• El Capitan

    April 20, 2025 in the United States ⋅ ☀️ 14 °C

    Ein weiterer Tag geht zu Ende, die Luft ist warm, wir stehen auf einem typisch amerikanischen Parkplatz, denn zuasphaltiert ist wahrlich alles, was möglich ist. Das Essen ist mäßig, genauso die Getränke, fast food eben, dazu Süßgetränke, in diesem Falle eine Salatbar, das ist noch das Beste. Dazu die dauernde Frage nach dem Tip, dem Trinkgeld, auf jeder Bezahlung, mit Karte sowieso. Beginnt bei 18 Prozent...der Busfahrer, der den Tag mit uns bestritt, hat schon dreimal davon gesprochen. Es wandert in seine Tasche, er wirbt förmlich dafür...hmmm, vielleicht sollten sie mal ihr System der Bezahlung ändern. So haben es die Chefs natürlich einfach zu diskutieren. Dabei sind die Preise eh schon doppelt so hoch wie bei uns.

    Gerade passieren wir einen Laden, wo man alle möglichen Waffen erstehen kann. Was soll man da sagen? Am Morgen las ich die New York Times, die gute alte Times, die schon Gesine Crespahls Leben begleitete. In einer Öffnung den Lesern hin stellte sie ihre Missionen oder Vorstellungen da. Da ist sie viel weiter als die SZ. Einfach Position beziehen. Die Trump-Wähler wurden gefragt, ob sie inzwischen ihre Stimmabgabe bedeuten. Leider nein, kein einziger. Endlich tut einer mal was und der Spruch, dass all die Veränderungen momentan zu Härten führen können, am Ende aber more gain bedeuten, verfangen eindeutig. Und ich vermute, dass auch bei uns eine wachsende Bevölkerungsmenge den völligen Wechsel, Abbau aller Subventionen, Unterstützungen, auch Kultur will. Es scheint mir zu kommen, noch vier Jahre vielleicht nurmehr. Dazu- in Berkeley, der Studentenstadt sind drei Kinos geschlossen worden, die Kinos, in denen das San Francisco Filmfestival stattfindet, sind schäbig und nur zur Hälfte besucht. Das Gefühl beschleicht einen, dass das Kino tot ist und auch nicht mehr belebt werden kann. Die Zahlen daheim zeigen es, sie sind, wenn man ehrlich wäre, nicht einmal der Rede wert, zwischen 0 und 10 und meist BesucherInnen, die mit Kino groß geworden sind. Keiner, mit dem ich mich hier unterhielt, ging noch ins Kino. Heute sprachen wir über FREE SOLO und ich wurde nur gefragt, ob es ihn auf Netflix gäbe.

    Oder wird ein Wunder geschehen? Auf dem gestrigen Abendspaziergang entdeckte ich ein Monument, das zuerst wie eine Ruine wirkte. Riesige griechische Säulen umgeben ein hoch aufragendes Säulengeviert, das eine geschmückte Kuppel trägt. An dem künstlich angelegten See ist es ein Relikt einer Weltausstellung aus dem Jahre 1915, auf der die neuen Errungenschaften dargeboten wurden - telefonieren über den Atlantik, und so weiter. In Blickweite in einem Park befinden sich die One-Letterman-Buildings. Ich musste mich Erft kundig machen, auch wenn die kleine Jodastatue schon den richtigen Weg wies. Hier war Lucasfilm untergebracht, Gier waren die ganzen StarWars Filme konzipiert wurden, vor allem die letzten. Auch sie haben die Welt verändert, auch hier gab es ein Vorher und ein Nachher.

    Dagegen stehen die Erlebnisse dieses Tages auf einer scheinbar ganz anderen Skala. Das Yosemite Valley existiert einfach, wie die Bären, die Berglöwen, die Squirrels oder Skunks. Die Natur ist überwältigend, die Wasserfälle krachend, berstend, rauschend, donnern, monströs, kraftvoll, mächtig, vor 45 Jahren, als ich das erste Mal da war, und heute. Dennoch sind die Änderungen unübersehbar. Immer mehr Waldbrände haben den Wald zu einem Meer von grauen Toren Stecken werden lassen. Es regnet nicht mehr von April bis November. Das Gras wird immer trockener, die Flüsse, die wir heute noch sahen, die pompösen Wasserfälle, versiegen im Laufe des Jahres.

    Ich stieg zum Yosemite Fall hoch, übersah dabei die Zeit, zu der ich wieder am Bus sein sollte, rannte hinunter, kam dennoch zu spät, was zum Glück aber keine Auswirkungen hatte. Danach besichtigten wir noch Sequoia-Bäume, oder besser die Überreste davon. Die mächtigen Riesen, vor 2000 Jahren entstanden, hatte auch das Feuer hingerichtet. Ihre Stämme lagen quer zum weg. Der, durch den man früher den Waldweg gelegt hatte, ragte außer dem noch sichtbaren Tor für die Fuhrwerke schwarz verkohlt und erheblich verkürzt in den Himmel.

    Ein langer Tag, die Sonne ist untergegangen und der Yosemite-Park wird wahrscheinlich jetzt wieder eher der Natur gehören, bis morgen die nächsten Touristenladungen auftauchen. El capitan, dieser von Gletschern glattgeschliffene Granitberg, steht davon unberührt im Schnee, Regen oder morgen wahrscheinlich wieder in der Sonne.
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