Tag 11:Pontevedra-Caldas de Reis (~21km)
May 12, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 19 °C
Während Speedy schon längst auf dem Weg ist und Patricjia und Bogo auf der Suche nach Frühstück sind, laufe ich los. Speedy werde ich erst in Santiago wiedersehen, da er die längere Route läuft, mit den anderen beiden plane ich aber schon die gemeinsame Ankunft in wenigen Tagen.
Das Wetter ist heute wirklich wunderbar, die Laune gut, Musik auf die Ohren um die Menschen auszublenden und ich könnte einfach ewig laufen. Ok, nach dem heutigen Aufstieg bin ich schon froh, eine Pause machen zu können. Aber der Platz ist einfach extrem überlagert, die Schlange am Kaffee mehr als 30 Personen lang und alle Bänke belegt. Also nur eine kurze Pause und für den Nachmittag auf Camino-Magic vertrauen.
Unterwegs gibt es zumindest schon mal einen Stand der Kirschen verkauft, ein Anfang. Aber je weiter ich laufe, desto mehr wünsche ich mir einen Platz, um mal 15 Minuten zu sitzen ohne dass schon 20 Personen dort sitzen. Und vielleicht einen Kaffee, wenns geht, liebes Universum, Gott oder wer auch immer…
Man bekommt zwar nicht immer, was man will auf dem Camino, aber doch die Dinge, die man wirklich braucht. Und so sehe ich nach dem nächsten (völlig überfüllten) Kaffee ein Schild für ein weiteres Kaffee, das gerade mal 50m abseits des Weges auf der anderen Seite einer großen Straße liegt und in dem fast niemand sitzt. In dem Moment laufe ich natürlich auch auf Bogo auf, die Entscheidung ist also schnell getroffen.
Wir haben gerade mal Kaffee bestellt, da sehe ich Patricjia auf der anderen Straßenseite laufen. Wir stoßen unseren Erkennungsruf aus (sehr zur Erheiterung aller anderen im Kaffee), sie winkt uns auch zu, läuft aber weiter, was mich wundert.
Auch ok, vielleicht braucht sie heute Abstand. Sie schickt uns dafür kurze Zeit später einen Vorschlag für eine wunderbare Herberge mit kleinen Schlafräumen mit jeweils nur 4-8 Personen und echten Decken.
Dort angekommen stellt sich heraus, dass sie sich beim Bergab laufen heute den Knöchel vertreten und das Knie aufgeschlagen hat. Aktuell hat sie keine großen Schmerzen, aber die Angst, dass es dick wird und sie abbrechen muss ist groß. Das kommt auf keinen Fall in Frage. Selbst wenn wir die Rucksäcke transportieren lassen, nochmal Zug fahren oder einen Rollstuhl organisieren, wir werden es jetzt alle bis zum Ziel schaffen!
Praktischerweise bietet der Ort heute nicht nur eine schöne Stadt zum Besichtigen, sondern hat heiße Quellen! So sitzen wir wenig später mit anderen Pilgern am Becken und lassen Beine und Füße einweichen. Bestimmt gut sowohl für Bogos Knie, Patricjias Knöchel und meine Blase an der Ferse, die einfach nicht aufgehen will und immer dicker wird.
Außerdem bin ich damit die einzige, die ein Bild von Patricjias Fuß machen darf, nachdem sie schon mehrfach von Leuten angesprochen wurde (anscheinend sammeln Leute Bilder kaputter Füße. Sicherlich ein interessantes Kunstprojekt, aber dann sollte man erst von dem Projekt erzählen und nicht arme Pilger mit kaputten Füßen direkt nach einem Foto fragen!)
Abends gehen wir wieder zusammen essen und Patricjia und ich vergleichen mal wieder wie jeden Abend, welche Optionen wir morgen haben. Eigentlich würden wir gerne morgen eine längere Etappe laufen und dafür den Tag nach Santiago verkürzen, aber der Vergleich all unserer Apps und Reiseführer bietet dafür keine gute Alternative mit der Chance auf Betten. Während wir beiden noch diskutieren, unterbricht uns Bogo, um sich zu bedanken. Normalerweise plant er genauso viel und überdenkt alles mehrfach, genau wie Patricjia und ich. Bei diesem Camino jedoch hat er sich ab unserem Kennenlernen auf uns beide verlassen und konnte seinen Weg so viel mehr genießen. Wir sind uns auf jeden Fall einig, dass wir es egal wie bis Santiago schaffen werden und entscheiden uns, morgen dann eben die vorgeschlagene Route nur bis Patron zu laufen. Wird schon für etwas gut sein, wie alles auf diesem Weg.Read more









