• Seoul: Design-Plaza statt Halbmarathon – Kochkurs

    April 19 in South Korea ⋅ ☀️ 25 °C

    Ein gaaaanz langsamer Halbmarathon und ein koreanischer Kochkurs – das waren heute meine Ziele. Dummerweise kam mir ein architektonisch spannendes Gebäude dazwischen. Da entschied ich mich schweren Herzens, meinen Spaziergang nach etwas mehr als 2 km abzubrechen und rechts abzubiegen …

    Der Cheonggyecheon-Bach ist ein beliebter, 11 km langer, restaurierter Wasserlauf, der mitten durch die Stadt führt – ideal für einen lauschigen Sonntagnachmittag. Da ich den gesamten Weg hin und zurück spazieren wollte, brauchte ich etwas im Magen. Eine Kimbap-Rolle war genau richtig, um Power zu bekommen und später doch noch Platz für das selbstgemachte koreanische Essen zu haben.

    Am Cheonggyecheon-Bach war es richtig schön. Überall Terrassierungen zum Sitzen, Steinbrücken zum Überqueren und schattenspendende Bäume. An einem Wasserfall-Vorhang kam ich auch vorbei, der ist nicht nur fürs Auge, sondern soll auch schlechte Gerüche verhindern. Für Koreanerinnen ist helle Haut sehr wichtig. Sie vermeiden direkte Sonne und jede Bräunung (das Hutgeschäft läuft hier grossartig, ich sollte mal einen Footprint über die kuriosesten Teile bringen). Deshalb waren die romantischen Plätzchen alle leer. Die Einheimischen setzen sich lieber unter den Brücken an den Fluss. Soll mir recht sein.

    Als ich so langsam warm gelaufen war, sah ich auf einem Wegweiser dass es rechts zum Dongdaemun Design Plaza & Park gehen würde Das markante Gebäude der Architektin Zaha Hadid hatte ich schon beim Anflug auf Seoul erspäht. Und seltsamerweise war der Wunsch, das Design Plaza aus der Nähe zu sehen grösser als die Lust endlos weiter zu marschieren.

    Das Dongdaemun Design Plaza ist ein frei fliessendes, geschwungenes Gebäude und wirkt wie ein gelandetes Ufo. Die äussere Hülle besteht aus 45'000 Aluminiumplatten in verschiedenen Grössen und Krümmungsgraden. 451 Mio Dollar hatte das 2014 fertig gestellte Gebäude gekostet. Kongresshallen, Seminarräume, Ausstellungsflächen, ein Design Museum und ein Bildungszentrum sind hier zuhause. Leider war alles geschlossen, herein kam ich trotzdem. Die organischen Formen sind auch Inneren erlebbar, beispielsweise im riesigen, abfallenden Gang unter die Erde oder bei den ungewöhnlich verlaufenden Treppen nach oben. Ich fand, es hatte sich gelohnt, beim Spazieren flexibel zu sein und sich umzuentscheiden …

    Dann mein Highlight: Der koreanische Kochkurs in einem 100 Jahre alten, renovierten Hanok-Haus. Richtig cool. Gediegene, jazzige Hintergrundmusik, schöne Beleuchtung und Deko sowie das Herzstück, die Kochtheke mittendrin. Neben mir waren noch vier andere Frauen da. Unser Küchenchef hiess Ricky. Er leitete den Kurs sehr nett. Das Kochen selbst war nicht anspruchsvoll: Ricky zeigte vor und erklärte die Bedeutung der Gerichte. Wir kochten nach, und zwar jede auf einer mit einer Gasflasche betriebenen Kochplatte. Ricky zirkulierte und kontrollierte.

    Unser Menü – serviert auf königlichen Bangjja-Tellern, einem äusserst hochwertigen, handgeschmiedetem koreanischem Bronzegeschirr.

    Tangpyeongchae
    Ein Gericht der traditionellen königlichen Küche. Es soll Harmonie bringen. Der König war genervt von den Streitereien der vier Parteien am Hof. Er wolle anschaulich aufzeigen, dass man sich auch durchmischen und trotzdem Harmonie erzielen kann. Deshalb liess er einen Salat kreieren, der dies symbolisieren soll. Das Mungbohnen-Gelée in der Mitte steht für den König, die angebratenen Julienne-Streifen von Zuchetti-Schale und Rüebli und das Schweine-Hackfleisch sowie der getrocknete Seetang vertreten die Farben der damaligen Parteien und werden um den Gelée platziert. Soyasauce, Sesamöl und Sesamkerne runden den Geschmack ab. Erst beim Essen darf alles gemischt und das erzielte Resultat genossen werden.

    Haemul Pajeon
    Ein Pfannkuchen mit Mehlmischung, Wasser, Meeresfrüchten und Frühlingszwiebeln. Unglaublich gut!

    LA Galbi
    In LA die zweitgrösste südkoreanische Diaspora der Welt (1. China). Die ursprünglichen Kriegsflüchtlinge brachten «amerikanisierte» Galbi nach Südkorea zurück. Die halben Rippen werden vor dem Kochen mariniert mit Soyasauce, Salz, Pfeffer, Zucker, Pflaumen-Sirup und Knoblauch. Rein in die Panne, mit Wasser aufgiessen, das Wasser verdampfen und das Fleisch karamellisieren lassen. Sehr fein!

    Dazu gab es einen Salat mit koreanischem Kohl sowie einen Kartoffelsalat mit Ei.

    Das Essen und die Gesellschaft waren angenehm, die Zeit verflog im Nu. Ich freue mich schon, daheim alles nachkochen zu können. Wir mussten Ricky versprechen, ihm dann Fotos davon zu schicken. Wenn Ihr also in Seoul «vermarktet» werden wollt, ladet Euch zu uns nach Hause ein. Wenn nicht – dann auch …
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