• Tag 305, 22 Km/45046 Km

    June 30, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 15 °C

    Mit dem Amphitheater und dem Tugela Falls hat der Royal-Natal Nationalpark gleich zwei erstklassige Highlights der Bergregion zu bieten und wenn man sich anstrengt schafft man es, beides in nur einem Tag zu sehen. Man muss dafür lediglich zwischen 5 und 7 Stunden wandern, je nach Tempo. Das Wetter ist hier unberechenbar, vor allem im Winter der Südhalbkugel, man kann alle vier Jahreszeiten an nur einem einzigen Tag erleben. Um das Risiko auf der recht anspruchsvollen Route zu minimieren, zahle ich einem der lokalen Wanderführer aus dem kleinen Dorf, Cesar, ein paar Euro, damit dieser mit mir läuft. Cesar ist diese Strecke schon über 100 Mal gegangen und hier aufgewachsen, kennt die Gegend und die Berge sehr gut. Es ist am Morgen frühlingshaft und frisch, wird dann aber schnell warm. Ich kann seit Wochen endlich mal wieder im T-Shirt laufen, das ging zuletzt im Norden Namibias. Das Amphitheater, so nennt sich die hohe U-förmige Bergkette, ist nach zwei Stunden zu sehen. Dann wird es schwieriger und deutlich einsamer. Cesar erzählt mir viel über Flora und Fauna und ich bin froh ihn dabei zu haben, als wir in den 'Tunnel' laufen. Die Bergkette ist hier vom Fluss des Tungela-Wasserfalls in einer Schlucht durchbrochen und um bis zum Endpunkt zu gelangen, muss diese durchquert werden. Alleine für diesen Abschnitt lohnt es sich, den ganzen Weg auf sich zu nehmen. Schließlich kommen wir an einen Ort, von dem man den Wasserfall gut sehen kann. Der Tungela-Fall ist seit 2021, wo es eine Flut im Tal gegeben hat, der höchste Wasserfall der Welt, hat sogar den Angel Falls in Venezuela abgelöst und ist seitdem angeblich vier Meter höher. Leider ist es Winter und der Wasserfall komplett trocken. "Im Sommer" so Cesar "ist er zwar zu sehen, dann kann man aber nicht durch das Flussbett. Das Wasser steht zu hoch." Auch wenn der höchste Wasserfall der Welt gerade gar keiner ist, war es die Mühe wert.
    Als ich am Nachmittag zurück an der Campsite bin, schlägt dann das Wetter um - gerade rechtzeitig. Ein Sturm zieht auf und es wird kalt, der Herbst ist da. Fehlt jetzt nur noch der Winter und ich habe keine Hoffnung, von diesem in der Nacht verschont zu bleiben.
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