• Odawara: Schachtdeckel und Fussbad mit Aussicht

    May 19 in Japan ⋅ ⛅ 28 °C

    Heute habe ich es gemütlich ausplempern lassen in Odawara. Das Schloss besucht, danach plan- und ziellos durch die Stadt gestreift und Leute beobachtet. Rein zufällig habe ich dabei ein japanisches Kulturgut entdeckt, das mir bisher nicht aufgefallen war: kunstvolle Schachtdeckel.

    Offenbar habe ich während meiner Reise nur nach oben geschaut. Denn erst hier habe ich die Schachtdeckel bemerkt. Dank Google weiss ich jetzt, dass japanische Schachtdeckel extrem beliebt sind. Es gibt sogar Leute, die durchs ganze Land reisen, um bestimmte Deckel zu fotografieren.

    Zwischen 1950 und 1970 hat Japan die Kanalisation massiv ausgebaut. Das war teuer, laut und unbeliebt. In den 80ern hatte dann jemand einen Geistesblitz, um Stadtmarketing, Lokalstolz, Kunst und Infrastrukturdesign zu fördern: Die Gemeinden durften ihre eigenen Schachtdeckel gestalten.

    Oft sind Burgen, Tempel, Brücken, Berge, Samurai, Kirschblüten, Ahornblätter, Wellen, Flüsse, Tiere abgebildet. Mittlerweile gibt es auch Schachtdeckel mit Pokémon, Anime- und Manga-Motiven. Viele farbige Deckel werden sogar von Hand koloriert. Die Schachtdeckel wirken wie öffentliche Visitenkarten der Städte. Man nennt die Kunst hier «design manhole covers».

    Von jetzt an werde ich also auch nach unten sehen. Ich habe gleich von ganz oben damit begonnen. Zuoberst auf dem Bahnhof Odawara gibt es eine Dachterrasse mit einem Fussbad mit heissem Quellwasser. Da kann man sich hinsetzen, die Füsse ausruhen lassen und die Aussicht geniessen. Das habe ich natürlich gleich gemacht. Morgen geht es weiter nach Tokio, das ist dann schon die letzte Etappe meiner Reise. Unglaublich, wie die Zeit verfliegt.
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