Tag 3.1: Vormittags bei Papa Leo
12. november 2025, Vatikanet ⋅ ☀️ 12 °C
Heute stand ein Besuch im Vatikan an. Schließlich bin ich seit 63 Jahren und 5 Monaten kraft über mein Haupt gegossenes Wasser Mitglieder dieser großen Familie.
Also hieß es heute den Papa der großen Familien zu besuchen, um mal nach dem Rechten zu schauen. Man will ja schließlich wissen wie liebe (Glaubens)Verwandschaft so lebt.
Vom Hotel bis zum Vatikan sollte der Fußweg ca. 1 Std. betragen. Ich weiß, dass es Gläubige (SünderInnen) gibt, die den Weg zum Zentrum der kirchlichen Macht auf Knien rutschen, in der Hoffnung, dass durch diese Tat nicht nur der Knieorthopäde reich wird, sondern auch alle Sünden und Verfehlungen vergeben werden.
Da ich mich weder als -großen- Sünder sehe, noch Orthopäden reich machen will, entschied ich mich dafür, einen römischen Taxifahrer zu bereichern.
Mit einem freundlichen "Ciao" verabschiedete mich Luigi (Taxifahrer) nach ca. 20 Minuten fahrt am Petersplatz.
Uff, was war denn da los? Überall Polizei! Kein Zugang zum Petersplatz ohne Sicherheitskontrolle. O.k. dachte ich, Vorsicht ist besser als Nachsicht und reihte mich in die Schlage ein. Ich durfte feststellen, dass ich nicht der einzige war, der das Haus unseres lieben Pontifex mal aus der Nähe betrachten wollte. Der Platz war voll! Menschenmassen! Hatte ja irgendwie damit gerechnet. Es hieß, dass der Petersplatz und Petersdom immer gut besucht seien. Aber so viele Menschen?!
Auf dem Petersplatz angekommen sah auf Großleinwänden wie der liebe Papa mit einem Auto durch Menschenmengen fuhr. Ich dachte, dass das eine Übertragung aus fernen Welten sei, die unser aller Leo gerade besucht. Ein bisschen irritiert war ich, als immer wieder mal irgendwo auf dem Platz Menschen laut klatschten und in Euphorie verfielen. Irritiert nahm ich wahr, dass die Szenen auf den Großleinwänden verdächtig ähnlich der Szenerie aussahen, die ich selbst live erlebt. Irgendwann wurde mir klar, dass das keine Übertragung aus fernen Welten oder eine Aufzeichnung war, sondern dass Leo persönlich hier durch mit mir stehende Menschenmenge kutschiert wurde. Welch ein Glück! Leo und ich! Beide auf ein und demselben Platz. Welch göttliche Fügung! Als ich dann noch gewahr wurde, dass Leo in einer Mercedes G-Klasse durch die wartenden Menschenreihen fuhr, hob ich als "Mit-G-Bruder" anerkennend den Daumen. It's cool man! S' ist schon wichtig, dass Leo mit einem solchen Geländewagen ausgestattet ist. Schließlich sind seine Schäflein bis ans Ende der Welt verteilt und die Wege des Glaubens und der Evangelisierung sind pures Offroad fahren. Tiefe Abgründe, verschlingender Sand und viel Schlamm.
Ich empfang das alles schon etwas skuril wie er da in der G-Klasse durch die klatschende euphorisierte Menschenmenge fuhr. Er ist halt ein Star der Leo.
Vor dem Petersdom war eine große Podestfläche aufgebaut. Leo nahm in einem großen Relax-Sessel Platz und begann die Gläubigen zu begrüßen. Italienisch übernahm er, alle anderen Sprachen wurden durch RednerInnen übersetzt und den Gläubigen vorgelesen.
Ich dachte die ganze Zeit, was für ein Glück ich denn hätte, dass Leo ausgerechnet heute hier vor Ort sei, bis ich -google macht's möglich- feststellt, dass die öffentlichen Audienz jeden Mittwoch stattfindet. Ergo, nicht das Spektakel wegen mir, sondern Leo macht das jede Woche. Klaro, die G-Klasse muss ja auch bewegt werden.
An Säulen waren Banner angebraucht, die uns mitteilten, dass dieses Jahr "Das Jahr der Armen" sei. Hmmmh, das ist denn doch schon etwas irritierend. Alle dieser Pomp, all dieses Gloria, all dieses Gold und Prunk und Protz und dann noch wissend, dass der Vatikan mal schnell geschätzte 500.000.000,00 (500 Millionen Euro) über Immobilienspekulationen und Veruntreuungen aus dem Fenster geschmissen hat!! Da wirkt die Ausrufung "Das Jahr der Armen" irgendwie nicht ganz richtig. "Des hat ä Gschmäckle" würde man auf gut badisch sagen.
Aber, der wahre Gläubige vergibt und spendet eifrig weiter.
Für mich überwiegt "s'Gschmäckle". Auch dieser Personenkult ist nicht meine Linie. Auch diese Vermischung von Glauben, Politik und der feste Wille zur Machterhaltung ist für mich eher schwer verdaulich. Wenn da nicht die Liebe wäre! Dieser Grundsatz der katholischen Lehre. Die Soziallehre und die Nächstenliebe, dass sind Eckpfeiler des Lebens. Aber brauch ich dafür die römisch katholische Kirche in all ihrer Pracht und Verschwendung und ihrem Sumpf?
Weg mit den Gedanken, nun wieder zugewendet zum hier-und-jetzt auf dem Petersplatz. Diese Menschenmassen ließen meine Hoffnung schwingen gemütlich in den Petersdom schlendern zu können. Dieser Wunsch wurde mir auch deshalb zunichte gemacht, in dem der Petersplatz aufgrund der Audienz bis zum frühen Nachmittag gesperrt blieb.
Ergo, auf zum nächsten Termin: Besichtigung der Vatikanischen Museen.Læs mere

























Wunderbar [Kay]