• Fukuoka: Mit 61 kann es nur besser werden!

    May 6 in Japan ⋅ ⛅ 23 °C

    Eigentlich bin ja "erst" 59 Jahre alt. Mein japanisches Alter ist aber leider schon 61. Denn bei meiner Geburt startete ich mit 1 und gezählt wird das neue Alter jeweils am 1. Januar. 61 ist wirklich übel – das habe ich heute morgen auf meinem Tempel- und Schrein-Entdeckungsspaziergang lernen müssen. Zum Glück kann man etwas dagegen tun. Und das habe ich. Von jetzt an wird also alles noch besser!

    Der Tochoji-Tempel ist eine der wichtigsten buddhistischen Stätten in Fukuoka. Mit 10,8 Meter Höhe steht hier der grösste Holz-Buddha Japans. Und u.a. dieser Buddha wird es jetzt für mich richten. Vor dem Eingang lag ein Dokument mit Jahreszahlen und Kreisen. Das interessierte mich. Also machte ich mich mit meinem Übersetzungsprogramm schlau und erfuhr, dass 61 Jahre uncool ist. Nach dem traditionellen chinesisch-japanischen Tierkreis endet mit 60 Jahren ein kompletter Zyklus aus 12 Tierkreiszeichen und fünf Elementen.

    Mit 61 beginnt symbolisch ein neues Leben. Das ist einerseits etwas Schönes, aber eben auch ein Übergangsjahr, das als instabil gilt. Eine Übergangsphase, in der man gesundheitlich empfindlicher und spirituell anfälliger ist und deshalb viel vorsichtiger sein muss. Aus diesem Grund besuchen viele Menschen mit 61 Jahren Tempel oder Schreine, spenden Kerzen, lassen Segnungen durchführen oder kaufen Schutzamulette.

    Ich habe also einerseits erfahren, dass ich in einem kritischen Alter bin. Aber das ist kein Problem. Denn zum Glück wurde mir auch gleich eine Lösung angeboten. Neben dem Dokument lag eine Holzkiste mit Gomaki-Stäbchen. Das sind hölzerne Gebetsstäbchen, die im Shingon-Buddhismus in Japan bei Feuerritualen verwendet werden. Für 2.50 Franken konnte ich darauf meinen Namen, meine Wünsche und mein Alter notieren. Mein Stäbchen kam dann unter den grossen Buddha und wird am 1. Juni in einem feierlichen Akt von den Mönchen in ein heiliges Feuer geworfen und verbrannt. Das Feuer repräsentiert die Weisheit Buddhas, die Gebete transformiert und negative Einflüsse zerstört. Dieses Feuer wird jeweils am 1. Tag jedes Monats entzündet.

    Es schadet aber bestimmt nicht, sich doppelt abzusichern. Deshalb habe ich im Kushida-Schrein nochmals alles gegeben. In Japan glaubt man, neben dem Buddhismus, u.a. an die Religion Shinto. In der mystischen Shinto-Welt existieren Geister und Götter, die Kami genannt werden. Kami beeinflussen stets das Leben der Japaner. Sei es in Form von Naturgöttern (z. B. Sonne oder Fluss), Tiergöttern (z. B. Fuchs oder Schlange) oder als vergöttlichte Gegenstände (z. B. Gefäss oder Spiegel). Um ihnen einen Ort zu geben, an dem sie verehrt und angebetet werden können, errichteten die Japaner Schreine. Das Ritual zum Deponieren von Wünschen ist immer gleich.

    Bevor man den Kami sein Anliegen vortragen kann, muss man sich am Brunnen reinigen. Vor den Schrein zweimal die Glocke läuten, damit die Kami einem auch Aufmerksamkeit schenken. 2x verbeugen, 2x in die Hände klatschen, Wunsch still vortragen (Sprache egal, Kami verstehen alles), noch einmal verbeugen. Anliegen/Gebet erfolgreich mitgeteilt.

    Und da ich gerade so in Fahrt war, gönnte ich mir gleich noch ein Omikuji. Das ist Wahrsagerei in Japan. Für 50 Rappen konnte ich einen Zettel mit einer Prophezeiung ziehen. Wenn die Aussichten schlecht sind, darf man den Zettel einfach an einem Baum hängen, damit er dann beim nächsten Feuerritual verbrannt wird. Wenn alles ok ist, kann man den Zettel als Glücksbringer in die Brieftasche stecken.

    ChatGPT sagte, mein Zettel sei so halb super. Die freundliche Dame im Büro fand, ich soll den sofort aufhängen. Das habe ich getan. Auch mit dem zweiten, einer englischen Version, die zufälligerweise denselben Spruch hatte. Also zog ich nochmals einen japanischen Zettel. Von diesem wollte ich gar nicht wissen, was drauf steht, sondern in einfach als Erinnerung mit nach Hause nehmen.

    Auf jeden Fall fühle mich jetzt doch recht safe und denke, ich bin gerüstet für mein problematisches Alter nach japanischer Zählart. Blöd nur, dass ich dann nach unserer Zählart ja nochmals 61 werde …
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