• Tag 93, 161 Km/13596 Km

    November 30, 2024 in Liberia ⋅ ☀️ 32 °C

    Ich breche auf nach Monrovia, die "Stadt der Hoffnung" - zumindest für mich persönlich. Ich hoffe darauf, hier tanken zu können, habe fast nichts mehr an Lebensmitteln, hoffe somit auch auf einen Supermarkt. Und ich hoffe auf einen Arzt oder eine geöffnete Apotheke. Die Entzündung ist leider deutlich schlimmer geworden, der linke Arm ist von der Achselhöhle bis zum Handgelenk entzündet. Zusätzlich ist die Einstichstelle vereitert. Ich wäre also bereit für ein orales Antibiotikum zusätzlich zur antibiotischen Salbe. Notfalls muss ich das Breitbandantibiotikum einnehmen, welches ich dabei habe.
    Der Weg nach Monrovia ist leider schlechter als gedacht. Die Straße ist alles andere als gut, es gibt mal wieder viele Schlaglöcher. Die Sonne knallt auf die Frontscheibe, was der Infektion nicht gerade gut tut. Mit Einfahrt in die Stadt beginnt das Chaos. Monrovia ist leider nicht umfahrbar, also quäle ich mich durch den Stau, das Chaos und die Hitze. Ich finde eine Tankstelle die mich mit Karte zahlen lässt, so etwas hat es schon lange nicht mehr gegeben. Im Stau stehend sehe ich außerdem eine gut sortierte Apotheke. Ich zeige einer der Apothekerinnen meinen Arm und sie reagiert mit dem Wort "Oh", holt mir wortlos eine antibiotische Salbe, eine Penicillin-Antibiotikakombination und ein Anti-Pilzmittel. Das Anti-Pilzmittel ist seit einigen Jahren in der EU verboten und eigentlich brauche ich das Mittel nicht, die Apothekerin sagt aber, die Kombination mit dem Antibiotika wirkt Wunder. Für insgesamt 4€ nehme ich alles drei, lasse das Anti-Pilzmittel aber erstmal weg. Es muss ja auch noch Luft nach oben geben.
    In einem Supermarkt im Zentrum finde ich 80% der Sachen die ich benötige. Seit dem Senegal ist leider alles mit Anstrengung verbunden, auch das Einkaufen. Wenn man überhaupt einen Supermarkt findet, sind die Regale oft leer oder es gibt generell nicht alles was man braucht. Fleisch gibt es nur in Ausnahmen, Milchprodukte wie Käse findet man fast nie. Obst und Gemüse gibt es generell nur am Straßenrand. Während ich im Supermarkt einkaufe, fällt sieben Mal der Strom aus. Immerhin gibt es neben dem Supermarkt einen libanesischen Imbiss mit Kebab und Shawarma, eine tolle Abwechslung zum Reis mit Fisch der letzten Wochen.
    Rund um Monrovia gibt es leider keine Möglichkeit zum Übernachten, also frage ich an der Straße bei einer Farm, ob ich mich in den Hof stellen kann. Die Chefin bietet mir an, ich könnte in einem der Zimmer übernachten, welches eigentlich für die Farmer ist. Tatsächlich könnte das Zimmer auch in einem 3*-Hotel in Europa sein, ist unglaublich sauber und nach 2 Wochen im Auto ist ein richtiges Bett eine schöne Abwechslung.
    Das Antibiotikum riecht nach Krankenhaus, hat dadurch schon einen psychologischen Effekt, bevor ich die Salbe überhaupt auftrage.
    Die Kombination wirkt bereits am Abend, die Entzündung geht glücklicherweise zurück.
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