• Strolling around on a sunday morning

    April 20, 2025 in the United States ⋅ ☀️ 12 °C

    Nicht wissen, was von einem liegt, den Moment nehmen, der sich bietet, den Weg einschlagen, von wem man vorher nichts wusste. Plötzlich steht man vor dem drittgrößten Martin Luther King Memorial in den USA und liest wieder Zeilen, Aussprüche, die ein ganzes Leben bestimmen können, aber oft nur könnten, weil man sie vergisst. Ein klug gewähltes Denkmal, nur ist es hinter den Wasserfällen kalt, obwohl die Schriften einen wärmen. Oder ist es so gewollt?
    Die Frage stellt sich natürlich immer wieder auch im Museum, das wie viele andere schon an sich ein besonderes architektonisches Ereignis ist, viel bombastischer als das kurz vorher in der Maiden Lane gesehene, von Frank Lloyd Wright konzipierte kleine Gebäude, dessen Inneres vermutlich ein Vorläufer des Guggenheim Museums war. Die Maiden Lane war vor 100 Jahren noch die Straße mit der schlimmsten Prostitution und 100 Morden im Jahr. Wer hätte vermutet, dass 100 Jahre später an dieser Stelle nur die feinsten Boutiquen ihre Waren ausstellen würden?
    Künstler sind ihrer Zeit voraus, stellen, wenn sie gut sind, die Fragen nicht nur ihrer Generation. In dem San Francisco Modern Art Museum gibt es eine ganze Etage von German Art after 1960. Gerhard Richter an erster Stelle, die Ansicht von Madrid, die auf den ersten Blick wie eine zerbombte Ruinenstadt wirkt, das Meer daneben, das monströs wirkt, ewig, ohne all unsere Emotion, Interpretation oder Wissen. Es ist einfach da. JANUS interessierte mich wegen des diesjährigen Festivalplakates, aber auch die anderen Werke beeindrucken mich tief, mehr als die Werke von Anselm Kiefer oder Sigmar Polle. Höhepunkt auf dieser Etage war aber die Installation THE VISITOR. In einem großen, schwarz gehaltenen Raum zeigten 13 Leinwände (ich habe sie ehrlich gesagt nicht gezählt, nur aus der Erinnerung) die Aufführung einer Musik, gleichzeitig aufgeführt in den verschiedenen Zimmern einer isländischen Villa. Eine so starke Aussage von gemeinsamer Kreativität habe ich selten gesehen. Vor allem nach einem zögerlichen Beginn der Vorbereitung auf jeder Leinwand, zu der dann andere nach und nach 'erwachten' waren die Töne und der Gesang ein Ereignis.
    Ich sitze in der Sonne auf der Gartenterrasse des Museums. Fünfter Stock, umgeben von Wolkenkratzern vor blauem Himmel. In der Sonne ist es warm, am Boden suchen Tauben nach Essensresten. Wenn man aus den riesigen Fenstern des Museums schaut, wirkt die Aussicht selber wie eine Kunstfotographie an sich oder auch ein Bild von Hopper.
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