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31 de agosto de 2025, Italia ⋅ ☀️ 23 °C
Schon wieder auf der Heimfahrt. Der Zug war wegen Streik gestrichen, ich befinde mich im Bus durch das Etschtal. Wolken um den Monte Baldo.
Vergangen das Glitzern über der Lagune, die Wellen am Strand des Lido, die Sonne auf den Körpern, auch die bekannten Kinosäle, die Eröffnungsmusik, die Pizza hier, die Pizza da. Filme, die man anschauen kann, die nicht wirklich schlecht sind, aber auch nicht herausragend.
Der Arzt aus der Kleinstadt unterhält sich mit dem Untersucher der covid-Erkrankungen aus der Hauptstadt Sofia. Später wird er an der Krankheit selbst sterben und als letztes sagen, dass ein Arzt bis zum letzten Atemzug Hilfe leistet. Hier aber beim Gang durch den Park sagt er: Das, was sie uns über den Kommunismus gesagt haben, war eine Lüge. Das, was sie uns über den Kapitalismus gesagt haben, hat sich als wahr herausgestellt.
Plötzlich ist dann doch der Film da, der sich mit der politischen Gesamtsituation an Hand einer Näherin aus Bulgarien beschäftigt, neben all den großen Produktionen wie Frankenstein oder After the hunt, alle nicht schlecht, aber eben doch an den Realitäten vorbeigehend. Großes Kino eben, große Schauwerte, Schauspiel-, Kameraleistungen, und dann ein kleiner bulgarischer Film von Komandarev, der mich schon mit Blagas Lessons auf dem Filmfest in Haifa begeisterte.
Nach dem Film saß ich auf dem Platz vor dem roten Kubus des Sala Giardino, den ich so gerne in Starnberg kopiert hätte, für den ich aber niemanden begeistern konnte, und wartete auf Lorin. Es war schön, ihn dabei zu haben, sich auszutauschen.
Inzwischen so viele teilweise wirre Gedanken über daheim, über das Festival, das spürbar wie eine Welle auf mich zukommt. Jeder Gast wird plötzlich zu einem Menschen, der auch Fragen hat und den man berücksichtigen muss, so wie das Team. Alles ein Wunder, wie wir es schaffen, aber auch immer belastender. Bei der Diskussion mit Tom Blum gemerkt, dass wirklich die gesamte, auch finanzielle Verantwortung bei mir liegt. Ich habe sie getragen, als wäre sie nichts, aber sie ist eben schon da. Deswegen will sie ja keiner nehmen.
Regen über der Etsch und den Wein- und Obstanbauten.
Ich denke kurz an die Ausblicke gleich neben unserem Domizil. Il Mercante del Castello. Über den Türmen und Kirchen blauer Himmel, aber nicht mehr so prächtig sommerklar wie auf den millionenfach geposteten Urlaubsbildern, sondern mit von der Morgensonne zart gelblich und rosan angestubst, wie hingeworfen von einem Maler der Renaissance.
Nächstes Jahr 40 Jahre Breitwand, fast ebenso lang in Venedig gewesen. Immer werde ich mich an das Telefongespräch mit Herrn Sass von Tobis erinnern, an der Strandpromenade stehend, im drei Stunden langen Versuch ihn zu erreichen. Um eins hatte ich es dann geschafft.
Die Mittel der Kommunikation haben sich verändert, die Architekturbiennale stand unter der Entwicklung der künstlichen Intelligenz und ihren Möglichkeiten. Ungeheure Datenmengen werden angesammelt. Wer setzt sie kreativ um, welche Kreativität wird bleiben? Durch den massenhaften Missbrauch der KI werden ihre Leistungen sich erst einmal verschlechtern, so wie das Privatfernsehen, das Internet, man muss die Qualität suchen. Die jungen Leute haben die Mittel und das Wissen dazu. Mir fehlt bereits die Schnelligkeit und mehr und mehr das Wissen, wo ich das Gesuchte finde.
Ich finde die Lösungen nicht. Warum? An einem Tag sehe ich die Arbeit wie ein Geschenk, am anderen spüre ich das Herz, die wachsende Angst auch. Hoffentlich habe ich nur zuviel Filme gesehen. Ein Rotarier hat mir Bilder von Stavros geschickt. Ich lächle, als ich den Berg sehe und das Plakat von Sorbas, das sie da wohl aufgestellt haben. Man sagt, das Alter tötet das Feuer, sagt er, aber ein bisschen habe ich noch.Leer más











