Tokio: Von Herzen danke!
2 hours ago in Japan ⋅ ☁️ 27 °C
Am 14. April bin in ich Seoul gelandet, 47 Tage später reise ich heute von Tokio aus zurück nach Hause. Das Herz voller Bilder und Momente, Begegnungen und Erlebnissen. Glücklich blicke ich zurück und nach vorne. Ich freue mich von Herzen auf meine Familie, meine Freunde, mein Leben – und den Final der Eishockey-WM mit der Schweiz!
Was wird bleiben? Ich glaube, meine Erinnerungen werden sich nicht um die einzelnen Sehenswürdigkeiten drehen. Diese haben mir geholfen, einen Einstieg in fremde Kulturen zu finden und sie besser zu verstehen. Für mich geht es eher um die kleinen Erfahrungen zwischen den grossen Meilensteinen. Das Gespräch mit Händen und Füssen hier, das süsse Mädchen in Seoul, das nicht aufhören wollte mich anzulächeln, die herzliche Wirtin in Busan, die mir das Essen offerierte, mein Guide Joe, der mir Südkoreas Seele erklärte, die Velotourführerin Aka, die in Kyoto vorausfuhr, mit breitem Grinsen zurückblickte und während des Fahrens völlig unbeschwert über ihr Leben in Japan erzählte, die liebenswürdige Tätschmeisterin meiner Stammbeiz in Tokio. Ich habe viele solcher einzigartigen Momente erleben dürfen. Sie sind es, die sich eingraviert haben.
Seit ich 18 Jahre alt war, fiel ich Entscheidungen nicht mehr nur für mich: Job, Mann, Kinder, Haus, Unternehmen, Gesundheit. Jetzt hatte ich das Glück, zum ersten Mal seit vielen Jahren einfach machen zu können, was ich will, wann ich will, wo ich will, wie ich will, wie lange ich will. Ohne Kompromisse. Diese Freiheit war magisch. Ich habe jede Sekunde genossen. Auch mit mir allein. Auf Reisen merkt man, wie relativ die eigene Normalität ist. Dass wir geprägt sind von Gewohnheiten. Und das ist ok so.
Von Anfang an war es mir wichtig, die Menschen zu studieren, ihren Alltag so gut wie möglich zu sehen, Details zu erkennen und Unterschiede zu spüren. Für mich sind es diese Dinge, die den Blick auf das eigene Leben schärfen und beeinflussen. Die Welt dreht sich nicht nur um meine Kultur und meine Vorstellungen. Es ist wichtig zu sehen, dass andere Länder und Kulturen völlig unterschiedlich funktionieren und so ebenfalls zum Ziel kommen. Es kommt mir vor wie bei der Erziehung der Kinder: Sobald man aufhört zu glauben, dass man den einzig richtigen Weg kennt, öffnen sich neue Perspektiven und plötzlich lernt man von den Kindern.
Ich wollte bewusst ganz unterschiedliche Seiten von Südkorea und Japan kennenlernen. Deshalb war ich auch an Orten, die weder touristische Highlights boten noch sexy waren. Aber genau dort habe ich viel Authentisches erlebt und gespürt. Planung und Organisation waren wichtig für meine Reise. Und doch war ich viel stärker im Moment als daheim. Weniger Autopilot. Mehr Vertrauen, dass es schon gut kommt, wenn ich mich treiben lasse.
Und erstaunlicherweise war das auch so. Kein Erdbeben (davor hatte ich echt Schiss), kein Tsunami, keine Wetterkatastrophe, kein Unfall, keine Verirrungen. Es kam immer gleich der richtige Zug, ich landete stets an interessanten Plätzchen und fand regelmässig, was ich nicht gesucht hatte. Ich bin gefühlsmässig immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen. Rein instinktiv. Keine Ahnung, was ich verpasst habe. Ich weiss nur, was ich geniessen konnte. Und das war so viel mehr als ich je gehofft hätte.
Offen zu sein für neue Umgebungen, neue Geräusche, neue Gerüche, neue Geschmäcker, neue Regeln, neue Menschen hat mir viel geschenkt. Zeit und Freiheit waren für mich der wahre Luxus.
Ob meine Haare nun wie ein explodiertes Vogelnest aussahen oder nicht, spielte keine Rolle. Mich interessierte das Erlebnis, alles andere war egal. Zuhause ist das nicht immer so. Man trifft sich wieder und möchte ein gutes Bild von sich selbst hinterlassen. Das hat mich hier kein bisschen gekümmert. Dadurch wurde vieles einfacher und manchmal auch echter. Ein Nein fiel leichter. Ein gutes Essen, eine überraschende Begegnung oder ein flüchtiger Moment brannten sich möglicherweise tiefer ein als genauso wertvolle Erlebnisse daheim. Im Alltag nimmt man diese Erlebnisse weniger wahr.
Vielleicht ist das ja die Kunst des Reisens: Alles Neue zu geniessen und sich immer bewusst zu sein, dass es zuhause mindestens ebenso gut ist. Man muss daheim nur auch offen sein wie auf Reisen und dem Alltag die gleiche Wertschätzung schenken wie dem Aussergewöhnlichen. Dann wird aus der Kunst des Reisens vielleicht sogar die Kunst des Lebens. Und wenn man aufhört, die fehlende Zeit, die fehlende Flexibilität oder die fehlende Energie als Grund aufzuführen, seinem Leben daheim nicht genauso positiv gegenüberzustehen wie dem Leben auf Reisen, ist vermutlich schon sehr viel gewonnen. Schliesslich ist Leben immer Leben. Wir haben nur eines.
Mit diesen ersten, rudimentären Gedanken zu meiner Auszeit verabschiede ich mich aus Japan. Ich möchte mich nochmals von Herzen bei meinem Mann und meinen Kindern für ihre tolle Unterstützung danken. Ohne sie wäre meine wunderbare Reise nicht möglich gewesen. Ich bin unendlich dankbar.
Sehr gefreut haben mich auch die Mitreisenden auf meinem Find Penguins. Es war aufwendig, à jour zu bleiben. Aber auch diese Zeit war sehr wertvoll für mich. Oft sind mir beim Reflektieren meines Tages Details aufgefallen, die ich vorher übersehen hatte. Es haben sich neue Fragen ergeben, die ich beantworten wollte. So habe ich den Tag wie noch einmal erlebt und wichtige Antworten gesucht und gefunden. Seid bitte nicht zu streng mit mir, wenn sich Fehler eingeschlichen haben. Meistens habe ich todmüde vor dem Schlafengehen geschrieben und wollte den Text nicht noch 100x durchlesen. Auch diese Form von Loslassen war befreiend.
Ich bin zwar schon oft gereist. Aber wenn ich privat unterwegs war, blieb die Reisezeit beschränkt. Und wenn ich geschäftlich reiste, hatte ich wenig Möglichkeiten, um abseits meiner Aufgaben abzutauchen. Diese Reise nun war die Erfüllung eines lang gehegten Traums. Dumm nur, dass die Sehnsucht nach Reisen nicht gestillt, sondern erst recht geweckt wurde … Aber jetzt setze ich mich erst mal in das Flugzeug, um knapp 14,5 Stunden nach Hause zu fliegen. Und freue mich wie ein kleines Kind auf meine Family.
Sayonara und Grüezi!Read more



TravelerLiebe Silvie
TravelerIch wünsche dir einen guten letzten Flug und dann ein freudiges Ankommen in der Schweiz 🇨🇭, deine Familie kann es sicher kaum erwarten. Du hast eine unvergessliche Reise gemacht die du für uns immer sehr illustrativ und lebendig beschrieben hast. Deine Tagesberichte werden mir fehlen!
TravelerThank you for sharing your wonderful trip with us, we have very much enjoyed reading (at times translated) your daily thoughts and experiences whilst seeing places and things that are new for us. It seems that you have enjoyed it as much as we have😉 Thank you and welcome home🥰
TravelerLiebe Silvi ich freue mich sehr für dich. Was für ein Glück wenn Träume wahr werden. Sich treiben zu lassen, die tollen Momente, Erlebnisse und Begegnungen zu geniessen, spontan entscheiden oder eben nicht, neugierig sein auf Unbekanntes und mit sich selber klar kommen. Einfach magisch. Dein Herz muss riesengross sein mit all diesen wunderbaren Dingen. Ein gutes Heimkommen und Wiedersehen mit deinen Liebsten wünsche ich dir in Gisike-City ❤️