• Tag 312, 356 Km/46328 Km

    July 7, 2025 in South Africa ⋅ ☀️ 16 °C

    Ich verlasse den Hof von Louis früh, möchte den Tag so schnell wie möglich hinter mich bringen. Vollkommen egal, mit wie vielen Einheimischen ich in den letzten Tagen gesprochen habe, alle sagen eigentlich das gleiche: die westliche Region der Transkei ist nicht sicher. Das Stück zwischen Port St. Roberts und der Stadt Mthatha ist ein Hotspot für Entführungen von Weißen, die letzte war vor 6 Monaten. Mthatha gilt als die gefährlichste Stadt von ganz Südafrika, zumindest was die Statistik angeht und hat mit organisierter Kriminalität zu kämpfen. Ich komme um beide Teile von Südafrika nicht herum, Louis sagt mir vor der Abreise, ich solle niemals anhalten, auch nicht bei roten Ampeln. Ich hatte eigentlich gehofft, von ihm eine andere Meinung zu bekommen, aber er bläst ins gleiche Horn.
    Auf der Straße ist dann alles wie immer, die Gegend ärmlich und langweilig, keine Abwechslung, keine Vegetation. Im Gesamten kann ich der ganzen Region nicht viel abgewinnen, also gucke ich dass ich zügig in schönere Ecken komme. Kurz hinter Port St. Johns stehen zwei Männer auf der Straße, beide in Warnwesten und mitten auf der Straße, ich soll anhalten. Die Straße ist zu schmal, um hier einfach durchzufahren, ich kann also nur stoppen oder einen der beiden überfahren. Also halte ich an, öffne das Fenster 2 Zentimeter, Gang bleibt drin. Ich sehe kein Polizeifahrzeug, einer der beiden hat aber "Police" auf der Warnweste eingestickt. In ganz Südafrika gab es noch keinen einzigen Checkpoint und genau hier, im 'Hotspot' für Entführungen soll nun einer sein.
    Die Weste kann ja eigentlich nicht lügen, also bekommt er meinen Führerschein. Der Polizist bemängelt, dass ich auf dem Führerschein nicht unterschrieben habe und tatsächlich, es gibt ein Feld wo eine Unterschrift hätte hingehört. Über 1000 Kontrollen in Afrika und niemandem ist das bisher aufgefallen, nicht einmal mir selbst. Er ermahnt mich, ahndet dieses Schwerverbrechen jedoch nicht. Ich frage ihn, wie die Lage auf dem Stück wirklich ist und spreche ihn auf die Raubüberfalle und Entführungen an. "Not today, the roads are clear!" sagt er. Heute also nicht, Glück gehabt!
    Schließlich geht es weiter nach Mthatha. Die Stadt ist schon schmuddelig aber weit entfernt von den Horror-Geschichten die ich vorher gehört habe. Da habe ich viel schlimmeres in Kamerun oder der Elfenbeinküste gesehen. Ich komme problemlos durch dieses Stück. Als ich den Grenzfluss der Transkei überquere, beginnt schlagartig wieder die Vegetation, es gibt Bäume und Sträucher. Man könnte meinen, die Einwohner der Transkei hätten über die Jahrzehnte alles was wächst in den Kaminen verbrannt. Ich fahre noch ein Stück weiter, finde an der Küste einen schönen Stellplatz. Ich bin der einzige der hier übernachtet und weil sonst niemand da ist haben die Affen die Campsite übernommen. Ich muss in der Küche und den Waschräumen erstmal für Ordnung sorgen und die Affen von überall vertreiben. Niedlich und nervig gleichzeitig, jedes Mal wenn ich eine der Türen vom Auto aufmache muss ich darauf achten, dass keiner der Affen hereinspringt.
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