• Demilitarisierte Zone Südkorea / Nordkorea

    April 21 in South Korea ⋅ ☀️ 8 °C

    Mein Besuch der demilitarisierten Zone zwischen Südkorea und Nordkorea (DMZ) heute hat mich tief berührt. Zu sehen gab es nicht viel, aber zu erfahren und zu fühlen. So viel Leid ist verknüpft mit dieser Grenze. Hinter der Glitzerfassade von K-Pop, K-Beauty, oder K-Drama bleibt der Korea-Krieg traurige Realität. Über 60'000 Familien in Südkorea sind auch 73 Jahre nach dem Waffenstillstand noch im Ungewissen darüber, ob ihre Angehörigen tot sind oder in Nordkorea leben. Der Krieg ist nicht Vergangenheit, sondern persönliche Geschichte.

    Hier der geschichtliche Kontext
    - Korea war fast 1000 Jahre lang ein Land.
    - 1910 bis 1946 wurde Korea von Japan besetzt.
    - Weil Japan als Verlierer aus dem 2. Weltkrieg hervorging, wurde Korea gegen den Willen der hier lebenden Menschen von den Siegermächten in zwei Staaten geteilt.
    - Der Norden ging in den Jahren unmittelbar nach dem Krieg in die Verwaltung der Sowjetunion über, der Süden in diejenige der USA.
    - 1950 motivierte die Sowjetunion Nordkorea zur Invasion in Südkorea. Der Coup schien zu gelingen. Die USA retteten Südkorea mit ihrem Eingreifen.
    - 1953 und nach dem Tod von 4,5 Millionen Menschen wurde ein Waffenstillstand geschlossen und eine demilitarisierte Zone bestimmt.
    - Die DMZ ist ein vier Kilometer breiter Streifen voller Soldaten, Kameras und Landminen und gleichzeitig ein Naturreservat.
    - Südkorea war nach Kriegsende mit einem BIP pro Kopf von ca. 67 US-Dollar hinter Somalia das zweitärmste Land der Welt.
    - Nordkorea ging es besser, das Land hat Ressourcen.
    - Bis heute gibt es keinen Friedensvertrag. Offiziell herrscht immer noch Krieg.
    - Nordkorea heute: Ein diktatorischer Staat mit Führerkult, Kontrolle und Isolation. Menschen verhungern. Gestützt von Russland und China.
    - Südkorea heute: Demokratie, Technologie, Popkultur. BIP pro Kopf 2025 ca. 36'000 US-Dollar. Gestützt von den USA und Japan.

    Da stand ich jetzt also an der bestbewachten Grenze der Welt und fand vieles bizarr. Klar, mein Pass wurde mit der Anmeldung abgeglichen. Es gab Fotoverbote, festgelegte Gehrouten und ein Zeitfenster für den Besuch. Panzersperren, Stacheldrahtzäune, Landminen, Warnschilder. Eine Dachterrasse, von der aus man mit Fernsichtgeräten in den Norden spähen konnte. Das alles hatte ich erwartet. Doch die Burgerbuden, Souvenir-Geschäfte, Kaffeebars, der Campingplatz und der kleine Vergnügungspark befremdeten mich irgendwie.

    Denn gleich daneben steht beispielsweise ein Gedenkort mit einem Altar, wo Nordkoreaner, die nach der Teilung nach Südkorea auswandern durften, jährlich die Ahnengeister ihrer in Nordkorea verstorbenen Angehörigen ehren. Solange Nordkorea diktatorisch regiert wird, werden sie ihnen nie mehr näher kommen.

    Oder am Ende einer kleinen Holzbrücke hängen Wunsch- und Gebetsbänder an der Absperrung. Von getrennten Familien, die um die Wiedervereinigung von Süd- und Nordkorea und Frieden bitten. Die Bänder stehen nicht nur für Verzweiflung, sondern auch für Hoffnung und Verbindung.

    Doch noch fürchten die Südkoreaner die Nordkoreaner. Ihre doppelt so grosse 1,3 Millionen-Mann-Armee, von der sie offiziell vier tief unter der Erde liegende Tunnel gefunden haben, die alle Richtung Seoul (ca. 60 km von der Grenze entfernt) führen. Die Atombombe. Den unberechenbaren Diktator Kim Jong-un, der erst vor zwei Tagen wieder mal einen Raketentest befohlen hatte. Die Schutzmächte China und Russland. Die DMZ ist kein lustiges Touristenland. Ich konnte die angespannte Stille fühlen.

    Deshalb störte mich persönlich die Nähe von Schicksal und Geldmacherei. Obwohl ich mitmachte, fand ich es ein wenig respektlos. Aber hey, vermutlich geht es genau deshalb Südkorea inzwischen besser als dem nördlichen Nachbarn. Und wieso sollen die arbeitenden Menschen nicht auch vom Krieg profitieren, wenn es doch Staaten, Rüstungskonzerne, Aktionäre in viel hemmungsloserem Masse tun.

    Mein Tourguide hat heue von ihrer Grossmutter erzählt. Deren 9-jähriger Sohn war während der Invasion von den Nordkoreanern verschleppt worden. Sie dachte er sei tot. Dank einer TV-Sendung, die Wiedervereinigungen möglich machte, erfuhr sie von seinem Schicksal und durfte ihn in der DMZ elf Stunden lang treffen. Kurz darauf verstarb sie. Ihre Fragen haben sich beantwortet. So viele bleiben offen.

    Den folgenden Spruch habe ich heute gelesen. Er passt leider nicht nur zum Schicksal der Koreanerinnen und Koreaner:

    War does not determine who ist right.
    Only who is left.
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