• Camino de la Muerte

    April 28, 2024 in Bolivia ⋅ ⛅ 20 °C

    Im Nordwesten von La Paz liegt die Region Yungas, die den Übergang vom andinen Hochland zum tropischen Tiefland darstellt. Noch bis 2007 gab es nur eine einzige Verbindungsstraße, die noch immer den Beinamen Camino de la Muerte (Straße des Todes) trägt. Sie ist schlecht befestigt, sehr schmal, hat kaum Leitplanken und verläuft unmittelbar an einem mehrere hundert Meter tiefen Abgrund. Aus diesen Gründen verloren hier jährlich bis zu 300 Menschen ihr Leben und sie wurde deswegen auch als die weltweit gefährlichste Straße bezeichnet.
    Nach dem Bau der sicheren Alternativroute beschränkt sich der Verkehr hier fast ausschließlich auf abenteuerlustige Radfahrer, zu denen auch ich mich zählen möchte.

    So buche ich eine geführte Tour, inklusive Ausrüstung, Verpflegung und Transport. Zu Beginn wird unsere Gruppe, bestehend aus sieben Touristen und drei Begleitern, zum Startpunkt auf etwa 4.500 Metern Höhe gebracht. Da wir eine Stunde früher als die meisten Touren gestartet sind, können wir die Strecke ungestört genießen.
    Der erste Teil besteht aus einer kurvenreichen Straße aus Asphalt mit sehr wenig Verkehr und dient zur Eingewöhnung. Wir können uns relativ entspannt den Berg hinab rollen lassen und dabei kann jeder ganz individuell sein Verlangen nach Geschwindigkeit erfüllen. Hier oben ist es noch ziemlich kalt und die Landschaft sehr karg und von Felsen geprägt.
    Nach etwa 30 Kilometern erreichen wir den Beginn des eigentlichen Camino de la Muerte auf 3.000 Metern Höhe. Die Natur hat sich während der Abfahrt schon stark verändert und ist nun deutlich grüner. Da es auch wärmer geworden ist, können wir ein paar Kleidungsstücke ablegen und uns nach einer kleinen Stärkung und Sicherheitseinweisung sowie ein paar historischen Fakten über den Ort ins Abenteuer stürzen.
    Von nun an geht es auf der schmalen Schotterpiste immer weiter hinab Richtung Dschungel. Wir legen viele Pausen ein, um die spektakulären Aussichten zu genießen und wieder zu Kräften zu kommen. Die Abfahrt erfordert dauerhaft hohe Konzentration und die starke Vibration ist durchaus anstrengend. Deswegen bleibt während des Fahrens kaum Zeit um Angst vor dem steilen und tiefen Abgrund zu haben.
    Der schönste Teil der Strecke verläuft entlang zahlreicher Wasserfälle, von denen einige direkt auf die Straße und unsere Köpfe prasseln und uns somit eine willkommene Erfrischung bieten. Zudem passieren wir mehrere, teils gewaltige Erdrutsche und können auch zahllose Kreuze am Straßenrand sehen.
    Insgesamt weitere 30 Kilometer später, erreichen wir den den Endpunkt auf nur noch 1.200 Metern Höhe. Wortwörtlich in der letzten Kurve, das Ziel schon vor Augen, bin ich nur einen winzigen Moment lang unachstam, aber das genügt schon, um einen leichten Sturz zu verursachen. Ich komme glimpflich davon, denn die Straße ist inzwischen breiter und verläuft fast flach und ohne Abgründe. Ich trage lediglich einen Schrecken, ein paar Abschürfungen und eine leichte Prellung des Brustbeins davon.
    Zum Abschluss werden wir in ein Hotel im Dschungel gefahren, wo uns Duschen, Pools und ein Buffet erwarten. Anschließend folgt die lange Fahrt zurück nach La Paz, allerdings auf der neuen und sicheren Straße.

    Hinter mir liegt ein aufregender Tag voller Adrenalin, an dem ich auf rund 60 Kilometern Strecke etwa 3.300 Meter Höhenunterschied mit dem Fahrrad zurückgelegt haben. Dabei durchquerte ich verschiedenste Klima- und Ökozonen und machte eine unvergessliche Erfahrung.
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