Tag2-Teil1: Socken qualmen-Kopf raucht
11 novembre 2025, Italia ⋅ ☀️ 14 °C
21.30 h, fast die gleiche Uhrzeit wie gestern. Allerdings liegen rd. 18 Kilometer römischen Fußweges und viele, viele Informationen zwischen gestern und heute.
Klar war, heute steht das erste Weltwunder auf dem Programm. Nummer 1 von 7. Das Kolosseum. Die Auserkorene, welche mich mit Wissen über Kolosseum und Forum Romanum überschütten sollte, war Paola.
Wie vereinbart trafen wir uns um 11 Uhr an der Säule, neben dem Papierkorb, neben dem Triumphbogen des Konstantin. Klare Ansage, klare Sache. Dank google Maps!
Wie Marco hielt Paola ein formschönes mit viel Herzblut gestaltetes Namensschild vor ihrer Brust, um unzweideutig darauf hinzuweisen, dass ein gewisser Herr Steger sie gefälligst an zu sprechen habe. Ich, vom Naturell her eher zurückhaltend und schüchtern, umkreiste Paola erst einige Male, um dann mit einem strahlenden „Bisch Du d‘Paola?“ unzweideutig eindeutig mich zu offenbaren.
Nach kurzem Austausch von Freundlichkeiten (s‘ übliche: Wetter, Müll, Gesundheit, Verdauung…) ging‘s los mit der geballten Ladung an Informationen über Rom, das Kolosseum und das Forum Romanum.
Hier einige Fakten:
Das Kolosseum wurde in nur 8 Jahren (!!!!) zwischen 72-80 n.C. gebaut.
Im Jahr 71 vernichteten die Römer die letzten Reste des jüdischen Widerstandes und zerstörten anschließend Jerusalem. Rund 12.000 Sklaven wurden aus Jerusalem nach Rom gebraucht. Man geht davon aus, dass all diese Sklaven zum Bau des Kolosseum eingesetzt wurden. Ebenfalls für den Bau verwendet wurden das Vermögen und die Schätze des jüdischen Volkes.
Dieses Verhalten war nichts aussergewöhnliches, da immer alle Sieger die Besiegten versklavten und ausplünderten.
So wurde jedenfalls das Kolosseum in nur 8 Jahren gebaut. Die Bauweise, die Konstruktion suchen seinesgleichen (d‘rum ist‘s ja auch ein Weltwunder). So war z.B. der gesamte Sitzbereich überdacht. Mit Seilzügen konnten riesige Stoffbahnen über das Oval gezogen werden, um die Römer vor der heissen Sonne zu schützen.
Insgesamt fanden 50.000 Menschen Platz im Kolosseum. Zum Vergleich, im Circus Maximus (siehe Film „Ben Hur“, Sportarena, heute nichts mehr vorhanden) fanden 250.000 Menschen Platz.
Anfang des 4. Jahrhundert hatte Rom rd. 1 Million Einwohner. Rund 100 Jahre später, Anfang des 5. Jahrhundert waren es nur noch 100.000. Im 14. Jahrhundert war Rom in der totalen Bedeutungslosigkeit versunken mit 17.000 Einwohner.
Der Niedergang Roms fing mit der Verlagerung des Kaisersitzes von Rom nach Konstantinopel an (Anfang 5. Jahrhundert). Kaiser Konstantin wollte aus verschiedenen Gründen (es wird gemunkelt, dass er einen guten Döner mit Kräutersauce der römischen Pasta mit Tomatensauce vorzog) nicht mehr in Rom leben und so zogen alle wesentlichen Verwaltungen, Familien etc. von Rom nach Konstantinopel (Istanbul).
So ähnlich geht‘s ja unserem bundesdeutschen Bonn. Als Berlin zur Bundeshauptstadt erkoren wurde und sich alles dorthin verlagerte, sank Bonn in das Dasein einer Stadt unter vielen herab.
Wie immer, wenn Menschen Orte verlassen, verfallen diese mit der Zeit. So ging es auch dem Kolosseum. Über Jahrhunderte war das Kolosseum nichts weiter als ein großer Haufen Steine, der als Lagerhalle und als landwirtschaftliche Stallungen genutzt wurde. Einzig als Lieferant von Steinen und verbauten Metallen wurde das Bauwerk herangezogen, wenn an anderer Stelle in Rom Baumaterial gebraucht wurde.
Das änderte sich erst wieder, als der Papst dachte „Ey, das wär doch cool, so eine riesige Arena zu haben.“ Da der Papst die Macht des göttlichen hatte, war es nur eine Handbewegung das heidnische Kolosseum als Ort von Blut, Schweiß und Tränen in einen Ort der Anbetung um zu widmen. Gesagt, getan. Alle Menschen, Tiere und Waren wurden aus dem Kolosseum verbannt. Im Inneren des Kolosseum, der Arena, wurden Kreuzstationen des Kreuzweges Jesu aufgebaut. Es war sogar der Plan in die Arena eine Kirche zu bauen. Die Kirche wurde nicht gebaut, aber im Kolosseum findet bis zum heutigen Tag jedes Jahr am Karfreitag die Prozession des Kreuzweges Jesu statt. Alle Stationen werden im Inneren zelebriert, der Abschluss mit dem Papst findet jedoch ausser halb des Kolosseum statt. Die kirchliche Prozession verlässt das Kolosseum durch das Tor „Porta Libitinaria“. Ursprünglich war dies das Tor durch welches die Überlebenden der Gladiatorenkämpfe aus der Arena schritten. Nun sind es die Katholiken anstatt der Gladiatoren, die durch das Freiheits Tor schreiten. Damals die Gladiatoren in Blut getränkt, heute die Katholiken mit Glaubenssalbe gesalbt.
Als Zeichen, dass das Kolosseum der Kirche und dem Christentum gehört ist in die Gewölbedecke der Porta Libitinaria eine Karte Jerusalems gemalt, inklusive dem Berg Golgata und Kreuz Jesu.
Spannend ist das Forum Romanum. Eine schier unüberschaubare Anhäufung von historischen römischen Gebäuden. Angefangen vom Senatsgebäude (ähnlich unserem heutigen Parlament), den Grundmauern des heutigen Rathauses von Rom (die Grundmauern sind von 78 n.C. und halten immer noch), verschieden Reste von Tempelanlagen bis hin zur Grabstätte bzw. Verbrennungsstätte von Julius Cäsar.
Interessant ist hier auch eine Kirche mit grüner Tür. Eigentlich dürfte es im Forum keine Kirche geben, da die Kirche nichts mit dem alten Rom gemein hatte. Das alte Rom glaubte an Götter, die Kirche ausschließlich an den Einen. Aber diese Kirche steht da und davor eine Reihe von Steinsäulen. Und diese Kirche hat eben jene grüne Tür, die in der Luft zu hängen scheint, da keine Treppe hinauf führt bzw. je hinauf führte. Was ist des Rätsels Lösung?
Des Rätsels Lösung ist, dass das Bodenniveau zum Zeitpunkt des Baues der Kirche auf der Höhe eben jener grünen Tür war. Zum damaligen Zeitpunkt lag das heutige Forum Romanum tief unter vielen Metern Erde begraben und vergessen. Das Leben spielte sich auf der Höhe ab, auf der sich die Tür befindet.
Gut zu sehen ist das auch an den Säulen vorne dran. Diese Säulen sind Monolithen. Sie sind alle -jede für sich- aus einem einzigen Stein gehauen. Nicht aus Teilen zusammengesetzt, ein einziger massiver Stein.
Als die Kirche mit der grünen Tür gebaut wurde, wollte man diese Säulen wegmachen. Alle Versuche die Säulen ab zu tragen schlugen fehl. Der Grund, den die damaligen Menschen nicht verstanden und nicht sehen konnten, lag darin, dass gut 1/3 der Säulen im Erdboden steckten. Die waren so fest und so tief mit der Erde verbunden, dass es unmöglich war diese weg zu nehmen.
Erst als im Jahr 1930 zaghaft begonnen wurde, die Fläche des jetzigen Forum Romanus frei zu legen, zeigte sich wie viele Kubikmeter Schutt, Dreck und Erde dort lagen und was diese viele Kubikmeter Erde an Schätzen verbargen. Meter um Meter um Meter wurde die Erde abgetragen bis das Forum Romanum und eben jene Säulen wieder voll zu sehen war. Nun hängt halt diese grüne Tür in der Luft.
Eine schöne Geschichte.
Mit dieser „grünen Tür“ Geschichte will ich den heutigen Tag beenden.
Das Tagwerk isch vollbracht, das erste Weltwunder der Neuzeit ist physisch erobert und geistig in Grundzügen einverleibt.
Es gibt noch einen zweiten Footprint vom heutigen Tag. Aber den schaff ich nicht mehr.
Müde bin ich geh zur Ruhe, schließe meine Äuglein zu.Leggi altro






















Super druckreif [Kay]