Mănăstiri i Shën Mërisë (Κοιμήσεως τῆς Θ
May 22, 2025 in Albania
☀️ 21 °C
Die Kirche Mănăstiri i Shën Mërisë (Κοιμήσεως τῆς Θεοτόκου), auch bekannt als Kloster der Gottesmutter Maria, liegt oberhalb des Küstenortes Dhërmi (Δρυμάδες) in Südalbanien, an einem Hang des Ceraunischen Gebirges mit Blick auf das Ionische Meer. Es handelt sich um ein bedeutendes religiöses, historisches und kunsthistorisches Denkmal der Region, das sowohl für die albanisch-orthodoxe Bevölkerung als auch für die griechischsprachige Minderheit spirituell bedeutsam ist.
⸻
1. Baugeschichte und Architektur
Die Kirche wurde vermutlich im späten 16. oder frühen 17. Jahrhundert errichtet, in einer Periode osmanischer Herrschaft, in der Klöster oftmals Rückzugsorte für Bildung, Liturgie und kulturelle Identität darstellten. Die Bauform ist typisch für die balkanisch-postbyzantinische Klosterarchitektur:
• Einzelne Schiffstruktur mit Tonnengewölbe.
• Verputzte Natursteinmauern mit bescheidenem Äusseren, das durch die abgelegene Lage geschützt blieb.
• Ein kleiner, separater Glockenturm ist ebenfalls vorhanden.
• Die Kirche gehört zum Typus der Katholikon-Kirchen, also dem Hauptkirchbau einer Klosteranlage.
⸻
2. Freskenprogramm und ikonographische Deutung
Die Innenwände der Kirche sind vollständig mit Fresken in der postbyzantinischen Tradition ausgemalt. Die Bemalung lässt sich stilistisch in das 17. Jahrhundert datieren. Die Fresken wurden von regionalen Ikonographen geschaffen, möglicherweise beeinflusst durch die Schulen von Ioannina oder Korça. Auffällig ist die Verbindung von Heilsgeschichte mit einer ausgeprägten Darstellung der Höllenstrafen.
a) Obere Wandflächen (Bild 1): Szenen der Erlösung und Heiligendarstellungen
• Die Opferung Isaaks: Darstellung im oberen Register – Abraham wird durch einen Engel am Opfer seines Sohnes gehindert. Diese Szene verweist theologisch auf den Gehorsam des Glaubens und die Vorwegnahme des Opfers Christi.
• Kriegerheilige und Märtyrer: Die untere Reihe zeigt bekannte Heilige wie St. Menas (Μηνάς), St. Georg (Γεώργιος), St. Christophorus (Χριστόφορος). Sie erscheinen mit Rüstung, Kreuz oder Märtyrerwerkzeugen und stellen das Ideal christlicher Wehrhaftigkeit und Standhaftigkeit dar.
b) Untere Register: Höllenszenen und moralisch-didaktische Warnungen
Diese dramatischen Darstellungen im Stil des „Jüngsten Gerichts“ zeigen Seelen in der Hölle, wie sie von Dämonen für spezifische Sünden gequält werden:
Bild 2: Der Sodomit (Ὁ σοδομιστής)
Ein nackter Mann wird von einem Dämon anal penetriert, während er eine Waage trägt – Symbol für sein (verlorenes) Seelengewicht. Dies war eine drastische bildliche Warnung gegen homosexuelle Praxis im Sinne damaliger Moralvorstellungen.
Bild 3: Die Ehebrecherin (παλαίζουσα ἐν πορνείᾳ)
Eine Frau wird von Schlangen umschlungen, Zeichen der Begierde. Ein Dämon greift ihr an den Arm – die Darstellung weiblicher Sexualität als Gefahr.
Bild 4: Der Priester der Laster (Ἰερομόναχος τῶν ἀκολάστων)
Ein Kleriker mit offenem Buch wird von einem Dämon verführt oder in Versuchung geführt. Diese Darstellung kritisiert moralischen Verfall selbst innerhalb der Kirche.
Bild 5: Der Verleumder (ὁ συκοφάντης)
Ein Mann wird mit einem eisernen Haken durch die Zunge bestraft – klassische Strafe für üble Nachrede und Lüge.
Bild 6: Der Betrüger oder Hochmutige
Ein weiterer Sünder wird von einem Teufel an der Nase gezogen, während seine Hände gefesselt sind – möglicherweise eine Darstellung von Hochmut, Eitelkeit oder Täuschung.
⸻
3. Theologische und kulturelle Bedeutung
Das ikonographische Programm der Kirche Shën Mërisë folgt einer klassischen Struktur orthodoxer Theologie:
• Oben die Heilsgeschichte (Glaubensgehorsam, Heilige, Märtyrer),
• unten die Verdammnis der Sündigen,
wobei durch die Bilder die Gläubigen zur moralischen Umkehr und Buße aufgerufen werden. Der Wechsel zwischen Verheissung und Warnung ist bilddidaktisch stark inszeniert.
Zudem zeigen diese Fresken den Einfluss des orthodoxen Moralverständnisses, in dem Laster nicht nur als persönliche Verfehlungen, sondern als dämonische Verführungen mit ewigen Konsequenzen dargestellt werden.
⸻
4. Erhaltungszustand und Restaurierung
Viele Fresken sind verblasst, beschädigt oder partiell übermalt worden. Feuchtigkeit, Pilzbefall und unzureichender Schutz gefährden den Bestand. Dennoch haben sich viele Szenen erstaunlich gut erhalten. Eine konservatorische Sicherung wäre dringend angezeigt.Read more


















