Wale und Wunder
4. januar 2025, Island ⋅ ⛅ -5 °C
Für unsere Verhältnisse spät aufgestanden, erlebten wir einen ziemlich hellen Morgen.
Es tanzten keine Schneeflocken vor den Fenstern und wir sahen Berge,die die letzten Tage bestimmt nicht da waren. Sogar den Hausskiberg Reykjaviks entdeckten wir heute. Natürlich voll beleuchtet,da das Nachtskifahren eher den natürlichen Gegebenheiten entspricht.
Heute ist ziemlich viel Daumen drücken angesagt,aber die Voraussetzungen für unsere Vorhaben sind optimal.
Wir hofften darauf in der Bucht vor Reykjavik Wale zu beobachten und abends die Polarlichter tanzen zu lassen.
Aber zuerst besuchten wir noch- na klar- ein Museum. Ich korrigiere mich: Zwei.
Aus schon lieb gewordener Gewohnheit liefen wir durch einen fantastisch schönen isländischen Morgen, der jetzt schon so viel Lust auf den Tag machte, zum National Museum.
Vorbei am Flughafen und großen Baustellen für Wohnhäuserkomplexe und entlang eines Sees,der bestimmt wärmer war, als man als Deutscher so bei -5 Grad/ Schnee annimmt. Es dampfte bei den Zuläufen und vergnügtes Federvieh schwamm die erste Morgenrunde.
Durch den Campus der Uni bevorzugten wir wie immer die beheizten,trockenen Gehwege.
Hab ich eigentlich schon erzählt,wie pragmatisch der Isländer mit der Naturkatastrophe Schneefall umgeht?
Wenn es schneit,zieht man sich passend an, passt beim Laufen auf, verpasst sich, wenn nötig ,Spikes an die Schuhe und fährt Allrad.
Ich hab da niemanden Schneeräumen sehen.
Und das krasseste ist- es funktioniert!
Ich habe hier wirklich apokalyptische Zustände gesehen, die die Bild auf die 1. Seite packen würde.
Schlagzeile:
Droht Deutschland im Schneechaos zu versinken?
Schneematsch, weiße dick,verschneite festgetrampelte Gesteige, Schneehaufen,die man überqueren muss,wenn man die Straßenseite wechselt und sogar vereiste Flächen auf Parkplätzen.
Und dazwischen fröhliche Leute, Kinder mit Bobs und Autos, die sogar in die Richtung fahren,wo sie hinwollen.
Und wenn einer mal fällt,dann steht er wieder auf.
So ist das hier.
Und ich muss mich daheim ärgern, wenn der übermotivierte Schneeräumer uns die Schlittengrundlage vor der Nase wegschiebt und auch noch die Pfoten meines Hundes versalzt.
Aber das nur am Rande.
Wo waren wir? National Museum.
Diesmal gingen wir allerdings nur dahin,um meinen verlorenen Inear- Bud zu finden. Leider vergeblich. Dafür rettete ich ein Schaf.
Und das kam so.
Ich durfte mich auf der Suche nach dem Mini- Lautsprecher durch eine große Kiste wühlen in der die kuriosesten vergessen Dinge gesammelt wurden.
Meinen Bud fand ich nicht,dafür guckte mich aus einer Tüte ein treuheriges weißes Wollschaf an. Ich schaute auf den Kassenzettel: Anfang November. Und dann ließ ich das wollweiche Ding in meine Tasche hüpfen.
Keine Ahnung,wie sich das auf meiner Karma Bilanz macht,aber ich hab es mir schön gerechnet.Das Schaf darf jetzt bei uns in der Krippe wohnen. Wie meine norwegische Freundin Helen sagt,: Schafe sind ok!
Wir liefen weiter zu unserem eigentlichen Zielmuseum: History of settlement.
Besiedelung Islands.
Ich liebe Reykjaviks Museen. Keine Ahnung,ob es daran liegt,dass man endlich mal Zeit hat in Ruhe etwas zu lesen, ohne an Wertstoffhof,Einkaufen, Arbeit, Putzen,Fütterungszeiten von Kindern und Tieren zu denken oder dass sie einfach fabelhaft gestaltet sind.
Bestimmt eine gesunde Mischung aus beidem.
Hier noch mal einen dicken Dank an unsere Familien,die sich wunderbar um alles kümmern.
Danke an unsere Tiere,die sich hoffentlich gut benehmen und natürlich ein dickes Lob an unsere Kids,die das alles so wundervoll managen und ihre Zeit auch richtig genießen.
Mitten in der Stadt Reykjaviks( übersetzt: Rauchbucht, da der erste Siedler fälschlicherweise den Thermaldampf mit Rauch verwechselte)
buddelte man 2m unter einem Café das wohl älteste Langhaus der Stadt aus. Folgenrichtig baute man unter dem Café nun ein Museum die die Original Ausgrabungstätte zeigt inklusive sichtbaren Walrossstoßzahn als Glücksbringer unter den Langhaus.
Was man halt so macht. Unnötig zu sagen,dass es auf Island bald keine Walrösser mehr gab.
Während man um das in schummeriges Licht getauchte Langhaus herumging, von dem es natürlich nur noch die rundum befestigte Grundfläche, Feuerstelle, gepflasterte Eingangsbereiche und den Abfallablageplatz gibt, wurde ringsum mithilfe eines langen beleuchteten Bildes die damalige Umgebung dargestellt. Diese wurde teils durch eingelassene Bildschirme mit angedeuteten Szenen von damals belebt.
Interessant war,dass das Haus damals ziemlich am Meer stand,durch die Landgewinnung nun aber einige 100m vom Wasser entfernt liegt.
Durch einen gläsernen Durchbruch zur Oberfläche kann man vom Gehsteig aus auf einen Teil der Ausgrabung gucken,aber von unten auch prima den eingemummelten Kinder zuwinken.
Wir hätten dort mal wieder mehrere Stunden verbringen können, aber der Wal ruft- äh-singt.
Schnell waren wir am Hafen, hüpften auf ein großzügiges Boot, schlüpften wie fast alle in einen supersize knallroten Onezie und waren bereit!
Ziemlich schnell außerhalb der Hafenausfahrt ging es dann auch schon los. Die portugiesische Biologin auf der Brücke, von der man nur die Nase und Augen sah, half uns bei der Sichtung und zeigte uns den ersten Blas ( spritziges sichtbares Ausatmen des Wals) und so sahen wir dem ersten Buckelwal beim Abtauchen zu.
Der Buckelwal muss,da er wesentlich agiler und schlanker ist als der Pottwal nicht unbedingt seine Fluke zum Abtauchen steil ais dem Wasser heben.
Außerdem braucht er kaum Ruhezeit an der Oberfläche,da er auch nicht so tief taucht wie der Pottwal. Das hat zur Folge,das er auftaucht atmet und schwupp schon wieder weg ist.
Da hatten wir in der Straße von Gibraltar mehr Zeit die Tiere zu beobachten,dafür waren diese dann auch länger weg.
Zu dieser Jahreszeit sind fast nur Buckelwale in der Bucht,was aber auch erst seit ein paar Jahren so ist. Sie folgten ihrer Lieblingsnahrung -eine bestimmte Fischart- und die entschloss sich eben nun auch im Winter in Reykjavik herumzuschwimmen.
Außerdem bleiben nur die Junggesellen oder noch nicht geschlechtsreifen Tiere hier. Baby Buckelwale sind durch ihre zu geringe Fettschicht in wärmeren Gewässern erstmal besser aufgehoben. Kann ich nachfühlen- trotz drei Schichten Vaseline- kalte Backen.
Aber ansonsten war ich mit Skiunterwäsche, Hose,Schneehose,Thermoanzug,fünne und dicke Fingerhandschuhe, Sturmhaube,Buff,Mütze und Skibrille( Gamechanger!!) bestens ausgerüstet.
Ich war mit am längsten draußen.
Ich!!!!
Wir sahen wirklich viele Wale,allerdings hielt das Boot gebührenden Abstand,was ich wirklich unterstütze und der Wal fand das auch gut.
Nur der letzte Wal der zeigte uns aus nächster Nähe seinen Bauch und tauchte dann erst ab. Besser wird es nicht- perfekter Abschluss und jetzt zurück zum Hafen.
Ich genoss noch die Zeit bei herrlichstem Licht vorne auf dem leeren Deck, da der Rest der roten Armee sich bei heißer Schoki und Kaffee aufwärmte.
Die hatten wohl keine Skibrille.
Wieder an Land erkannte ich beim Bezahlen meiner Papageientauchersocken unsere Biologin nur an der Stimme wieder. Lustig,sie hat ein Gesicht.
Auf Empfehlung suchte ich das Café Hygge- mir war dringend nach einem leckeren skandinavischen Teilchen und ich wurde nicht enttäuscht. Hätte es bestimmt auch allein geschafft, aber Teilen soll ja so glücklich machen.
Zurück zum Hotel ging es aus Gewohnheit noch über das National Museum. Ich werde es vermissen.
Dort hatte ich völlig vergessen, mir meine auserkorenen Ohrstecker zu kaufen.
Was,schon zu? Wir sahen von außen durch die Scheibe des Cafés grad noch,wie jemand die Glastür zum Museumsshop schloss. Jetzt aber flott. Ich sprang zum Eingangstresen und bettelte,ob es möglich wäre doch noch diese Ohrringe zu kaufen. Ich wüsste auch genau welche. Bitte!! Ja?
Na klar, dir liebe Isländerin sperrte den Shop auf, holte die Ringe raus, polierte sie während eine andere Frau die Kasse machte und blieb auch ganz entspannt während ich: " Oh dear,only 3% left,quick!' rief. Diese Kälte entzieht meinem Smartphone heute echt den Lebenssaft.
"Ach", zwitscherte sie, "das kenn ich. Schlimm ist es immer,wenn man in den Bus steigt und nicht zahlen kann."
Ich konnte, hatte aber schon Flo im Hintergrund erspäht,der zur Hilfe geeilt wäre.
Bargeld braucht man übrigens nicht auf Island. Außer,wenn man in der Kirche 'ne Kerze anzünden will.
Dani aus Chemnitz ,ein Reisebekannter erzählte uns heute morgen,dass er mal bar bezahlt hat und das junge Kassiermädle das wahrscheinlich zum ersten mal erlebt hatte. Geld rausgeben, war dann ein ebenfalls ein Erlebnis.
Zufrieden nicht nur ein Schaf aus einer Plastikbox gerettet, sondern auch Ohrringe aus einer Vitrine befreit zu haben, liefen wir wieder gemütlich an der Uni, den Wasservögeln im warmen Plantschewasser und am Rollfeld des Inlandsflughafens vorbei.
Die Sonne ging nun schon seit vier Stunden unter und das Licht war wieder eine einzige Show. Wenn die Sonne sich jetzt schon so ins Zeug legt,wie wird es erst in der Nacht?Læs mere






















Rejsende
Und die Damen hat's nicht dahingerafft bei dem Film?
Rejsende
Die saßen bestimmt strickend daheim...