Seoul: Konfuzianismus und ewiger Frieden
April 18 in South Korea ⋅ ☀️ 25 °C
Bei meiner geführten Tour sind wir am Jongmyo-Schrein vorbeigekommen. Ich wollte unbedingt dorthin zurück, um den Park zu sehen und Ruhe und Energie zu tanken. Was für ein Glück, denn der Besuch hat mich motiviert, mich ein wenig mit dem Konfuzianismus zu beschäftigen. Und auch das hat mir heute viel gegeben.
Der Jongmyo-Schrein dient der Ahnenverehrung für die Herrscher der Joseon-Dynastie, die Korea von 1392 bis 1910 regierten und den Konfuzianismus in Korea förderten. Schon beim Eintritt wird man mit den Ahnen konfrontiert. In der Mitte des Weges verlaufen drei parallele Steinplatten-Pfade. Der mittlere ist leicht erhöht und nur für die Ahnengeister der verstorbenen Könige. Der lebende König durfte ihn auch nie betreten, ihm war dafür als einzigem der linke Pfad erlaubt. Der Kronprinz hatte die Exklusivrechte rechts. Alle drei Pfade sind für Normalsterbliche wie mich aus Respekt gegenüber den verstorbenen Königen und Königinnen tabu. Immerhin wird den Königinnen auch gedacht. Das weibliche Geschlecht hat in Konfuzianismus sonst eigentlich nicht viel zu melden. Aber das ist eine andere Geschichte.
Der Konfuzianismus ist keine Religion, sondern eine Philosophie. Heute habe ich gelernt, dass ich als Frau viele Aspekte ablehne. Sehr schön finde ich aber die Riten mit den Ahnengeistern. Dabei geht es nicht um Geister in Form von unserem kleinen Gespenst, sondern darum, den Ahnengeistern die Dankbarkeit auszudrücken und um Schutz für die lebende Familie zu bitten. Die Verstorbenen sind nicht einfach «weg», sie bleiben präsent.
Im Jongmyo-Schrein werden die Ahnentafeln der alten Könige in einzelnen Räumen aufbewahrt und ihr Andenken mehrmals pro Jahr geehrt. Ahnentafeln sind traditionell schmale, aufrecht stehende Holztafeln, auf denen Infos zu den Verstorbenen eingraviert werden. Die Tafeln dienen als Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten, als physischer Ort, an dem der Geist der Verstorbenen während Riten anwesend ist. Die Familie von Verstorbenen kommt jährlich am Todestag zusammen und deckt den Tisch mit Speisen und Getränken, um die Ahnengeister zu ehren.
Einer der Schreine im Jongmyo heisst «Halle des ewigen Friedens». Und irgendwie spüre ich diesen Frieden in diesem wunderschönen Park für die Ahnen mit den riesigen alten Bäumen. Hier ist es trotz Hitze angenehm kühl, ich komme mitten im Stadt-Gewimmel zur Ruhe, sammle meine Gedanken und bin dankbar, dass mich mein Schicksal heute hierhergeführt hat.Read more
















TravelerVery interesting