• Die Rettung ist heiß! & Platt ist platt!

    6. juni 2025, Zambia ⋅ ☀️ 18 °C

    Pfingsmontag, 7.45 Uhr!
    Der Morgen ist klar und frisch. Wie ihr sehen/lesen könnt bin ich heute Beifahrer. Udo ist Kapitän am Steuer und ich sein „Versorger“ mit Schnittchen und Getränken. Die Menüliste ist gut bestückt und reicht von feiner Nussmischung mit Rosinen, getrockneten Mango Stücken, Biltong (Trockenfleisch, Rusks (leckere Variante von Knäckebrot) bis hin zu - auf Udos Wunsch hin - handgeschälten Äpfeln. Als Getränk steht ausschließlich Wasser auf der Menüliste, denn schließlich sind wir ja im Dienst.

    Die Route auf der wir fahren führt uns in Richtung Süden, in Richtung Viktoria Fälle.
    Nach den wunderbaren Tagen in Kapishya Hot Spring stand als nächstes Ziel die Kundalili Fälle auf dem Programm. Das war nun unser dritter Wasserfall. Jeder hat seine eigene Geographie und Dynamik. Schön sind alle.

    Was von den Kundslila Fällen hängen bleibt ist - für mich - der erstmalige Einsatz meiner formschönen Wärmflasche. Was in meinem vorigen Bericht noch als „noch nicht gebraucht“ beschrieben war, wurde in dieser Nacht zu „dringend gebraucht“.
    Wir campierten auf dem öffentlichen Campingplatz der Fälle. Wie immer, kein Wasser! Kein Wasser zum Waschen, in den Toiletten und Duschen sind sowieso völlig überbewertet. Ebenfalls wie immer, wurde das Wasser mittels fleißiger Kinderschultern vom Wasserfall in den Wassertank gehievt. Eimer für Eimer bis der Tank voll war. Und das nur für uns weiße „Scheißer“ (bitte um Vergebung für diesem Kraftausdruck, aber er beschreibt es treffend), damit wir auf den Spülknopf drücken konnten. Wasser aus dem Wasserhahn kam trotzdem nicht.
    Es war ein schöner sonniger Tag. Die Küche und die Essenstafel stand und dem blauen Himmel Afrikas. Dieser wurde gegen 18 Uhr vom Sternenhimmel Afrikas abgelöst. Mit dem Gehen der Sonne, nahm die Anzahl der anzuziehenden Kleidungsstücke zu. Zwiebelprinzip!
    Zu Essen gab es Kartoffelbrei, gemischtes Gemüse und Rinderfilet Brocken. Lecker!
    Allerdings löste sich die gemütliche Abendrunde relativ zügig auf, da schon um 19.30 das Thermometer knappe 10 Grad anzeigte. Es versprach eine kalte Nacht zu werden.
    Mein Entschluss stand fest: Heute Nacht geh‘ ich nicht alleine ins Bett (Schlafsack)!
    So kam es, dass ich mit meiner heißen Bettgefährtin eine wunderbar warme, kuschlige Nacht verbrachte. Ach war das schön!

    Am nächsten Morgen - gestern - hieß es früh aus den Federn zu kriechen, denn es standen mindestens 7 Stunden Fahrt auf den „perfekt ausgebauten Hochgeschwindigkeitsstrecken“ Sambias auf dem Zettel (Achtung: Ironie!).

    Gestartet um 7 Uhr an den Wasserfällen, trafen wir um 16 Uhr in Lusaka ein. Das Video zeigt anschaulich wie ein Großteil der Fahrt ablief. Der Rest war Stau.
    Wir waren also 9 Stunden „on the road“ gewesen. Das war nicht ganz richtig, denn ca. 1 Std. waren wir Initiatoren, Auftraggeber und Sponsoren des Programms „Tue Gutes und lass andere arbeiten!“
    Das kam so! Ich, der gestrige Steuermann, war munter am Überholen, Schalten, Gas geben, Bremsen, Schalten, Überholen, als ein Auto uns überholte und hupte. Ausserdem winkte eine dunkel pigmentierter Arm aus dem Fenster uns deutete uns an langsamer zu fahren.
    Wir schenkten der Geste wenig Bedeutung, da eigentlich alles normal lief. Wenig später stand eine polizeilicher Kontrollpunkt an (davon gibt‘s hier viele). Ich reduzierte die Geschwindigkeit. Ein Radfahrer der uns entgegenkam winkte und deutete auf unser Auto. Hmmh, das war nun schon der Zweite der uns auf etwas aufmerksam machen wollte. Vor dem Kontrollpunkt kam der Verkehr fast zum Erliegen, als ein Mann neben uns herlief und rief „You tire ist flat.“
    „Hääh“, dachte ich „eigentlich ist alles normal“. Aber da das nun schon der Dritte war, fuhren wir links raus, um selbst nach dem Rechten zu schauen. Tatsache, der linke hintere Reifen verlor Luft! Au Backe! Weiterfahren war nicht angesagt. Ich hatte nichts gemerkt, da die Luft während des zügigen Fahrens nicht entwich und erst beim Stehen zügig entwich.
    Ein junger Mann in makellos toten T-Short war sofort an unserer Seite und meinte auf der anderen Straßenseite wäre eine Werkstatt. Tolle Sache! Ich also „dreibeinig“ über die Straße zu der Werkstatt. Der geneigte Leser, die geneigte Leserin darf jetzt bitte nicht eine große, saubere Werkstatt mit Entré und Kaffeemaschine erwarten. Nein. Es war eine typischer Verhau, der in keinster Weise auf das von uns benötigte Dienstleistungsangebot hinwies. Zudem war die Tür abgesperrt. Unser „roter T-Shirt Engel“ zückte sein Handy und wählte eine Nummer, die per Hand auf die Holztüre gekritzelt war.
    „He is out of town“, meldete er uns. Ergo, kein Dienstleistung am Pfingstsonntag hier erhältlich.
    Hmmh, und jetzt? Klaro! Selbst ist der weiße Mann! Wir hatten ja alles dabei, Ersatzrad und Werkzeug.
    Da hatte der weiße Mann, jedoch die Rechnung ohne den schwarzen Mann gemacht.
    Unser „rotes T-Shirt Held“ warf sich in die Brust bzw, buchstäblich vor uns in den Dreck und begann mit unserem Werkzeug den Reifen zu demontieren. Weißer Mann stand da, sah an sich runter und dachte „O.K., dreckig machen ist heut‘ nicht! Lassen wir mal local-power ran.“ Mittlerweile war hatte sich die „rote T-Shirt“ Solo Show zu einem Duo mit Publikum entwickelt. Nun waren es zwei Mann aus der „we want to get dirty“ Fraktion, die voller Enthusiasmus unseren Reifen wechselten. Ein Dritter steuerte seinen Wagenheber bei, da Udos jungfräulich in der Kiste schlummernder Wagenheber sich als Spielzeug entpuppte.
    Nach rund einer Stunde waren alle T-Shirts dreckig (ausser den unsrigen), alle Reifen an ihren Plätzen und die Helfer glücklich. Denn, es ist ja klar, dass Gotteslohn eine guter Lohn ist, aber dennoch eine solche Hilfsbereitschaft in der Aussicht auf schöne grüne Dollar Noten unheimlich motivationsfördernd ist. 25 Dollar für die beiden Helden und 5 Dollar für den Wagenheber, das war unser Beitrag für „Tue gutes, lass‘ andere arbeiten.“
    Und wie die sich gefreut haben. Wirklich! Unser „rotes T-Shirt“ Mann strahlte über das ganze Gesicht und hielt den 20 Dollar Note in den Himmel. Eine wunderbare Win-Win-Situation! Wir glücklich, die glücklich! Heile Welt!

    Der Rest der Fahrt war unspektakulär spektakulär mir dem üblichen Irrsinn der Straße.

    Nun ist 9 Uhr. Zwischen meinem Schreiben hab‘ ich Udo schon ein Karamelbonbon und einige Mangoscheiben gereicht. Und am Wichtigsten: Nix los auf der Straße!

    Wünsche allen einen schönen Pfingsmontag.
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