• Spontan zum Fußball Länderspiel

    19–21 нояб. 2024, Колумбия ⋅ ⛅ 31 °C

    Wenn mir jemand sagt, dass ein spontaner Zwischenstopp in Baranquilla für ein Fußballspiel zur besten Partynacht meines Lebens werden wird, könnte ich es vermutlich nicht glauben.
    Aber von vorne:

    Ein Teil der Bootsgruppe (ab jetzt Reisegruppe 🥥Locos) beschließt, noch ein wenig zusammen zu reisen und wir fünf sitzen im Bus auf dem Weg in Richtung Nationalpark, Ruhe und Natur.
    Während wir auf die Abfahrt warten, sehen wir viele Fans in Trikots der „La Selección“ (Fußball Nationalmannschaft von Kolumbien) nebenan in den Bus einsteigen. Google informiert uns, heute findet ein WM Qualifikationsspiel gegen Ecuador statt und zwar auf halben Weg zu unserem Zielort. Eine kurze Recherchestunde und der (eher widerwilligen) Zusage unseres Busfahrers später, stehen wir mit Sack und Pack mitten in Baranquilla, der Geburtsstadt von Shakira (klar, die Statur haben wir natürlich auch besucht).

    Wir entscheiden uns für effiziente Arbeitsteilung: Caro und ich sind verantwortlich für Rucksackbewachung und Trikotkauf. Die anderen drei machen sich auf zur Ticketjagd. Für einen doch etwas teureren Preis als ursprünglich (fälschlicherweise) gedacht, sind sie bei einem vertrauenswürdigen Verkäufer (er trägt eine gelbe Weste!) erfolgreich. Nach dem Transfer der Tickets bleibt Eileen als „Kaution“ zurück, während Kevin und Claudia Geld holen.

    Zu 5. sitzen wir schließlich im passenden Outfit und mit Wegbier im Taxi und sind auf dem Weg zum Stadion und stehen neben dem Bus des ecuadorianischen Teams sowie der restlichen Stadt im Stau. Auch wenn für uns nicht die Gegenspur gesperrt wird, wie für die Gegner, kommen wir mehr als rechtzeitig am Stadion an.
    Wir suchen den richtigen Eingang und fragen einen Einweiser. Nach seiner Antwort „Noch eine Ecke weiter, aber wo ist denn euer Guide?“ ist uns klar, dass hier wohl nicht viele Ausländer ohne gebuchtes Gesamtpaket sein werden.
    Auch wenn die Tickets offiziell mit konkreten Plätzen versehen sind, gilt das wer- zuerst- kommt-Prinzip. Wir landen mitten auf der Treppe in der Nordkurve. Schon 1 Stunde vor Spielstart wird getrommelt, gesungen, getanzt und Spielradio zur Vorbereitung gehört. Das ganze Stadion singt die Hymne, wir mittendrin. Die Stimmung ist ansteckend: wir jubeln, leiden, gröhlen und fühlen mit. Und auch wenn Kolumbien am Ende 0:1 verliert, hat das der Stimmung keinen Abbruch getan. Der Opi bedankt sich bei uns, dass wir hier hin gekommen sind und sein Land unterstützen.

    Nach Spielende beobachte ich zwei Jungs, deren Leben nicht unterschiedlicher sein könnten: der eine macht mit seinem Papa in Trikot ein Foto mit dem Feld im Hintergrund, daneben sammelt der andere im gleichen Alter barfuß den Pfand in seine Tüte. Wie zufällig ist die Situation, in die wir geboren werden und damit die Privilegien, die wir genießen?

    Auf der Suche nach einem letzten Bier vorm Heimweg landen wir auf der Partymeile des Stadions, laut dröhnt die Musik (Ergebnis des Spiels ist zweitrangig, gefeiert wird danach eh immer). In einer Seitenstraße finden wir ein kleines Lädchen, wo ein paar Plastikstühle auf der Straße stehen, Salsa Musik (in erträglicher Lautstärke) läuft und Kolumbianer*Innen ein Bierchen trinken.

    Und was soll ich sagen, aus einen Bierchen wurden paar mehr. Und bevor wir uns versehen, tanzen wir mit Omas und den Teenagern, sind Teil von Tanzkreisen, jemand schmeißt Mehl durch die Luft und verteilt Ruß in unseren Gesichtern - es macht so viel Spaß. Und auch wenn wir mit unseren Tanzkompetenzen nicht annähernd mithalten können, ist das vollkommen egal. Es wird gemeinsam gelacht und getanzt. Niemand nimmt sich ernst, alle Generationen haben so viel Spaß miteinander. So eine ausgelassene Stimmung habe ich noch nicht erlebt. Wir sind auch hier die Attraktion des Geschehens, wir machen drölf Millionen Fotos mit unbekannten Menschen und jede Sekunde der Party wird aus mehreren Perspektiven gefilmt.

    Dieser Abend ist mit Abstand der ausgelassenste und beste Party Abend, den ich je hatte.

    Kolumbien, du bist eine 12 von 10!
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