• Tag 13: Padrón - Santiago (~25km)

    May 14, 2024 in Spain ⋅ ☁️ 14 °C

    Letzter Tag - Regen. So habe ich mir das nicht vorgestellt, und so sage ich nicht nein als Janice und Jens Bogo und mich zu ihrem Frühstück einladen, obwohl ich früh starten wollte. Patricija ist schon auf dem Weg, es ist ihr erster Camino und wir sind für heute Abend eh alle verabredet. So trinken wir noch eine Tasse schlecht gebrühten Kaffee mit Wasser im Wok erhitzt, manche Küchen am Weg sind wirklich sehr schlecht ausgerüstet.
    Ich verspreche den anderen, dass das Wetter heute gut wird, bisher hatte ich so viel Glück auf diesem Weg und wenn ich mir das ganz stark wünsche, wird das sicherlich alle Wetter-Apps übertrumpfen. Keiner glaubt mir so richtig und auch mir bleibt erst mal nur übrig, die volle Regenmontur anzuziehen.

    Aber schon nach den ersten 10km kann ich meinen Kaffee am 15km-Stein im Sonnenschein trinken, ha!! Bei 8km packe ich sogar nochmal die Sonnencreme aus und die Regenhose ein. Das Cape klemme ich zum Glück nur am Rucksack fest, denn nur 5 Min später wird es schlagartig dunkel und ich kann es gerade so überziehen, bevor ein heftiger Schauer kommt. Meine Playlist spielt gerade „Unwritten“ von Natasha Bedingfield mit der passenden Zeile „Feel the rain on your skin“ und so lache ich nur laut und laufe laut singend zur Erheiterung der Pilger, die sich unter eine Bushaltestelle gerettet haben, durch den kurzen Schauer.

    Die Kilometer fliegen heute nur so vorbei, ich kann einerseits kaum die Ankunft erwarten, andererseits würde ich gerne noch viel weiter laufen und mehr Tage haben. Ich bin auf jeden Fall auf die Gesichter und Emotionen der anderen gespannt. Nur noch wenige Ecken durch Santiago (vom portugiesischen Weg kommt man übrigens von der anderen Seite als beim französischen Weg), ich male mir schon aus, den anderen unter die Nase zu reiben, dass mein Wetterwunsch erfüllt wurde, da beginnt es wieder zu regnen.
    Macht nichts, heute kann meine Laune nichts trüben und so geht es auch allen anderen Pilgern auf dem Platz vor der Kathedrale. Ich könnte hier (unter einem Dach geschützt vor Regen) einfach Stunden sitzen und nur die Emotionen auf mich wirken lassen. Ich muss aber gar nicht Stunden warten, bis ich die ersten bekannten Gesichter sehe. Diejenigen die schneller waren, haben bereits Bilder geschickt und Fritz, der eigentlich fünf Kilometer vor Santiago aufhören und morgen kommen wollte, hat auch spontan durchgezogen.

    Die Compostela werde ich in den kommenden Tagen holen und da ich erst Samstag zurückfliege, werde ich auch nochmal mit dem Bus nach Fisterra ans Ende der Welt fahren. Für heute bin ich aber erstmal mit Patricija, Bogo, Fritz, Janice, Jens, Paula und Hayat zum Paella essen und feiern verabredet, nur Speedy läuft (nach einer unerwarteten Knöchelverletzung mit Arztbesuch) leider erst morgen ein. Ich bin sehr dankbar für den Weg und vor allem die Menschen, die ihn mit mir gegangen sind und mit denen ich bereits für die kommende Zeit Verabredungen getroffen habe, um uns wiederzusehen.
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