Lima
August 28, 2025 in Peru ⋅ ☁️ 16 °C
Bei der Landung in Lima empfängt uns zunächst eine eher enttäuschende Aussicht. Wir fliegen über weitläufige Industriegebiete in der Nähe des Hafens, umzingelt von Containern und ohne jegliche Bäume oder Pflanzen in Sicht. Es ist Winter und der Himmel zeigt sich in einem trüben Grau. Während ich zum Uber gehe, frage ich mich, ob es an den 36 Stunden Reisezeit liegt, dass mir so kalt ist und ich nicht gerade in Urlaubsstimmung bin. Später erfahre ich, dass das Kälteempfinden durch die hohe Luftfeuchtigkeit von über 80% verstärkt wird.
Am nächsten Tag führt uns Paul durch die Altstadt und erzählt viel über die Geschichte Limas. Das Zentrum der im Jahr 1535 gegründeten Stadt ähnelt anderen südamerikanischen Städten und ist tagsüber relativ sicher. Nach Einbruch der Dunkelheit sollte man jedoch vorsichtig sein.
Lima hat heute etwa 12.000 Einwohner. Während wir die Entstehungsgeschichte des Landes erfahren, bewundern wir zahlreiche, teils gut restaurierte Gebäude, darunter die beeindruckende Kathedrale und das Rathaus. Am nächsten Tag steht ein Feiertag an, bei dem die Heilige Rosa, die Polizeipatronin, geehrt wird. Überall in der Altstadt sind festlich gekleidete Polizisten zu sehen, die sich in den Kirchen und auf den Straßen tummeln – und alle scheinen beschäftigt mit ihren Handys zu sein ha ha ha 😀
Leider bleibt uns nicht genug Zeit, um die Katakomben zu besuchen. Mit unserem Guide verlassen wir das Zentrum und überqueren die Steinbrücke ins Rímac-Viertel. Hier verirren sich nur selten Touristen, obwohl es nur wenige Meter vom Stadtzentrum entfernt liegt. Ich bin so in Gespräche und Übersetzungen vertieft, dass ich keine Bilder machen kann.
Das Viertel würde ich als deutlich ärmer beschreiben, aber auch authentischer als das touristische Zentrum. Die überwiegend gelb gestrichenen Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind renovierungsbedürftiger als die in den touristischen Gegenden, aber das schmälert ihren Charme keineswegs. Am Ende der Straße erblicken wir eine Kirche, und dahinter erhebt sich der Hügel des Heiligen Christopher. Unten am Berg erstreckt sich eine Siedlung bunter Häuser, die mich an Valparaíso in Chile erinnern. Die meisten Bewohner sind Peruaner, die nach Lima gekommen sind, um Arbeit und bessere Lebensbedingungen zu finden. Um von dem Viertel der bunten Häuser auf den Hügel zu gelangen, benötigt man einen einheimischen Guide und muss der Polizei Schutzgeld zahlen. Wir haben uns entschieden, den Hügel diesmal nicht zu besuchen.
Im Rímac befindet sich auch die Stierkampfarena, in der an jedem Wochenende im Oktober Stierkämpfe stattfinden. Der Eintritt ist kostenintensiv; eine Ticket kostet 100 USD, was umgerechnet etwa 350 Sol entspricht. Ein ziemlich lukratives Geschäft, wie unsere Guide uns erklärt. Der Mindestlohn beträgt 1.200 Sol. Zum Mittagessen haben wir heute mit einheimischen Arbeitern für nur 16 Sol (ca. 4 EUR) gegessen. Abends genießen wir in einem sichereren Viertel, wo die Touristen wohnen, eine Kleinigkeit. Dasselbe Essen kostet dort 60 Sol (ca. 15 EUR).
Ich fühle mich erneut privilegiert, da wir in Lima in einer der sichersten Gegenden wohnen. Überall ist Sicherheitspersonal präsent, und die Polizei steht an jeder Ecke bereit – und das nicht, weil es morgen ein Feiertag ist, sondern um die Touristen zu schützen. Miraflores und Barranco sind beliebte Viertel für Touristen und wohlhabende Bewohner, in denen man auch nachts sicher durch die Straßen laufen kann
Nun verlassen wir Lima. Auf dem Weg zum Flughafen stoßen wir auf die geschlossene Autobahn – wahrscheinlich wegen des heutigen Feiertags. Nicht schlimm, wir haben genügend Zeit, denke ich. Unser Fahrer ist sehr gesprächig. Der gebürtige Venezolaner erklärt uns den Umweg. Trotz des Umwegs ist die Fahrt sehr kurzweilig. Er erzählt viele Anekdoten und interessante Redewendungen, die je nach Land benutzt werden. Sehr interessant. Die meisten Uber-Fahrer sind die besten Informationsquellen.
Er führt uns durch einen der gefährlichsten Teile Limas – sagt er. Er ist seit 3 Jahren nicht mehr hier gewesen. Wir fahren tagsüber; nachts hätte er eine andere, viel längere Route gewählt, um zum Flughafen zu gelangen. Früher hat er mit Gemüse und Obst die Supermärkte in Lima versorgt. Dadurch kennt er sich hier gut aus. Er macht uns auf die Polizei aufmerksam, die den Umleitungstransfer bewacht. Schon krass. Ich habe sie nicht mal wahrgenommen.
Die Straßen sind fast leer. Doch hin und wieder sehen wir Menschen. Meistens Männer, aber auch Frauen mit ca. 2-jährigen Kindern, die auf dem Gehweg laufen. Aus dem Auto sieht die Gegend nicht viel anders aus als der Rest von Südamerika.
Diesmal gelingt es mir, Bilder zu machen. Sind die letzten im Verlauf;)
Der Flughafen in Lima wurde erst vor 3 Monaten eröffnet. Alles ist neu und schick. Die Gringos sind hier jedoch nicht besonders gemocht. In erster Linie bezieht sich das natürlich auf die Amerikaner. Da wir aber weiß sind, gibt es für die Einheimischen keinen Unterschied. In einem Café werden wir nur widerwillig bedient.
Das Leben ist doch überall gleich...Read more


















TravelerImmer noch in Südamerika verliebt ?
TravelerHa ha, irgendwie schon. Aber diesmal ist gerade Winter hier. Zumindest in Lima. Da haben sich meine Gefühle auch etwas abgekühlt. Bin nur am frieren;)