• Papstpalast

    March 22 in France ⋅ 🌧 11 °C

    Dieser Palast ist neben dem Dogenpalast in Venedig der einzige, der eine mittelalterliche Residenz darstellt. Alle anderen Herrscherbauten aus dieser Zeit sind zerstört oder soweit umgebaut, dass der Charakter jener Zeit verloren gegangen ist. Eine Innenausstattung ist praktisch nicht vorhanden. Nur vereinzelte Fragmente von Fresken können besichtigt, aber nicht fotografiert werden. Jeder Besucher bekommt deshalb ein Tablet, auf dessen Display die Ausstattung des Raums sichtbar wird, abhängig von der Richtung, in die man das Tablet hält. Zuerst war ich irritiert darüber, dass jeder im Saal den Blick auf das elektronische Gerät gerichtet hatte und nicht durch den Raum schweifen ließ. Aber nach einer gewissen Vertrautheit mit dem Gerät schien mir die Verwendung schlüssig. Virtuell erscheinen die französischen Päpste und ihre Kardinäle in den riesigen Hallensälen und an ihren Schreib- und Studierplätzen. Unter dem Einfluss des autoritären französischen Königs Philipp IV., le Bel, wurde in Lyon der Erzbischof von Bordeaux als Clemens V. zum Papst gewählt. Dieser reiste erst gar nicht nach Rom, sondern blieb in der Nähe von Avignon, da das nahe Umland durch Erbschaft im Besitz des Heiligen Stuhls war. Die Wahl des nächsten Papstes fiel nach einem über 2 Jahre dauernden Konklave auf den Bischof von Avignon, Johannes XXII. Dieser hatte die Uneinigkeit der Kardinäle bei der Wahl, nach Absprache mit dem französischen König, beendet, indem er, der 72-jährige, einen Sterbenden simulierte. Nach seiner Wahl war er schnell wieder genesen und regierte noch 18 Jahre jetzt ständig in Avignon. Weitere Päpste folgten und erst Gregor XI. legte 1377 wieder den Sitz nach Rom. Die nun folgende Spaltung der Kirche mit Päpsten in Rom und Gegenpäpsten in Avignon wurde 1414 beim Konzil in Konstanz beendet.Read more