• Tag 105, 192 Km/15018 Km

    December 12, 2024 in Ghana ⋅ ⛅ 29 °C

    Ein bisschen wehmütig verlasse ich am Morgen Assinie-Mafia, war dieser Ort tatsächlich der vielleicht entspannteste Ort der Reise. Auf dem letzten Stück durch die Elfenbeinküste durchquere ich eine riesige Palmenplantage. Die Datteln, welche zu Öl verarbeitet werden, werden von LKW zu Tausenden aus dem Palmenwald gefahren. Rund eine Stunde dauert es, die Palmenplantage auf einer guten Straße zu durchqueren. Leider musste der Urwald auch hier, wie fast überall in der Elfenbeinküste der Industrie weichen. Ich komme schließlich an der Grenze an, alles andere als ein ruhiger Ort. Zwischen der Elfenbeinküste und Ghana muss ich den Pass wechseln, was mir ein bisschen Sorgen bereitet. Zwei Reisepässe zu haben ist in vielen Ländern illegal und es besteht das Risiko, bei der Einreise in Ghana nach dem Ausreisestempel der Elfenbeinküste gefragt zu werden (welcher dann im anderen Pass ist). Ich betrete das erste Büro, muss direkt Carnet und Reisepass abgeben und denke noch: "Wow, nur ein Büro für beides!" bis ich sehe, dass der Herr keinen Stempel hat. Danach werde ich von oben nach unten, vor und zurück geschickt bis ich an einem Fenster ankomme wo ich endlich einen Stempel sehe. Manchmal betrete ich einen Raum in dem irgendetwas gemacht wird wie z.B. mich nach meiner WhatsApp-Nummer oder nach meinem Beruf zu fragen, am Ende weiß ich dann nicht so richtig welchen Zweck dieses Büro hatte. Die Dame, die meinen Pass ausstempelt steht hinter dickem Panzerglas, es gibt einen winzigen Schlitz - kaum größer als der Pass - in Hüfthöhe. Jedes Mal, wenn einer von uns beiden etwas sagen möchte, müssen sich beide an den Schlitz bücken um zu sprechen. Die Situation hätte Potential für einen Schwarzweiß-Film mit Charly Chaplin. Als ich schließlich beim Zoll ankomme, sehe ich eine riesige Schlange von LKW und Bussen. Die LKW müssen ihre komplette Ladung ausräumen und auf dem Hof aufstapeln, die Passagiere der Busse ihr gesamtes Gepäck öffnen und präsentieren. Ich gehe direkt durch zum 'Chief de Douane', bekomme zügig meinen Stempel und rase über die Brücke und den Fluss nach Ghana, bevor jemand auf die Idee kommt, mein Auto zu durchsuchen.
    Bei der Einreise nach Ghana sehe ich zum ersten Mal statt der sonst üblichen Bücher Computer. Es gibt sogar einen Scanner um den Pass einzuscannen. Bereits jetzt merke ich, wieso Ghana als eine der besten Wirtschaften Afrikas zählt. Leider gerate ich bei der Passkontrolle an einen Pingel. Ich lege den Zweitpass hin, versuche ihn mit Smalltalk abzulenken was auch erst ganz gut gelingt, dann fragt er mich dennoch, wo mein Ausreisestempel aus der Elfenbeinküste ist. "Im Zweitpass. Ich muss den Pass zur deutschen Botschaft bringen und dort abgeben, deswegen habe ich zwei" lüge ich. Er möchte den zweiten Pass sehen, glaubt mir meine schnell erfundene Geschichte und lässt mich einreisen, damit ist der letzte Grenzübertritt im diesem Jahr geschafft.
    Ich kann nicht sagen wieso, aber die ersten Kilometer im Ghana fühlen sich sicherer an als alles andere zwischen Senegal und hier. Nach rund 50 Kilometer kommt der erste Checkpoint, Pass und Carnet werden gesichtet. Nachdem alles geprüft wurde sagt man mir, ich kann weiterfahren, als von der Seite ein zweiter Polizist dazu kommt. "Motor aus, hier parken, aussteigen und rein zum Chef". Der Chef, 50 Kilo zu schwer für seine Größe, schwarze Uniform mit auf der Brust aufgedruckter Blutgruppe, Pistole im Halfter, Kurzhaarschnitt und um die 40 Jahre alt, sitzt an einem Schreibtisch und telefoniert. Während er mit mir spricht schaut er kein einziges Mal von seinem Smartphone nach oben. Er will das Carnet sehen und auch meinen Pass. Fragt mich unfreundlich was ich hier mache und wieso ich nicht geflogen bin. "Was ist in deiner Tasche" will er wissen. Schließlich beendet er das Gespräch mit dem Satz: "What do you have for me?". Ich antworte nüchtern, wie bereits hunderte Male auf dieser Reise: "Oh sorry I don't have anything for you". Der Beamte hebt zum ersten Mal seinen Blick vom Handy und starrt mir wortlos und ernst in die Augen. "Na gut, ich hab Süßigkeiten im Auto. Hole ich eben." Ich gebe ihm eines der kleinen Pakete Gummibärchen, die ich seit Deutschland dabei habe, doch die will er nicht. Ich soll zuerst eins essen, was ich dann auch tue. "Meine Frau ist hier am Telefon." Er dreht sein Smartphone und ich sehe seine Frau, die von der Figur her zu ihm passt. "Wenn ich das esse und tot umfalle hast du ein Problem" sagt er. Er ruft seine beiden Kollegen von der Straße, beide müssen auch zuerst probieren und natürlich fällt keiner tot um. Jetzt ist der Chef dran das Weingummi zu probieren aber eigentlich ist kaum mehr etwas in der Tüte. Ich gehe also zum Auto, schenke ihm noch eine zweite Tüte und darf schließlich endlich weiterfahren. Reisende, die mir ein paar Tage voraus sind lotsen mich zu einem kleinen Restaurant an einem Strandabschnitt. Der Platz ist wirklich traumhaft, ich stehe im Schatten der Kokospalmen direkt am Strand. Auch hier gilt wieder: Abendessen im Restaurant, dafür kostenfrei übernachten. Also gibt es am Abend gegrillten Barracuda mit Kochbananen und Pommes für 12€.
    Read more