• Dessau

    August 15 in Germany ⋅ ☀️ 29 °C

    Bei über 30 Grad schon am Vormittag nehmen wir an einer Stadtführung teil und erkunden die Altstadt.

    Unter des als 'Vater Franz' verehrten Leopold III. Friedrich Franz (1740 - 1817) entwickelte sich Dessau zu einem Zentrum der deutschen Aufklärung mit bedeutenden Zeugnissen der Bildung und Kultur, der Weltoffenheit und des humanistischen Geistes. Freunde und Berater des Fürsten, wie Erdmannsdorff, Eyserbeck und Schoch, unterstützten ihn bei der Gestaltung des Dessau-Wörlitzer Gartenreiches als Ausdruck der Ideale von Aufklärung und Humanismus. Von weiteren, über die Grenzen Anhalts hinauswirkenden Reformprojekten ist vor allem der Versuch Basedows bekannt, von hier aus das Schulwesen in Deutschland neu zu gestalten. Das 1774 gegründete Dessauer 'Philanthropinum' gilt als das früheste Modell einer staatlichen, auf Naturwissenschaften und praktisches Leben orientierten Schule Deutschlands, von der auch die Einführung des Turnens als Unterrichtsfach wie überhaupt starke Impulse für die Sportentwicklung ausgingen.

    In der Zeit von 1863 bis 1918 war Dessau die Hauptstadt des gesamten Herzogtums Anhalt.
    Die ab Mitte des 19.Jahrhunderts zunächst langsam einsetzende Industrialisierung veränderte das Gesicht der Stadt. Der Gasindustrie folgten Maschinenbau, chemische Industrie und Flugzeugbau. Als Hugo Junkers nach Arbeiten an Großmotoren und Gasgeräten sich der Konstruktion von Flugzeugen zuwandte dominierten die Junkers-Werke bald die Industriestruktur der Stadt. Mit der Industrialisierung wuchs die Bevölkerung. Zahlreiche, architektonisch und soziologisch bedeutsame Siedlungen entstanden seit den 90er Jahren in und um Dessau, darunter die von Walter Gropius entworfene Bauhaus-Siedlung in Dessau - Törten.

    1926 siedelte das aus Weimar vertriebene Bauhaus nach Dessau über und fand hier günstige Entwicklungsbedingungen. Architektur und Kunst, Technik und Design wurden weltweit vom Bauhaus beeinflußt. 1932 erzwangen die Nationalsozialisten die Schließung des Bauhauses Dessau. Aus den 1933 verstaatlichten Junkers-Werken entstand ein Rüstungszentrum der Luftwaffe, dem zahlreiche alliierte Luftangriffe galten, die schließlich 84% der Innenstadt zerstörten.

    Der Wiederaufbau begann 1951 und brachte der Stadt zunächst einige neoklassizistische Gebäude, denen bald zahlreiche Plattenbauten folgten, während Altbausubstanz verfiel. Dessau wurde zu einem großindustriellen Zentrum der DDR. Davon existiert heute faktisch nichts mehr.
    Seit 1990 hat sich in Dessau architektonisch, infrastrukturell und funktionell viel verändert. Zahlreiche historische Gebäude und Anlagen wurden restauriert, Lücken geschlossen.
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