• Der Kaiser kommt! Tabora&Kigoma

    27. maj 2025, Tanzania ⋅ ☀️ 27 °C

    Der Kaiser kommt!
    Und zwar der olle Kaiser Wilhelm!
    Aber wohin?

    Das Deutsche Reich war ja keine routinierte Kolonialmacht wie England oder Frankreich. Das Deutsche Reiche musste das nehmen was die anderen übriggelassen hatten.
    Das waren dann Deutsch Südwest (Namibia) und Deutsch Ostafrika Tansania, Burundi, Ruanda).
    Jeder gute Herrscher ist nah dran, am Puls seines Volkes. So auch Wilhelm der Zweite! Nur der Pulsschlag seiner Kolonien, der war ihm fremd. Das wollte er ändern.
    Seine Ankündigung, die geliebten Untertanen mit seinem Erscheinen zu beglücken, löste ein wahren Bauboom vor Ort aus. Denn es stellte sich die Frage: Wo will seine kaiserliche Majestät nächtigen? Wo soll er seine kaiserliche Notdurft verrichten? Wie will seine Hoheit durch dieses wilde Land reisen?
    Die Antwort auf all diese Fragen kommt Tansania noch heute zu Gute.
    Da wäre zum Einen die Eisenbahn. 1904 in Dar Es Salaam begonnen und in 1914 in Kigoma beendet, erschloß diese Bahn das gesamte tansanische Hinterland. Insgesamt 1.254 Kilometer Gleise. Die Bahnroute lief mehr oder weniger auf den alten Sklavenrouten vom inneren Afrika an die Küste.
    Gebaut wurde die Bahn vom Bauunternehmen Philipp Holzmann. Damals führend, heute pleite. Und was gehört zu den jeder guten Bahn? Genau! Ein Bahnhofsgebäude. Und was steht neben jedem halbwegs repräsentativen Bahnhofsgebäude? Volltreffer! Eine Kneipe und ein Hotel.
    Und da der zu erwartende Gast kein geringerer war, als der bis in die die letzte Eingeborenenhütte geliebte Kaiser, wurde kaiserlich opulent gebaut.
    Das opulente Ergebnis eben jenes Baubooms ist das Orion Hotel in Tabora. Ein wunderbar feudales Gebäude, welches damals einzigartig war und noch heute das erste Hotel am Platz ist. Zum Zeitpunkt der Eröffnung kaiserlich feudal, ist es heute ein feudaler Schatten seiner selbst. Wie in Afrika üblich über die Jahre hinweg leider nur rudimentär gepflegt und Instand gehalten. Und wie in Tansania üblich, im Besitz von Indern (Tansaniern indischer Abstammung).
    1914 wurde es unter dem Namen „Kaiserhof“ eröffnet. Leider hielt der Kaiser hier nie Hof, denn er hatte plötzlich wichtigeres zu tun, als seine dunkel gebräunten Eingeborenen an seine Brust zu drücken: Er musste Krieg führen.
    Und so kam es, dass wir als Nachfahren aus dem Stamme der Teutonen, die kaiserliche Unterkunft nutzen durften. Tolle Sache!
    Neben dem Orion (Kaiserhof) ist als bauliche Perle der Bahnhof zu erwähnen. Immer noch als Bahnhof genutzt ist er zwar „afrikanisiert“ worden, aber die Hüllen verraten immer noch die Handschrift der deutschen Reichsmark.

    Zwei Tage blieben wir im Orion. Eine luftige Insel, geschaffen um Kraft zu tanken für die weiteren Abenteuer unserer Tour. Wie schon geschrieben, folgen wir den Spuren von Paul Graetz. Der fuhr mit seinem Auto von Tabora nach Kigoma. Schnittpunkt - und wie Carsten sagen würde: Echtpunkt - seiner Route mit unserer Route, war der Fluss Malagararasi. Heute für uns easy via mehrerer Brücken zu queren, musste Graetz damals sein komplettes Auto in Einzelteile zerlegen. Träger wurden angeheuert, um die Teile über den Fluss zu tragen. Auf der anderen Seite wurde alles wieder zusammengebaut. Und - wer kennt das nicht - was ist wenn nach dem Zusammenbau noch Schrauben übrig sind! Wo kommen die denn hier bzw. Wo gehören die hin? Rätsel über Rätsel! Graetz konnte die Rätsel anscheinend lösen, denn er setzte sein Reise fort.
    Auf des Kaisers‘ und Graetz‘ Spuren fuhren wir in die Stadt Kigoma ein. Kigoma ist mehr oder weniger ein Produkt der deutschen Reichsbahn. Bis zur Fertigstellung der Eisenbahn war Kigoma nur ein kleines Nest. Erst durch des Kaisers Entscheidung „Ich will auf einem Stahlross durch Afrika reiten“ bekam Kigoma seine Bedeutung die es heute noch hat.
    „Kigoma“ bei diesem Namen klingelt es vielleicht bei machnem Interessierten. Nicht wegen seiner Naturschönheiten sondern wegen seiner Lage als Hafen am Tanganjikasee wurde Kigoma internationl bekannt. Im Grenzgebiet zu Burundi, Kongo (Zaire) und Burundi liegend war die Region Zielort tausender und abertausender Flüchtlinge aus eben jenen Ländern. Das UNHCR und UNICEF haben hier noch ihre Niederlassungen. Rings um Kigoma bzw. In der Region Kigoma gibt es noch viele Flüchtlingslager. Manche bestehen schon seit Jahrzehnten.

    Das „Expeditionslager“ der Landy-Boys war/ist ein recht komfortabler Ort. Das Hiltop Hotel liegt oben auf einem Berg über der Stadt mit Blick über den Tanganjikasee.

    Was wir in Kigoma sehen und erleben durften gibt‘ im nächsten Footprint.
    Jetzt brauchen meine Finger erstmal Pause.
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