• Tag 147, 198 Km/18631 Km

    23 Januari 2025, Nigeria ⋅ ⛅ 27 °C

    Statt den dritten Tag in Folge in Lagos zu verbringen, fahren wir am Morgen mit Heiner rund 100 Kilometer weiter in den Norden in die Stadt Abekouta. Hier steht der Olumo Rock, um den die Stadt einst herumgebaut wurde. Der Weg dorthin führt uns durch den Norden von Lagos und am frühen Morgen ist der Verkehr schon ziemlich intensiv, defensive Fahrweise ist hier alles andere als angebracht, wenn man irgendwie aus dem Stadtzentrum kommen möchte. Der Highway nach Abekouta ist sechsspurig, gut ausgebaut und angenehm zu fahren, auch wenn aus den sechs Spuren eigentlich 12 gemacht werden. Sunday ist ziemlich angespannt, als wir die Stadt erreichen, mahnt mich immer wieder dazu an, die Fenster zu schließen, selbst bei hohen Geschwindigkeiten. Die Stadt ist ziemlich heruntergekommen, die Straße im Zentrum total kaputt, Wellblechhütten bis zum Horizont, in alle Richtungen. Wir erreichen den Felsen, der von einem rund 6 Meter hohen Zaun mit Stacheldraht umrandet ist und zusätzlich von mehr als 10 Sicherheitsleuten am Eingangstor bewacht wird. Hinter dem sich öffnenden Tor scheint die Welt in Ordnung, zumindest werden wir wie üblich penetrant von allen Seiten mit 'Money, Money!' angesprochen. Der Stein ist relativ unspektakulär, ein zugebauter Felsen mit rund 50 Meter Höhe, die Aussicht von oben auf die Stadt ist jedoch wirklich toll. Auf dem Weg nach oben gibt es immer wieder Stellen, an denen Einheimische zum Teil zu viert sitzen und einen nur gegen Zahlung einer Gebühr durchlassen. Als wir oben auf dem Felsen stehen, höre ich mehrfach Schüsse in der Stadt. Sunday meint, die Schüsse waren Freudenschüsse in die Luft. So muss es sein. Ganz bestimmt.
    Ab ins Auto, Türen verriegeln, Fenster zu und zurück nach Lagos. Wir gehen am späten Nachmittag zusammen etwas Essen, Sunday bringt mich in einen Foodcourt wo er selber bei Dominos Pizza arbeitet und daher alle Leute vom Sicherheitspersonal bis hin zum Koch kennt. Er arbeitet in dieser Pizzeria 7 Tage in der Woche jeweils 12 Stunden pro Tag, 365 Tage im Jahr, wenn er nicht seinen Chef um 5 freie Tage anbettelt, die er dann mit mir im Stadtzentrum verbringen kann. Er schläft in einem kleinen Hinterzimmer des Geschäfts mit allen anderen männlichen Angestellten zusammen in einem einzigen Raum. Seine Frau und seine zwei Kinder leben rund 500 Kilometer außerhalb von Lagos in einem kleinen Dorf, sehen tut er sie kaum. Schon vor einigen Tagen habe ich ihm nach meinem Empfinden einen angemessenen Lohn für seine Hilfe in Nigeria gezahlt, später erzählt er mir, dass dies ein Halbjahreslohn für ihn war. Neben der Pizzeria gibt es viele weitere Restaurants, wir essen dort, wo es nigerianisches Essen gibt und eigentlich müsste ich es mittlerweile besser wissen...es gibt Ei vermischt mit püriertem Fisch, dazu Huhn und zermanschte Yamswurzeln. Alles super scharf, alles schmeckt nur nach Fisch. Mit dem KeKe geht es schließlich zurück zum Hotel. Abends erzählt mir Sunday noch, dass er früher einmal in einer Bank in Ibadan, wenige Kilometer weg von Lagos gearbeitet hat. Der Job war besser bezahlt, die Arbeitszeiten kürzer und er konnte öfter seine Familie sehen. Nach dem dritten bewaffneten Raubüberfall in drei Jahren wollte er jedoch lieber einen Job, bei dem er etwas älter werden kann.
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