Kyoto: Die Regel mit dem dritten Date …
May 13 in Japan ⋅ ☁️ 24 °C
Jetzt spüre ich Kyoto. Der heutige Tag war echt schön. Mein Guide Aka führte mich mit dem E-Bike nicht nur zu den versteckten Schätzen ohne zu viele Touristen, sondern erzählte mir auch spannende Details über die japanische Kultur. Zum Beispiel übers Daten. Wenn du keine Beziehung willst, geh’ nie zum dritten Date!
Aka ist eine junge Frau, ich schätze anfangs 20. Von ihr habe ich gelernt, dass japanische Männer ihren Frauen nie Blumen bringen. Dafür seien sie zu schüchtern. Auch nicht am Valentinstag, da schenken die Frauen den Männern Schokolade … Einen Mann stellt Aka ihren Eltern erst vor, wenn es klar ist, dass sie heiraten wird. Beziehungen beginnen immer gleich: Ein oder zwei Einzeldates und nur wenn du eine Beziehung eingehen willst, gehst du zum dritten Rendez-vous. Aber fragen, ob man nun ein Paar sei, das muss dann der Mann. Schüchtern hin oder her.
Knapp 1,5 Mio. Einwohner leben in Kyoto. Trotzdem überragt nur der 131 m hohe Kyoto-Tower beim Bahnhof alle anderen Häuser. Die Stadtverwaltung bewilligt bloss Häuser mit maximal 25 m Höhe. Dadurch hat sich Kyoto das Flair der früheren Kaiserhauptstadt zu bewahren können. Mitten durchs Zentrum fliesst der Kamo-Fluss, an dessen Ufer gibt es Cafés, Restaurants und Bars mit Holzterrassen. Hier geht Aka auf ihre zwei Dates …
Was Kyoto besonders macht, ist die gepflegte Schönheit der Quartiere und der über 2000 Tempel und Schreine mit den wunderbaren Gärten. Obwohl man sich mitten in einer Millionen-Metropole bewegt, findet man an jeder Ecke wieder eine Oase der Ruhe und des Friedens – sofern man wie ich heute die Instagram-Hotspot-Tempel auslässt.
Begeistert bin ich von den Gärten. Es sind wunderbare Orte der Besinnung und Meditation. Ich habe vom Daten ja keine Ahnung mehr, aber ich würde mich für meine zwei Treffen wohl eher in einen Tempelgarten verabreden als am Fluss. Jedes Element wurde präzise platziert, um vollkommene Harmonie zu erreichen. Steine bilden das Skelett und symbolisieren Beständigkeit, Berge oder Inseln. Wasser steht für Leben, Reinheit und den ständigen Wandel. Pflanzen werden durch extrem aufwändigen Beschnitt künstlich geformt, um alt und wettergegerbt zu wirken. Moos ist ein Zeichen von Alter und Würde und stark erwünscht. Blumen werden nur dezent für kurzzeitige saisonale Akzente eingesetzt.
Der Garten soll die philosophische Wertschätzung von Imperfektion, Vergänglichkeit und dem natürlichen Altern abbilden. Gerade Linien oder Achsen werden strikt vermieden, da sie in der freien Natur nicht vorkommen, Asymmetrie und verborgene Perspektiven sind das Ziel. Geschwungene Pfade, Hügelchen und strategische Bepflanzung enthüllen beim Gehen stets neue, sorgsam gerahmte Landschaftsbilder. Steinlaternen, Trittsteine und Brücken lenken die Besuchenden.
Ich kann mir heute öfters vor wie in einer Zauberlandschaft und wäre nicht überrascht gewesen, plötzlich eine Fee oder ein weisses Einhorn zu sehen. Überrascht hat mich dann aber ein Gewitter zum Abschluss der Tour. Mein Handy fand es mässig lässig, patschnass zu werden. Aufladen geht gerade nicht, abwarten und japanischen Matcha-Tee trinken …Read more




























