• Unsere Einfahrt und das Ende der Reise ⛵

    19. april 2025, Holland ⋅ ☁️ 13 °C

    Unsere Einfahrt und das Ende der Reise ⛵

    Der letzte gemeinsame Morgen startete nach etwa 3 1/2 h Schlaf auf etwas ungewöhnliche Art und Weise, denn Hannes und Anna hatten es sich zur Aufgabe gemacht, mich mit den wunderschönsten Worten zu wecken, die man nach einer so kurzen Nacht nur allzu gerne zum Einstieg in den Tag hören mag: "Guten Morgen, Niklas - du bist 30, Eierlecken!" 🥚
    Langsam aufgerafft ging es übers Maindeck in den Messroom, wo ein Frühstücksangebot auf uns wartete, welches jedoch nicht viele wahrnahmen, da es doch noch einiges zu Packen galt. So ging es um halb 9 ein letztes Mal los. Wir fuhren unter unserem Kapitän Nico noch einmal zusammen hinaus und genossen die letzten Manöver, die wir unter strahlendem Sonnenschein vor der Küste Ijmuidens ausführten. Wehmut und Vorfreude lag in der Luft. Eine Mischung aus: "Muss es jetzt schon enden?" und "Ich freue mich auf meine Familie und Freunde". Selten habe ich eine Ambivalenz wie diese so gleichermaßen deutlich in den Gesichtern von so vielen unterschiedlichen Menschen gesehen. Was waren das für intensive 183 gemeinsame Tage 💭
    Während Nico uns zusammen mit der diensthabenden Watch souverän durch die vorgezeichnete Route manövrierte, sammelten alle anderen ihre Taschen und ihr Gepäck auf dem Maindeck. Kurz danach kamen alle Schüler*innen sowie unsere Offizierin Marie noch einmal zusammen, um die Versteigerung der 'Amsterdam-Flagge' mit den drei X-en vorzunehmen. Nach einem starken Wettbieten ging sie schlussendlich für 80€ an unseren Fischminister Malte. Gleichzeitig wurden noch die Seekarten unserer zurückgelegten Route im Messroom verkauft und im Anschluss ein letztes Mal das Squaresail aus Spaß an der Freude gesetzt 🏳️
    Ich führte unterdessen noch einige kurze Gespräche und lud noch die vorerst letzten Beiträge hier hoch 🗣️
    Dann war es soweit. Wir nahmen Kurs auf die Schleuse von Ijmuiden. Je näher wir kamen, umso realer wurde das Ende dieser Unternehmung. Als erstes sahen wir die Eltern von Hannes am 'Zuidpier Ijmuiden' stehen. Mit jeder Sekunde, die nun verging, wurde die Stimmung zusehends aufgekratzter. So sahen wir kurz darauf die ersten Schilder von den wartenden Familien und Freunden unserer Schülerinnen und Schüler. Seriööös und sicher steuerte uns Nico vom Occeeaann in die Schleuse hinein. Während wir auf den Schleusenprozess warteten, hörten wir aus weiter Ferne ein Blasinstrument eine vertraulich wirkende Melodie spielen. Ab jetzt war auch der letzten Person klar: Nur noch ein paar hundert Meter der insgesamt 12.281 zurückgelegten Seemeilen unseres außergewöhnlichen Abenteuers lagen vor uns ⛵
    Nico legte mit Unterstützung von Heine ein letztes Mal mit 'unserem Zuhause' an der Pier in Ijmuiden an. Es war geschafft. Wir waren nach 183 Tagen wieder (fast) dort, wo alles begann. Amsterdam, here we're back again 🇳🇱
    Nachdem wir angelegt hatten, kam Johan an Bord und begrüßte zunächst uns Lehrkräfte und die Crew, eher er die Musikbox einschaltete und in einer kurzen Rede über die zurückliegenden 6 Monate und damit unsere Reise sprach. Unsere 'Chaostruppe' und alle wahnwitzigen Herausforderungen und Schwierigkeiten, die wir in den letzten 6 Monaten gemeinsam gemeistert haben, werden ihm wohl noch etwas in Erinnerung bleiben 🔱
    Danach sprach Lisa noch zu den versammelten Familien und Freunden und bedankte sich bei allen, die diese Reise getragen und ermöglicht hatten. Zuletzt richtete auch Heine noch einige herzliche Worte an alle Beteiligten und die wartenden Zuschauer*innen 🗣️
    Bevor schlussendlich alle vom Schiff gehen durften, gab es noch die Handys, Versicherungsunterlagen und Impfpässe ausgehändigt und ich trug in der klassischen Reihenfolge unserer 'Nummern' noch ein paar herzliche Worte zum Abschluss zu jeder Schülerin bzw. zu jedem Schüler vor. Nach dem Ende dieser Prozedur durften die Schüler*innen dann endlich nacheinander, nach dem Aufrufen ihrer Nummern, von Bord und in die Arme derjenigen, die sie mindestens ein halbes Jahr nicht gesehen hatten. So startete das große Wiedersehen: Die Taschen wurden von Bord getragen, das Buffet aufgebaut und Führungen durchs Schiff mit etlichen Anekdoten der letzten 183 Tage gegeben 🫂
    Ich selbst ging nicht direkt von Bord. Ich hatte noch eine wichtige Mission zu erledigen und ging nach den letzten Worten vom Dach des Wheelhauses direkt runter in die Galley, um noch einmal mit Rainer über die sagenumwobene Tür zu sprechen. So verriet er mir tatsächlich das Geheimnis und ich konnte ruhigen Gewissens meine wartende Familie an Land in Empfang nehmen🚪
    Ab diesem Punkt (etwa 13 Uhr) folgte noch einmal eine sehr intensive Zeit, da ich sehr viele Gespräche mit diversen Menschen geführt habe und nun noch einmal die Menschen (Familie wie Freunde) näher kennenlernen durfte, die uns ihre Kinder für ein halbes Jahr anvertraut hatten. So wurde ich im Laufe des Tages insbesondere zwei Dinge gefragt:
    1. Wie genau geht's in deinem Leben jetzt weiter?
    2. Würdest du es nochmal machen wollen?
    Spätestens nach der zweiten Frage schaute ich immer wieder in die Runde und fragte mich, während ich in die Gesichter meiner neu gewonnenen Familienmitglieder sah, ob ich diese einzigartige Zeit in einer ähnlichen, aber doch irgendwie anderen Form noch einmal derart genießen könne, oder immer wieder mit diesen 6 Monaten vergleichen würde. Ich weiß es nicht, aber das muss ich ja zum Glück auch nicht jetzt entscheiden. Wir schauen einfach mal, was wird! 🙏🏽
    Es waren immens intensive, aber unglaublich schöne Gespräche. So viel Wertschätzung, die uns nach und nach erreichte, war in dem Moment kaum aufzunehmen oder zu verarbeiten. Wir konnten unsere Sache wohl nicht allzu schlecht gemacht haben. Das Gespräch, welches mich im Nachhinein noch am intensivsten beschäftigt hatte, war eines mit Nualas Mama. Ich hatte in einem Telefongespräch vor der Reise bereits Kontakt zu ihr gehabt und nun stand sie nach einem halben Jahr wieder vor mir und ließ mich eine Dankbarkeit und Wertschätzung spüren, die jede Faser meines Körpers ergriff. Wenn ich mich jemals fragen sollte, wieso ich den Lehrberuf gewählt oder mich für diese Reise entschieden habe, wird das ein Moment sein, an den ich dann denken werde. Sowie all die wundervollen aber auch herausfordernden Augenblicke, die ich persönlich mit jedem Einzelnen auf diesem Schiff und mit dieser Zeit verbinde ⛵
    So musste irgendwann die Situation eintreten, wo der erste Schüler nun tatsächlich nach 183 gemeinsamen Tagen nach Hause fahren wollte. Ich sagte am Vorabend zu allen, dass sie dann auf jeden Fall vorher zu mir kommen sollten, damit wir uns noch einmal gebührend voneinander verabschieden können. Und das taten wir dann auch:
    Wir bildeten ein letztes Mal einen großen Kreis, ließen ein letztes Mal durchzählen und schlossen uns ein letztes Mal in die Arme. Die Wartezeit überbrückten einige Schüler*innen sehr schmeichelhaft mit dem gemeinsamen Singen von 'Niklas ist 30' (in Melodie von Santa Maria), ehe es dann zum letzten Mal eine Ansage gab. So richtete ich noch ein paar Worte an all diejenigen, die die letzten 183 Tage an meiner Seite waren; zu den Menschen, die eine unglaubliche gemeinsame Erfahrung und Erlebnisse geschaffen hatten und hoffentlich immer wieder mit einem glücklichen und nostalgischen Lächeln darauf zurückschauen können. Es war kaum verwunderlich, dass es am Ende dann noch einmal laut werden musste: Gemeinsam schrien wir noch einmal zum Abschluss, machten ein gemeinsames Gruppenfoto vor unserem schwimmenden Zuhause und es gab zuletzt noch ein kleines Abschiedsgeschenk ausgehändigt 🐧
    Nach und nach gingen die Menschen ein letztes Mal von Bord und ich selbst ging ein letztes Mal in 'meine Cabin', um die letzten Sachen zu holen. Dann legte sie ab, unsere Regina Maris, und steuerte auf den Ort zu, wo wir vor 6 Monaten tatsächlich aufs Schiff gegangen waren.
    Ich verabschiedete mich von den letzten Personen und zum Schluss dann von der kleinen Marie. Nach ein paar persönlichen Worten und einer letzten Umarmung stieg ich zu meinem Bruder ins Auto und verließ etwa gegen 17:25 Uhr die fast verlassen wirkende Stelle unserer Wiederankunft.
    Das Ende von 183 aufregenden Tagen war gekommen. Es war ein bisschen so wie am Ende vom Film 'Herr der Ringe' - als Frodo die letzten Worte in sein Buch schreibt:
    'Wie knüpft man an, an ein früheres Leben? Wo macht man weiter, wenn man tief im Herzen zu verstehen beginnt, dass man nicht mehr zurück kann?...'
    Und genau das werde ich nun herausfinden 🍀🌅

    Mein persönliches Highlight:
    Die unzähligen, intensiven, warmherzigen und unfassbar wertschätzenden Gespräche mit den Familienmitgliedern und Freunden der Schülerinnen und Schüler nach unserem Anlegen in Ijmuiden. Alle Übernachtungsangebote wahrzunehmen, die mir unterbreitet wurden, wenn ich mal zufällig in der Nähe sein sollte, wird dann wahrscheinlich zu den nächsten unvergesslichen Erinnerungen mit diesen wundervollen Menschen führen 🫂
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    Our drive in and the end of the trip ⛵

    After about 3 1/2 hours of sleep, our last morning together began in a somewhat unusual way, as Hannes and Anna had taken it upon themselves to wake me up with the most wonderful words that you love to hear to start the day after such a short night: "Good morning, Niklas - you're 30, egg lick!" 🥚
    After slowly getting up, we made our way across the main deck to the mess room, where breakfast was waiting for us, but not many of us took advantage of it as there was still a lot to pack. So we set off for the last time at half past 8. We sailed out together one last time under our captain Nico and enjoyed the last maneuvers, which we carried out in bright sunshine off the coast of Ijmuiden. There was melancholy and anticipation in the air. A mixture of: "Does it have to end now?" and "I'm looking forward to seeing my family and friends". Rarely have I seen ambivalence like this so clearly reflected in the faces of so many different people. What an intense 183 days together 💭
    While Nico and the watch on duty confidently maneuvered us through the predetermined route, everyone else collected their bags and luggage on the main deck. Shortly afterwards, all the students and our officer Marie came together once again to auction off the 'Amsterdam flag' with the three Xs. After a fierce bidding, it finally went to our fish minister Malte for €80. At the same time, the nautical charts of our route were sold in the messroom and then the squaresail was set one last time for fun 🏳️
    Meanwhile, I had a few short conversations and uploaded the last posts for the time being here 🗣️
    Then the time had come. We set course for the Ijmuiden lock. The closer we got, the more real the end of this venture became. The first thing we saw was Hannes' parents standing at the 'Zuidpier Ijmuiden'. With every second that passed, the atmosphere became more and more exhilarating. Shortly afterwards, we saw the first signs of the waiting families and friends of our students. Nico from Occeeaann steered us into the lock safely and with great care. While we waited for the lock process to begin, we heard a wind instrument playing an intimate melody from far away. From now on, even the last person knew that only a few hundred meters of the 12,281 nautical miles of our extraordinary adventure lay ahead of us ⛵
    Nico, with the help of Heine, moored 'our home' at the pier in Ijmuiden one last time. It was done. After 183 days, we were (almost) back where it all began. Amsterdam, here we're back again 🇳🇱
    After we had docked, Johan came on board and greeted us teachers and the crew before switching on the jukebox and giving a short speech about the past 6 months and our journey. Our 'chaos group' and all the crazy challenges and difficulties that we have overcome together over the last 6 months will probably remain in his memory for a while 🔱
    Lisa then spoke to the assembled families and friends and thanked everyone who had supported and made this trip possible. Finally, Heine also addressed a few warm words to all those involved and the waiting spectators 🗣️
    Before everyone was finally allowed to leave the ship, the cell phones, insurance documents and vaccination certificates were handed out and I recited a few warm words to each student in the classic order of our 'numbers'. At the end of this procedure, the students were finally allowed to disembark one after the other, after their numbers had been called, and into the arms of those they had not seen for at least six months. And so the big reunion began: The bags were carried off the ship, the buffet was set up and guided tours of the ship were given with a number of anecdotes from the last 183 days 🫂
    I didn't disembark directly myself. I still had an important mission to complete and, after the last words from the roof of the wheelhouse, I went straight down to the galley to talk to Rainer again about the legendary door. He actually told me the secret and I was able to welcome my waiting family ashore with a clear conscience🚪
    From this point onwards (around 1pm), it was another very intense time, as I had lots of conversations with various people and was able to get to know the people (family and friends) who had entrusted their children to us for six months. I was asked two things in particular during the course of the day:
    1. what exactly is going on in your life now?
    2. would you want to do it again?
    After the second question at the latest, I kept looking around and asking myself, as I looked into the faces of my new family members, whether I could enjoy this unique time again in a similar but somehow different way, or whether I would keep comparing it to these 6 months. I don't know, but luckily I don't have to decide that now. Let's just see what happens! 🙏🏽
    They were immensely intense but incredibly beautiful conversations. So much appreciation, which reached us bit by bit, was almost impossible to absorb or process at the time. We couldn't have done too badly. The conversation that kept me most busy afterwards was one with Nuala's mom. I had already had contact with her in a phone call before the trip and now she was standing in front of me again after half a year and made me feel a gratitude and appreciation that gripped every fiber of my body. If I ever ask myself why I chose the teaching profession or why I decided to go on this trip, this will be a moment I will remember. As well as all the wonderful but also challenging moments that I personally associate with each individual on this ship and with this time ⛵
    So at some point, the situation had to arise where the first student actually wanted to go home after 183 days together. I said to everyone the evening before that they should definitely come to me beforehand so that we could say a proper goodbye to each other. And that's what we did:
    We formed a large circle for the last time, counted off one last time and embraced each other for the last time. Some students bridged the waiting time very flatteringly by singing 'Niklas ist 30' together (to the tune of Santa Maria) before there was an announcement for the last time. So I said a few words to all those who had been by my side for the last 183 days; to the people who had created an incredible shared experience and memories that I hope I can always look back on with a happy and nostalgic smile. It was hardly surprising that it had to get loud again at the end: we shouted together once more at the end, took a group photo together in front of our floating home and were given a small farewell gift at the end 🐧
    One by one, people disembarked for the last time and I myself went to 'my cabin' one last time to get the last things. Then she cast off, our Regina Maris, and headed for the place where we had actually boarded the ship 6 months ago.
    I said goodbye to the last few people and finally to little Marie. After a few personal words and a final hug, I got into the car with my brother and left the almost deserted site of our rearrival at around 5:25 pm.
    The end of 183 exciting days had come. It was a bit like the end of the movie 'Lord of the Rings' - when Frodo writes the last words in his book:
    'How do you connect to a past life? Where do you continue when you begin to understand deep in your heart that you can't go back?...'
    And that's exactly what I'm about to find out 🍀🌅

    My personal highlight:
    The countless, intense, warm-hearted and incredibly appreciative conversations with the students' family members and friends after our arrival in Ijmuiden. Taking advantage of all the overnight offers that were made to me, should I happen to be in the vicinity, will probably lead to the next unforgettable memories with these wonderful people 🫂
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