Baltrum
January 14 in Germany ⋅ 🌙 4 °C
Heute ging es auf eine Insel. Ursprünglich wollte ich auf Langeoog dessen Fähre hier quasi vor der Tür loswatschelt. Als ich die Fähre buchen wollte dachte ich aber Recht schnell: ne.
97€ für einen Tag? Und ich würde es zu Fuß nicht mal in der Zeit über die ganze Insel schaffen, vor allem nicht ans Ostende. An den Ostenden der Inseln chillen immer die Robben/Seehunde da sie dort vor dem Wetter aus dem Westen geschützt vegetieren können. Öffis gibt's dort nicht (Autofrei. Sehr geil) und der Radladen hat zu, hätte aber eh nochmal knapp 40€ gekostet.
Bin also beim Inselcasting auf Baltrum gestoßen, 54€ der Tag, mehr Zeit auf der Insel und deutlich kleiner. Robben Wahrscheinlichkeit gering, aber nicht Null. Geht mir ja nicht nur um Robben, sondern um einen schönen Tag mit den Wuffels und Entspannung. Näher an Robben als in der Antarktis komm ich eh nie nie wieder. (Das war so unwirklich und unglaublich schön)
Also gebucht und den Modus der Vorfreude gebootet.
8.45 Uhr ist Abfahrt, 8.30 Uhr vor Ort und Boarding. Ganze 6 Leute fuhrten mit mir rüber. Da sind deutlich mehr ausgestiegen. Perfekt!
Die Überfahrt ist sehr gemütlich, um nicht langsam zu sagen. Aber klar, viel Wasser trennt den Schiffsboden nicht vom Watt. Wie gering das ist, lässt die Markierung der Fahrtwege vermuten: in den Meeresboden gesteckte Birkenäste. Joa. Viel Tiefgang wird das Schiff dann wohl nicht haben dürfen.
Angekommen geht erst mal die Sonne auf und heißt mich, nach mehrtägiger Abwesenheit, herzlich Willkommen auf der Insel. Ich fühl mich direkt Wohl und merke wie sich in mir alles zu entspannen beginnt. Ich beschließe mit der Sonne zu gehen, also erst mal über das Südufer in den Osten stapfen. Im Süden der Insel befinden sich riesige Salzwiesen, welche von Seevögeln, Hasen, Rebhühnern, Fasanen, Pferden und vielen anderen Getier bewohnt werden. Die Pferde sind durchweg Kaltblüter und dienen hier als Verkehrsmittel auf der Insel, aber auch durchs Watt aufs Festland. Für Transport von Dingen und Touristen.
Die Wege führen durch diese gewürzten Wiesen, Dünen und leider auch durch vom Schmelzwasser des Schnees verschwundene Wege. Ich musste leider umdrehen und einen anderen Weg durchs Landesinnere bis zur Nordseite gehen. Die letzte Düne hoch und: WOW! En riesen großer heller Sandstrand! Endlos, leer und sauber! Ich bin überwältigt!
Ich kenne diese Art Strand nur vollgekackt mit scheinbar herrenlosen Handtüchern auf Liegen oder in, vom Schweiß des Vormanns, klebenden Strandmuscheln und mit nach Sonnencreme und Bier stinkenden, Sonnenbrand gebräunten und "leicht" gereizten Touristen, weil es ja nicht zu erwarten war, dass zur Hauptsaison andere Menschen ebenfalls auf die Idee kommen Urlaub zu machen und hier alles mit ihrer bloßen Anwesenheit verpesten und nur wegen denen hier alles so teuer ist und die Natur kaputt getrampelt wird......
Da geht diese scheinbare unendlichkeit und die ehrliche, reine und kompromisslose Schönheit komplett verloren.
Wir haben ein Ziel: Ostende. Also los über den Sand. Die Hunde gelangen allmählich schon in den Energiesparmodus und hüpfen nicht mehr wie geisteskranke Hamster auf Speed um mich rum.
Gerade als ich mir dachte, "ich muss ja nicht bis ganz hinter laufen, denk an dein Fuß" sehe ich eine kleine Baby Robbe den Kopf heben und in meine Richtung luren. Hupf, hupf, hupf gen' Wasser, denkt sie sich. Ich, mit neuer Motivation, gehe einen großen Bogen um ihn, weiter in Richtung Inselende. Wir finden eine kleine, leider bereits tote Robbe mit komplett ausgehöhlten Schädel. So traurig das natürlich ist, ist es auch schön, dass das hier so sein darf und es nicht weggeräumt wird weil, "wie sieht das denn aus" und "was sollen die Leute denken". Insgesamt haben wir hier einiges totes, halb verwertetes Getier gefunden.
Viel freie Natur - Viel Leben - viel Tod.
Ziel erreicht, Rückweg.
Kurz nach dem umdrehen kommen mir die Tränen. Die Babyrobbe hüpfte nicht zum Wasser, sondern zu seiner Familie! Zwei dicke fette Monster mit 2 oder 3 kleinen Babies, welche ich von der anderen Seite aufgrund einer Böschung nicht gesehen habe.
Solche Momente berühren mich. Weil es mir zeigt, dass es sich lohnt aus der Komfortzone heraus zu treten um der Natur Nahe zu sein. Mutter Natur belohnt die mutigen, respektvollen und ehrwürdigen. Dieser Moment gehört nur mir. Es ist niemand da. Niemand der "schau mal da" schreit und hinrennt. Niemand der am Handy den Blitz anhat und die Tiere verschreckt. Keiner wollte sich den weiten Weg 'antun'. 2/3 der Insel gehörten nur sich, und wir drei wurden eingeladen ein Teil davon zu sein. Einfach magisch.
Ich verharre auch nicht lange, da wir die Geduld der Tiere nicht unnötig strapazieren wollen, und gehen im noch größeren Bogen zurück Richtung Norden und dann den Strand entlang nach Westen. Mittagspause am Wasser. Alleine.
Anschließend sind wir einfach Zick Zack durchs leere Dorf und die anschließenden Dünen geschlendert (alles hatte zu außer dem Supermarkt)
Ein älterer Herr fuhr zwischen den Dünen auf einem Fahrrad an uns vorbei. Ich wollte die Hunde schnell anleinen, da hier in den meisten Teilen eigentlich Leinenzwang herrscht, da ruft der Mann mit gut gelaunt zu:
"Ey Spar dir des! Hier läuft nix rum was die net fressen dürften! Des was die erwischen könnten, davon ham wir eh genuch da!"
Wir lachen.
Ich glaube die Menschen die hier leben sind nicht so gestresst und feindselig wie wir es gewohnt sind.
Kurz vor Ankunft der Fähre gehe ich noch auf die Hafenmole. Ganz vorne am südlichsten Zipfel sehe ich eine weitere reglose, atemlose Robbe im Watt liegen. Ich lasse die Hunde oben sitzen und klettere den Brecher hinab um es mir von nahem anzusehen. Ich stehe knapp 2m vor dem Tier und bestaune es. Tolle Tiere. Ich klettere wieder hoch und Link bellt, weil jemand auf seine Mole wollte. Plötzlich bewegt sich hinter mir etwas. Die Robbe war nicht tot! Sie sieht mich mit dem verschlafen Buberblick an und checkt nicht wann, wer und wo sie ist. Das Schnaaf war über Videotelefonie live dabei als sie unelegant und verzweifelt versucht hat in tieferes Wasser zu gelangen und zu verschwinden. Ist halt schwer hier :D
Auf der Rückfahrt noch mehr Robben auf den Sandbänken vor Norderney. Aber eben weit weg und nur vom Schiff aus.
Joa... Wasn Tach. Ich kann gar nicht alle Momente und Emotionen niederschreiben die ich gerne festhalten würde. Aber ich hoffe ich konnte einen Eindruck vermitteln.
Danke für die exklusiven Momente, oh du schönes Baltrum!Read more



























TravelerTraumhaft solch ein Tag, mit allem drum und dran 🙏
TravelerDanke für die ganz besonderen Momente und Gedanken, die du so bewegend in Worte gefasst hast. Du sprichst mir aus der Seele ( seit 20 Jahren sind mir zwei bestimmte Norseeinseln ein Refugium im Winter) ❄️🌊🦭
Traveler
🫶🏻