• Rio 3 - Cobacabana, Adeus!

    9. december 2025, Brasilien ⋅ ☁️ 30 °C

    Das Juwel war die Benediktiner Kirche in Kloster des Heiligen Benedikt. Tatsächlich war die kleine Kirche ein wunderschöner Gottesraum mit vielen, vielen handwerklich hervorragend und opulent gestalteten Altären und Gemälden.
    Wieder ein Beweis zu welchen Meisterwerken Menschen im Namen bzw. im Auftrag Gottes fähig sind. Toll

    Aber dann war gut! Alles besichtigt!
    Pflicht erfüllt!

    Nach Pflichterfüllung ruft bekanntlich die Freude. In meinem Fall stand am Ende der Stadtbesichtigung der Besuch des Café Colombo an. Das Café Colombo ist für Rio wie das Café Sacher für Wien. Wenn Rio, dann Colombo.
    Silvia kannte sich aus, wusste mit wem zu Reden war und zack-zack hatten wir ein Tisch in der Galerie obere Etage. Wunderbarer Blick in die Tiefe (siehe Foto). Im Kuchenangebot fand sich -wie soll's anders sein- eine Schwarzwälder Kirschtorte.

    >Anmerkung: Seit ich feststellte, dass die Schwarzwälder Kirschtorte (=Black Forest Cake) tatsächlich global bekannt und verdaut wird (siehe Agua Caliente Machu Picchu) sag ich auf die Frage wo ich denn herkomme "I come from the area where the famous Black Forest Cake comes from." Bis dato bei allen hellten sich die Gesichtszüge auf und eine erstauntes "Really? That's great." war die Antwort. Also nix Freiburg oder "Home of the famous Schwarzwald Klinik" sondern "Home of the Black Forest Cake". Das wirkt! Das passt.
    Diese Version übersetzte jedenfalls Silvia dem Kellner, bei dem wir (ich) die Schwarzwälder bestellte. Ich muss ja testen, wie denn son ne Schwarzwälder Kirschtorte im Exil schmeckt. Klaro, schon von der Außenansicht unterschied sie sich sehr von der Originalversion. Aber das war/ist ja zu erwarten.
    Der Kellner meinte, ich solle ihm doch bitte nachher sagen wie sie denn geschmeckt habe.
    Und, wie hat sie geschmeckt? Besser wie gedacht! Ich hatte so eine heftig, deftig fette, Creme durchsetztes Stück Kuchen erwartet. Aber, die zwei hellen Schichten waren Vanillepudding. Hatte ich noch nie, machten die Sache aber etwas "lockerer". Der Rest war wie gedacht eine Tagesration an Kalorien. Intern (rechte Gehirnhälfte an linke Gehirnhälfte) gab ich der Torte eine 5 von 10 Punkten. Im Rahmen der brasilianisch-deutschen Völkerverständigung gab ich dem Kellner gegenüber eine offizielle 7 ab. Sie war/ist tatsächlich besser wie z.B. die bundesdeutsche Vertreter von Coppenrath&Wiese.
    Silvia übersetzte dem Kellner meine "7", woraufhin der mich anschaute und über Silvia übersetzen lies, dass er hoffe, dass diese keine Anspielung auf das "7:1" aus dem Weltmeisterschaftsspiel Deutschland:Brasilien sein.
    Ach gucke da, wie tief doch dieser Stachel im brasilianischen Fleisch sitzt.
    Nein, nein meinte ich, die Brasilianer waren damals einfach schlecht drauf und ohne Neymar nicht spielfähig. Es ging noch ein bisschen um Fussball und dann war die transatlantische Freundschaft gefestigt.

    Im Hotel angekommen ging's erstmal in die Horizontale.
    Was nach dem Erwachen und dem Bewegen in die Vertikale war es Zeit für‘s „Letzte Abendmahl“.

    Das letzte Abendmahl in Rio und das letzte Abendmahl meiner Reise zu den 7 Weltwundern der Neuzeit.
    Silvia empfahl mir "Shirley". Ein kleines Restaurant wenige Meter von meinem Hotel entfernt. Suchte ich, fand ich.
    Shirley war wirklich klein. Ich schätze 5-6 Meter breit und ca. 20 Meter tief. Platz für ca. 25 Gäste (hab die Tische/Stühle gezählt). Zur Betreuung der Gäste standen vier in weißen Jackets mit Krawatte gekleidete Kellner. Ein relativ hohe Kellnerdichte bezogen auf die Anzahl der Sitzplätze. Ich war mal wieder früh dran, so dass ausser meiner Wenigkeit sechs weiter Personen Shirleys ihre Aufwartung machten.
    Neben den vier Kellnern waren noch zwei-drei Barmänner da. Personell gut ausgestattet. Ich rechne ja immer bzw. überschlage so etwas immer kaufmännisch. Zum Einen, kann ein Kellner von einem Kellnergehalt in Rio ein Familie ernähren und eine Wohnung mieten? Was mag so ein Kellner verdienen, dass er genau das kann? Zum Anderen, sind die Jungs nie wirklich ausgelastet. Selbst wenn die Bude voll besetzt ist, dann stehen sich mindestens zwei der vier immer wieder die Beine im Bauch. Kann sich das kaufmännisch Rechnen?
    Das teutonische Buchhalterdenken kollidiert hier eindeutig mit der über 70jährigen Tradition und Bestehen von Shirleys. Es funktioniert kaufmännsich, sonst wären schon längst die Lichter aus. .
    ...oder, bin ich einer Geldwäscheinstitution gelandet? Neeeh, ich gucke zu viele Gangsterfilme.
    Das Essen war gut, die Bedienung zuvorkommend, die Rechnung auf Glottertal Niveau. Sozusagen Essen wie daheim!

    Zum Abschluss noch ein abendlicher Spaziergang an der Copacabana entlang, mit ein paar Gedanken an die Reise, an die Zukunft und and die Schufa.

    Das war Rio. Das war mein finaler Abend auf meiner Reise zu den 7 Weltwundern der Neuzeit.

    Während ich diese Zeilen tippe sitze ich in Rio am Flughafen. Ich werde die Lounges vermissen. Essen, Trinken, Toilette, Strom für lau! Und Ruhe! Ruhe, um die Finger über die Tastatur fliegen zu lassen.
    Morgen um die Zeit (es ist 19.50) werde ich schon wieder bundesdeutschen Boden geküsst haben und mich fragen "Warum isch's denn so kalt hier?".

    War dies mein letzter Footprint/Bericht?
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