• Busan: Herzliche Menschen und Spiderman

    May 2 in South Korea ⋅ ☁️ 21 °C

    Was heute cool war? Ich habe wieder einmal Mal erlebt, wie kontaktfreudig Koreaner und Koreanerinnen sind und bin ich auch noch Spiderman über den Weg gelaufen. Aber der Reihe nach.

    Mein Food-Buddy Joe vom koreanischen BBQ hatte mich am Freitag spontan zu seiner heutigen Tagestour mit einem Ehepaar aus Texas eingeladen. Das habe ich sehr gern angenommen und es wurde ein toller Tag. Denn Joe führte uns zu Fuss auf die Insel Yeongdo-gu und dort in ein Gebiet, wo sich nur Einheimische bewegen. Joe erklärte uns anhand von Beispielen viele interessante Kapitel der koreanischen Geschichte, der aktuellen politischen Situation und des Alltags in Busan. Dabei ermöglichte er uns immer wieder Begegnungen mit den Menschen hier.

    Joe scheint hier beliebt zu sein. Denn wo sonst Zurückhaltung herrscht, entstand Nähe. Ich habe schon öfters erlebt, dass sich die SüdkoreanerInnen gerne mit mir unterhalten hätten, aber die Sprachbarriere ist echt hoch. Im Schlepptau von Joe lief das anders. Die ältere Dame, bei der wir ein Kaffee tranken, brachte ungefragt und kostenlos noch Dessert und Schinken-Käse-Toast für uns. Eine andere Frau wollte unbedingt, dass wir ihren Hotteok probieren, das ist wie ein platt gedrücktes Hefebrötli mit süsser Füllung. Als Joe uns an einem Gemüsestand erklärte, wieso es in Busan salzige Tomaten gibt (das Meerwasser drängt das Flusswasser zurück und die Tomaten werden dadurch salzig), öffnete die Frau am Stand ein ganzes Paket Tomaten und drückte sie uns zum Probieren in die Hand. Beim Fruchtstand um die Ecke beschenkte uns der Mann mit Mandarinen und beklagte sich, dass wir nicht aus Neuseeland seien, weil er noch viele Kiwis zum Verschenken hätte.

    Als wir an einem Parking vorbeigehen, rief uns die Frau aus der Kasse herein, fragte ob wir Lust auf einen Kaffee hätten, und erklärte uns danach freimütig, dass sie in Japan einen Mann suche. Beim Einheimischen-Treffpunkt unter der Brücke unterbrachen die Senioren sofort ihr Spiel, sprangen auf und schüttelten uns herzlich die Hand. Oder der einzige Fischer, der am Ufer unter der Brücke auch tatsächlich Fische fängt – und das schon seit 70 Jahren – lüftete für uns sein Erfolgsgeheimnis: Ein Holz-Böxli voller kleinen Kiestesteine, unter denen sich die Würmer versteckten.

    Es war super härzig dank Joe ein paar Worte mit diesen liebenswürdigen Menschen sprechen zu können. Dabei war Joe streng mit uns. Wir mussten uns ständig vor allen verbeugen, auf koreanisch begrüssen, auf koreanisch danken und uns auf koreanisch verabschieden. Das breite Lächeln, das wir jeweils als Antwort erhielten, zeigte aber deutlich, dass die Menschen sich über unsere Bemühungen freuten. Und das freute wiederum uns.

    Oder dann machte uns Joe auf Eigenheiten hier aufmerksam . Die Austausch-Ladestation für die Batterien der Kurier-Motorroller. Der Sonnenschirm über einer Bushaltestelle mit Solarmodulen, der sich je nach Sonne und Wind automatisch öffnet und schliesst. Die mit Wasser gefüllten Petflaschen vor verlassenen Häusern, die offenbar verhindern, dass Katzen in die leeren Gebäude eindringen, weil sie sich vor der Lichtreflektion fürchten. Die Salz- oder Reishäufen vor den Eingängen, die Glück bringen sollen. Ein Quartier mit Meersicht, das liebevoll «Santorini» genannt wird, weil es mit den weissen Mauern und Häusern und den blauen Dächern an Griechenland erinnere. Oder der Laden mit Snacks, der 24/7 ohne Mitarbeiter auf Vertrauen geöffnet ist. Es werde vielleicht zweimal im Monat etwas gestohlen, aber das seien dann Betrunkene aus dem Quartier, die es nicht mehr gecheckt hätten. Und wenn jemand die Kreditkarte vergesse, lege sie der nächste einfach auf die Kasse und dort bleibe sie auch, bis die Karte wieder abgeholt werde.

    Die beiden Amis und ich gingen nach der Tour noch zusammen weiter, um die samstägliche Drohnenshow am Gwangalli Strand vor der Gwangalli-Brücke zu sehen. Bis zu 2’500 Drohnen sind da jeweils unterwegs und zeigen spektakuläre Bilder über der Bucht. Das heutige Thema war «Spiderman». Doch da es gefühlte Tausende von Menschen am Strand hatte, kamen wir nicht ganz bis zur Show durch und mussten es von der Seite sehen. Schon das war ziemlich beeindruckend.
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