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  • Day11

    Sie haben den Klappstuhl ausgegraben!

    September 1, 2019 in Bosnia and Herzegovina ⋅ ⛅ 21 °C

    Wir hatten abends im Hotel einen Schotten getroffen, der in Glasgow lebt, monatsweise in Sarajevo arbeitet und dabei einen Haufen Knete verdient. Er meint, wenn seine Familie mitmachen würde, würde er sofort herziehen. Ihn stört, dass man mit Sarajevo nur den Krieg verbindet, obwohl der doch so lange her ist und sich seitdem eine Menge geändert hat. Das wäre ja so, als würde man wegen des Krieges nicht nach Vietnam fahren...

    Der gute Schotte meinte auch, die Bob-Bahn der Olympischen Winterspiele 1984 (die gestrige Tagesaufgabe) wäre gar nicht weit entfernt und leicht zu finden. Also brachen wir heute frohen Mutes in die angegebene Richtung auf. Nach dreimaligem Anhalten und Nachfragen und fast einer kompletten Runde um den Trebević-Berg hatten wir sie dann auch schon gefunden... (Auf unserer Irrfahrt sahen wir aber, was die Leute hier sonntags so machen: Sie gehen mit Klappstühlen in den Wald. Offensichtlich gehört hier zu einem Picknick auch eine vernünftige Sitzgelegenheit!)

    Nach dem ersten Foto-Stop an der Bob-Bahn wollte Liese allerdings die darauffolgende Steigung nicht mehr hoch, so dass wir wieder einmal anhalten und die Benzinpumpe kühlen mussten. Immerhin ließ sich die Wartezeit gut nutzen, um die Gegend zu erkunden. Aber nicht abseits der Wege - angeblich könnten hier immer noch Landminen im Wald liegen (gruselig).

    Vom Berg runter hat man einen grandiosen Blick über Sarajevo im Tal, und eine Seilbahn gibt es auch. Ich fühlte mich ein wenig an Skopje erinnert, nur dass die Seilbahn hier niegelnagelneu ist und alles daran blitzt und blinkt. Außerdem ist die Attraktion hier kein riesiges Kreuz (wäre wahrscheinlich auch ein super Ort dafür...), sondern eine verfallene Bob-Bahn, die man in Deutschland aus Sicherheitsgründen schon längst eingezäunt und abgesperrt hätte. (Wie Ronan so schön sagte: "Brandschutz!")

    Nach der obligatorischen halben Stunde war Liese dann auch wieder willens, anzuspringen, und so konnte die Fahrt weitergehen. Erstmal zurück nach Sarajevo und dann weiter Richtung Mostar. Und gerade, wenn man wirklich nicht mehr an den Krieg denkt, kommt man tatsächlich an Hochhäusern mit verdammten Einschusslöchern vorbei...
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