Der Winter kommt! …aber s‘gibt Erlösung
5. juni 2025, Zambia ⋅ ⛅ 24 °C
Der Winter kommt!
Während im beschaulich fleißigen Deutschland alles auf den Mittsommer hinaus läuft, geht‘s bei uns in die genau andere Richtung. Mittwinter!
Des Einen Freud ist des Anderen Leid!
Während sich auf der Nordhalbkugel die Kleider vom Leib gerissen werden, ein Sommerfest das andere jagt und mehr oder weniger wohl geformte Körper sich in der Sommersonne aalen, ist‘s hier genau umgekehrt.
Na ja, nicht ganz richtig. Ab morgens um 9 Uhr ist heisser afrikanischer Sommer bis abends 18 Uhr. Danach wird‘s ziemlich chillig, ums freundlich zu sagen. In der Nacht ist man (ich) um jede Decke froh, die den (meinen) Astralkörper umhüllt. Morgens deuten die Atemfahnen darauf hin, dass die Temperaturen unter die + 10 Grad gerutscht sind. Coole Sache!
Heute Nacht war mein Himmelbett mit drei Decken bedeckt. Eine dünnes Bettlaken, eine dicke Schafsfelldecke (Imitat) und darüber mein Schlafsack. Schön kuschlig warm war das. Der Toilettengang, den mir mein alternder Körper nächtlich aufdrängt, war ein kühles Unterfangen. Aber wer kennt das nicht, schnell und geschwind tippelnd vom Kalten ins warme Bett schlüpfend. Welch ein Genuß!
Tatsächlich nähern wir uns dem Mittwinter nicht nur kalendarisch, sondern auch geografisch. Unsere Reise führt uns in Richtung Süden, weg vom Äquator, hin zu höheren (kälteren) Breitengraden. Es wird aufgrund unserer Reiserichtung sowieso kühler. Hinzu kommt noch das kalendarische Reisen in Richtung Mittwinter.
Glücklicherweise hab ich meine Skiunterwäsche mit dabei. Die wird helfen. Zusätzlich dazu wird es eine Wärmflasche geben. Wie das geht? Man (oder frau) nimmt eine leer Wasserflasche und füllt heißes/warmes Wasser hinein und legt diese ans Fußende des Schlafsacks. Ruck-zuck steigt das Wohlbefinden.
Noch war keine Wärmflaschen-Nacht. Aber sie kommt (für mich), das ist sicher.
Ich bin total abgekommen. Neben „Der Winter kommt.“ ist selbstverständlich noch vieles andere Schöne passiert.
Gestern brachen wir unsere Zelte bei den Chishimba Fällen ab, um als Tagesziel Kapishya Hot Spring an zu steuern. Hot Spring! Ein magisches Wort! Vor allen Dingen für Menschen, die seit drei Tagen nicht mehr geduscht hatten.
Kapishya Hot Spring steht in jeder Landkarte und jedem Reiseführer über Sambia. Diese Destination ist quasi ein „Muss“ für jeden Sambia Reisenden. Und für diejenigen, die hier waren wird aus dem „Muss“ ein absolutes „Nochmal!“.
Seit 1980 gibt es die Lodge Kapishy Hot Spring. Sie war Teil des großen Shiwa Ng‘Andu Estate.
Die Fahrt hierher war mal wieder eine absolute Abenteuerfahrt quer durch sambische Schlagloch und Sandpisten. Sie verlangte vom Fahrer Konzentration und vom Beifahrer „Gottvertrauen“ in die Fahrkunst des Steuernden.
Nach solch einer Fahrt ist es schier unglaublich in welches Paradies man dann einfährt sobald die Lodge auftaucht. Das Ganze ist ein großer tropischer englischer Garten. Ein grüne Idylle, die keine Wünsche übrig lasst. Die Fotos geben einen Eindruck von der Lodge. Wer mehr erfahren will kann die Internetseite aufrufen.
Diese Lodge ist überhaupt nur entstanden, weil Mutter Natur - mal wieder - ein Wunder geschaffen hat. Aus einer Quelle in 7 Kilometer Tiefe kommt heißes Wasser nach oben. Mit 37 Grad bildet dieses Wasser an der Oberfläche einen kleinen Teich. Einen Badeteich erster Güte! Umrahmt von tropischem Dschungel. Genial!
Das überaus Beste daran ist, dass es nicht nach Schwefel (faule Eier) richt. Der Wasser ist quasi geschmacklos und deshalb ein noch schöneres Erlebnis.
An dieser Lodge, bei diesem Pool campieren wir seit gestern. Campiern ist nicht der Ausdruck den Udo und ich gebrauchen. Udo und ich logieren hier, denn wir haben unsere kleinen Bodenzelte gegen zwei Häuschen eingetauscht. Superb!
Nach dem gestrigen Eintreffen und Hütten Bezug war gleich mal anbaden angesagt. Anfangs konnte ich garnicht glauben, dass es hier nicht nach faulen Eiern riecht, aber dem war so, keine faulen Eier.
Für unsere ganze Truppe ist dieser Platz ein Wohlfühlplatz. Abends kochte Christoph noch Nudeln mit Bolognese Sauce. Was soll ich sagen: Ich war im Himmel!
Heute morgen gings zum Shiwa Ng‘ Andu Estate.
Sir Stewart Groe-Browne, ein englischer Adliger und kolonial Verwalter. Er fing im Jahr 1920 damit an, das gesamte Areal zu erschließen und zu bebauen. In 1932 war der Bau des „Schlosses“, des Herrenhauses abgeschloßen. Der Baustil entsprach dem eines englischen Herrenhauses, so wie es in good old Britain zu finden war.
Konzipiert war das gesamte Areals als eigenständige, sich selbst versorgende Einheit. Landwirtschaft, Viehzucht, Holzwirtschaft, alles wesentlichen Bereiche wurden abgedeckt. Alles wurde selbst und vor Ort gemacht. Das fing bei den Bausteinen für das Haus an, ging über die Türen und Möbel, bis hin zu den Dachschindeln, welche aus einheimischen Holz in mühevoller Arbeit hergestellt wurden.
Historisch ist dieses Haus und dieser Platz ebenso erwähnenswert. Schon Sir David Livingstone war hier während er Afrika erforschte.
In den Wirren der Entkolonialisierung Afrikas versteckte der Hausherr, Sir Gore-Brown, den späteren ersten Präsidenten Sambias Kenneth Kaunda für zwei Jahre auf seinem Estate. Gemeinsam entwarfen die Beiden die Sambische Verfassung. Weiß und Schwarz vereint für die Zukunft Sambias. So sollte es sein!
Nach Gore-Browns Tod übernahm die Tochter und deren Ehemann (Lore and John Harvey) das Anwesen. Das Schicksal meinte es jedoch nicht gut mit ihnen. 1992 wurde beide hier in Sambia ermordet. Welche Tragödie. Sie hinterließen vier Kinder. Das gesamte Anwesen, Häuser, Betriebe etc.fiel in einen Dornröschen Schlaf bzw.ging langsam aber sicher den Weg aller Gebäude in Afrika, dem Verfall.
1999 übernahm einer der Söhne von Lore und John Harvey das verblühende Shiwa Ng‘ Andu Estate. Die Aufgabe derer sich sich die Nachfahren seither stellen ist immens. Sie ist eigentlich zu groß für eine Familie, zu groß für ein Menschenleben.
Das Herrenhaus hatte ehemals 70 Zimmer. Heute werden immer noch 40 Zimmer betrieben/bewohnt. Es leben darin 3 Menschen!!!
Wir wünschen der Familie, das irgendwo ein großer Spender auftaucht, eine Goldmine entdeckt wird, oder - heute noch besser - Seltene Erden gefunden werden.
Nach rund 2 Stunden war unsere Führung beendet und wir fuhren zurück zu Kapishya Hot Springs. Der Besitzer von Kapishya und der Hausherr auf Shiwa sind Brüder. Anscheinend, so Carsten, reden die Beiden jedoch nicht miteinander. Tote Hose in Verbindung zwischen zwei Brüdern. Eigentlich brauchen sich doch die Beiden. Sollte man (ich) meinen.
Der zweite Teil meines Vormittagsprogramms bestand aus 60 Minuten drücken, kneten und walken meiner Muskeln und meiner - kaum vorhandenen - Fettpölsterchen. Toll! Das tat gut!
Gelockert und gedehnt sitze ich nun hier und tippe was das Zeug hält. Viel zu viel, ich weiß. Aber seit ich mit der Zehntertastatur meines ipad tippe geht das Schreiben, flutschst deutlich besser als mit meinen zwei Daumen auf der Handytastatur.
Dennoch werden viele Rechtschreibfehler und Wortfehler drin sein. Ich bitte mir nach zu sehen, dass ich kein Lust mehr habe alles nochmal durch zu lesen.
Denn Udo hat Kaffee bestellt! Nu ist Kaffeezeit!Læs mere























Der locker Schreibstil gefällt mit sehr. Schön so mit auf Reise genommen zu werden! Merci [Viktoria]
wahnsinn 55 Tage seid ihr nun schon unterwegs,was für eine fantastische Tour …! 🫶 [Reggin]