Querfeldein durch‘s Massai-Land
23 maj 2025, Tanzania ⋅ ☁️ 24 °C
Immer wieder!
So würde ich die Fahrt vom Morogoro nach Lumuma beschreiben.
Nach morgendlichem Frühstück und letzten „Wunden lecken“ der nächtlichen Autofahrt gings auf in Richtung Lumuma. Als Zwischenhalt und Sammelpunkt wurde die Polizeistation Kilosa benannt.
Udo und ich machten die „Frontsau“, will heißen wir waren die ersten auf der Piste.
Morgens, meine geneigten ImLeserInnen, ist es wirklich wunderbar. Die Luft ist frisch und klar. Die Sonne geht geht auf und taucht sie Landschaft in ein warmes Licht. Eine tolle Stimmung. Und wir mit unserem Landy mittendrin. Mittendrin im Land der Massai, Der Weg nach Kilosa führte über eine schmale, gut ausgebaute rote Sandpiste. Wir, der rote Sand und jede Menge Massai mit ihren Rindern und Ziegen. Gleich zu Anfang sahen wir auf der rechten Seite eine große Ansammlung an Massai und noch mehr Vieh. Da war was im Gange! Viehmarkt, Heiratsmarkt?! Wir trauten uns jedoch nicht an zu halten. Irgendwie hatten/haben wir echt Respekt so in deren Welt rein zu platzen, um unsere voyeuristischen Befindlichkeiten zu befriedigen.
Dass da was im Gange war bestätigte sich auf den nächsten Kilometern. Viele Massai kamen uns entweder zu Fuß oder mit dem Moped entgegen. Immer dabei: Vieh! Ob Rinder in der Herde oder Ziegen quer über‘s Moped geschnallt, alle waren auf dem Weg zum Markt. Die Massa sind alles große schlanke Menschen. Traditionell haben sie immer ihre Dolche, Macheten und Speere dabei. Und immer in ihren farblich knalligen Gewändern. Keine Hosen, keine Shirts, nur diese Art Tunika.
Und alle immer „Daumen hoch“ und strahlend weiße Beißerchen zeigend. Toll!
Auch die Landschaft. Eine Augenweide. Flaches Grasland mit Buschwerk. Alles satt grün und blühend. Das alles getaucht in das warme Licht der Morgensonne. Wellness für die Augen!
Irgendwann am späteren Vormittag kamen wir an unserem Treffpunkt in Kilosa an. Polizeistation Kilosa. Ein guter Ort zu treffen, da in jedem Navi verzeichnet und mit genügend Platz für unsere Autos.
Wir parkten unserem Landy am Rande, ca. 200 m entfernt vom Polizeigebäude. Dort war ganz schön was los. Auf einer Art Exerzierplatz nahm Polizei in erheblicher Gruppenstärke Übungen und Appelle vor. Wir betrachten alles aus sicherer Entfernung. Dann ging‘s los!
Mit festem Schritt, das Maschinengewehr umgeschnallt, marschierte ein Uniformierter auf uns so. Auweia, dachten wir, das wird spannend. Freundlich und leicht militärisch begrüßte er uns, fragte wer wir seien und was wir hier täten. Wir, ebenfalls sehr freundlich, erzählten unsere Geschichte und zeigten ihm auf unserer Karte woher und wohin wir wollten. Nickend nahm alles zur Kenntnis. Wir dachten damit sei gut. Weit gefehlt. Er wolle, dass wir uns beim Polizeikommandanten vorstellen. Au Backe! Hatten wir eine Alternative? Nein! Also machten wir gute, erfreute Mine und meinten selbstverständlich gerne. Ich bin dann mit dem Polizisten mit. Tja und dann ging‘s rein in die Kommandozentrale. Kilosa ist ähnlich einem Regierungsbezirk bei uns. Unsere Polizeistation war Zentrale der gesamten Region. Also ich da rein. Immer lächelnd mit einem „Hello. How are you doing?“. Die Ansammlung von grün uniformierten und bewaffneten Männern erhöhte nicht mein Sicherheitsempfinden.
Mein Begleiter übergab mich an den nächst höheren Rang. Wieder bla-bla-blubb und weiter ging‘s zum nächsten Rang. Alle waren freundlich, hatten aber letztendlich nichts zu melden. Dann landete ich bei D.H. Mhina. Einem großen schlanken Herren mit viel Lametta auf der Brust und auf den Schulterklappen. Mhina war super! Sehr angenehmer Mensch. Er betonte wie schön es, dass wir in Kilosa seien und wir sollen uns sicher fühlen. Er notierte alles was ich sagte in einem schwarzen Buch und stellte viele Fragen zu unserer Gruppe. Es war so eine Mischung aus Verhör und Gespräch. An Punkt meinte er, er wolle mich dem Polizeichef vorstellen. Oha, dachte ich, da gibt‘s noch eine Etage drüber. Also gings wieder in der Hackordnung nach oben. Im obersten Stock des Gebäudes, an einer schweren Holztür klopfte er, verharrte und wartete bis eine laute Stimme etwas rief. Er ging rein und zwei Massai kamen raus. Wieder diese freundliche Begrüssung, das Händeschütteln und die Versicherung, dass wie alle eine Familie seien. Dann wurde ich zu S.L. Kijanga gebeten. Ich hatte eher einen älteren, etwas wohlgeformten Mann erwartet. Kijanga war ein drahtiger Mann in seinen besten 30ßigern. Noch mehr Lametta auf den Schultern als Mhina. Mhina erklärte auf Kisuaheli wer ich sei, wer die Gruppe sei und was wir machten. Dann kam die personliche Vorstellung vom mir und Kijanga von sich. Er war eher nüchtern, denn herzlich. Bei Mhina war‘s umgekehrt. Kijangas Englisch war eher schlecht, so dass Mhina immer wieder übsersetzte. Ich erklärte, dass unser Endziel die Missiom in Lumuma wäre. Beide
unterhielten sich länger, was darin endete uns von der Fahrt ab zu raten, da die Straße sehr, sehr schlecht sei. Ich wiederum entgegnete, dass unsere Autos das abkönnten und wie schon viele ganz schlechten Straßen befahren hatten. Kijanga griff dann zum Telefon und rief diverse Leute an. Die Gespräche fanden auf Kisuaheli statt. Er legte auf, wiederholte nochmals seine dringende Empfehlung die Straße nach Lumua zu meiden und gab mir dann seine persönliche Handynummer. Wenn irgendetwas sei, wo er helfen könne, dann solle ich ihn anrufen. Tag und Nacht, so sagte er. Sagte das und wünschte mir (uns) eine gute Fahrt. Ich raus aus dem Büro, begleitet von Mhina. Leider, leider durfte ich kein Foto von uns dreien machen. Ich hatte höflich gefragt und es wurde höflich verneint.
Im Vorraum warteten immer noch die zwei Massai. Wiederum freundliche Worte über „wir sind alle eine große Familie“ und dann ging‘s zurück zum Auto. Mhina gab mir auch seine Handynummer und auch mit der Zusicherung, dass ich immer anrufen könne.
Das war doch was: Die Telefonnummern der zwei ranghöchsten Polizisten des Regierungsbezirkes! Damit konnte man wuchern, falls tatsächlich mal etwas brenzlig wurde.
Langsam aber sicher trudelten unsere Mittreisenden ein. Eingetrudelt kamen auch die zwei Massai aus dem Vorzimmer. Sie nisteten sich ein bisschen bei uns ein. Ich latent unzufrieden mit der Situation. Die Jungs gingen uns relativ nah auf den Pelz. Andererseits wurden sie sowohl von dem Polizeichef (Kijanga) wie auch vom Stellvertreter (Mhina) als gleichwertig behandelt. Das bedeutete, dass die beiden Jungs keine Hallodri/Wegelagerer seien, sondern irgendwie zum System gehörten. Ich taufte sie Special Agent 007-1 und 007-2.
Also machte ich gute Mine zum Spiel und lies mich mit denen ablichten und gab ihnen meine Kontaktdaten.
Gegend 14 Uhr war unsere Truppe komplett und wir machten und auf nach Lumuma. Die rote Piste war eine wundere Straße durch eine paradisisch-fruchtbare Region. Die Straße führte in die Berge, hinein in einen Urwald der für Tarzan&Jane wie geschaffen schien. Tolle Landschaft. Lange Zeit schien die Warnung der Polizisten völlig übertrieben. Das änderte sich jedoch ab einet bestimmten Stelle.
Am Ende eines Dorfes war links und rechts Material von der Straße weggebrochen. Links und rechts gings einige Meter in die Tiefe. Irgendwie, gespeist von Adrenalin und Altersstarsinn, war ich sicher, dass wir da rüberkommen. Ich blieb im Auto, Udo und Charlie gaben mit Lenkanweisungen. S‘war knapp aber knapp hatte gereicht. Als nächstes kam Ella mit einem Toyota. Charlie wies sie ein und schwupps war sie drüber. Wir standen am Abgrund und es war klar, da bröckelt was ab und für all unsere Fahrzeuge kann‘s eng werden. Unsere Ansammlung an Fahrzeugen zog eine Ansammlung von Dorfbewohnern an. Es wurde beratschlagt und gefeilscht und eine Lösung gefunden. Die Dorfbewohner schleppten einen halben Baumstamm heran und wir legten Sandbleche. Mithilfe von Fahranweisungen wurde alle Toyotas über die Enge gelotst. Tolle Leistung der Fahrer!!!
Nach kurzem Verschnaufen ging die wilde Fahrt weiter durch traumhafte Dschungellandschaft. Es gab noch einige Stellen, an dem Allrad mit allen Sperren gefordert war, aber es ging gut.
Spät am Nachmittag öffnete sich der Dschungel und das Tal von Lumua lag vor uns.
Wie geht‘s weiter? Himmlisch!!!
😄Läs mer






















mehr mehr mehr …..😂 [Regine]
Eli Wall
,,😳