Kyoto: Noch nicht ganz da
May 12 in Japan ⋅ ⛅ 25 °C
Gestern war wieder mal ein Reisetag. Ein kleiner Sprung von Osaka nach Kyoto. Wie immer fand ich die Shinkansenzüge affenscharf und meinen Koffer zum Heulen. Keine Ahnung, wieso der immer schwerer wird … In Kyoto selbst bin ich aber auch heute noch nicht richtig angekommen.
Auf Osaka hätte ich noch ein bisschen länger Lust gehabt. In dieser Stadt hat es mir wirklich gefallen. Aber natürlich freute ich mich auch auf Kyoto. Auf die alten Strassen der ehemaligen kaiserlichen Hauptstadt, die traditionellen Teehäuser und die jahrhundertalten Schreine. Ich begann gestern Nachmittag mit einem ausgiebigen Spaziergang durch den Nishiki-Markt. Das ist eine Einkaufsstrasse mit unzähligen Essenständen und sonstigen Waren. Heute hatte ich mit all den Tempeln und Schreinen loslegen wollen. Stattdessen musste ich den Morgen beim Arzt verbringen.
Seit Hiroshima plagten mich starke Schmerzen im linken Bein, die vom unteren Schienbein über den vorderen Fussrist ziehen. Gehen war schwierig. Und das ist doch ziemlich mühsam, wenn man am Reisen und die Gegend zu Fuss am Erkunden ist. Hatte ich mich in Fukuoka gefreut, dass viele Japaner tatsächlich noch langsamer unterwegs sind als ich, war ich nun wieder die Schnecke in der Menge.
Mein Hausarzt und die Krankenkasse rieten mir zu einem Check im Spital, da sie wegen der langen Heimreise und meiner Symptome eine Thrombose ausschliessen wollten. Gesagt, getan. Mit ChatGPT meine Probleme auf Japanisch übersetzen. Im Spital anmelden. Übersetzerin zur Seite bekommen. Untersuch. Ultraschall. Gespräch. Bezahlen. Apotheke. Nach vier Stunden hat mich Japans Gesundheitssystem wieder ausgespuckt.
Ohne Thrombose zum Glück. Dafür mit der überaus präzisen Diagnose «Überbelastung des muskuloskelettalen Systems». Ich müsste hochlagern, ruhigstellen, ausruhen. NO WAY! Das habe ich diesem japanischen Arzt zum Glück klarmachen können. Jetzt rette ich mich mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln über die Zeit. Es hätte schlimmer kommen können. Isch scho ä chli blöd, wänn mär fitnessmässig ä Pfiiiffä isch … Ich hoffe, ich kann es mit Freude, Neugierde und Motivation ausgleichen.
Also hüpfte ich vom Schragen und gleich in den Zug zum Arashiyama-Bambuswald. Das ist ein wunderschöner Weg durch hoch aufragende Bambusbäume. Zenmässig ruhig und erhaben hatte ich es mir hier vorgestellt. Ich wollte gemütlich eine Pause einlegen. Abtauchen in die Ruhe der Natur. Dem Wiegen der Bambusstämme im Wind zusehen und dem Rauschen der Blätter lauschen. Die Realität war leider anders. Ich war viel zu spät dran und musste mich im babylonischen Sprachgewirr als Teil der Menschenmasse mitbewegen. Nix für mich. Da schone ich lieber noch ein wenig mein Bein, auch wenn die Pille heute Nachmittag schon gewirkt hat.
Morgen habe ich eine Tour mit dem E-Bike durch Kyoto geplant. In den Reiseführern steht, die beste Zeit für den Besuch der wichtigsten Tempel sei zwischen fünf und sieben Uhr morgens. Wir starten um 9 Uhr …
Was ist mir sonst noch aufgefallen? In Südkorea wollen alle Menschen in die Stadt und überall, wo es zwischen Meer, Flüssen und Bergen eben ist, türmen sich die Hochhäuser. In Japan sieht es ganz anders aus. Bis auf die Hochhäuser in den Stadtzentren wirken die Wohngegenden erstaunlich «flach», meistens mit zwei- bis dreistöckigen Häusern. Das hat einerseits mit der Erdbebensicherheit zu tun. Hochhäuser sind deutlich teurer und lohnen sich für «normale» Wohngebiete nicht. Umso mehr, als die Bevölkerungszahlen ausserhalb der Zentren schrumpfen. Andererseits besitzen viele Familien schon über Generationen kleine Parzellen und wohnen lieber allein im Haus.
Fasziniert hat mich etwas, das Ihr vielleicht schon wisst, aber für mich war es neu: Bei uns «müffelet» es im Zug oder im Bus doch gerne mal, wenn es heiss ist. Hier kein bisschen. Offenbar führt eine Mutation des ABCC11-Gens bei fast allen Menschen in Südkorea und Japan zu geruchlosem Achselschweiss (und trockenem Ohrenschmalz). Dufte Sache!Read more



























TravelerGute Besserung, die „Drogen“ werden wirken und du bald wieder hüpfen
TravelerLieber Rolf.. Dein Wort in wessen Ohr auch immer!
TravelerHeb dir sorg und schnelli Genesig. Hoffed Droge helfed es biiz und chönd dir no gli e schöno ziit überbrücke😘
TravelerLiebe Giulia, vielen Dank! Keine Sorge, ausruhen kann ich ja dann zuhause… 😂