus Somalia und bunten Hosen mit Elefanten bedruckt ist auf der Suche nach Erfüllung;
    Helene- die Deutsche: trägt Sandalen mit Socken, zeigt gerne ihre Beinbehaarung und arbeitet ehrenamtlich irgendwo & rettet die Welt;
    Mike- auch Deutsch: Muskelprotz, trägt ein Bandana um den Kopf, gibt ein Vermögen für Bier aus, will Aussteiger werden und nach Vietnam auswandern.

    Ich merke rasch, dass ich nicht mehr ganz den Nerv der neuen Generation Rucksacktouristen treffe.

    Der Weihnachtsabend war speziell- aber schön, in Gesellschaft zu sein. Unter Leuten, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Für einen kurzen Moment kreuzen sich die Wege, einige verschwinden gemeinsam auf ihre Zimmer, am nächsten Tag trennen sich die Wege für immer, und neue Reisende mit grossen Augen und Neugierde im Blick reisen an. Ein ewiger Kreislauf.

    Die Nacht im 14er Massenlager war erstaunlich erholsam.

    Ich bin bereits wieder auf dem Sprung- 2 Nächte Marrakesch reichen.

    Mein nächstes Ziel ist die Küste: Essaouira. In 2 Tagen sollte ich dort sein & möchte aufs Surfbrett.
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  • Abgase & Schüttelfrost

    December 26, 2023 in Morocco ⋅ 🌙 12 °C

    Meine Freunde- es geht zu Ende mit mir. Die Männergrippe hat mich erwischt, meine Tage sind gezählt, die Welt geht unter.

    Neinnnnn, alles halb so wild. Aber Schüttelfrost und Husten haben mich eingeholt, einerseits weils immer so schweinekalt ist hier (Heizung gibts nicht und die Häuser sind nicht isoliert) und andererseits weil die Gassen durch die ganzen Mopeds, Roller und Dreiräder in Abgase gehüllt sind. Einmal hat mich sogar ein Muldenkipper überholt. Ein blauer Abgasschleier legt sich nieder, teils kann von Atmen nicht die Rede sein. Es ist absolutes Chaos, ständiges Gehupe in diesen engen Gassen. Ganz ehrlich, ich könnte jeden einzelnen von ihren Billigrollern schubsen, rein ins China-geschirr.

    Eigentlich wollte ich heute weiter- bin aber noch in Marrakesch. Auch, weil ich eine in Chefchaouen kennengelernte Reisende wiedergetroffen habe. Mal sehen wies mir morgen geht- es zieht mich aufs Velo. Raus aus diesem Dunst und Lärm.

    Ah und ich habe tatsächlich einen weiteren Fahrradreisenden getroffen, der in Richtung Mauretanien unterwegs ist. Aber der Typ wirkt verpeilt. Ich glaube nicht, dass er weiss, worauf er sich da einlässt.
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  • Unterwegs

    December 28, 2023 in Morocco ⋅ ⛅ 20 °C

    Ich bin noch immer krank- meine Ibuprofen sind schon beinahe aufgebraucht. Trotzdem musste ich los, raus aus dieser Stadt, Richtung Essaouira. Zwischenstation nach 90 km, wieder einmal mit Zelt.
    Morgen komme ich an der Küste an.
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  • Essaouierioiueorua oder so

    December 29, 2023 in Morocco ⋅ ⛅ 20 °C

    Ui, hier gibts ganz viele Touristen. Dafür kann man sich auch mal ein kühles Bier gönnen.

    Für meine medizinischen Checks habe ich den Flug zurück gebucht- ab dem 23.Januar bin ich für etwa 2 Wochen wieder zurück. Ich fliege ab Agadir, Dakar Senegal ist zu weit weg.

    Ich werd mir nun eine Beschäftigung suchen müssen (surfen ist sicherlich eine davon)- denn Agadir ist von Essaouira nur 2-3 Tagesrouten Velo entfernt.. was mache ich 3 Wochen lang? Ja, stillsitzen konnte ich noch nie…

    Das Timing ist ungünstig.

    Wohin es nachher geht, weiss ich noch nicht.
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  • Seifenblase in Marokko

    December 31, 2023 in Morocco ⋅ ☀️ 20 °C

    Vor etwa 8 Jahren bin ich in Honduras eingereist- ohne zu wissen, dass Honduras damals als gefährlichstes Land der Welt mit der höchsten Mordrate galt. Auf einer kleinen Insel (Utila) vor der Ostküste habe ich das Tauchen gelernt. Die Insel war im Vergleich zum Festland komplett sicher- jeder kannte jeden, man konnte sich völlig frei bewegen und wurde gut umsorgt.
    Etwa so fühlt sich Essaouira an. Nicht, dass Marokko gefährlich wäre, aber dieses Städtchen gibt sich grosse Mühe, sich abzukapseln. Auf mich wirkt es wie eine Seifenblase, gefüllt mit allerlei eher älteren Touristen oder ganzen Familien aus Europa.

    Ich bin am surfen, mache sonst nicht viel. Die Wellen sind mit 1.5-2m so gross, dass auch ich sie noch erwische.

    Ansonsten bin ich wenig gesellig in letzter Zeit- ziehe die Einsamkeit vor wenn ich unter Leuten bin und verfluche die einsamen Stunden, sobald ich wieder alleine auf dem Fahrrad unterwegs bin.

    Es zieht mich weiter, Richtung Süden.
    Vielleicht ziehe ich bereits morgen weiter- spielt jetzt eigentlich alles keine Rolle mehr.
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  • Klatschgeräusche und Rotwein

    January 2, 2024 in Morocco ⋅ ☀️ 20 °C

    Einen Tag zu lange habe ich gewartet mit dem Aufbruch. Ich hab gedacht vielleicht wirds ja noch was mit der Entspannung. Aber nein- stattdessen musste der ganze Schlafsaal und ich mitanhören, wie ein schmieriger Zürcher Lappen mit Halbglatze und langen Haaren (ganz, ganz, ganz schlechte Kombination) nachts um 3 Uhr seine neuste Bekanntschaft gevögelt hat. Es waren nur 2x3 Minuten- aber das ist absolutes No-Go. Schäm dich.

    Ich bin oberhalb von Imsouane- hier sind 3 schweizer Campermobile (teils halbe Panzer). Ich finde ein bisschen Gesellschaft gerade ganz ok (solange es keine Zürcher sind, die habens vergeigt). Insbesondere das eine frische Rentnerpaar freut sich offenbar auch über Gesellschaft- und spendiert grosszügig Wein. Da sage ich nicht nein :-)

    Morgen nch Taghazout. Vielleicht gefällts mir da, und wenn nicht- ab Richtung Süden.
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  • Erinnerungen

    January 3, 2024 in Morocco ⋅ ☀️ 23 °C

    Taghazout ist voller hipper Surfer, hier kann man vegane Poke-bowls und Avocado-Toast bestellen, mehr muss ich dazu nicht sagen :-)

    Ist wohl auch einer der wenigen Orte in Marokko, wo die Leute im Bikini rumlaufen.
    Und der einzige mit Zapfhahn.

    Ich war schon einmal hier, an exakt diesem Ort. Obwohl noch keine 3 Jahre her, fühlt es sich an, als ob alles Jahrzehnte zurück liegt. Die Erinnerungen kehren zurück und fühlen sich lebendig an. Damals war ich nicht alleine. Gemeinsame Ferien mit einer Frau mit einem Namen so kurz wie ein Wimpernschlag, einer Hautfarbe wie Milchschokolade, wilden Haaren und Feuer in den dunklen Augen. Für einen Augenblick fühlt es sich an, als ob sie jeden Moment durch die Türe der Bar schreiten würde und mir erneut ihr Lächeln schenkt. Und doch weiss ich, dass der Platz vis-à vis von mir leer bleiben wird. Eine seltsame Leere breitet sich in mir aus, die auch das Bier nicht überdecken kann.
    Nach Taghazout haben sich damals unsere Wege getrennt und wir haben heute bis auf sporadische Nachrichten keinen Kontakt mehr.

    So ist das Leben nunmal. Machmal gewinnt man, manchmal eben nicht.

    Morgen bin ich sicher noch hier. Weiter geplant habe ich nicht.
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  • Wer nicht wagt…

    January 4, 2024 in Morocco ⋅ ☀️ 23 °C

    Momentan in Agadir- aber bleibe nicht lange. Habe für morgen einen Bus gebucht. Denn- nur mit dem Fahrrad ist mein Ziel bis Ende Januar nicht zu stemmen. Der Bus bringt mich in zwei Etappen nach Dakhla- mitten in die Wüste der Westsahara und an den südlichsten kontrollierten Punkt von Marokko. Von dort gehts in 4 Tagestouren mit dem Fahrrad an die Grenze, nach Mauretanien. Links sollen Minen liegen, rechts das Meer. Mauretanien (falls alles klappt an der Grenze) plane ich zügig zu durchqueren, um auf den längsten Eisenzug der Welt in eine Erzmine aufzuspringen (google: iron ore train mauritania) wird die Zeit wohl nicht reichen. Nach weiteren mehreren hundert Kilometern Wüste folgt der zweite berüchtige Grenzübertritt nach Senegal. Einmal in Senegal- werde ich entspannen. Der Flug ist am 26.01 ab Dakar, mit dem Fahrrad. Aber wer weiss- vielleicht lasse ich Daisy zurück & fliege nach Dakar zurück nach meinen Terminen.
    Ich habe das Gefühl, Afrika fängt gerade erst an und bin froh, Marokko nun zügig hinter mir zu lassen.
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  • Abseits vom Touristenpfad

    January 5, 2024 in Morocco ⋅ 🌬 21 °C

    Tan Tan- dich mag ich. Jedenfalls mehr als die anderen Kleinstädte. Denn du bist komplett unbedeutend. Du liegst mitten im Ödland, die nächste Stadt 2 h entfernt.
    Es gibt hier weder berühmte Steinhaufen noch besonders süsse Datteln, und entsprechend auch keine Touristen.
    Die Menschen sind freundlich, keine aufdringlichen Verkäufer, die Bettelei ist weniger aggressiv, keine Kinder, die mir hinterherschreien und Äste in die Speichen werfen.

    Ich wandere herum und warte auf den Bus nach Dakhla. Trinke einen Kaffee mit einem Kaffeeverkäufer- er erzählt mir, dass er vorher 32 Jahre bei der Armee gedient hat. Ich frage nach seiner Einteilung- er deutet gegen Süden, brummt „Frontière Mauritanie“ und macht mit seinem Zeigefinger eine Abschussbewegung. Worauf er genau geschossen hat, will ich nicht wissen.

    Ich war auch einkaufen- Spagetti, Sardinen, 4 Fertiggerichte, bouillon, Zahnpasta, 400g geröstetes Maispulver (keine Ahnung was man damit macht), Putzlappen, Kekse und eine Reihe Kinderschokolade für gesamt 6 EUR- etwas mehr als für eine Hauptmahlzeit mit Vorspeise.
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  • Vor der Stille

    January 7, 2024 in Western Sahara ⋅ 🌙 17 °C

    Dakhla ist eine hässliche Stadt- ziemlich verschmutzt. Weiter draussen solls ein Paradies für Kitesurfer sein- aber dafür habe ich keine Zeit.
    Ich habe in einem Hotel für 18 EUR eingecheckt, eine letzte Dusche bevor ich voraussichtlich 4 Tage in der Wüste verbringen werde.
    Was mich in den nächsten Tagen genau erwarten wird, weiss ich nicht.
    Die Drohne ist auch in Mauretanien illegal- und gemäss Berichten geht Mauretanien wenig zimperlich vor in dieser Angelegenheit- daher versuche ich die Drohne morgen bei der Post aufzugeben. Es hat gedauert, bis ich einen simplen Karton und Klebeband aufgetrieben hatte. Keine Ahnung ob das Paket wirklich in der Schweiz ankommen wird.

    Und dann gehts los- rund 370 km bis zur Grenze. Links der mit Minen gespickte Sandwall „Berm“ genannt, rechts das Meer. Ein Konflikt zwischen Marokko und der von Algerien unterstützten Frente Polisario, bis heute ungelöst.

    Die Strasse nach Mauretanien soll jedoch seit einigen Jahren komplett ausgebaut und sicher sein. Bis auf 4 km Niemandsland direkt nach der Grenze, das als Puffer fungiert: Dort empfiehlt es sich stark, auf der Piste zu bleiben.

    Seit Wochen bin ich meist mit meinen Gedanken alleine - aber 4 Tage nicht zu sprechen wird sicher eine neue, spezielle Erfahrung.

    Ich melde mich, sobald ich kann.
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  • Erste Etappe

    January 8, 2024 in Western Sahara ⋅ ☀️ 26 °C

    Ab Dakhla nimmt der touristische Verkehr massiv ab- und die Militärpräsenz stark zu. And der Küste lassen Suchscheinwerfer die Nacht punktuell zum Tag werden, im Landesinnern sind auf gesamter Linie strategisch Beobachtungsposten platziert. Ich realisiere, dass Marokko an allen Grenzen und der Küste geschlossen überwacht wird. Auch ich werde regelmässig kontrolliert und erfasst- die wissen genau wo ich bin, und was ich mache. Das Militär bleibt jedoch freundlich und lässt mich gewähren.

    Die erste Etappe à 120 km war zügig gemeistert. Bei einer stillgelegten Tanke wurde ich zu Tee und Datteln eingeladen, eine schöne Geste.
    Übernachtet habe ich versteckt an der Küste, ausser Sicht der Beobachtungsposten.
    Der Sternenhimmel ist hier draussen unglaublich schön- ich sehe so viele Sterne wie noch nie.
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  • Herzlichkeit & Honigglas mit Sonnenmilch

    January 9, 2024 in Western Sahara ⋅ ☁️ 23 °C

    In den nächsten Tagen treffe ich einen Marokkaner, der mit seinem Scooter am Reisen ist, lustiger Typ. Er erzählt mir, er sei 3 Jahre mit dem Fahrrad unterwegs gewesen, zeigt mir seinen vollen Pass. Als Marokkaner stehen ihm jedoch nur Westafrikanische Länder offen. Und er lädt mich ein, zu Brot und Olivenöl. Ein Grundsatz im Islam, Reisenden zu helfen.

    Mich lassen solche Einladung und die Herzlichkeit einiger Marokkaner jeweils etwas beschämt zurück.

    Im Verlaufe des Nachmittags hält ein Geländewagen- ein fröhliches deutsches Paar hält an und füllt mir Sonnenmilch in ein leeres Honigglas, meine war nämlich fast aus. Wir verstehen uns auf Anhieb- sie bieten mir an, mich ein Stück mitzunehmen. Ich zögere- sage dann aber zu. Ich will Menschen kennenlernen und meinen Horizont erweitern, das Fahrrad ist nur Mittel zum Zweck.
    Wir enden auf dem identischen, vom Militär tolerierten Platz an der Küste. Es hat auch andere Reisende da, wir verbringen eine tollen Abend und ich kann mir den Schweiss im rauen Meer abwaschen.
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