Tagesrythmus
4 Kasım 2025, Cezayir ⋅ ☀️ 22 °C
Aufstehen um sechs Uhr, meistens im Schein des Vollmondes, sich einen irgendwie uneinsichtigen Platz für die Frühtoilette suchen, was oft gar nicht so einfach ist, Toilettenpapier verbrennen oder verscharren, zum Himmel schauen, zu den Bergen, die Weite, die Unwirtlichkeit, aber auch Ruhe wahrnehmen, Zelt einpacken, zum Treffpunkt bringen, samt des Gepäcks. Kurzer Tee, La vache qui rit-Käse, Nutella, Maemelade, dann Aufbruch mit den ersten Strahlen der Sonne. Steinwüste und Gesteinswelten aus der Urzeit. Ungefähr fünf Stunden gehen, dann Mittagessen, Salat, Reis oder Nudeln, eine Stunde Pause, dann erneuter Aufbruch. Tagespensum bei 25000 Schritten im Durchschnitt, später im der Woche nurmehr bei 15000. Nach der Rückkehr von der Nachmittagstour gibt es Tee oder Kaffee, Nüsse und ein paar Kekse, Gespräche über das Leben der Tuareg früher, warum Esel weiße Nasen haben, das Leben heute, über Butch, den englischsprachigen Begleiter, der seine Kinder unbedingt studieren lässt, und Baba, den Guide, der sich sicher und präzise in diesem Steinlabyrinth bewegt, natürlich viel Gruppendynamik, man liegt am Boden, es gibt vier Klapphocker. Dunkelheit fällt rasch um sechs Uhr ein, der Vollmond wirft sein helles Licht über die jeweilige Szenerie des Lagerplatzes, im Lauf der zwei Wochen wird er zum Halbmond und sogar Sichelmond, der am Ende erst nach Mitternacht aufgeht.
Alle Übernachtubgsplätze sind weiträumig, umgeben von Höhlen und haben immer wieder Ausblicke auf faszinierende Steinformationen, von einem Basebalhandschuh zu einem Dromedar mit Panzerüberwurf, von Bögen, Fratzen, Fenster und Türen. Später liegen sie in den Dünen, mal enger, mal weiter. Wenn ich jetzt aus dem Bogen meines Zelteingangs blicke, sehe ich die Lichter der einzelnen Stirnlampen zum Essplatz gehen, die Stirnlampe des Koches so aufblitzen, dass sich das Licht über die nach innen gekrümmte Höhle wirft, etwas entfernt Tuareg an ihrem Feuer sitzen und den Vollmond tief über ein paar Bergzinnen sein weissliches Licht werfen. Wir sind auf 1700 m Höhe, was man aber völlig vergisst, weil man seit bald zwei Tagen fast in einer Ebene läuft. Dies wird sich aber ändern, wir werden wieder absteigen, dann zwischen den Sanddünen kampieren.Okumaya devam et
