Anreise Porto
May 1, 2024 in Portugal ⋅ ☁️ 13 °C
Heute geht es los! Obwohl es schon mein dritter Camino wird, bin ich nervös. Rucksack packen hat gestern in mehreren Anläufen nicht gut geklappt und als mir auffiel, dass ich für den Flug ja auch noch meine Wanderstöcke verstauen muss, hab ich einfach alles irgendwie reingestopft, ich muss ihn heute ja noch nicht tragen.
Kurzfristig beschließe ich noch, ein paar Kleinigkeiten doch wieder auszupacken, dann machen wir uns auch schon auf zum Flughafen. Lieber früh, lieber genug Puffer, es ist ja auch Feiertag und außerdem ist „nach Porto kommen“ heute mein einziges Ziel.
Den Check in habe ich gestern schon online erledigt, also ist der Plan, direkt den Rucksack abzugeben. Kurz überlegen wir, ob es besser wäre ihn in Folie einzuwickeln (die Stöcke stecken außen), aber Preis und vor allem Klimabewusstsein schrecken mich ab. Schlimm genug zu Fliegen, da muss ich nicht auch noch teuren Plastikmüll produzieren, im Zweifel kaufe ich vor Ort neue Stöcke.
Während ich noch vor den Gepäckautomaten darüber nachdenke, ob für die Sortierung auch irgendwie KI im Einsatz ist (es wird wirklich Zeit für Urlaub!!) schickt mich ein Mitarbeiter an den Schalter nebenan, Rucksäcke können die Automaten nicht. 15 Minuten später schickt mich der gleiche Mitarbeiter dieses Mal von seinem Schalter an die Aufgabe für Sperrgepäck. Soo schlecht habe ich nun wirklich nicht gepackt, aber der Mitarbeiter dort nimmt meinen Rucksack problemlos an. Hoffentlich kommt das Gepäck auch wirklich nach Porto…
Nachdem wir noch etwas gegessen haben, ist es schon Zeit, dass ich mich verabschiede und langsam ans Gate gehe. Die Sicherheitskontrolle geht schnell und am Gate sitzen schon viele Menschen. Ich blättere ein wenig im Reiseführer und werde kurz danach auf dem Weg zur Toilette direkt von einer Frau angesprochen, ob ich auch Jakobsweg laufe und ob wir vielleicht in Porto gemeinsam vom Flughafen in die Stadt fahren wollen, sie wisse noch nicht genau wie sie hinkommt. Das weiß ich zwar auch noch nicht, aber da sie darüber deutlich nervöser scheint als ich, sage ich zu. Ich habe den Eindruck, dass wir beide auch nicht die einzigen sein werden, so viele wie hier mit sehr wenig Handgepäck in Wanderschuhen und -Hosen sitzen.
Der Flug verläuft ruhig und ich hole sogar ein wenig Schlaf der letzten Tage nach. Vor Ort taucht mein Rucksack problemlos und heil auf, ich muss nicht mal ans Band „for odd sized luggage“. Die Frau von vorhin kommt direkt auf mich zu und fragt, was ich jetzt tue. Ich spreche erstmal das Mädchen neben mir an, die auch einen dicken Wanderrucksack trägt und meine Frage nach Jakobsweg wenig überraschend bejaht. Heike, Anna und ich suchen also gemeinsam die Metro, helfen uns beim Ticketkauf und unterhalten uns darüber, dass wir alle drei erst mal zwei Nächte in Porto bleiben, aber in verschiedenen Unterkünften. Das ist mir auch recht, ich will mich nicht direkt schon immer wieder absprechen müssen, dafür laufe ich allein.
In der Metro setzen wir uns direkt noch zu zwei weiteren Frauen mit Rucksack, natürlich auch Pilgerinnen, eine davon sogar in der selben Unterkunft wie ich. Wir tauschen uns über die unterschiedlichen bisherigen Jakobsweg-Erfahrungen und -Erwartungen aus, bis ich Anna und Heike darauf hinweise, dass sie aussteigen müssen. Sie werden es schon zu den Unterkünften schaffen, auch wenn Heike weiterhin sehr aufgeregt wirkt.
Auf dem Weg von der Metro zum Hostel werden die Frau, die sich beim Checkin später als Jannet vorstellt, von einem heftigen Regenschauer überrascht und stellen uns erstmal unter.
Halbwegs trocken finden wir die Unterkunft anschließend ziemlich schnell, die im Bahnhofsgebäude São Bento untergebracht ist. Wir sind in verschiedenen Schlafsälen, und verabschieden uns damit erstmal. Sie wird auch bereits morgen starten, aber mit einer eher kurzen Etappe, sodass wir uns wahrscheinlich die kommenden Tage wieder über den Weg laufen.
Ich lade mein Gepäck ab und laufe anschließend noch ein wenig durch Porto, merke aber, dass ich sehr müde bin. Ich habe ja morgen noch den ganzen Tag Zeit für Erkundungen. Auf die Karaoke-Nacht verzichte ich also und gehe (zumindest laut der wegen Zeitverschiebung verstellten Uhr) früh ins Bett. Zum Glück ein unteres, wobei mir heute in Gegensatz zu den kommenden Tagen die Leiter auch noch keine Probleme gemacht hätte. Mal sehen, wie laut die Nacht wird.Read more
Tag 1 - Stadtbesichtigung Porto (12km)
May 2, 2024 in Portugal ⋅ ⛅ 15 °C
Wow, Porto ist so schön, dass es wirklich schwer fällt, nur 10 Bilder zu wählen. Aber von vorn.
Dank Schlafmaske und Ohrenstöpsel schlafe ich relativ gut, auch wenn ich mir nachts doch noch das Langarmshirt abziehen muss, um nicht zu frieren. Wie immer gibt es Menschen, die auch in Schlafsaal mit 10 anderen Personen ihren Wecker extrem laut und lang und dank Snooze mehrfach klingeln lassen, aber kurz nach acht wollte ich eh aufstehen…
Beim Frühstück, das im Hostel inklusive und gut und ausreichend ist, treffe ich Jannet wieder, die inzwischen noch eine Österreicherin (?) getroffen hat, die aber heute startet. Sie erzählt mir, dass sie sich auf Grund des Wetters jetzt entschieden hat, erst noch ein paar Tage nach Lissabon zu fahren und am Montag zurückzukommen und zu laufen. Ich persönlich hoffe einfach, dass es schon nicht so dramatisch wird, sitze aber noch ein paar Schauer im Hostel aus und schreibe Blog/Tagebuch.
Gegen 10 sieht es relativ trocken aus und als ich mich auf zur Stadterkundung mache, kommt die Sonne raus.
Ich lasse mich durch die Stadt treiben und ziehe nur ab und zu den Reiseführer oder Maps zu Rate, um die wichtigsten Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Vor allem die kleinen Gassen und vielen kleinen Geschäfte gefallen mir. Bei einem Handarbeitsmarkt werde ich an einem Stand mit Hüten fast schwach, aber alles, was ich jetzt kaufe, muss ich die nächsten Tage mitschleppen…
Die meisten Sehenswürdigkeiten schaue ich mir erstmals nur von außen an, falls es heute Mittag regnet kann ich das immer noch tun und Zeit für alles werde ich sowieso nicht haben. An der Kathedrale wäre um 11 Uhr Messe, das ist mir für eine Besichtigung davor zu knapp und so mache ich mich weiter auf zum Duoro und laufe die ersten Schritte Jakobsweg. Das Stück kann ich morgen dann direkt überspringen. In Porto geht es ganz schön rauf und runter und die Straßen und Treppen sind dank dem Regen teilweise rutschig. Am Wasser scheint jedoch die Sonne und ich laufe über die Brücke Ponte Luís I, die ich am Nachmittag auch auf der oberen Ebene nochmal überquere, auf der auch die Metro fährt.
Nach einer kleinen Pause im Hostel mache ich mich am Nachmittag auf, wenigstens noch ein paar der vielen Kirchen zu besichtigen, die es in Porto gibt. So richtig überzeugt mich von innen keine, wobei die blauen Fliesen außen alle spannend sind. In der Capela das Almas zünde ich Kerzen an und warte einen kleinen Schauer ab, nach dem die Sonne aber wieder richtig stark scheint. Bei Santo Ildefonso, wohl nach einem heiligen Bischof benannt, gefallen mir die Fenster. Ich amüsiere mich über die teilweise wirklich scheußlichen Statuen im zugehörigen Museum und kann auch heilige Sonnenschirme nicht gebührend ernst nehmen. Bei nur einem Euro Eintritt ist es aber auch nicht tragisch, dass ich nicht lange bleibe.
Während ich gerade den Mercado do Bolhão betrete, fängt es an zu regnen. So verbringe ich einige Zeit damit, mich an den vielen bunten Ständen mit unterschiedlichen Köstlichkeiten zu erfreuen und mich durch ein paar Dinge durchzuprobieren. Das macht mit einer Gruppe vermutlich noch mehr Spaß, auch wenn man dank kleiner Tapas, die in Portugal sicher anders heißen, auch alleine viel probieren kann.
Nach dem Schauer mache ich mich jetzt wirklich auf zur Kathedrale, ohne Credential habe ich sonst morgen ein Problem. Auf dem Weg sehe ich die wirklich übertrieben lange Schlange an der Livraria Lello, die mir die Entscheidung sehr einfach macht, keine acht Euro Eintritt für eine Buchhandlung zu bezahlen.
An der Kathedrale bekomme ich problemlos den Pilgerausweis und kann neben der Besichtigung auch noch die Aussicht vom Turm über Porto genießen. Ich lasse mich anschließend noch ein bisschen durch die Gassen treiben und genieße die Sonne und die gute Stimmung in Porto, bevor ich mich auf zum Hostel mache. Morgen geht es los, ich sollte den Rucksack nochmal richtig packen.Read more

TravelerBeeindruckend, für heute wünsche ich dir einen guten Start und annehmbares Wetter
Tag 2: Porto - Labruge (18 + 4,6km Bahn)
May 3, 2024 in Portugal ⋅ 🌬 16 °C
Heute ist der erste Lauftag und ich freue mich drauf! Ich werde dank lärmender Zimmergenossen schon deutlich vor dem Wecker wach und nutze die Zeit zum Rucksack packen. Kurz nach 8 Uhr bin ich beim Frühstück und lasse mir nicht allzu viel Zeit, sodass ich 20 vor 9 aus dem Hostel auschecken kann. Ich möchte um 9 Uhr die historische Straßenbahn Eléctrico nehmen, um die ersten KM abzukürzen. Ich habe es gestern nicht geschafft, die Bahn anzuschauen und man muss es ja die ersten Tage auch nicht übertreiben.
Den Abstecher zur Kathedrale spare ich mir auch, mein Camino beginnt an der Unterkunft oder der Haltestelle oder so.
Die Bahn ist lustig zu fahren und um die Uhrzeit auch noch nicht so voll. Aus dem Fenster beobachte ich die ersten Pilger, die in ihren sehr bunten Regenklamotten gut zu sehen sind. Es nieselt die ganze Zeit vor sich hin und an der Endhaltestelle packe ich den Rucksack auch lieber in den Regenschutz ein. Das Cape erspare ich mir aber, ein paar Tropfen schafft auch die Jacke.
Mit mir laufen noch mehrere Frauen unterschiedlichen Alters los, die ich jedoch im Laufe des Tages nicht mehr sehe.
Die Strecke am Meer entlang ist traumhaft und die Temperatur super zum Laufen. Es regnet immer nur kurz, dank des Winds sind die Sachen immer nach wenigen Minuten trocken und der Wind kommt auch nur von hinten. Ich brauche eine Weile um mich an den Rucksack zu gewöhnen, aber dann laufen sich die ersten KM fast von selbst. Ich freue mich über die neidischen Nachrichten von Freunden aus Deutschland und genieße das Geräusch von Meer und Wind.
An einer Touristinfo hole ich mir einen Stempel und ärgere mich ein wenig, dass sie zusätzlich einen QR-Code mit angeblich spannenden Informationen zur Region aufkleben. Wenn ich was wissen wollte, würde ich googlen oder eines der vielen Info-Schilder lesen.
Gegen 11 Uhr hole ich Heike und Anna ein, die wohl beschlossen haben, gemeinsam zu gehen. Ich hab noch keine Lust auf Pause, aber die beiden sind im Gegensatz zu mir nicht Bahn gefahren und schon seit 7 Uhr unterwegs.
Zwischendurch sehe ich streckenweise überhaupt keine anderen Pilger, aber insgesamt sind sehr viele unterwegs und die Herberge wird trotz über 60 Betten abends voll.
Gegen Nachmittag lässt meine gute Laune nach. Die Strecke zieht sich, es regnet öfter, der Wind kommt seitlich und ist kalt, das Meer rauscht immer gleich und die Füße und Beine schmerzen auch langsam. Für längere Pausen ist mir aber zu kalt, also beiße ich die Zähne zusammen und laufe stur weiter. Ich entschiede mich gegen den Campingplatz mit Bungalows und folge den Schildern zur offiziellen Herberge, die aber fast 1km vom Strand und damit dem Camino entfernt ist. Und dem Restaurant, das dort liegt, was mir noch fast zum Verhängnis wird, den zwei KM extra laufe ich nach dem Duschen sicher nicht mehr.
In der Unterkunft checkt gerade eine Gruppe von fünf Italienern ein, was anscheinend kompliziert ist und die Hospitaliera mehrfach zum Augenrollen bringt. Die Frau vor mir amüsiert sich ebenso wie ich und nach einem Blick auf ihren Ausweis stellen wir fest, dass wir beide aus Deutschland sind. Später erfahre ich, dass wir sogar fast Nachbarn sind, denn Daniela kommt aus einem Ort bei Düren.
Anscheinend beurteilt die Hospitaliera uns beide als jung und wir landen in oberen Betten. Wir sind uns einig, dass wir da heute wohl nicht wieder runter kommen und gehen erstmal duschen, bevor wir uns eine Weile aufs Bett setzen.
Auf der Arbeit findet heute das monatliche Update des Vorstands statt und mein Lieblingskollege hält uns in unserer Lästergruppe, die wir zu dritt schon länger auch ins Private verlegt haben, auf dem Laufenden. Es wird nun tatsächlich Kurzarbeit angekündigt und alle geplanten Veranstaltungen abgesagt. Da fährt man einmal in Urlaub… ich lasse mich durch die (erwarteten) Neuigkeiten aber nicht runterziehen, noch ist eh unklar, wie genau sich das auswirkt, vor Juni beginnt es nicht und ich hab jetzt eh Urlaub und mache mir keine Gedanken um die Arbeit!!
Ich raffe mich dazu auf, das Bett nochmal zu verlassen und meine Wäsche zu waschen. Ich befürchte zwar, dass die Sachen bis morgen nicht trocknen, aber will den Rhythmus der verfügbaren sauberen Klamotten nicht von Anfang an zum scheitern verurteilen, wenn nicht binde ich es morgen halt am Rucksack fest. Außerdem muss ich mir noch etwas fürs Abendessen organisieren, zum Restaurant komme ich nicht mehr.
Im eh sehr kleinen Supermarkt ist die Auswahl sehr eingeschränkt, aber die alte Dame an der Kasse zaubert noch zwei Brötchen hervor und mit Wurst, einer Limo, Bananen und Keksen kann sich mein Abendessen sehen lassen.
Anna ist inzwischen auch angekommen und hat das Bett neben Daniela und mir bekommen. Sie musste von ihrer Herberge zur Kathedrale schon ein ganzes Stück laufen, ist nicht Bahn gefahren und nach über 25km extrem fertig. Nachdem sie es doch noch zum Duschen geschafft hat, leistet sie mir aber beim Abendessen Gesellschaft. Anna ist erst 19 und damit jünger als Danielas Sohn. Wir drei haben einigen Spaß zusammen und amüsieren uns auch später auf den Betten noch eine Weile über die anderen im Zimmer, die Klimaanlage und alles mögliche.
Keine ist schon so ganz entschieden, wie weit sie morgen gehen wird, obwohl man morgen entscheiden muss, ob man zum zentralen Weg wechselt oder dem Küstenweg folgt, der aber nicht mehr direkt am Meer entlangführen soll. Außerdem ist morgen mehr Regen gemeldet. Ich lasse es einfach auf mich zukommen und entscheide nach Bauchgefühl.Read more
Tag 3: Labruge - Aguçadoura (~ 20 km)
May 4, 2024 in Portugal ⋅ ☁️ 16 °C
Ich schlafe ganz passabel, dafür dass ich relativ lange zum Einschlafen gebraucht habe und werde nur selten wach. Wie immer gibt es aber einige Frühaufsteher, die schon vor 6 Uhr mit ihren extra lauten Plastiktüten rascheln und als kurz nach 7 auch die beiden Italienerinnen in den unteren Betten beim Packen lautstark erzählen, gebe ich auf. Daniela neben mir hat schon fast fertig gepackt, während Anna auch gerade wach wird. Sie ist überzeugt, dass die Frau unter ihr bereits nachts um 1 gegangen ist und nicht nur kurz auf Toilette war.
Ich mache mich in Ruhe fertig und packe meine Sachen, was die ersten Tage noch erstaunlich lange dauert. Als ich um kurz vor 8 die Schuhe anziehe, treffe ich Heike, der der gestrige Tag noch sehr zu schaffen macht. Gemeinsam mit Anna laufen wir los, kommen aber nur ein paar Minuten weit, bis uns Daniela von einer Terrasse aus einem Café aus zuwinkt. Also gehen wir erstmal frühstücken und lernen noch eine weitere deutsche Frau kennen, die in (gut eingelaufenen) Flipflops läuft. Die Stimmung ist trotz gemeldetem Regen noch gut.
Die ersten KM laufe ich anschließend zusammen mit Anna und Heike, als sie aber nach nicht mal einer Stunde Pause auf einer Bank ohne Aussicht planen, verabschiede ich mich. Mit Daniela haben wir ausgemacht, uns im ersten Café in Vila do Conde zu treffen, da man dort entscheiden muss, ob man dem Küstenweg folgt oder nach Rates auf den Central wechselt.
Unterwegs fängt es wieder an zu regnen, ich gehe aber davon aus, dass es ähnlich wie gestern immer nur kurze Phasen sind, zwischen denen man genug Zeit zum Trocknen hat. Falsch gedacht, aber bis ich das realisiere, bin ich schon bis auf die Unterwäsche durchweicht, sodass das Cape auch nicht mehr helfen würde. Und solange es regnet, traue ich mich auch nicht den Rucksack zu öffnen. Ich laufe also stur weiter, dank dem Wind wird mir auch noch kalt und die Jacke speichert das Wasser bekanntermaßen statt es abzuhalten. Die Strecke ist auch nicht schön, sondern führt durch Ortschaften statt an Strand entlang.
Ich erreiche Vila do Conde schon um halb 11, sehe aber kein offenes Kaffee, vor allem nicht vor dem Abzweig nach Rates. Da es gerade kurz nicht regnet, bleibe ich ein paar Minuten auf einer Bank sitzen und denke nach.
Nach Rates wären es noch rund 13 km und auch wenn ich bisher zügig durchkomme, ist mir das zu viel, vor allem weil Daniela gehört hat, dass davor ein ordentlicher Anstieg käme. Hierbleiben kommt aber auch nicht in Frage, wenn die Unterkunft erst um 15 Uhr öffnet, so viel Zeit kann ich auch in keinem Restaurant totschlagen. Also bleibt nur auf dem Küstenweg weiterlaufen, die Entscheidung ist also getroffen. Da ich nicht weiß, wie weit die anderen hinter mir sind und ob sie noch irgendwo Pause machen, habe ich auch keine Lust zu warten. Ich laufe also weiter, auch um warm zu bleiben.
Es regnet wieder mehr und seit einer Weile merke ich, dass sich durch die nasse Hose auch die Socken vollsaugen und meine Füße komplett feucht sind. Ich brauche jetzt doch eine Pause und so gehe ich ins nächste Café, trinke etwa heißes und esse erstmal was. Ich schicke ein paar jammernde Nachrichten an Freunde und lasse mich aufmuntern, dass das Wetter daheim auch nicht soo toll sei, im Regen laufen doch meditativ wäre und überhaupt. Also reiße ich mich zusammen und laufe weiter.
Der Regen hat erstmal aufgehört und ich mache eine kurze Pause, krame ein paar trockene Socken aus dem Rucksack und ziehe auch zur Sicherheit das Cape über.
An der nächsten Unterkunft laufe ich um halb 1 vorbei, die würde auch erst um drei öffnen und mit trockenen Socken ist das Laufen auch nicht mehr so schlimm, vor allem weil der Weg endlich wieder aus den Ortschaften raus ans Meer führt. Der Wind bläst von hinten und in etwas weniger als zwei Stunden erreiche ich eine Unterkunft, die um 14 Uhr aufmacht und direkt am Strand gelegen ist, das klingt machbar.
Die Strecke am Meer entlang ist sogar richtig toll, es windet so sehr, dass die Wellen wirklich beeindruckend sind und das Laufen wieder fast von selbst geht. Ich merke jedoch, dass ich zu lange feuchte Füße hatte und befürchte, mir heute Blasen zu holen. Da es wieder anfängt zu nieseln, gebe ich nochmal richtig Gas und schaffe die Strecke in 1,5 Stunden.
14:15 Uhr, hoffentlich hat die Herberge schon offen, denke ich, nur um kurz danach die junge Hospitaliera geschockt anzuschauen, die mir verkündet, dass sie bereits voll wären. Es können doch nicht wirklich 24 Menschen direkt vor mir innerhalb von 15 Minuten angekommen sein, die hätten mich doch bei der letzten Pause überholen müssen. Nein, erklärt sie mir, es seien viele Betten reserviert. Sie könne mir aber eine Matratze im Lagerraum/Abstellkammer anbieten, die einzig andere Alternative ist die Herberge in 8km, die aber auch nur wenige Betten hat.
Ich laufe sicher keine 8 weiteren km mehr und in einem Raum nur für mich schnarcht zumindest keiner, eine Nacht mit dünner Matte auf dem Boden werde ich schon überleben. Hauptsache erstmal duschen und trockene Sachen anziehen!
Anschließend sitze ich ein wenig in der Küche rum, aber da ich heute keine Lust auf Menschen habe, ziehe ich mich in meinen (leider fensterlosen) Raum zurück.
Ein kleiner Supermarkt ist auch wieder um die Ecke, wobei ich die hier im Vergleich zu meinen Erfahrungen aus Spanien für Pilger eher schlecht ausgestattet finde. Ich lege mir trotzdem ein paar Vorräte an, da ich nicht sicher bin, wie es sonntags in Portugal aussieht. Morgen soll es wieder regnen und ich habe nur die Wahl zwischen einer kurzen Etappe, bei der ich potentiell zu früh an der Herberge bin oder einer viel zu langen ohne Garantie dass noch etwas frei ist. Buchen kommt für mich auch nicht in Frage und überhaupt nervt mich die Situation heute.
Ich setze mich eine Weile an den Strand, auch wenn es ziemlich kalt ist und strecke wenigstens kurz die Füße ins Wasser (die leider wirklich nicht mehr blasenfrei sind). Das Meeresrauschen ist zwar toll, ich fühle mich aber nicht fit, hoffentlich habe ich mich nicht erkältet. Außerdem ist es mir einerseits zu einsam und andererseits habe ich auf Leute heute überhaupt keine Lust mehr. Also lege ich mich relativ früh wieder in meine Kammer und hoffe, dass die Stimmung nur dem allseits bekannten „Phänomen des dritten Tages“ geschuldet ist. Jannet hatte davor auch gewarnt, als Heike auf der Fahrt nach Porto nach ihren früheren Camino-Erfahrungen gefragt hat. Ich dachte zwar, dass das erst morgen, am dritten „richtigen“ Lauftag zuschlägt, aber mal sehen…Read more

Traveler
Schade mit dem Wetter und ich hoffe ,das du trotz Blasen gut weiterkommen wirst . Lass dich nicht unterkriegen, meine Bewunderung hast du auf jedenfalls, ich denk an dich und danke für die schönen Bilder

TravelerAuweia. Das war aber heute eine echte Prüfung … Ich hoffe, dass die Blasen nicht zu schlimm sind und dass vor allem das Wetter besser wird. Meine Hochachtung hast du!

TravelerMein Kommentar von eben ist weg. Ich sehe es wie oben. Deine Zähigkeit soll sich lohnen....
Tag 4: Aguçadoura - Marinhas (~ 17.5 km)
May 5, 2024 in Portugal ⋅ ⛅ 17 °C
Ich brauche mehr als ein paar cm Schaumstoff zwischen mir und dem Boden, soo jung bin ich nicht mehr. Ich wäre im Zeltlager inzwischen wohl auch Fraktion Feldbett, aber da die Matratze auch nur nur wenige cm länger ist als ich, ist die Nacht nicht allzu entspannt. Vor allem nicht, da die Frühaufsteher zwar die Schlafräume verlassen, aber dafür ihre Sachen lautstark in der Küche direkt vor meiner Tür einpacken.
Ich wache also wie immer vor dem Wecker auf und nutze die Zeit, die eine Blase unter der Ferse mit Compeed zu verkleben, die andere kleine ist über Nacht verschwunden. Den Raum für mich allein nutze ich, um den Rucksack neu zu sortieren und heute mit kompletter Regenausstattung, also Hose und Cape, zu starten.
Laufen geht, auch wenn ich Beine und Füße spüre, aber das Wetter ist beschissen. Die erste Stunde geht es außerdem nur über Holzstege, was bei dem Wetter keinen Spaß macht und auch keine Aussicht bietet. Wie sehr wünsche ich mir die Stege jedoch zurück, als es später nach einem kurzen, matschigen Waldstück mehrere KM lang nur über Kopfsteinpflaster geht. Es gibt wenig Untergrund, der weniger Freude macht und entsprechend langsam komme ich voran. Es gibt wenig zu sehen und zu berichten heute.
Gegen 10 erreiche ich eine Kirche, an der ich meinen ersten Stempel des Tages bekomme, aber da bald die Messe startet, bleibt keine Zeit für eine Besichtigung. Gestern habe ich in den Cafés ganz vergessen nach Stempeln zu fragen, dafür hole ich mir heute mehrere extra, da sonntags anscheinend fast alle Kirchen offen sind.
In Fåo wird vor der Kirche ein Blumenteppich gelegt, der sich durch den ganzen Ort zieht. Ich folge ihm mehr als 700m und als ich abbiegen muss, ist noch kein Ende in Sicht. Ich bin von der Präzision beeindruckt, bis ich sehe, dass sie tatsächlich Schablonen benutzen.
Als ich eine kurze Pause mache, spricht mich ein deutsches Mädchen an, die ich noch nicht kenne. Es stellt sich heraus, dass sie die ominöse weitere Person aus unserem Flug ist, von der die blonde Frau, deren Namen ich nicht kenne, sowie Anna schon berichtet haben. Sie heißt Hanna und ich treffe sie später in der Unterkunft wieder.
Bis dahin muss ich jedoch noch einige KM hinter mich bringen. Ich mache mir Musik an und die Kopfhörer rein, singe aber lieber nicht laut mit, so viele Deutsche wie hier unterwegs sind.
Es zieht sich wieder etwas zu und als ich mir gerade eine kleine Kirche anschaue, mit Engeln die aussehen als würden sie Konfettikanonen halten, schüttet es wie aus Kübeln. Ich warte, bis es ein wenig nachlässt und mache mich auf das letzte Stück. Das führt sogar nochmal am Meer entlang und als es aufhört zu regnen, wird es sogar richtig warm.
Als ich um 13:45 Uhr die Unterkunft erreiche und die Menge an Leuten sehe, werde ich nervös. Die Unterkunft hat 28 Betten und ich zähle locker schon über 20 Personen, obwohl Öffnung erst in 15 Minuten ist. Hannah, das Mädchen von heute Mittag, ist aber zuversichtlich. Hinter mir kommen noch mehr Leute an und wir stellen uns alle brav nach Ankunft auf.
Der Checkin zieht sich, aber überraschenderweise muss keiner weggeschickt werden. Unter mir schläft ein Pärchen gemeinsam in einem Bett.
Ich setze mich nach der obligatorischen Dusche und einer längeren Pause in den Gemeinschaftsraum und denke gerade darüber nach, wie schade es ist, dass jeder nur für sich herumsitzt, außer den Italienern, die in einer Gruppe reisen und gerade lautstark die Küche verwüsten. Da spricht uns ein Mann auf deutsch an, ob wir was trinken gehen wollen. Von den Personen aus dem Raum bin ich die einzige, die will, aber sage gerne zu.
Am Ende landen wir zu sechst in einer Bar, sechs verschiedene Nationen von Belgisch bis Litauen ist alles dabei. Wir sitzen bestimmt fast drei Stunden zusammen und haben großen Spaß (auch wenn es traurig ist, gefühlt das Land mit der schlechtesten Digitalisierung in der Runde zu repräsentieren).
Als das eine Mädchen erzählt, wie sich ein Teil der Gruppe auf dem Weg kennengelernt hat, als sie eine Möwe nachmachte, ist auch der gemeinsame Schlachtruf und Gruppenname klar. Um 9 gehen wir zurück in die Herberge und schaffen es nach einigen Anläufen auch das Schließsystem zu überwinden. In den beiden Schlafräumen ist schon alles dunkel, also muss ich meine Sachen wohl morgen richten…Read more

TravelerDie Engel mit den Konfettikanonen sehen wirklich lustig aus. Und eine wildblühende Calla habe ich auf dem letzten Foto entdeckt. Das Wetter scheint leider nicht so, wie wir es hier nach der Vorhersage vermutet haben. Aber das kann ja noch werden. Alles Gute, vor allem für die Füße ;-)

TravelerUnd jetzt noch Schlachtruf und Gruppenname, wenn Du möchtest. Ich wäre zu gerne als Mäuschen dabeigewesen.....
Tag5: Marinhas-Viana do Castelo(~21+6km)
May 6, 2024 in Portugal ⋅ ☀️ 18 °C
Dafür dass gestern alle so früh im Bett waren, sind einige im Schlafsaal auch ab sechs schon wieder am Packen. Im anderen Raum muss es noch schlimmer gewesen sein, anscheinend haben die Italiener um halb 5 mit der Taschenlampe Leuten ins Gesicht geleuchtet.
Ich starte gegen halb 8, bei über 20km will ich nicht zu spät loskommen. Anscheinend bin ich trotzdem die letzte der „Seagull-Gang“, aber Speedy hat bei seinem 19. Camino den Spitznamen nicht umsonst bekommen und läuft geschätzte 10 km/h.
Heute geht es tatsächlich erst mal weg vom Meer und es gibt die ersten Steigungen zu bewältigen. Im Vergleich zu Spanien halten die sich zwar in Grenzen, aber der Regen der letzten Tage hat Waldwege nicht gerade gut begehbar gemacht.
Nach der ersten Steigung treffe ich tatsächlich Bogo, einen aus der Gruppe gestern, der auf der Wiese vor einer Kirche liegt und das geniale Wetter genießt. Wir scheinen ähnlich unterwegs zu sein und laufen uns regelmäßig über den Weg.
Als ich mich den nächsten matschig-steinigen Abstieg runterquäle denke ich nur, wie gut jetzt eine richtige Pause und ein Kaffee wären, wissend dass der nächste Ort noch eine Weile entfernt liegt. Ich habe den Gedanken noch nicht fertig gedacht, da sehe ich ein paar Flaggen und einen Verschlag und vorne dran Bogo sitzend, der mir schon mit einem Becher Kaffee zuwinkt.
Ein netter Portugiese betreibt einen „Donativo“-Stand direkt am Weg und freut sich, dass endlich ein paar Leute sitzen bleiben und nicht vorbeihetzen. Bogo und ich sind uns einig, dass genau diese „Camino-Magic“ das ist, warum wir immer wieder auf den Weg zurückkommen. Der Portugiese beruhigt uns außerdem, dass heute bisher nicht soo viele Leute vorbeigekommen sind, Bogo und ich schauen also etwas entspannter auf die Bettensituation an unserem Ziel, zumal die angesteuerte Herberge rund 60 Betten hat.
Als ich zur Öffnungszeit der Herberge jedoch noch eine gute Stunde vom Ziel entfernt bin, werde ich doch nervös und strenge mich an, im Tempo nicht nachzulassen, ich will nicht wieder ohne Bett enden.
Auf der Brücke nach Viana, die übrigens vom gleichen Herrn Eiffel gebaut wurde wie der Eiffelturm, überhole ich einige der Italiener. Wissend, dass diese mindestens fünf Personen sind und sich gegenseitig Betten freihalten, ziehe ich mein Tempo nochmal an. Noch fünf Minuten zur Herberge nach Ende der Brücke…
Während ich die Treppe runtergehe, höre ich jemanden rufen, doch obwohl der Italiener noch irgendwas von „er meint die Ragazza“ zu seinem Freund sagt, beziehe ich es nicht auf mich, sondern hetze weiter.
Angekommen ist noch nicht mal der erste Raum voll, in dem immer zwei Betten mit Wänden unterteilt sind. Sieht sehr gemütlich aus, vor allem gibt es keine Hochbetten.
Man zeigt mir mein Bett und ich muss laut lachen, als ich sehe, dass Patricija das Bett direkt neben mir hat. Als wir beide lachen, schaut Wim (Speedy) über die Absperrung. Das Pärchen, Paula und Hayat, haben dieses Mal auch jeder ein Bett und als ich vom Duschen zurücklaufe, kommt mir Bogo entgegen, ob ich ihn vorhin nicht gehört hätte, er hätte in einem Kaffee neben der Brücke gewartet. Die Gruppe von gestern ist also auch heute komplett.
Die anderen sind schon länger da und entsprechend erholter, trotzdem schließe ich mich der Erkundungstour an. Ziel ist die Kathedrale auf dem Berg oben und schnell sind Patricija und ich sicher, den Aufzug/Seilbahn zu nutzen. Da die aber nur alle 15 Minuten fährt, ist der Rest der Gruppe schon vor uns oben, obwohl es weitere 1,7 km sind. Ich habe keine Ahnung, wo sie die Energie her haben, runter laufen wir jedoch alle gemeinsam, das geht noch.
Am Abend entscheiden wir uns zusammen irgendwo lokal zu essen. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn die Lokalitäten machen nicht nur erst um 19 Uhr wieder auf, sondern haben zum Großteil auch Ruhetag. Nachdem wir dank Patricijas schnellem Google-Check ein Restaurant mit über 900 1-Sterne-Bewertungen vermeiden, das massiv Werbung macht, warten wir in einer Bar bis die ausgewählte Lokalität gegenüber aufmachen soll. Dort lernen wir noch Henrik kennen, der auch Essen sucht.
Als kurz nach sieben immer noch nicht offen ist, erklärt uns die Besitzerin der Bar, dass das Restaurant heute geschlossen bleibt. Zum Glück hat sie eine Empfehlung für uns, denn langsam erscheint uns allen McDonalds als echte Alternative.
Wir schaffen es hungrig ins Restaurant, und auch wenn der Plan der lokalen Spezialitäten damit auf Eis liegt, sind wir alle froh endlich etwas zu essen zu bekommen, nachdem wir auf der Suche noch den ganzen Ort besichtigt haben.
Um halb 10 liegen wir alle im Bett, da die Herberge um 10 schließt. Außerdem haben wir morgen eine für meine Verhältnisse sehr lange Etappe geplant, da das Pärchen in der Gruppe Zeitdruck für den Rückflug hat und wir wenigstens noch einen gemeinsamen Tag/Abend verbringen wollen, bevor wir in verschiedenen Geschwindigkeiten weiterlaufen. Vermutlich sogar auf verschiedenen Wegen, denn nach der morgigen Etappe bieten sich wieder mehrere Alternativen an.Read more
Tag 6: Viana do Castelho-Caminha(~ 28km)
May 7, 2024 in Portugal ⋅ ☁️ 19 °C
Die Italiener haben gestern Abend lange noch lautstark gequatscht, selbst als Speedy mehrfach „schhtt“ gerufen hat, was Patricjia und mich jedes Mal zum Lachen gebracht hat. Aber nicht nur das, sie schaffen es auch heute nicht, leise die Herberge zu verlassen, obwohl sie als erste Aufstehen. Schon beim Aufbruch schmieden wir deshalb Rachepläne, sollten wir heute Abend wieder alle mit dieser Gruppe in der Albergue landen, werden Spaghetti gekauft und vor ihren Augen zerbrochen und der Cappuccino zum Essen bestellt!!
Da wir uns morgen wohl trennen, lasse ich mich überreden heute auch eine relativ lange Etappe zu laufen. Wie immer starten wir alle getrennt, Speedy wird vermutlich schon am Ziel sein, bevor der Rest von uns die erste Pause gemacht hat. Nach kurzem Überlegen und mit Blick auf die lange Etappe entscheide ich mich, der Empfehlung meines Reiseführers zu folgen und wenigstens das erste Stück am Meer zu laufen. Auch wenn das schlechter ausgeschildert sei, kann es nicht so schwer sein, solange das Wasser links von mir bleibt laufe ich schon richtig. Und die ausgeschilderte Strecke mit ihren vielen Höhenmetern kann mich im Vergleich zu flach am Wasser nicht überzeugen.
Ich nehme an, dass ich die anderen erst nach einem Wechsel auf die ausgeschilderte Route zu treffen, als nach nicht einmal einer Stunde Patricija und Bogo beide in unserer WhatsAppGruppe schreiben, sie hätten sich heute für die Strecke am Meer entschieden.
Ich treffe unterwegs gefühlt deutlich weniger Pilger als sonst, was mir heute aber auch sehr recht ist. Mir ist heute nach alleine laufen und das Meer genießen, bevor ich morgen auf den zentralen Weg wechseln möchte.
Ohne andere Pilger zur Orientierung bin ich zwischendurch jedoch unsicher, noch auf dem richtigen Weg zu sein, doch bevor ich mein Handy raus kramen und gucken kann, sehe ich Bogo in einiger Entfernung auf einem Felsen sitzen. Er sieht aus, als brauche er heute auch Zeit für sich und so laufe ich vorbei, ohne auf mich aufmerksam zu machen. Als ich einige Zeit später selbst gerade auf einem Stein pausiere und die Ruhe und den Blick auf das Meer genieße, holt er jedoch wieder auf und macht unerwartet ein Foto, als ich mich umdrehe.
Obwohl wir wohl alle die ruhigere Route bewusst gewählt haben, ist die Freude groß, als ich zur Mittagszeit nicht nur schon wieder Bogo einhole, sondern wir auch noch Patricija treffen. Die beiden gehen zusammen etwas essen, ich habe mir Proviant eingepackt, den ich nicht unnötig schleppen will und laufe etwas weiter, bis ich schaukelnde Bänke als perfekten Pausenplatz finde.
Zum Nachmittag hin merke ich jedoch, dass so eine lange Strecke nichts für mich ist. Die Blase am Fuß macht sich bemerkbar, der Zeitdruck, ob ich ein Bett kriege, steigt, und die Energie lässt nach.
Ich habe weder Patricija noch Bogo seit Mittag gesehen und wundere mich, dass sie nicht aufholen. Patricija hat ein Hotelzimmer gebucht, um sich nicht hetzen zu müssen, aber Bogo müsste mich schon länger eingeholt haben.
In der Gruppe schreibt unser Pärchen, dass Hayat sich auf der bergigeren Strecke an der Hüfte verletzt hat und unklar ist, wie es weitergeht. Sie fahren in die Herberge, und werden wohl umplanen müssen. Speedy ist schon länger vor Ort und Bogo schreibt, dass er in 30 Minuten an der Unterkunft ist. Er muss über einen anderen Weg an mir vorbeigezogen sein, denn ich brauche noch über eine Stunde.
Leicht panisch erkundige ich mich, wie die Bettensituation ist. Man beruhigt mich, man würde sich kümmern. Trotzdem spare ich mir noch eine Pause und beeile mich, obwohl das letzte Stück hässlich und zäh ist.
Vor der Unterkunft erwarten mich Bogo und Speedy schon und meinen, ich sei leider genau 5 Minuten zu spät für das letzte Bett. Ich kann das Gesicht noch nicht fertig verziehen, als sie anfangen zu lachen und meinen, dass ich mir keine Sorgen machen bräuchte, es gäbe noch welche und sie hätten ansonsten einen Backup-Plan für mich gehabt, der darin bestand, dass das Paar vorsorglich zwei Betten belegt hätte , obwohl sie wie immer eines teilen.
Während ich einchecke, bringt Speedy meinen Rucksack schon zu dem für mich ausgewählten Bett. Die Albergue ist schön, sie wird von zwei Freiwilligen aus Brasilien betrieben und es gibt nur niedrige Betten.
Die Dusche baut mich ein wenig auf und so sitze ich eine Weile mit Speedy und Bogo vor der Herberge.
Da Hayat und Paula wegen Hüfte und Sonnenbrand für heute definitiv ausgeknockt sind und abends nur in der Herberge essen, treffen wir drei uns mit Patricija in der Ortsmitte und entscheiden uns nach den letzten Erfahrungen für das erstbeste Restaurant, in dem wir andere Pilger sehen.
Wir bestellen gemeinsam mehrere Gerichte zum Teilen und freuen uns, dieses Mal auch portugiesische Speisen zu bekommen.
Wir diskutieren, wer morgen mit dem Boot nach Spanien übersetzt und wer am Fluss entlang noch auf Portugiesischer Seite zum Camino Central laufen wird. Patricija und ich werden beide wechseln und da die anderen beiden gehört haben, dass nur sechs Personen ins Boot passen und sich ausrechnen, wie lange sie warten müssten, werden wir wohl weiter gemeinsam unterwegs sein.
Bis wir ins Hostel kommen, ist es schon 10, wir fühlen uns fast wie Italiener. Aber noch schlafen nicht alle und wir können ruhigen Gewissens unsere Sachen richten und uns bettfertig machen.Read more

Traveler
Der Weg am Meer ist wirklich mit wunderschönen Aussichten gesegnet ,das freut mich für dich und uns tun die Fotos auch gut . Ich hoffe ,das die Sonne sich jetzt auch öfter Blicken lässt und dir weiterhin eine gute Zeit ,liebe Grüße

TravelerDas war eine ganz schön lange Etappe. Ich denke, die Begegnungen und der Zusammenhalt der Seagull-Gang tragen dich weiter.
Tag 7: Caminha - Valença (16 km + 15 km)
May 8, 2024 in Portugal ⋅ ⛅ 27 °C
Heute habe ich geschummelt und ein Stück den Zug genommen. Aber von vorn.
Auch wenn ich früh aufwache, habe ich im Gegensatz zu den letzten Tagen ziemlich gut geschlafen. Keine Italiener, die morgens mit Plastiktüten lärmen, kein schwankendes Bett.
Die Strecke, die die Gruppe geplant hat, ist aber ganz schön ambitioniert, und meinen Füßen geht es nicht so super gut. Ich nehme mir vor, einfach mal zu starten und zwischendurch zu schauen, wie es mir geht. Ausnahmsweise schaue ich für die Planung des Wegs glücklicherweise nicht nur in die Apps, sondern ziehe auch meinen Reiseführer zurate, der erklärt, dass die beiden heutigen Teilstrecken auch am Fluss entlang gelaufen werden können.
Das kommt mir zu gute, denn alternativ würden heute einige Steigungen anstehen und die Bilder, die ich von anderen aus der Gruppe bekomme, sehen zwar schön, aber wahnsinnig anstrengend aus.
Die erste Stunde läuft auch noch halbwegs in Ordnung, aber bald merke ich, dass ich heute auf keinen Fall 30km schaffe. Mein Fuß schmerzt und dadurch belaste ich den anderen stärker, der dann auch anfängt, an der Ferse zu schmerzen. Also Stöcke raus kramen und schauen, ob es damit besser geht.
Ich treffe unterwegs auf Bogo, der sich mit einem Mädchen aus Deutschland (aus Weinheim, wie klein ist Deutschland bitte?!) verlaufen hat und zeige den beiden den schöneren, aber nur als Spazierweg gekennzeichneten Weg am Fluss.
Ich warne schon mal vor, dass ich eventuell die Gruppe heute Abend nicht mehr erreiche und bekomme die hilfreiche Antwort, auf meinen Bauch zu hören, da es mein Camino ist und ich niemanden etwas beweisen muss.
Mein Bauch hat erst mal Hunger, und während ich Pause mache, lasse ich mir die Alternativen durch den Kopf gehen. Weiterlaufen bis zum Ende kommt heute nicht in Frage. Ein Blick in Reiseführer und App macht deutlich, dass auch Unterkünfte nur mit Buchung verfügbar wären. Aber parallel zum Fluss verfolgt mich heute schon den ganzen Tag eine Bahnstrecke, das könnte die Rettung sein.
Als ich tatsächlich im nächsten Ort direkt am Bahnhof vorbeilaufe und nur 20 Minuten später der passende Zug käme, sehe ich das als Zeichen. Camino provides und 15km „Schummeln“ wird mir wohl keiner übel nehmen.
Aus dem Zug heraus kündige ich mich schon mal Speedy an, der schon seit ner halben Stunde angekommen ist und sich freut, dass ich ihm gleich an der Herberge Gesellschaft leisten werde.
Nach dem Checkin hängen wir beide im Garten der Unterkunft, reden und verfolgen die Updates, die die anderen schicken.
Heute hat keiner einen guten Tag. Bogo habe ich zwar rechtzeitig auf die Flussstrecke verwiesen, aber auch mit Schatten zieht es sich. Die anderen drei haben noch nicht mal meine Bahnstation passiert, während ich schon angekommen bin. Patricija überlegt an den Fluss zu wechseln, entscheidet sich aber dann auch für den Zug, da sie schon Sonnenbrand hat. Die anderen beiden quälen sich weiter und wir fiebern zu viert mit, nachdem Bogo und Patricija beide auch in der Unterkunft sind.
Es wird 18 Uhr, bis alle vor Ort sind, zum Glück haben wir uns für eine sehr große Herberge entschieden, die auch jetzt genug freie Betten bietet.
Zum Essen gehen, kochen oder Stadt anschauen fehlt uns heute allen die Energie, der 2 Min entfernte Supermarkt bietet aber genug Fertiggerichte, dass wir ein kleines Gartenpicknick machen können und sich Patricija und Bogo am Ende sogar dankenswerterweise aufraffen, nochmal Eis zu kaufen.
Morgen werden wir’s nach Spanien schaffen und Speedy schlägt vor, zumindest die ersten KM bis dort gemeinsam zurückzulegen. Er sucht wohl mal die Herausforderung, langsam zu laufen. Wir sind alle gespannt…Read more
Tag 8: Valença - O Porriño (~ 19 km)
May 9, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 25 °C
Pünktlich mit einer Gruppe von sechs Personen starten, gestaltet sich wie erwartet schwierig und so ist es bereits 7:15 Uhr als wir uns auf den Weg machen. Da wir durch den Wechsel der Zeitzone heute eine Stunde verlieren werden, ist das etwas ärgerlich, aber dafür haben wir zum Glück keine zu lange Strecke vor uns und der Zielort bietet genug Unterkünfte, dass jeder irgendwo unterkommen sollte.
Und so zieht unsere Truppe gut hörbar für alle durch die Burganlage von Valença - die Tunneldurchgänge bieten aber auch einfach eine sehr gute Akustik! Mit viel Lachen und Spaß schaffen wir es sogar nicht nur über die Brücke, auf der man eine ganze Stunde verliert, sondern sogar bis zur Kathedrale von Tui, wobei das erwartete Feuerwerk bei unserer Ankunft in Spanien ausbleibt. Alternativ kriegen wir nur amüsierte oder irritierte Blicke anderer Pilger, Gruppen sieht man meistens nur, wenn es sich um wirkliche Reisegruppen handelt und nicht so eindeutig zusammengewürfelt wie wir. Wir erobern das erste offene Kaffee und entscheiden, dass es bisher so gut läuft, dass wir auch einfach den ganzen Tag zusammen laufen können, obwohl wir eigentlich extrem unterschiedliche Geschwindigkeiten und Pausenbedürfnisse haben.
Die Strecke heute ist auch einfach dafür gemacht, führt durch viel Natur und so beginnt Paula, für die gesamte Gruppe traditionelle Blumenkränze zu binden (und wird bis zur Ankunft auch tatsächlich für jeden einen schaffen).
Wir treffen unterwegs Leute, die uns auf unsere Gruppe ansprechen, am längsten ist die Begegnung mit einer Frau aus Guatemala, die wir mehrfach wiedertreffe n. Sie gibt jedem von uns auch eines der handgeknüpften Armbänder, die man tragen soll bis sie von alleine abgehen, von denen sie 100 dabei hat, um 100 neue Freunde zu finden.
Als ich merke, dass es wirklich dringend Pausenzeit wird, aber nicht diejenige sein will, die sich als erste beschwert, klickt wie immer die Camino-Magie und wenige hundert Meter später steht ein Stand mitten im Wald mit schöner Sitzgelegenheit, an dem Stempel verteilt werden, im Hintergrund leise Dudelsackmusik (wie sich später herausstellt nicht vom Band, sondern von jemandem der etwas weiter steht). Wir machen Pause und teilen die Dinge, die wir alle zu essen dabei haben, bevor wir uns frisch gestärkt wieder auf den Weg machen.
Je länger wir zusammen laufen, desto mehr merkt man, dass langsam alle wichtigen Gespräche geführt sind. Wir machen noch mehrmals Pause und immer, wenn jemand nicht mehr kann, entscheidet sich die Gruppe gemeinsam zu warten, ohne dass es sich nach Druck anfühlt.
Obwohl wir dank der kombinierten App- und Planungstalente von Patricija und mir heute alle hässlichen Industriestrecken durch die schöneren Wald- und Flussstrecken ersetzt haben, zieht sich das Stück zum Ziel. Die Herberge stellt sich dafür als wunderschön am Fluss (und leider auch nahe der Autobahn) gelegen heraus, sodass ich später noch eine Weile in der Sonne entspannen kann.
Irgendwann trommeln Bogo und ich den Rest der Gruppe für ein gemeinsames Abendessen zusammen, da wir beide das Bauchgefühl haben, dass es sich nun erstmal trennen wird.
Wir haben zwar Spaß, aber man merkt, dass ein ganzer Tag zusammen doch eine lange Zeit ist und so gehen wir alle relativ früh schlafen. Tatsächlich planen Paula, ihr Freund sowie Speedy morgen ein deutlich längeres Stück, dass wir anderen drei uns zumindest jetzt noch nicht vorstellen können. Aber warten wir mal ab.Read more
Tag 9: O Porriño - Redondela (~ 15km)
May 10, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 26 °C
Heute plane ich eine kurze Etappe und will deshalb länger schlafen. Das gestaltet sich schwieriger als gedacht, denn wir haben zwar keine Italiener im Schlafsaal, aber die Koreaner (?) in den Betten gegenüber von Patricija und mir lärmen auch schon vor 6 stark mit ihren Tüten.
Ich döse trotzdem noch ein wenig, von einem Teil der Truppe habe ich mich gestern verabschiedet, wir schreiben eh über WhatsApp, den Rest treffe ich sicher unterwegs. Und ansonsten laufen wir uns hoffentlich in Santiago nochmal über den Weg, da ich aktuell dazu tendiere, den direkten Weg und nicht die „Spiritual“-Variante zu machen, die einen Tag länger geht.
So starte ich heute erst kurz nach 8, was ich bei dem doch heißen Wetter später ein wenig bereue.
Es ist alles in allem ein eher ereignisloser Tag, aber man merkt, dass es langsam auf die Zielgerade geht. Nicht nur an den zunehmenden An- und Abstiegen der Berge in Galizien, sondern auch an der zunehmenden Anzahl an anderen Pilgern, die stellenweise echt nervig wird. Das liegt einerseits daran, dass auch die Boot-Variante des Küstenwegs heute in die zentrale Strecke müden wird, und vor allem auch daran, dass viele neue Pilger dazukommen, die nur die letzten 100km, ca ab Tui laufen.
Außer den etwas anstrengenden Anstieg, vor dem uns die „Vorgänger“ über WhatsApp informieren, läuft sich die Strecke schön. Ich komme besser voran als erwartet, bin aber trotzdem froh, als ich den Ort erreiche. Zum Abendessen bin ich mit Bogo und Patricija verabredet, auch wenn wir in unterschiedlichen Unterkünften übernachten.Read more
Tag 10: Redondela - Pontevedra (20km)
May 11, 2024 in Spain ⋅ ☀️ 24 °C
Auch wenn ich heute wieder mehr KM machen will und man bei dem zunehmenden Pilgeraufkommen nicht zu spät an der Unterkunft ankommen sollte, wird es wieder nach 8 Uhr, bis ich wirklich auf dem Weg bin.
Heute stehen sogar zwei Berge an, aber das Wetter ist richtig gut und das laufen macht Spaß, zumal es viel durch Wald geht und schattig ist. Da mir aber zu viel Menschen unterwegs sind und ich nicht permanent vor und hinter mir Leute hören möchte, stecke ich die Kopfhörer in die Ohren.
Heute fühlt es sich nach Taizé an und so höre ich stundenlang meditative Musik während ich durch den Wald laufe und auf dem Berg die Aussicht genieße. Stellenweise lässt sogar der Menschenstrom nach und ich habe eine Weile den Wald für mich.
Gegen Mittag wundere ich mich etwas, dass ich noch keinen „meiner“ Leute getroffen habe, normalerweise müssten wir uns wie immer schon gesehen haben. Kurz danach überholt mich jedoch Patricjia, die mich informiert, dass sie heute ein Stück falsch gelaufen ist. Eine Markierung ist wohl veraltet und man muss eigentlich gar nicht direkt über den einen Berg. Wenn man in der App schaut, war sie heute einige Meter abseits des Weges unterwegs.
Nun, ich habe heute ausnahmsweise auch nicht vorher in die App geschaut, bin also wohl auch den längeren Weg gelaufen. Das erklärt auch, warum stellenweise weniger los war und die tolle Aussicht hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Für das letzte Stück stehen heute zwei Alternativen zur Wahl - aber da wir ja Freunde haben, die ein Stück vor uns sind, fällt die Entscheidung leicht, die als wunderschön beschriebene Route am Fluss entlang zu nehmen.
Ich könnte mich auch daran gewöhnen, Updates über die Auslastung der Herberge zu bekommen („lass dir Zeit, noch 60 Betten frei“) und vor Ort schon erwartet zu werden. Auch Speedy ist heute wieder bei uns, er hat heute eine kurze Etappe gemacht, um nicht zu früh in Santiago einzutreffen.
Bogo und Speedy haben in der Herberge noch ein deutsches Vater-Tochter-Gespann aus Berlin kennengelernt, Janice und Jens. Er ist die ganze Zeit nur am Meckern, aber mag es wohl eigentlich schon, sie ist einfach froh, als ich mich eine Weile nur mit ihr unterhalte und sie sich nicht um ihren Vater kümmern muss.
Die beiden kochen und bieten mir an, dass ich mitessen kann. Ein Abend mit neuen Leuten schadet mir nicht und sich mal wieder länger nur auf deutsch zu unterhalten ist auch nett und so lasse ich heute Patricjia und Bogo alleine ziehen, während Speedy bereits gegessen hat.
Ich hoffe auf einen ruhigen Abend, an dem ich meinen Blog aktualisieren kann, sitze jedoch kaum auf der Terrasse als Speedy, Jens und Janice sich wieder zu mir gesellen. Jens jammert noch ein wenig vor sich hin, lässt sich aber relativ leicht überzeugen, dass er einfach mehr Vertrauen in den Weg haben muss und wird das auch über die nächsten Tage noch erfahren.Read more
Tag 11:Pontevedra-Caldas de Reis (~21km)
May 12, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 19 °C
Während Speedy schon längst auf dem Weg ist und Patricjia und Bogo auf der Suche nach Frühstück sind, laufe ich los. Speedy werde ich erst in Santiago wiedersehen, da er die längere Route läuft, mit den anderen beiden plane ich aber schon die gemeinsame Ankunft in wenigen Tagen.
Das Wetter ist heute wirklich wunderbar, die Laune gut, Musik auf die Ohren um die Menschen auszublenden und ich könnte einfach ewig laufen. Ok, nach dem heutigen Aufstieg bin ich schon froh, eine Pause machen zu können. Aber der Platz ist einfach extrem überlagert, die Schlange am Kaffee mehr als 30 Personen lang und alle Bänke belegt. Also nur eine kurze Pause und für den Nachmittag auf Camino-Magic vertrauen.
Unterwegs gibt es zumindest schon mal einen Stand der Kirschen verkauft, ein Anfang. Aber je weiter ich laufe, desto mehr wünsche ich mir einen Platz, um mal 15 Minuten zu sitzen ohne dass schon 20 Personen dort sitzen. Und vielleicht einen Kaffee, wenns geht, liebes Universum, Gott oder wer auch immer…
Man bekommt zwar nicht immer, was man will auf dem Camino, aber doch die Dinge, die man wirklich braucht. Und so sehe ich nach dem nächsten (völlig überfüllten) Kaffee ein Schild für ein weiteres Kaffee, das gerade mal 50m abseits des Weges auf der anderen Seite einer großen Straße liegt und in dem fast niemand sitzt. In dem Moment laufe ich natürlich auch auf Bogo auf, die Entscheidung ist also schnell getroffen.
Wir haben gerade mal Kaffee bestellt, da sehe ich Patricjia auf der anderen Straßenseite laufen. Wir stoßen unseren Erkennungsruf aus (sehr zur Erheiterung aller anderen im Kaffee), sie winkt uns auch zu, läuft aber weiter, was mich wundert.
Auch ok, vielleicht braucht sie heute Abstand. Sie schickt uns dafür kurze Zeit später einen Vorschlag für eine wunderbare Herberge mit kleinen Schlafräumen mit jeweils nur 4-8 Personen und echten Decken.
Dort angekommen stellt sich heraus, dass sie sich beim Bergab laufen heute den Knöchel vertreten und das Knie aufgeschlagen hat. Aktuell hat sie keine großen Schmerzen, aber die Angst, dass es dick wird und sie abbrechen muss ist groß. Das kommt auf keinen Fall in Frage. Selbst wenn wir die Rucksäcke transportieren lassen, nochmal Zug fahren oder einen Rollstuhl organisieren, wir werden es jetzt alle bis zum Ziel schaffen!
Praktischerweise bietet der Ort heute nicht nur eine schöne Stadt zum Besichtigen, sondern hat heiße Quellen! So sitzen wir wenig später mit anderen Pilgern am Becken und lassen Beine und Füße einweichen. Bestimmt gut sowohl für Bogos Knie, Patricjias Knöchel und meine Blase an der Ferse, die einfach nicht aufgehen will und immer dicker wird.
Außerdem bin ich damit die einzige, die ein Bild von Patricjias Fuß machen darf, nachdem sie schon mehrfach von Leuten angesprochen wurde (anscheinend sammeln Leute Bilder kaputter Füße. Sicherlich ein interessantes Kunstprojekt, aber dann sollte man erst von dem Projekt erzählen und nicht arme Pilger mit kaputten Füßen direkt nach einem Foto fragen!)
Abends gehen wir wieder zusammen essen und Patricjia und ich vergleichen mal wieder wie jeden Abend, welche Optionen wir morgen haben. Eigentlich würden wir gerne morgen eine längere Etappe laufen und dafür den Tag nach Santiago verkürzen, aber der Vergleich all unserer Apps und Reiseführer bietet dafür keine gute Alternative mit der Chance auf Betten. Während wir beiden noch diskutieren, unterbricht uns Bogo, um sich zu bedanken. Normalerweise plant er genauso viel und überdenkt alles mehrfach, genau wie Patricjia und ich. Bei diesem Camino jedoch hat er sich ab unserem Kennenlernen auf uns beide verlassen und konnte seinen Weg so viel mehr genießen. Wir sind uns auf jeden Fall einig, dass wir es egal wie bis Santiago schaffen werden und entscheiden uns, morgen dann eben die vorgeschlagene Route nur bis Patron zu laufen. Wird schon für etwas gut sein, wie alles auf diesem Weg.Read more
Tag 12: Caldas de Reis - Padrón (~20km)
May 13, 2024 in Spain ⋅ 🌧 14 °C
Heute regnet es wieder, bah. Natürlich muss dieser Camino enden, wie er begonnen hat, es ist nur noch Regen für die nächsten Tage gemeldet. Es soll am Nachmittag zwar besser werden, aber das hilft nichts, wenn man die Herberge bis 8 Uhr verlassen muss. Cape an, Regenhose an, los gehts.
„Songs to sing in the shower“ klingt nach ner guten Playlist für das Wetter und tatsächlich ist meine Laune trotz dem Scheißwetter deutlich besser als die ersten Tage. Meine Kondition aber auch und so laufe ich mit möglichst wenigen Pausen einfach immer weiter, singe ein wenig vor mich hin und vermeide überfüllte Kaffees.
Der Weg ist bestimmt hübsch, ich mache wetterbedingt aber wenige Bilder und komme so früh wie nie am Ziel an. Ich entscheide mich wieder für die öffentliche Herberge, die neben dem Kloster liegt und einen sehr schönen (aber großen) Schlafsaal bietet. Was für ein Hallo, als ich in der Bettenreihe neben mir Janice und ihren Vater wiedertreffe!!
Durch die wenigen Pausen bin ich heute ziemlich kaputt und mache das erste mal einen kleinen Mittagsschlaf, bevor ich mir den Ort anschaue. Ich treffe in der Stadt auch noch auf Fritz, einen jungen Deutschen den Bogo und Speedy in Caminha (?) kennengelernt hatten, der aber ab dort ein Stück mit einem Kanu gebucht hatte.
Ich gehe mit ihm, Janice, Jens und Bogo ein Bier trinken, bevor wir ohne die beiden Berliner, aber mit Patricjia Abendessen gehen. Man merkt, dass wir nur noch einen Tag von Santiago entfernt sind, die Stimmung ist positiv geladen.
Patricija, Bogo und ich wollen noch die Kirche anschauen, die irgendeinen berühmten Stein beherbergt, die anderen waren dort bereits. Als wir ankommen, ist gerade die Messe fertig und während wir uns umschauen, schließt der junge Priester bereits die Türen. Wir beeilen uns ein wenig, er beruhigt uns aber und meint, er habe Zeit und würde in Ruhe aufräumen, wir könnten so lange bleiben wie wir wollten. Eine Kirche fast für sich haben ist ein tolles Gefühl und nochmal einen kurzen Moment Ruhe bevor wir morgen nach Santiago gehen, fühlt sich richtig an.
Anschließend laufen wir noch hoch zum Kloster, bei dem ich nicht sicher bin, ob es noch genutzt wird. Es hat auf jeden Fall zurzeit eine kleine kostenlose Kunstausstellung, die wir uns noch gemeinsam anschauen, bevor es zurück zur Albergue geht.Read more
Tag 13: Padrón - Santiago (~25km)
May 14, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 14 °C
Letzter Tag - Regen. So habe ich mir das nicht vorgestellt, und so sage ich nicht nein als Janice und Jens Bogo und mich zu ihrem Frühstück einladen, obwohl ich früh starten wollte. Patricija ist schon auf dem Weg, es ist ihr erster Camino und wir sind für heute Abend eh alle verabredet. So trinken wir noch eine Tasse schlecht gebrühten Kaffee mit Wasser im Wok erhitzt, manche Küchen am Weg sind wirklich sehr schlecht ausgerüstet.
Ich verspreche den anderen, dass das Wetter heute gut wird, bisher hatte ich so viel Glück auf diesem Weg und wenn ich mir das ganz stark wünsche, wird das sicherlich alle Wetter-Apps übertrumpfen. Keiner glaubt mir so richtig und auch mir bleibt erst mal nur übrig, die volle Regenmontur anzuziehen.
Aber schon nach den ersten 10km kann ich meinen Kaffee am 15km-Stein im Sonnenschein trinken, ha!! Bei 8km packe ich sogar nochmal die Sonnencreme aus und die Regenhose ein. Das Cape klemme ich zum Glück nur am Rucksack fest, denn nur 5 Min später wird es schlagartig dunkel und ich kann es gerade so überziehen, bevor ein heftiger Schauer kommt. Meine Playlist spielt gerade „Unwritten“ von Natasha Bedingfield mit der passenden Zeile „Feel the rain on your skin“ und so lache ich nur laut und laufe laut singend zur Erheiterung der Pilger, die sich unter eine Bushaltestelle gerettet haben, durch den kurzen Schauer.
Die Kilometer fliegen heute nur so vorbei, ich kann einerseits kaum die Ankunft erwarten, andererseits würde ich gerne noch viel weiter laufen und mehr Tage haben. Ich bin auf jeden Fall auf die Gesichter und Emotionen der anderen gespannt. Nur noch wenige Ecken durch Santiago (vom portugiesischen Weg kommt man übrigens von der anderen Seite als beim französischen Weg), ich male mir schon aus, den anderen unter die Nase zu reiben, dass mein Wetterwunsch erfüllt wurde, da beginnt es wieder zu regnen.
Macht nichts, heute kann meine Laune nichts trüben und so geht es auch allen anderen Pilgern auf dem Platz vor der Kathedrale. Ich könnte hier (unter einem Dach geschützt vor Regen) einfach Stunden sitzen und nur die Emotionen auf mich wirken lassen. Ich muss aber gar nicht Stunden warten, bis ich die ersten bekannten Gesichter sehe. Diejenigen die schneller waren, haben bereits Bilder geschickt und Fritz, der eigentlich fünf Kilometer vor Santiago aufhören und morgen kommen wollte, hat auch spontan durchgezogen.
Die Compostela werde ich in den kommenden Tagen holen und da ich erst Samstag zurückfliege, werde ich auch nochmal mit dem Bus nach Fisterra ans Ende der Welt fahren. Für heute bin ich aber erstmal mit Patricija, Bogo, Fritz, Janice, Jens, Paula und Hayat zum Paella essen und feiern verabredet, nur Speedy läuft (nach einer unerwarteten Knöchelverletzung mit Arztbesuch) leider erst morgen ein. Ich bin sehr dankbar für den Weg und vor allem die Menschen, die ihn mit mir gegangen sind und mit denen ich bereits für die kommende Zeit Verabredungen getroffen habe, um uns wiederzusehen.Read more
Tag 14 - 17: Santiago - Fisterre
May 15–18, 2024 in Spain ⋅ ⛅ 14 °C
Da ich inzwischen bereits im Flieger zurück nach Deutschland sitze, beende ich den Blog nur mit einer Auswahl an Bildern der letzten Tage in Santiago und am Ende der Welt.
Gedanklich plane ich bereits den nächsten Camino, dann mit ausreichend Zeit um den Weg nach Fisterre und Muxia auch zu Fuß zu laufen.Read more
















































































































































Alles Gute auf dem Caminho und danke, dass Du uns wieder auf Deinem Weg mitnimmst ;-) [Christine]
TravelerIch wünsche dir eine schöne Reise mit vielen tollen Eindrücken und Zeit für ,ich denke sn ddich,danke fürs teilhaben lassen, Grüße Bärbel