Auf der Suche nach der Verlorenen Stadt
26–30 Nov 2024, Kolombia ⋅ 🌧 20 °C
Weil einmal Dschungel noch nicht genug war, zieht es mich auch in Kolumbien zu einer 4tägigen Wanderung in den Dschungel. Ziel ist die Verlorene Stadt. Natürlich ist jetzt auch hier Regenzeit, aber hey, nässer als in Guatemala kann es schließlich nicht werden.
Die Landschaft ist übersäht von grünen, spitzen Bergen, Bäumen mit Lianen und in der Ferne sieht man das Meer. Wir laufen über Schotterstraßen, Waldwege und Bäche, klettern über Felsen oder Matschpassagen und, vor allen Dingen, geht es ziemlich viel hoch, gefühlt selten runter.
Als Beschreibung für die Strecke gibt es von unseren Guides entweder „kolumbianisch flach“ (= hoch und runter) oder „berg an“ (=dauerhaft, gefühlte 90% Steigung) als „Happy Hour“. Es ist sehr warm und wir alle sind direkt klitschnass geschwitzt. Das wird ein Dauerzustand sein.
Was früher von den FARC kontrolliert als Anbaugebiet von Coca und Mariuhana genutzt wurde, ist heute bekannt für Kakao und Kaffeebohnen. Wir lernen über die indigenen Völker in Kolumbien. Insgesamt gibt es 113 indigene Gruppen und jede spricht eine eigene Sprache. In dieser Region hier leben vier verschiedene Gruppen, insgesamt ca 60.000 Menschen (nur eine Schätzung, offizielle Zahlen gibt es nicht). Unser Guide erzählt von alten und neuen Traditionen, Sitten und Bräuchen und dem Leben in den Dörfern. Besonders der letzte Abend am Lagerfeuer bleibt im Gedächtnis. Es geht ums Erwachsenwerden, geschlechterspezifische Zeremonien mit den spirituellen Anführern des Stamms, den Prozess des Heiratens. Wir haben viele Fragen und unsere Guides beantworten sie mal lieber und mal weniger lieb (Fälle von Homosexualität gibt es natürlich nicht).
Am 3. Tag erreichen wir nach dem letzten Aufstieg von 1.200 Stufen früh morgens die Verlorene Stadt und entdecken die Ruinen, während das Sonnenlicht über die Bergrücken klettert. Die Magie ist spürbar und der Anblick besonders. Eigentlich sollte hier jetzt ein Absatz kommen, warum die Stadt verloren wurde… Die Geschichte muss ich wohl nochmal nachlesen. Stattdessen ist mir die Entscheidung der indigenen Völker präsent, den Ort von Außenstehenden nicht zu kommerzialisieren/ per Helikopter erreichbar zu machen. Alle Anfragen wurden (zum Glück!) abgelehnt. Sie haben entschieden, diesen weiterhin wichtigen Ort für ihre Kultur nur auf Ihre Art, zu Fuß oder auf dem Maultier, für Touristen zugänglich zu machen.
Unsere Pausen während der schweißtreibenden Wanderung könnten nicht schöner sein. Wir planschen im Fluss, lassen uns von der Strömung treiben und springen von Felsen. Wir unterhalten neugierige Kinder, während wir frische Orangen, Wassermelonen, Ananas schnabulieren.
Je weiter wir in die Berge vordringen, desto teuerer werden die Verkaufsware der Lädchen (Bier kostet anfangs nur 2€, im letzten Camp dann ~ 3 €)
Meine Spielentdeckung des Jahres ist UnoFlip. Jeden Abend versammeln wir uns und es ist unüberhörbar, wie viel Begeisterung es bei allen, auch den Guides, auslöst.
Diese Wanderung ist nicht vergleichbar mit meiner vorherigen Dschungeltour. Die Infrastruktur ist gut entwickelt, die Camps haben gemütlichen Betten, Moskitonetze, Duschen und Wassertoiletten und (natürlich) WLAN für Zahlungsbereite. Es gibt mehrere Anbieter, parallel zu uns sind noch 3-4 weitere Gruppen unterwegs und neue Gruppen starten jeden Tag. Hier ist mehr Durchlauf, jedoch
treffen wir wenige andere Gruppen und laufen die meiste Zeit ungestört durch den Dschungel. Regelmäßig sehen wir Einheimische, die zwischen ihren Häusern und den kleinen Dörfern unterwegs sind, mal zu Fuß, mal mit Muli.
Unser Guide erzählt, dass er nach Ende der Tour zu Fuß nach Hause läuft, weil das Motorrad Taxi zu teuer ist. Er braucht dafür 3 h, in unserem Tempo eher 5 (seine Worte).
Die Wanderung selbst ist anstrengend, aber gut machbar. Ein Hoch auf unsere Gruppe, die mit so vielen interessanten Menschen, vielen Lachern und spannenden Gesprächen die Wanderung kurzweilig werden ließ. Ich habe die Tour mit Wiwo Tours gemacht und würde es jederzeit wieder tun. Dieser Anbieter hat als einziger indigene Guides, was meine Erfahrung dieses Trips so unvergesslich gemacht hat.
Nachtrag für Wetter- und Statistikfans:
- 44 km Strecke
- 1060 Hm, eigentlich mehr mit vielen Peaks und dem ständigen hoch und runter
- 1x Nieselregen, sonst maximales Glück: meist bewölkt und beim Besuch der Stadt blauer Himmel
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