• Kaiserwetter an des Kaisers‘ Mauer

    25. november 2025, Kina ⋅ ☀️ 2 °C

    Die Große Chinesische Mauer!
    Wer hat nicht schon von ihr gehört. Sie ist so groß, dass man sie sogar aus dem Weltraum sieht.
    Ich bin zwar nicht im Weltraum, aber ich seh' sie auch. Und zwar heute! Live und in Farbe! Das vierte Weltwunder auf meiner Liste.

    Wie gestern berichtet wurde der heutige Tag mit maximaler "Kampfausstattung" angegangen. Ski-Unterwäsche, Pullover, Windbreaker, Daunenweste, Handschuhe, 2 Halstücher und eine Mütze. So ausgestattet wollte ich dem eisigen Wind trotzen, mit dem ich gestern Bekanntschaft gemacht hatte.
    So stand denn auch um 8 Uhr einsatzbereit in der Lobby des Hotels, als Walter mich abholte. Doch oh Wunder, der Wind war weg! Kein schneidender eisiger Wind. Wie weggepustet. Genial! Zwar immer noch kalt, aber windstill kalt.
    Und der Himmel: blau, blau, blau. Und die Sonne: wunderbar, wunderbar, wunderbar.
    Also besser hätte ich es für den heutigen Tag nicht treffen können.
    So was bekommt man halt vom lieben Gott beschert, wenn man sein Tellerchen immer schön leer isst, die Zähne regelmäßig putzt und die Welt eher rosafarben denn grau betrachtet.
    Die Fahrt zur Mauer dauerte 2 1/2 Stunden. Vor dem Mauerbesuch ging's ins Tal der Kaiser. Hiervon berichte ich im anschließenden Footprint.

    Informationen zur Mauer (Quelle: Walter)
    Angefangen die Mauer zu bauen wurde vor 2.700 Jahren. Damals waren es viele Teilabschnitte von vielen "kleinen" Königen. Sinn der Mauern war der Schutz vor den regelmäßig einfallenden Horden aus dem Norden (=Mongolen). Irgendwann lies er Kaiser die bestehenden Einzelmauern zu einer einzigen großen Mauer verbinden. Den Abschnitt, den wir heute besuchten wurde vor 600 Jahren gebaut.
    Man schätzt, dass zum Zeitpunkt der Hauptbauzeit mindestens 1 Million Arbeitskräfte beim Mauerbau beschäftigt waren. Zusammengerechnet liegt die Bauzeit für die Mauer bei 2.000 Jahren.
    Die Mauer ist sagenhafte 8.851,8 Kilometer lang! Kein Scherz! Walter meinte, dass dies Länge nach der aktuellsten Messung sei. Die Mauer beginnt in einer Bucht am Meer und endet in der Wüste Gobi.
    Zum Vergleich: Die Länge der Mauer entspricht der Strecke Freiburg-Hamburg 12mal! Man muss 12x von Freiburg nach Hamburg fahren, dann hat man die Strecke gefahren, die die chinesische Mauer lang ist. Wahnsinn, oder?!
    Anderer Vergleich: Die Gesamtlänge der Außengrenze Deutschland liegt bei rund 3.800 Kilometer. Die chinesische Mauer kann quasi 2 x um das gesamt Deutschland herumgewickelt werden. Krass, oder?!

    Da die Mauer zu Verteidigung diente waren alle paar Meter Wachtürme installiert. In der Spitze waren um die 900.000 Soldaten an der Mauer stationiert.

    Folgende Meldekette zwischen den Wachtürmen bestand:
    1X Feuer, 1xGeschützdonner = 100 Feinde nähern sich
    2x Feuer, 2xGeschützdonner = 500 Feinde nähern sich
    3x Feuer, 3xGeschützdonner = 1.000 Feinde nähern sich
    4x Feuer, 4XGeschützdonner = 5.000 Feinde nähern sich.... usw.
    Mit dieser Art der Informationskette konnten Nachrichten innerhalb kürzester Zeit über eine Strecke von 500 Kilometern übermittelt werden. Ganz ohne Handy! Kaum vorstellbar.

    Heute sind nur noch Teile der Mauer für die Öffentlichkeit begehbar. Ein großer Teil liegt inzwischen in Ruinen oder ist einem so desolaten Zustand, dass das Betreten lebensgefährlich ist.
    Eine dieser begehbaren Stellen liegt in der Gemeinde Mutianyu. Wunderbar via Kabinenbahn erschlossen kann der gemeine Chinese und der interessierte Tourist die Mauer betreten.
    Aber Hoppla! Wer gedacht hat er können auf der Mauer spazieren, der sei gewarnt. Spazieren ist nicht. Pobacken Training im rauf und runter ist angesagt. In dem Abschnitt den wir besuchten ist das eine sportliche Tat und keine Tat die Aussicht zu genießen. Na ja, stimmt nicht ganz. Man kann mit der Gondel hochfahren und einfach dort am Ausstieg verweilen. Wer jedoch das "Mauerfeeling" haben möchte der darf sich gerne auf heftige Auf- und Abstiege einstellen. Vor allem der Anstieg zu Wachtturm 20 ist heftig. Quasi senkrecht geht's da hoch.
    Das tückische an den Steigungen ist, dass die Stufen so kurz sind, will sagen, sie sind nicht tief bzw. sind schmal. Beim Hochsteigen kann man auf der Fußspitze hochgehen. Beim Abwärtssteigen ist jedoch Konzentration gefragt, da die Auftrittfläche recht klein ist.
    Meine Schilderung soll niemand daran hindern die Mauer zu erwandern. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass das Wandern auf der Mauer kein Ponyhof ist.

    Grandios war das Wetter. Unglaublich dieser Himmel. Perfekt! Perfekter geht es nicht.

    Nach zwei Stunden Mauer wandern ging's wieder per Seilbahn nach unten und der wohlverdienten Abendgestaltung entgegen.

    Die Chinesische Mauer. Mein 4. Weltwunder! Drei stehen noch aus. Und die, die befinden sich in wärmeren Gefilden. Gott sei Dank! Das nächste sind die Maya Tempelanlagen in Mexiko.

    Vor Mexiko liegt jedoch noch ein Tag Peking. Und mein lieber Walter hat noch fleißig Programm für mich zusammengestellt. Morgen geht's zum Kaiserpalast, zum Platz des Himmlischen Frieden und abends in eine Vorstellung der chinesischen Oper.

    Mal schauen was kommt. Mal schauen wie's wird.
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