• 6 Tage Dschungel - El Mirador

    26.–31. okt. 2024, Guatemala ⋅ 🌧 26 °C

    6 Tage, 130 km, Dschungel und Maya Geschichte

    Tag 1
    20 km, Schlammschlacht, einige Regenschauer

    5 Minuten vor Abmarsch aus den Dorf Carmelita kurzfristig verlängert von 5 auf 6 Tage.

    Antonio ist unser Guide, Jasmin unsere Köchin und Giovanni hat unsere Mulis im Griff

    Antonio vorneweg mit seiner Machete. Wird der Weg zu matschig, wird kurzerhand ein neuer querfeldein freigeschlagen - ritsch ratsch
    Die Wege wechseln zwischen Waldwegen, Schlammwegen, Trampfelpfaden

    Wiederkehrende Gedanken beim Wandern „Macht mir das grade Spaß?“ „Ist mir das zu viel Abenteuer?“ „Warum mache ich es mir eigentlich so ungemütlich?“ „Werden meine Füße je wieder trocken/ meine Schuhe je wieder sauber sein?“ „Ich habe diese Tour in der Regenzeit auf jeden Fall unterschätzt“

    Das erste Camp begrüßt uns mit richtigen Duschen und Wassertoiletten mitten im Dschungel, was ein Luxus!
    Nach dem Abendessen brummt der Generator damit es wlan gibt, die Guides am Handy „wifi gibts für 20 Q (~ 2,30€)“

    Top learnings:
    1. Nicht an irgendwelchen Bäumen festhalten, viele haben Stachel! Antonio operiert mir in der Mittagspause mit seinem Messer einen 2 cm senkrecht steckenden Stachel aus dem Zeigefinger
    2. keine Stirnlampe = Riesen Fehler! Antonio gibt mir seine Lampe und läuft im Dunkeln

    Tag 2
    30 km, weniger Regen dafür knietiefes Wasser, unveränderte matschig, 1 Sturz

    Nach einem schwierigen ersten Tag, habe ich heute das Gefühl, ich beginne die Wanderung zu genießen, ich bin im Erlebnis angekommen.
    Es hilft, dass wir heute mehrere Stops mit Maya Geschichte haben.
    Gleich morgens die erste Stadt El Tintal, komplett bewachsen, nichts ausgegraben. Wir steigen auf die höchste Pyramide und genießen den Ausblick auf einen nebligen Regenwald - magisch.
    Unser Weg ist die Calle Principal, die ehemalige Hauptstrasse. Die 25 km lange und damals 40 m breite Straße verbindet die beiden Städte El Tintal und El Mirador, heute ein matschiger Waldweg.

    Kurz vor unserem Ziel erreichen wir ein altes Grab. Wir dürfen hinein, alles original, nix restauriert, auch das Holz ist von ca. 1000 v. Chr. Im Putz sieht man Handspuren.

    Wir duschen im Regen, in diesem Camp nun mit unüberdachten Eimerduschen. Das Baños Schild führt zu einem Plums Klo. Auf dem Küchendach ein StarLink Sender. Es gibt warmes Essen, unsere nassen Socken trocknen über den Feuer, wir entspannen in Hängematten - ein anderer Luxus!

    Top Learnings
    1. Wenn Antonio losrennt, stehen wir auf Ameisen. Trotz Sprint gelangen die kleinen Übeltäter irgendwie auf die Haut/ in die Socken/ in die Hose und tun höllisch weh!
    2. Es gibt keinen Unterschied, ob ich bei einem Regenschauer meine Regenjacke trage oder nicht

    Tiere: Nasenbär, Vogelspinne, 2 krabbelnde Zecken auf mir, Affen

    Tag 3
    15 km, Besuch der größten Maya Stätte der Preklassik - El Mirador.

    Zu Hochzeiten haben in dieser Gegend ca. 2 Mio Menschen gelebt.

    Die Atmosphäre dieses Ortes ist magisch. Antonio erzählt lebhafte Geschichten von Königen, Göttern und Opfergaben. Vor unseren Augen wächst das Bild der Welt hier von vor 3000 Jahren und wir sind ergriffen. Es ist viel Zeit zum Entdecken, Fühlen und Erleben, was ein unglaublicher Ort.
    Von den Pyramiden blicken wir auf ein endloses Meer an Dschungel Grün, lauschen Affen und beobachten Regenschwaden.
    Wir sehen Ausgrabungen, die noch mitten im archäologischen Prozess sind und der Öffentlichkeit noch unbekannt.
    Wir vier sind heute die einzigen BesucherInnen!

    Tiere: Fuchs, Riesen-Vogelspinne vor unseren Zelten, mehr Affen, Mini-Tukan, Rehe

    Tag 4
    20 km, Sumpfwanderung
    Endlich ein bisschen Sonne, Wasser hüfthoch

    Start in den Tag mit Adrenalin: Ich packe meine Regenjacke von der Leine ein und sehe die Vogelspinne darauf erst 5 cm bevor ich sie gegriffen hätte, willkommen im Dschungel.

    Nur 7% aller Gruppen verbringen 6 Tage im Dschungel und laufen zu einer weiteren Maya Stätte, Nakbe, wir gehören natürlich dazu!
    Wir sitzen auf der höchsten Pyramide in Nakbe und sehen den Dschungel endlich im Sonnenschein, der darauffolgenden Sonnenuntergang wie aus dem Bilderbuch. Um uns herum ein Libellenschwarm, auf der Jagd nach dem Moskitos, die uns belagern. Ja, die 6 Tage waren die richtige Entscheidung.

    Tiere: Papageien

    Tag 5
    36 km, Monstermarsch, viel Sonne und 2 Starkregenschauer, Wasser hüfthoch, Weckruf 4 Uhr

    Wir durchqueren Jaguar Territorium und sehen frische Spuren, wir werden sicherlich beobachtet.

    Die Moskitos fallen über uns her, die Anzahl meiner Stiche ist nicht mehr zählbar. Sie schaffen es auch durch 2 Schichten Kleidung.

    Der Dschungel zeigt sich von jeder Facette: in der einen Minute blitzte die Sonne durch das Blätterdach, die Schatten tanzen auf dem Waldboden, kurz darauf kommt ein Regen runter, der keine Faser an mir trocken lässt.

    Stolz und erschöpft erreichen wir nach ca. 10 h unser letztes Camp. Ein letztes gemeinsames Abendessen am Feuer, ich kann mittlerweile sogar auf spanisch witzig sein. Die Tortilla mit Honig zum Nachtisch ist mittlerweile ein Ritual.

    Tiere: Tukan, Jaguar (Fußspuren)

    Tag 6
    9 km, Zielgerade, bisschen Sonne, bisschen Wolken, knöcheltief im Schlamm

    Die letzte Nacht im Dschungel schenkt uns nochmal alle magischen Geräuschen, sogar die Brüll-Affen verabschieden sich von uns.

    Nur 9 km klang so einfach in meinem Kopf. Der letzte Tag ist nochmal richtig anstrengend, körperlich und mental. Kaum begehbare Wege, alles voll mit tiefen Schlamm, jeder Schritt schmatzt herzhaft und jedes Mal frage ich, ob mein Schuh nicht doch stecken bleibt. Jeder Schritt ist dreimal so anstrengend wie am Vortag.

    Nach 3,5 laaaangen Stunden kommen wir endlich wieder in Carmelita an. Ich habe mich nach dem Duschen und Schuhe putzen noch nie so sauber gefühlt. Nach großer Verabschiedungsrunde sind wir auf dem Rückweg nach Flores. Vor meinem inneren Auge sehe ich noch das Grün der letzten Tage, so besonders.

    Tiere: Aguti

    6 Tage, 130 km, Dschungel und Geschichte

    Ich habe mich am 1. Tag gefragt, mit welchem Selbstverständnis ich mir diese Tour vorgenommen habe (in Deutschland gehe ich nicht wandern). Nachdem ich davon gelesen habe und die Idee in meinem Kopf war, gab es kein Zurück. Wie dankbar bin ich meinem Körper, dass er mir solche Erfahrungen ermöglicht. Wie dankbar bin ich meinem Mindset, dass ich nicht einmal daran gezweifelt habe, dass ich es nicht schaffen könnte. Was eine unglaubliche Woche, ich hätte es mir nicht erträumen können.

    Ein großes Dank an unseren unglaublichen Guide Antonio. Nicht nur kennt er jeden Baum auf der Route und weiß immer den Weg, er hat uns mit Begeisterung in die Welt der Maya mitgenommen und uns mit Infos zu Ruinen, der Geschichte und dem Leben der Maya versorgt. Wir haben ihn gelöchert mit Fragen zum Leben im Dorf oder zu Fauna und Flora, er hatte immer eine Antwort. Nebenher hat er den Weg erweitert oder uns mit Geschichten über unerklärliche Geschehnisse im Regenwald von den endlos Märschen abgelenkt.
    Muchísimas Gracias Antonio 🫶🏼
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