Testfahrt
May 22, 2022 in Switzerland ⋅ ☁️ 24 °C
Bevor ich mich mit dem Pedalo auf die Reise machen wollte, sollte doch möglichst alles erst einmal getestet werden, um noch allfällige Mängel und Probleme erkennen und lösen zu können.
Einen groben Reiseplan gibt es auch schon. Zunächst möchte ich dann in den kommenden Wochen eine ausgiebigere Testreise auf ruhigem Gewässer machen, nämlich auf dem Rhein-Rhone Kanal. Nachdem ursprünglich dann nächstes Jahr eine grosse Reise den Rhein hinunter geplant war, steht inzwischen die Rhone zur Diskussion. Thomas kann sich vorstellen, das Pedalo in Etappen bis nach Sardinien zu bringen. Also die Rhone hinunter bis ans Mittelmeer, dann die Küste entlang bis auf die Höhe von Elba und schliesslich via Elba und Korsika nach Sardinien.
Doch egal, jetzt erst einmal testen.
Mit Thomas Hilfe wurde das Pedalo gestern auf der Birsfelder Kraftwerksinsel von der Badewiese aus gewassert. Nach ein paar Fahrten quer hinüber zum Grenzacher Hafen und zurück, mit zweiflügliger Schraube, dreiflügliger Schraube, mit Elektromotor unter Halb- und unter Volllast, in Kombination mit Pedalo und Elektroantrieb, etc., hatte sich Thomas verabschiedet und ich wollte nun noch das "Bordleben" und die Ausrüstung dazu testen.
Also erst mal im seichten, strömungsfreien Gewässer bei Grenzach ankern. Die Ankerleine war sicher am Boot befestigt und der Anker geworfen und somit war erst einmal Zeit für eine Pause und eine Stärkung. Ganz allmählich schien das Boot aber doch abzutreiben. Hält der Anker etwas nicht? Das liess sich leider nicht mehr feststellen, denn so gut die Ankerleine am Boot befestigt war, so schlecht was sie das offenbar am Anker gewesen. Ärgerlich, aber was soll`s. Soll mir eine Lehre sein.
Dann also mal Los gegen die Strömung in Richtung Augst. Anstrengend, aber ich kam ganz gut voran.
Einen geeigneten Anlegeplatz für die Nacht zu finden, war nicht ganz einfach. Schliesslich entschied ich mich für einen privaten Steg, der aber in schlechtem Zustand war. Es sah also nicht so aus, als ob da noch jemand zu dem Häuschen dahinter kommen würde.
Das sich Bewegen auf dem Boot ist nicht ganz einfach. Wenn ich Dinge umräumen will, dann kann ich das nur kniend oder sitzend tun, oder auch halb sitzend und halb auf dem Rücken liegend. Beim Herumturnen und Vorbereiten für Nacht hörte ich dann plötzlich ein Tak - Tok - Plop. Etwas war offenbar zuerst auf die Plattform, von dort auf den Schwimmer und schliesslich ins Wasser gefallen. Meine Befürchtung wurde sehr rasch zur Gewissheit. Mein nagelneues, teures Fairphone4 war aus dem Hosensack gerutscht und in den Tiefen und der Strömung des Rheins verschwunden. Das war nun allerdings seeehr ärgerlich, aber eben auch nicht mehr zu ändern.
Heute Morgen habe ich erst mal eine Entenmutter mit kleinem Nachwuchs bei der für die Kleinen anspruchsvollen Überquerung des Rheins beobachtet. Dann hoch zur Schleuse bei Augst. Der Plan war, auch das Schleusen einmal zu testen. Die Schleuse und das Kraftwerk sind dort allerdings so platziert, dass das turbinierte Wasser von der Seite direkt vor die untere Schleusenzufahrt geleitet wird. Mit dem Pedalo gegen diese starke, seitliche und verwirbelte Strömung anzukommen erwies sich als unmöglich. Ich habe es unzählige Male versucht: Mit und ohne Motor, mit und ohne Schwert. Den nötigen Vortrieb hätte ich wohl noch geschafft, dabei dann aber noch gleichzeitig mit dem Ruder und dem Aussenborder so präzise zu Steuern, dass das Boot in dem bewegten Wasser nicht aus dem Ruder läuft, war nicht zu schaffen.
Zurück bei der Kraftwerksinsel war ich dann sehr schnell und ohne Anstrengung. Unterwegs noch ein paarmal Anlegen am Ufer geübt.
Dann der Versuch, das Boot alleine bei der Badewiese aus dem Wasser zu nehmen. Alleine ging es nicht, aber mit Hilfe eines Badegastes dann schon.
Gewonnene Erkenntnisse:
1. Unbedingt nur mit Hosen mit verschliessbaren Taschen auf das Boot.
2. Die zweiflüglige Schraube ist besser als die dreiflügelige. Sie benötigt zwar wesentlich mehr Kraft, dafür kann das Boot bei entsprechendem Krafteinsatz aber auch gut beschleunigt werden. Die dreiflügelige Schraube hingegen bietet so wenig Widerstand, dass ich gar nicht schnell genug pedalen kann, um das Boot auf Geschwindigkeit zu bringen.
3. Der Elektromotor ist eigentlich nur ein alternativer Notantrieb. Als unterstützender Zusatzantrieb, um gegen eine starke Strömung anzukommen, taugt er nicht. Dazu ist er zu schwach. Und in Kombination von Pedal- und Elektroantrieb ist das Boot sehr schwierig zu steuern.
4. Das Befestigen der Zeltplanen schon nur auf zwei Seiten stoppt den Luftzug so effektiv, dass es im Schlafsack deutlich spürbar wärmer wird. Dennoch muss ich wärmetechnisch noch nachrüsten, denn ich hatte in der Nacht doch ziemlich gefroren.Read more
