Fazit Sri Lanka
March 10 in Germany ⋅ 🌙 11 °C
Nicht geplant, aber aufschlussreich – so war die letzte Woche auf Sri Lanka. Dank Max haben wir zum Beispiel erfahren, dass die Löhne bei 20.000 Rupien (ca. 60 €) im Monat anfangen. Ein Busfahrer verdient etwa 50.000 Rupien (ca. 150 €) im Monat. Nach oben gibt es natürlich keine Grenze, doch nur wenige haben 100.000 Rupien (ca. 300 €) monatlich zur Verfügung. Ein Facharbeiter, etwa ein Maurer, verdient ca. 5.000–6.000 Rupien, sein Gehilfe 1.000 Rupien weniger am Tag. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Menschen weit weg von zu Hause arbeiten. Saisonbedingt schließen viele Touristenbetriebe und verlagern ihre Geschäfte auf die andere Seite der Insel. Die Mitarbeiter ziehen dann mit. Sie besuchen ihre Familien alle paar Wochen für ein paar Tage.
Die kulturellen Unterschiede zeigen sich deutlich, nicht nur daran, dass die Singhalesen beim Essen kein Besteck benutzen. Gegessen wird (wie in Indien) mit der rechten Hand. Die aus Metall oder Keramik gemachten Teller werden oft mit dünnen Plastikbeuteln überzogen. Trinken kommt zum Schluss, nachdem man gegessen hat. Der Nachtisch wird manchmal vor dem Hauptgericht serviert, je nachdem, wie es gerade passt. Uns war das egal. Für viele Touristen ist das jedoch ein Grund, sich bei der Bewertung der Lokale zu beschweren. Max erzählt, dass es schwierig sei, den lokalen Kellnern "unsere" Standards zu vermitteln.
Bei einem Besuch in der Stadt küsste mich Alfred flüchtig. Ein Kind beobachtete das, und ich kann das Entsetzen in den Augen des Mädchens nicht vergessen. Offensichtlich schickt es sich für sie nicht, selbst unter verheirateten Erwachsenen, sich in der Öffentlichkeit zu küssen.
Die ärztliche Versorgung ist unentgeltlich. Medikamente müssen selbst bezahlt werden. Sie werden, wie so oft in anderen Ländern, nicht packungsweise, sondern stückweise verkauft. Die Ernährung ist eher pflanzlich. Selten gibt es Fleisch, und wenn, dann recht wenig. Schwere körperliche Arbeit führt dazu, dass die Menschen schlank sind. Insgesamt war der Zahnstatus der Singhalesen interessant. Meistens haben sie fantastisch weiße, gesunde Zähne. Bei manchen lässt sich jedoch Parodontose beobachten, die offenbar nicht behandelt wird. Brillen werden nicht oft getragen. Entweder haben die Singhalesen gesunde Augen, oder Brillen sind sehr teuer.
Während der letzten fünf Wochen durften wir Sri Lanka hautnah erleben. Schmecken, riechen, bewundern. Wir haben gestaunt und gebangt. Wir haben unfassbar viele nette, liebevolle und unkomplizierte Menschen kennengelernt.
Das Reisen mit öffentlichen Bussen und Tuk-Tuks hat riesigen Spaß gemacht. Ich durfte mit der Handytaschenlampe für Licht sorgen, während abends unser Tuk-Tuk nicht weiterfahren wollte, der Fahrer die nötigen Reparaturen am Straßenrand verrichtet hatte und Alfred in der Zwischenzeit Bier kaufen gegangen war.
Wir haben unbeaufsichtigt und nicht verschlossene, ausgeliehene Fahrräder am Rande eines Parkplatzes abgestellt. Nach ein paar Stunden, als wir zurückkamen, waren sie immer noch da.
Täglich hatten wir überall Menschen beobachtet, die schon fast manisch mit Kehren beschäftigt waren und doch überall Unmengen an Plastik hinter ihren Anwesen sahen.
Am Rande des Dschungels wohnend hatten wir die wilden Elefanten gemieden und mit Hühnereingeweiden Krokodile gefüttert. All das hatten uns Menschen ermöglicht, die das Leben einfach nehmen, die nicht überall Probleme sehen, sondern pragmatisch lösungsorientiert handeln.
Spontan wurden wir auf einen Kindergeburtstag eingeladen. Wir haben mit vielen Fremden über Gott und das Leben gesprochen.
Das Mischen unter die Einheimischen hat uns viele unvergessliche Einblicke beschert. Wir werden das Land als ein wenig umweltunfreundlich in Erinnerung behalten. Dafür sind die Singhalesen mit Abstand die ehrlichsten Menschen, die wir während unserer Reisen getroffen haben. Die Erinnerungen an ihre herzliche Art werden mein Herz erwärmen, wenn ich an sie denke. Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, wenigstens einen Hauch von deren gechillten Lebensweise beizubehalten.Read more


























