Das Himmelreich liegt in Lumuma!
23 maggio 2025, Tanzania ⋅ ☀️ 22 °C
Lumuma! Ich habs immer Lumumba genannt. Ist natürlich nicht richtig. Und nachdem wir Lumuma in unser Herz geschlossen haben, bemühe ich mich um die korrekte Aussprache.
Wie kam es dazu?
Na da will ich mal erzählen.
Wir kamen raus aus diesem abenteuerlichen Offroad Erlebnis in das schöne Lumuma Tal. Es dämmerte schon als Udo und ich auf einer Anhöhe anhielten, um auf den Rest der Truppe zu warten. Ziel war, von Carsten benannt, die Mission in Lumuma. Wo die genau lag wollte (und konnte) uns Carsten nicht sagen. Am Berg deutlich zu sehen. Eine Art Kathedrale. So die Aussage von Carsten.
Also warteten wir auf der Anhöhe, um von Carsten geleitet zu werden. Vor und lag das Lumuma Tal. Rechts ein Sonnenblumenfeld und am Horizont die glutrote Sonne. Links lag eine Schule. Tolle Location, um zu warten.
Die Karawane kam und mit ihnen Carsten. Anstatt sich an die Spitze zu setzen, ging Carsten zur Schule, um nach zu fragen ob wie dort campieren konnten. Da waren wir doch etwas verwirrt. Wo blieb der Plan mit der Mission? Carstens Verhandlung zogen und zogen sich. Es wurde dunkler und dunkler und dann Nacht. Die Stimmung der Truppe trübte sich merklich ein. Keine Nachfahrt mehr!
Ich stand mit Sabine beim Auto als ein Moped neben uns hielt. Da kam er: Der Retter von Lumuma. Patrick! Noch wussten wir nicht, dass er einer der wichtigsten Menschen und unser Retter in der Not für diesen Tag war.
Er sprach uns an und fragte woher wir kämen und was wir machen. Wir erzählten unsere Geschichte und dass wir jetzt einen Übernachtungsplatz suchten. Patrick erzählte und irgendwann viel das Wort „Mission“. Sofort alarmiert fragten wir ob der die Mission kenne. „Yes, sure.“ war die Antwort. Elektrisiert fragten wir ihn weiter aus. „Yes, camping is possible!“ Da holte ich dann Carsten vom Feld, deutete auf Patrick und sagte: „Das ist unser Mann! Der hat Ahnung. Er weiss wo die Mission ist.“ Carsten sprach dann weiter mit Patrick. Irgendwann hieß es „aufsatteln“ und Patrick nachfahren. Patrick im Motorrad voraus und unsere Kolonne hinterher. Nix war da mit „am Berg deutlich zu sehen“ so wie Carsten es gesagt hatte. Versteckt und von uns unmöglich ohne Patrick zu finden landeten wir dann bei der Mission. Carsten ging zur Missionsleitung, um deren Einwilligung zum Camping ein zu holen. Was er mitbrachte war jedoch ein Geschenk. Die Schwestern luden uns ein im Innenhof der Grundschule zu campieren. Da gebe es Platz und Toiletten. Die Schule, die wir vorfanden, war fantastisch. Im Prinzip nagelneu, nach europäischem Standard gebaut (gesponsert von der Region Trentino, Italien). Wir waren superhappy. Damit jeoch nicht genug. Die Schwestern gaben uns Kartoffeln für unser Abendessen und wollten und unbedingt ein lokales Essen bereiten. Wer wollte den Wunsch himmlischer Schwestern schon ablehnen? Wir nicht! So gab es an diesem Abend zwei Kochstellen. Die eine wir unsere (Kartoffeln und Rinderfiletstreifen). Die andere die der Schwestern. Sie bereiteten einen großen Topf mit Kochbananen, Zwiebeln, Tomaten, Ziegenfleisch und Gewürzen vor. Das war spannend!
Es wurde für uns ein Late-Night-Dinner. Das Essen der Schwestern war sehr gut. Die Bananen schmecken wie Kartoffeln, Das Ziegenfleisch, ortsüblich zäh. Sehr zäh.
Nach und nach verkrochen sich alle in ihren Zelten und ein wunderer Abend ging zu Ende.
Am nächsten Morgen -einem Samstag- staunten die SchülerInnen nicht schlecht, als in ihrem Schulhof Autos mit weißen Menschen parkten. Insgesamt unterrichtet die Schule 170 Kinder. Am Samstag haben nur die Klassen 4 und 7 Unterricht. Die Unterrichtsschwestern waren herzig. So viel Offenheit und Herzlichkeit. Da kann man den Glauben an solche Institutionen wieder gewinnen. Es war so schön, so herzlich. Überall Lachen.
Charly wollte unbedingt einen Packen Rösti entsorgen (wegschmeißen). Die Rösti waren noch gut, nur Charly mag keine Rösti und wollte diese nicht länger mitschleifen. „Stop!“ sagte ich, „Charly, die spenden wir!“ Gesagt, getan. So entstand der historische Moment, durch den Schweizer Rösti in Tansania zur Legende wurden. Die Schulleiterin war hin und weg. Zum Abschied sangen wir noch ein Liedchen. Einen Kanon aus dem Lehrerzimmer. Wir haben einige LehrerInnen in der Gruppe und da ist so ein Liedchen kein Problem.
Alle waren happy. Die Schule, die Missionsschwestern und wir! Ein schönes Erlebnis, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Und das alles nur weil ein junger Mann mit Namen Patrick ohne Scheu eine Gruppe fremder weißer Menschen ansprach und sich ganz selbstverständlich unserer annahm und uns leitete. Ein Engel! Weltklasse!
Als Tagesziel war Kilimatinde vorgegeben. Wildcamping an der Ruine eines deutschen Forts der Kolonialzeit, so die Aussage vom Carsten. Wildcamping bedeutet keine Infrastruktur vor Ort. Diese Aussage und unsere bisherige Erfahrung ließen Udo und mich vorsichtig sein mit der Einschätzung, dass dieser Platz ein guter wäre. Es folgten Stunden auf tansanischen Straßen mit dem bereits bekannten Irrsinn an Verkehr. Zwei Dinge sind erzählenswert. Zum Einen kam uns ein Lkw entgegen, bei dem das Fahrerhaus quasi abrasiert war. Der Fahrer saß auf seinem Sitz und steuerte seinen 40Tonner mit einem Motorradhelm auf dem Kopf! Geil!
Auf der Strecke stand plötzlich ein Polizist auf der Straße und winkte uns raus. Was hatten wir verbrochen? Alles! Zu schnell! Zu riskant überholt! Durchgezogene Linien überfahren! Alles! Genau so wie alle anderen!
Zuerst das übliche Geplänkel. Namensvorstellung von ihm und uns. Fragen nach dem persönlichen Befinden „How are you doing“, bis er schließlich mit der Aussage herausrückte „You were speeding! 61 instead 50!“ Das stimmte! Klar waren wir zu schnell. Nach kurzem Überlegen sagte, dass es uns sehr leid tue und es stimme. Aber wir als Deutsche haben beobachtet wie Tansanier fahren und uns der landesüblichen Fahrweise angepasst. „And they are all speeding“ schloß ich! Er guckte mich an, überlegte und sagte: „O.k. please proceed! Drive safe!“ Das war‘s! Glück gehabt und raus geredet! Diese Version werden wir zukünftig immer verwenden.
Nahe des Ziels Kilimatinde entdeckten wir an der Straße eine Art Hotel, welches Zimmer anbot. Blinker gesetzt, rausgefahren, nachgefragt. Umgerechnet 4 € wollten sie für ein sauberes, gepflegtes Zimmer. Kein Toilettenpapier, keine Handtücher, aber saubere Bettwäsche und viel Platz zu Parken. Für Udo und mich war klar, das wird unser Nachtlager. Wir informierten unsere Mitfahrer über unsere Entscheidung. Drei weitere Autos folgten unserer Wahl. Im Innenhof bauten wir eine Tafel auf und kochten zu Abend. Wir waren die Attraktion. Von allen Seiten wurden wir gefilmt und bestaunt. Ein Massai mit Namen Okesh war total aus dem Häuschen. Große Freude und Verbrüderung. Er war auf dem Weg nach Tabora um dort Vieh zu kaufen. Seither weiß ich den Preis für ein Rind. 400 € für eine ausgewachsenes, gesundes Rind. Man lernt nie aus, jetzt wissen wir sich das! Wir luden ihn zum Essen ein. Es gab Nudeln mit Hackfleischsoße. „Sweet“ meinte er! Es schmeckte ihm sehr gut, jedoch etwas zu süß für ihn. Er aß mit seiner linken Hand. Er erzählte, dass ein Löwe eines seiner Rinder holen wollte und er mit diesem Löwen kämpfte. Echt!!! Das Ergebnis war ein toter Löwe und eine aufgerissene rechte Seite bei Okesh. Im Krankenhaus wurde er zusammengeflickt. Was bleibt ist ein rechter Arm, den er nur noch bedingt beugen kann (kann ihn nicht zum Mund führen) und eine vernarbte rechte Körperseite. Und ich? Ich kenne nun jemand der tatsächlich mit einem Löwen kämpfte.
Es war ein illustrer Abend und wurde eine angenehme Nacht. Am nächsten Tag -gestern- lautete das Tagesziel „Orion Hotel, Tabora“. Tabora ist eine große Stadt und ehemaliges Zentrum des Sklavenhandels im Ostafrika.
Das Orion Hotel ist das beste Haus am Ort und 1912 für die Ankunft von Kaiser Wilhelm gebaut.
Wie‘s weiter geht schreib ich später. Für heute gönne ich meinen Daumen eine -bitter notwendige Pause-.
Wünsche einen angenehmen Montagabend.Leggi altro





















ViaggiatoreHammer!
Hallo Meinrad, was für ein Abenteuer! Danke für deine tollen Berichte und gute Rück- bzw. Weiterfahrt in den Westen! [Holger]