Jaipur off Mainstream
15 dicembre 2024, India ⋅ 🌙 6 °C
Heute klingelt unser Wecker bereits um 6:00 früh. Es ist noch stockfinster und vor allem eiskalt auf dem Steinboden in unserem Zimmer. Da braucht es einiges an Überwindung, um unter der warmen Bettdecke hervor zu kommen.
Doch heute treffen wir uns bereits um 6:30 mit Raju, einem jungen Jaipurer, der uns seine Stadt aus der Einheimischen Perspektive zeigen möchte. Per Fahrrad. Zwei Regeln vorab:
*Please stay left!
*Don't panic when you hear a horn honking!
Der große Vorteil: um diese Zeit ist für indische Verhältnisse kaum Verkehr auf den Straßen der Stadt!
Wir starten Richtung Hawa Mahal, dem Windpalast, der sich ohne Autos im Morgenlicht besonders reizvoll präsentiert. Von den 5 Stockwerken sind die oberen drei reine Fassade, um den feinen Damen der Maharajas geschützten Blick auf das bunte Treiben an der Hauptstraße zu ermöglichen. Die vielen Fenster sorgen außerdem für guten Durchzug - im heißen Sommer ein Segen, der dem Werk seinen Namen gibt: Palast der Winde. Außerdem hat er die Form von Krishna's Krone zu dem Schutzheiligen der hiesigen Königsfamilie.
Nach den obligaten Fotos radeln wir weiter zum Govind Devji, dem Familientempel der Maharajas von Jaipur. Er ist berühmt für seine flache Konstruktion, denn eigentlich hätte es der Palast werden sollen. Aber dann erschien Lord Krishna dem Maharaja im Traum und bat darum, den Tempel an dieser Stelle zu bekommen. Und so wurde kurzerhand umdisponiert. Um 7.00 ist gerade die 2. Zeremonie des Tages im Gange (die erste war um 4:30) und die Tempelhalle ist brechend voll. Die Leute sind voll dabei, singen und klatschen und die Stimmung ist mitreißend und fröhlich. Wir verweilen ein Zeiterl und bekommen einen Segen (gelben Punkt auf die Stirn), bevor wir weiter ziehen.
Next stop: local wholesaler flower market. Wunderschön bunt und wohlriechend! 365 Tage im Jahr offen. Unglaublich, wie viele Blumen die tagtäglich so verbrauchen hier!! Der angrenzende Gemüsemarkt hat heute, Sonntag, wegen Vollmond geschlossen.
Nun gibt es richtig indisches Street food breakfast. Hier bei Samatra trifft man sich vor der Arbeit oder einfach so mit Freunden auf ein Tratscherl. Der Chai wird in kleinen kegelförmigen Gläsern ausgeschenkt, Samosa und Kachoori. Die in Öl frittierten und durch Zuckerguß gezogenen Mehlteigringerl lassen wir lieber aus.
Auf unserer Weiterfahrt biegen wir nun in kleine Seitengassen ab. Hier können wir Havelis in verschiedenen Stufen der Instandhaltung bewundern, von nahezu neu gebauten bis zu 250 Jahre alten, im Verfall begriffenen Gebäuden. Dazwischen werden Hunde Gassi geführt und Männer laufen mit großen Metallkrügen um Milch. Zwei Mal um die Ecke gebogen, landen wir plötzlich im Bildhauer Viertel. Hier werden in zahlreichen Läden aus Marmorblöcken kleine und große Heiligenstatuen hervorgezaubert. Wiederum soo viele, dass ich mich frage, wer die denn aller kaufen kann?? Aber andererseits bei der Tempeldichte hier in Indien, wo auch Privatpersonen ihre Heiligen Zuhause verehren möchten. ...
Wir sind fast zurück an unserem Ausgangspunkt, da machen wir einen letzten Stop: bei Raju Zuhause, wo sein Papa schon Brötchen, Dal und Poha (die gepressten Reisflakes mit Rosinen und Nüssen) für uns zum Frühstück gemacht hat!! Alles inklusive!
Am Dach des Familienhauses erzählt uns Raju noch über die Tradition des Drachenfliegens hier. Bis zu 100m hoch lassen sie diese steigen. Im Wettkampf haben sie schneidende Schnüre dran und versuchen damit, die Schnur des gegnerischen Drachens zu durchtrennen. Kinder, die so einen Vorfall von unten beobachten, laufen um den herabsegelnden Drachen um die Wette, denn diesen dürfen sie dann behalten.
Etwas außerhalb der Stadt möchte ich noch einen Besuch beim Galta Ji Tempel machen, der für seine Quelle berühmt ist sie zwei große Becken speist. Die Inder pilgern hierher, um sich von negativen Karma reinzuwaschen. Qayum, unser Fahrer, warnt uns, es ihnen nur ja nicht gleich zu tun, denn wir würden fix krank werden von dem Wasser. Überall entlang des Weges liegen weg geworfene Kleidungsstücke und dazwischen verkaufen Frauen Futter für die vielen Kühe, Affen und Vögel hier, denn diese zu füttern, ist auch gut für's Karma. An diesem Part beteilige ich mich gerne! 😉
Was für ein Spektakel! Wenn ich in Indien wo als Affe leben müsste, dann hier! Schlaraffenland quasi 🥜🥜🍌🧇🥯🍏🫓🥜🍌
Vom Hanumanpriester noch gesegnet für Gesundheit und ein langes Leben (ausnahmsweise als Ausländer auch ohne vorangegangenes Bad im heiligen Wasser), treten wir die Weiterfahrt nach Sawai Madhopur an. Denn morgen gibt es von hieraus eine Safari in den Ranthambhore Nationalpark auf der Suche nach den berühmten Bengal Tigern!!Leggi altro























💗💗💗 [Trixi]